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Test: Harley Benton Fusion-T II HH MN OTC, E-Gitarre

Die Tele mit der zweiten Ebene

13. September 2026
Harley Benton Fusion-T II HH MN OTC Aufmacher

Test: Harley Benton Fusion-T II HH MN OTC. Titelbilder KI-generiert.

Die Fusion-Serie von Harley Benton steht schon länger für Gitarren, die sich optisch an bekannten Klassikern orientieren, unter der Haube aber deutlich moderner unterwegs sind. Mit der Harley Benton Fusion-T II HH MN OTC geht diese Entwicklung nun in die zweite Runde. Auf den ersten Blick bleibt es bei der vertrauten Tele-Silhouette, technisch hat Harley Benton die zweite Generation allerdings an einigen Stellen ordentlich aufgerüstet: Tesla Opus-Humbucker, Babicz-Vibrato, 24 Edelstahlbünde und ein Compound-Radius-Griffbrett gehören zum neuen Ausstattungspaket. Dazu kommt eine erweiterte Schaltung mit dem „Alter-Switch“, der den beiden Humbuckern zusätzliche Klangvarianten entlocken soll.

Kurz & knapp

Worum geht es?

Die Harley Benton Fusion-T II HH MN OTC ist eine moderne T-Style-E-Gitarre aus der Pro Series mit zwei Tesla-Humbuckern, Babicz-Vibrato und einer umfangreichen Schaltung inklusive Alter-Switch.

  • Verarbeitung: Sehr sauber verarbeitet, perfekt abgerichtete Edelstahlbünde und solide Hardware.
  • Spielgefühl: Ausgewogenes Gewicht, angenehmes Modern-C-Halsprofil und sehr guter Zugang zu den hohen Lagen.
  • Sound: Kraftvolle Humbucker mit fünf gut nutzbaren Grundsounds; der Alter-Switch liefert zusätzliche, deutlich Singlecoil-lastigere Varianten.
  • Vibrato: Butterweich und präzise zu bedienen, die Stimmstabilität geht in Ordnung, ist aber nicht perfekt.
  • Fazit: Eine erstaunlich erwachsene Gitarre mit hochwertiger Ausstattung und nur wenigen echten Schwachpunkten.
Bewertung
Finger WegUngenügendBefriedigendGutSehr GutAusgezeichnetNicht bewertet
Sound
Finger WegUngenügendBefriedigendGutSehr GutAusgezeichnetNicht bewertet
Verarbeitung
Finger WegUngenügendBefriedigendGutSehr GutAusgezeichnetNicht bewertet
Preis/Leistung
Gesamtbewertung
3.7 / 5.0
Finger WegUngenügendBefriedigendGutSehr GutAusgezeichnetNicht bewertet

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Harley Benton Fusion-T II HH MN OTC

Bei einem Preis von rund 450,- Euro darf man allerdings die Frage stellen, wo bei einer solchen Gitarre tatsächlich gespart wurde. Denn schon beim ersten Anfassen hinterlässt die Fusion-T II einen erstaunlich erwachsenen Eindruck. Schauen wir uns die meergrüne Heavy-Tele daher mal ganz genau an.

 Harley Benton Fusion-T II HH MN OTC front

Harley Benton Fusion-T II HH MN OTC

Facts & Features

Wie auch schon beim Vorgänger besteht der Korpus der Harley Benton Fusion II HH Tele aus dem mahagoniähnlichen Nyatoh. Die Decke wird von einem tiefgrünen Metalliclack bedeckt, die Rückseite des Korpus ist dagegen nur mit einer Klarlackschicht versehen. Ein Naturholzbinding rund um die Decke trennt Vorder- und Rückseite voneinander. Shapings gibt es auch wieder jede Menge: Hinten findet sich die allseits bekannte „Bierbauchfräsung“ zusammen mit einem neu entwickelten Hals-Korpus-Übergang und auf der Decke kann der Unterarm bequem am Rand des Korpus abgelegt werden.

 Harley Benton Fusion-T II HH Neck Joint

Ergonomisch designter Hals-Korpus-Übergang

Der tiefgrüne Metallic-Lack unseres Testinstruments trägt die Bezeichnung „Ocean Turquoise Gloss“. Erhältlich ist die Fusion II Tele darüber hinaus noch in vielen weiteren Farben und zum Teil auch mit Decken aus Wölkchenahornfurnier oder aktiven Pickups von keinem Geringeren als EMG an Bord.

