Test: Harley Benton Fusion-T HH, E-Gitarre

5. Januar 2020

Harley Benton Tele - frisch aus dem Backofen!

Harley Benton Fusion-T HH E-Gitarre

Harley Benton Fusion-T HH E-Gitarre

Nachdem ich ja vor einiger Zeit bereits die Gelegenheit hatte, eine Strat-Type-Gitarre von Harley Benton mit „gerösteten“ Hölzern zu testen, steht nun eine Tele in den Startlöchern für einen genauen Check. Die Wärmebehandlung von Tonhölzern scheint sich von einem Trend zu einem festen Bestandteil der Hersteller bei der Entwicklung eines Instruments zu etablieren. Und das unabhängig davon, in welchen Preisregionen man sich befindet – es wird fleißig geröstet, sei es nun bei Cort in Korea, bei Ibanez, Jackson & Co in Japan, bei Charvel in den Staaten oder eben bei Harley Benton in Indonesien, wo die Harley Benton Fusion-T HH Roasted FNT E-Gitarre ihren Ursprung findet und jetzt zum Test bei uns gelandet ist.

Harley Benton Fusion-T HH

Harley Benton Fusion-T HH – Facts & Features

Die Form dieses Typs E-Gitarre dürfte wohl allseits bekannt sein. Im Gegensatz zum Original besitzt die Fusion-T HH Roasted FNT allerdings ein paar zusätzliche Fräsungen im Korpus, besonders auffällig sind da neben der „Bierbauchfräsung“ auf der Rückseite die Aussparungen rund um das Cutaway. Sowohl von vorne als auch von hinten wurde hier ein gutes Stück des Sapele-Bodys entfernt, sodass die Greifhand bis zum letzten Bund voll zum Zuge kommt. Ein kräftig geflammtes Riegelahornfurnier schmückt die absolute ebene Decke, sie wird von einem Naturholz-Binding an den Rändern umschlossen, was dem Eindruck einer massiven Decke in der Tat täuschend nahekommt.

Unsere Testgitarre besitzt das Finish „Gloss Flame Natural“, erhältlich ist die Fusion-T HH darüber hinaus noch in 5 weiteren Farben und Ausstattungen, dabei kann der Preis bis zu 100,- Euro günstiger sein. Das liegt an der Hardware-Ausstattung, denn die Gitarre gibt es sowohl mit einer festen Brücke als auch mit einem Wilkinson Vibratosystem. Unser Testmodell besitzt ein solches Vibrato und zählt damit zu den teuersten Modellen der Serie, was bei einem Ladenpreis von 399,- Euro aber immer noch recht schmeichelhaft klingt. Zum Vibratosystem gehört noch ein Satz Klemmmechaniken, was insgesamt zu einem mehr als befriedigenden Ergebnis hinsichtlich der Stimmstabilität beiträgt. Doch dazu kommen wir später noch genauer, zunächst betrachten wir mal den Hals, sozusagen das Herzstück unseres Arbeitsplatzes.

Der Hals

Hierfür wurde ein Stück kanadisches Ahorn verwendet und es scheint so, als sei das Holz wohl ganz schön lange im Ofen geblieben. Eine tiefbraune Färbung zeugt davon, auch wenn man das gleiche Ergebnis – oder zumindest ein ähnliches – mit einer Beize erreichen könnte. Aber man möchte ja niemandem etwas unterstellen und somit gehen wir mal davon aus, dass auch der Hals unserer Harley Benton Fusion-T HH in den Genuss dieses neuen Verfahrens gekommen ist. So oder so – an der Verarbeitung gibt es auch an dieser Stelle rein gar nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil: Durch das schlanke, fast schon zierliche Halsprofil, die griffige Satinlackierung sowie die gelungene Verarbeitung des Griffbretts und der Bundierung bietet die HB-Tele eine hervorragende Bespielbarkeit, die lediglich durch die ungünstige Saitenlage ab Werk etwas getrübt wird. Doch dank dem „barrierefreien“ Zugang zum Halseinstellstab am Halsfuß und das auf zwei Bolzen gelagerte Vibrato ist in wenigen Augenblicken ein perfektes Setting eingestellt.

Harley Benton Fusion-T HH Neck mit optimiertem Hals-Korpus-Übergang

Harley Benton Fusion-T HH Neck mit optimiertem Hals-Korpus-Übergang

Neben den Markenkomponenten wie etwa dem Wilkinson Vibrato finden wir einen weiteren bekannten Hersteller beim Sattel, der von Graph Tech stammt. Sicherlich trägt auch er dazu bei, dass es mit der Stimmstabilität so gut bestellt ist. Genau so wie auch die sechs verchromten Klemmmechaniken an der Kopfplatte, die überraschend präzise auf ihren Achsen laufen und somit das Stimmen ganz leicht machen. Eine echte Überraschung, wie gut dieses vintage Vibrato-System doch funktioniert, selbst an E-Gitarren mit dem dreifachen Preis ist so etwas schon eine echte Ausnahme. Sicherlich kann man es, wenn man es denn wirklich möchte, mit wildem Zerren am Hebel drauf ankommen lassen und ein paar Cent Verstimmungen ernten. Aber niemand kauft sich eine Telecaster, um darauf Heavy Metal zu spielen, oder?