Pickups ist ein gutes Stichwort, denn auch die Fusion-T II HH MN OTC besitzt natürlich solche. Auch hier fand ein Upgrade statt: Waren es im Vorgängermodell noch zwei Humbucker von Roswell mit 3-Wege-Schalter und Coil-Split-Option, so ist die aktuelle Fusion II Tele mit zwei Doppelspulern von Tesla und einer deutlich erweiterten Schaltung ausgestattet. Dazu gehört neben einem 5-Wege-Schalter der „Alter-Switch“, der zwischen Volume- und Tone-Poti untergebracht ist und beim Zuschalten quasi eine „zweite Klangebene“ erzeugt. Das folgende Bild der Schaltung sagt mehr als tausend Worte:

Harley Benton Fusion-T II HH MN OTC - Schaltung

Harley Benton Fusion-T II HH MN OTC, Schaltung

In der Theorie sind das eine Menge Sounds, die man erzeugen kann. Ob und wie die sich nutzen lassen, werden wir im Praxisteil noch erfahren.

Hardware

Beim Vibrato kommt eine eher ungewöhnliche Konstruktion zum Einsatz. Das Babicz FCH 2-Point Tremolo arbeitet mit den sogenannten eCAM-Saitenreitern, die über eine große Kontaktfläche mit der Bridge verbunden sind und sich separat in Höhe und Intonation einstellen lassen. Die Z-Series verwendet dabei eine Stahlgrundplatte und eine Verriegelung pro Saitenreiter.

Das klingt zunächst nach ziemlich viel Technik für ein Vintage-Vibrato – in der Praxis fällt aber vor allem die angenehm weiche Arbeitsweise des Systems auf. Dazu kommt der gesteckte Vibratohebel, der ohne jegliches Spiel in seiner Buchse sitzt und nach Benutzung ganz fix aus dem Aktionsradius der rechten Hand verschwindet. Prima, so soll es sein! Am anderen Ende der Drähte sitzen sechs Jinho JN-07 Staggered Locking-Mechaniken, die wie die gesamte Hardware verchromt wurden. Die Saiten werden über einen 42 mm breiten TUSQ-Sattel und zwei String-Trees zu den Tunern geführt.

Kopfplatte mit den sechs Jinho JN-07 Staggered-Locking-Mechaniken

Um ehrlich zu sein: Ich hätte nicht gedacht, dass das System so gut funktioniert. Klar, wie bei einem Floyd Rose sollte man nicht am Hebel reißen, für dezenten Einsatz aber ist das Babicz eine feine Sache. Jeder noch so kleine Impuls mit dem Hebel wird sofort umgesetzt, so lassen sich Akkorde oder Soli wunderbar mit Leben füllen.

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Hals & Bundierung

Ein Roasted-Maple-Neck gehört ja fast schon zum Standard heutzutage und auch unsere Harley Benton Fusion-T II HH MN OTC besitzt einen Hals aus wärmebehandeltem Ahorn. Dazu wurde ein Griffbrett aus demselben Material mit 24 Blacksmith-Edelstahlbünden aufgeleimt. Die Verarbeitung der Bünde ist grandios ausgefallen – nichts schabt, piekt oder scheppert auf der gesamten Länge des Griffbretts. Das hat einen Compound-Radius, d. h., der Radius wird auf dem Weg nach oben etwas flacher. Das Verhältnis beträgt 12″ zu 16″ bzw. 305 zu 406 mm. Der stärkere Radius in den tiefen Lagen kommt dem Akkordspiel entgegen, während das nach oben hin flacher werdende Griffbrett insbesondere Bendings und eine niedrige Saitenlage in den höheren Lagen begünstigt.

Etwas Luxus gibt es noch dazu: So sind die Side-Dots am Rand des Griffbretts illuminiert, die Circle-Dots auf dem Griffbrett wiederum fallen eher durch ihr dezentes Äußeres auf und passen wunderbar zur kaffeebraunen Farbe des Holzes.

Ein Zwischenfazit

Bis hierhin hinterlässt die Fusion-T II einen ausgesprochen positiven Eindruck. Verarbeitung, Bundierung und Hardware bewegen sich für eine Gitarre dieser Preisklasse auf einem bemerkenswert hohen Niveau. Auch das Babicz-Vibrato macht bereits einen sehr guten Eindruck und arbeitet erfreulich präzise und weich.