Hinzu kommt der Vorteil, dass der Vibratohebel bloß locker eingesteckt werden kann, dabei aber trotzdem völlig ohne Spiel in seiner Buchse sitzt und somit nach Benutzung innerhalb einer Sekunde aus dem Aktionsradius der rechten Hand verschwunden ist. So und nicht anders soll es sein!

Harley Benton Fusion-T HH Wilkinson Vibrato

Harley Benton Fusion-T HH Wilkinson Vibrato mit erstaunlich standfesten Qualitäten

Pickups & Elektrik

Tonabnehmer von Roswell sind seit geraumer Zeit auf nahezu allen Instrumenten von Harley Benton zu finden, so auch hier. Meine Erfahrungen mit diesen Pickups sind eher durchwachsen, ich hatte ja bereits öfters die Gelegenheit, Roswell-Pickups in diversen Instrumenten von HB zu begutachten. Die hier verbauten Typen unterscheiden sich geringfügig in ihrer Bezeichnung, der Humbucker am Hals trägt ein „N“ für „Neck“ in seinem Namen (LAF-N-CR Alnico-5), der Kollege am Steg dagegen ein „B“ für „Bridge“, was sich folgerichtig als LAF-B-CR Alnico-5 darstellt.

Geschaltet wird über einen knackig einrastenden Dreiwegeschalter, ein wunderbar weich laufendes Volume-Poti sowie ein Push/Pull-Tone-Poti zur Aktivierung des Singlecoil-Modus bilden den Abschluss der Elektronik. Klasse, dass hier auch an eine Einspulerschaltung der beiden Humbucker gedacht wurde, damit wird die Harley Benton Fusion-T HH Roasted FNT E-Gitarre zweifellos noch ein Stück weit flexibler im Klang!

Harley Benton Fusion-T HH Pickups

Schaltzentrale mit Singlecoil-Option

Die geröstete Tele in der Praxis!

Stetig geht es voran mit der Qualität der E-Gitarren von Harley Benton, ich kann mich da immer nur wiederholen. Auch das hier ist erneut eine echte Überraschung, denn die Harley Benton Fusion-T HH klingt und spielt sich wie ein Instrument der 1000-Euro-Klasse und da lehne ich mich garantiert nicht zu weit aus dem Fenster. Sicherlich gibt es hier und dort ein paar kleine Mängel im Klangbild: ein etwas schwaches Sustain in den oberen Lagen etwa oder dass die Pickups im Singlecoil-Modus nicht unbedingt an die Wand drücken. Hinsichtlich ihrer Bespielbarkeit, der gebotenen Dynamik und dem Sound der Pickups, vor allem im Overdrive-Mode, wird es hier bestimmt keine zwei Meinungen geben.

Die verzerrten Sounds sind genau ihr Metier und da passt es natürlich ganz gut, dass die zwei Roswell-Humbucker sich mit Nebengeräuschen sehr zurückhalten und zudem recht resistent gegen Matschen bei hohen Gain-Settings sind. So drückt der Steg-Pickup ein ordentliches Pfund ab, mit einem präzisen und klaren Mittenbild. Der Roswell am Hals hingegen bietet sich ideal an für ultrafette, singende Leadlines, die von dem durchaus resonanten Grundsound der Konstruktion profitieren.

Über das Vibrato-System habe ich weiter oben schon berichtet, zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Wilkinson Vibrato in dieser (stabilen) Form die Harley Benton Fusion-T HH E-Gitarre noch einmal deutlich aufwertet und die Mehrausgabe gegenüber dem Modell mit fester Brücke daher vollkommen gerechtfertigt ist.

Harley Benton Fusion-T HH Kopfplatte-Headstock

Die Klangbeispiele

Für den Praxis-Check habe ich wie immer meinen Referenz-Amp Orange Micro Dark benutzt. Der Amp war mit einer Celestion 1×12″ Vintage 30 Box gekoppelt und wurde durch ein AKG C3000 Mikrofon abgenommen. Als Effekt ist ganz schwach das Signal eines Delays zu hören und aufgenommen wurden die Tracks mit Logic Audio.

Fazit

Bei diesem Verkaufspreis und der gebotenen Qualität hinsichtlich Klang, Bespielbarkeit und Verarbeitung kann bzw. muss man der Harley Benton Fusion-T HH einfach die Bestnote verpassen. Mit jeder Generation von Instrumenten steigt die Qualität der Instrumente aus dem Hause Thomann deutlich an und macht den renommierten Herstellern am Markt ganz schön Feuer unter dem Hintern. Zu Recht!

Plus

  • Verarbeitung
  • Klang
  • Bespielbarkeit
  • TOP Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Singlecoil-Sounds etwas dünn

Preis

  • 399,- Euro
Klangbeispiele
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