Interessant wird es nun bei der Elektronik: Die Tesla-Humbucker und die ungewöhnlich umfangreiche Schaltung versprechen eine Menge Möglichkeiten. Ob die Fusion-T II diese auch am Verstärker sinnvoll umsetzen kann und welchen praktischen Nutzen der „Alter-Switch“ tatsächlich hat, wird sich im folgenden Praxisteil zeigen.

Die Harley Benton Fusion-T II in der Praxis

Trocken angespielt bietet die Fusion II Tele einen ausgewogenen Klang mit einem guten Attack und ausreichendem Sustain. Das Halsprofil ist keines von der ganz schlanken Sorte, es gibt schon ordentlich „Fleisch“ zum Greifen. Fans von Hälsen der 60er- und 70er-Jahre werden sich hier schnell wohlfühlen, Spieler mit Vorlieben für High-Speed-Bretter à la Jackson, Ibanez RG & Co. wohl eher nicht. Dennoch kann das Spielgefühl gefallen, denn die nur satinierte Halsrückseite neigt in keiner Sekunde zum Kleben.

Am Amp angeschlossen präsentiert sich der Sound der zwei Tesla-Humbucker als kraftvoll und strahlend, allerdings mit Nebengeräuschen, die je nach Zerrstufe entsprechend zunehmen. Ohne aktivierten Alter-Switch stehen bereits fünf Grundsounds zur Verfügung, die für Blues, Rock oder Metal gut geeignet sind. Auch die Singlecoil-Positionen (Schalterpositionen 2 und 4) lassen sich gut für unverzerrte Sounds nutzen. So glockig und warm wie „echte“ Single-Coils klingt es zwar nicht, brauchbar ist das gebotene Klangspektrum aber auf jeden Fall.

Harley Benton Fusion-T II HH MN OTC

Schaltzentrale mit dem Alter-Switch, eingebettet zwischen Volume- und Tone-Poti

Aber was ist nun mit dem Alter-Switch und der „zweiten Ebene“? Ehrlich gesagt, hätte ich mir da mehr erhofft. Der Druck und die Dynamik der Sounds, die hier geboten werden, fallen gegenüber der ersten Ebene doch deutlich ab. Insgesamt wirkt es so, als würde man die Leistung der Pickups auf die Hälfte drosseln, während die Nebengeräusche noch stärker wahrnehmbar sind. Besonders für verzerrte Sounds wird es hier in der „B-Ebene“ daher schwierig. Bei unverzerrten Sounds hingegen könnte man diese „Out-of-Phase-artigen“ Klänge gut für Ambient oder das eine oder andere Solo im 70s-Classic-Rock-Style einsetzen.

Wer diese alternativen Sounds trotz der Einschränkungen dennoch nutzen möchte, sollte auf diesen Lautstärkeverlust vorbereitet sein und seinen Amp bzw. das Patch im Multi-FX/Modeler mit entsprechend höherem Pegel versehen.

Harley Benton Fusion-T II, Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die Fusion-T II zusammen mit einem Mesa/Boogie Studio 22 Combo genutzt. Als Mikrofon kam ein AKG C3000 zum Einsatz, aufgenommen wurden die Tracks in Logic Audio ohne weitere Effekte.

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Mehr Informationen

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Klangbeispiele
Fazit

Die Harley Benton Fusion-T II HH MN OTC zeigt eindrucksvoll, wie viel Gitarre heutzutage für rund 450,- Euro zu bekommen ist. Verarbeitung, Bundierung, Bespielbarkeit und die Hardware mit dem Babicz-Vibrato können sich auch im Vergleich mit deutlich teureren Instrumenten sehen lassen. Die Tesla-Humbucker liefern ein recht breites Klangspektrum, auch wenn die zusätzlichen Sounds des Alter-Switches nicht überzeugen können. Wer eine günstige T-Style mit ordentlich Druck, guter Ausstattung und eigenständigem Look sucht, sollte sich die Fusion-T II definitiv einmal näher ansehen.

Plus

  • sehr gut verarbeitet
  • flexible Sounds
  • gute Bespielbarkeit
  • solide Hardware
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Pickups nicht ganz brummfrei
  • Sounds im Alter-Switch-Modus nur begrenzt nutzbar

Preis

  • 449,- Euro
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Über den Autor
Profilbild

Stephan Güte RED

Seit den frühen 80ern an den Drähten, die die Welt bedeuten. Musikalisches Mädchen für alles, sei es nun das Produzieren im Studio oder für Engagements als Bühnenmusiker. Seit 2004 im Team von Amazona.

Klangbeispiele
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