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Test: Harley Benton HB-35 Plus Gun Metal Blue, E-Gitarre

Die günstige Alternative zur ES335

30. November 2025

Harley Benton HB-35 Plus Aufmacher

Die Harley Benton HB-35 Plus von Thomanns Hausmarke dürfte insbesondere für Fans eines kraftvollen, warmen, bluesigen bzw. jazzigen Tons interessant sein. Wer bereits mit einer Semiakustik im ES335-Style liebäugelt, aber nicht den Preis einer Gibson etc. aufbringen kann bzw. möchte, könnte sich hier für erfreulich kleines Geld eindecken. Allerdings dürfte auf der Hand liegen, dass man für den Preis von knapp über 200,- Euro keine Qualität erwarten darf, die mit der einer USA-Gibson mithalten kann. Der erste Eindruck nach dem „Unboxing“ ist eindeutig vielversprechend, schauen wir nun genauer hin.

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Kurz & knapp
  • Was ist es? Harley Benton HB-35 Plus – Semi-Hollow im ES-335-Stil mit Sustain-Block und Coil-Split.
  • Korpus & Construction: Laminierter Ahornkorpus mit Mahagoni-Mittelblock; Gewicht ca. 3,6 kg.
  • Pickups: Roswell Alnico-5 Humbucker, beide splitbar über Push/Pull-Volume-Potis.
  • Ausstattung: 22 Jumbo-Bünde, Lorbeergriffbrett, vergoldete Hardware, 3-Wege-Switch; inkl. Instrumentenkabel.
  • Sound & Einsatz: Warm, bluesig, jazzig; Coil-Split bringt schlankere Sounds – transparent genug, aber kein „High-End“.
  • Schwachstellen: Werkseitig hohe Saitenlage, unpolierte Bünde, teilweise korrodierte Saiten.
  • Preis (ca.): 200,- Euro.
  • Fazit: Starke Preis-Leistung für Einsteiger und Blues/Jazz-Fans – braucht ein Setup, klingt aber erstaunlich gut.

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Harley Benton HB-35 BK Vintage Series
Harley Benton HB-35 BK Vintage Series
Kundenbewertung:
(216)

(Anm. der Redaktion: Manchmal ist die Zeit einfach der Endgegner. Das hier vorgestellte Instrument ist in dieser Form leider schon gar nicht mehr lieferbar, was bei diesem Preis-Leistungs-Verhältnis auch nicht verwundert. Trotzdem haben wir uns entschieden, den Test zu veröffentlichen, denn er ist aussagekräftig genug, um auch der „Schwesterserie“ HB-35 gerecht zu werden, deren Features sich nicht grundsätzlich unterscheiden. Und wer weiß, vielleicht hört man bei Harley Benton ja den Ruf nach Wiederauflage)

Harley Benton HB-35 Plus – Facts & Features

Die Gitarre ist gemäß dem Vorbild eine Semi-Hollow-Bauform mit F-Löchern und Sustain-Block. Ihr Gewicht geht mit ca. 3,6 kg absolut in Ordnung. Die Gitarre wird aufgrund des Taschengeld-Preises erwartungsgemäß ohne Koffer bzw. Gigbag ausgeliefert. Allerdings wäre dieses Modell auch als Set inkl. Gigbag zu erwerben. Das Instrument wäre auch noch in weiteren Farben, die eher die klassischen Varianten abdecken, erhältlich. Unsere Testkandidatin wirkt durch ihre progressive Farbgebung eher modern. Im Lieferumfang befindet sich netterweise auch ein Instrumentenkabel.

Harley Benton HB-35 Plus, Body 3

Die extrem günstige Alternative zum Original

Korpus

Der Korpus besteht aus Ahorn. Man darf durchaus anmerken, dass die Gitarre aus laminiertem Ahorn hergestellt wurde und nicht etwa massives Ahorn zur Verwendung kommt. Dies trägt zur Stabilität der Decke und des Bodens bei, denn wenn die schmaleren Holzteile im 90-Grad-Winkel verleimt werden, können sie sich nicht verziehen.

Der mittig eingeleimte Sustain-Block aus Mahagoni verhindert zuverlässig ungewolltes Feedback. Wer den Gain-Regler seines Verstärkers gerne mal etwas weiter aufreißt bzw. gerne lauter spielt, weiß das zu schätzen.

Der Korpus wird von einem Binding umrahmt. Handwerklich wurde hier solide gearbeitet. Dies gilt gleichfalls für die Lackierung.

Harley Benton HB-35Plus, Body 4

Mal etwas anderes: Gun Metal Blue

Hals

Die Mensur der Harley Benton HB-35Plus fällt mit 628 mm gemäß dem Vorbild aus, ebenso die Sattelbreite von 42 mm und der 12″ (305 mm) Griffbrettradius, die 22 Bünde sind angenehm fett und hoch. Die Bünde wurden einwandfrei eingesetzt und abgerichtet. Das abschließende Polieren wurde dagegen nicht sorgfältig erledigt (siehe Absatz Handling).

In das Griffbrett aus Lorbeer wurden Block-Griffbretteinlagen implementiert. Diese kennt man vom Vorbild und ist meist der gehobeneren Custom-Variante vorbehalten.

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Ein Double Action Halsstab (von der Kopfplatte zugänglich) ermöglicht das leichte Einstellen der Halsspannung. Diese war werksseitig bereits perfekt justiert.

Der eingeleimte Hals aus kanadischem Ahorn ist recht massig und könnte vermutlich nicht jedem zusagen. Dieser wurde rückseitig in Korpusfarbe lackiert. Die Form der Kopfplatte orientiert sich stark am Vorbild, wurde jedoch nicht zuletzt aus rechtlichen Gründen leicht abgewandelt.

Harley Benton HB-35Plus, Kopf

Matched Headstock. Kopf, Halsrückseite und Korpus gleichfarbig lackiert

Elektrik & Hardware

Die Elektrik der HB-35Plus entspricht quasi dem Vorbild, allerdings verfügen beide Volume-Regler über eine Push/Pull-Funktion, die den korrespondierenden Pickup splittet. Somit sind auch schlankere Sounds möglich, die klangliche Palette des Instruments wird dadurch deutlich erweitert. Jeder Tonabnehmer besitzt auch seine eigene Klangregelung. Der 3-Wege-Schalter ermöglicht, beide Tonabnehmer separat anzuwählen oder in der Mittelstellung parallel zu betreiben. Durch die Coil-Splits lassen sich eine Vielzahl an Klangvarianten verwirklichen, denkt man auch daran, mit den Klangreglern zu experimentieren.

Harley Benton HB-35Plus, Decke

Vergoldete Hardware, „Bodypainting“ eher modern

Die verwendeten Roswell-Tonabnehmer (Alnico 5 Humbucker mit Kappen) lösten bei Tests in der Vergangenheit nicht gerade Freudenstürme aus, da diese als wenig transparent gelten und verzerrt schnell mal „matschen“ können. Aber bei diesem Kampfpreis ist klar, dass irgendwo Einsparungen vorgenommen werden müssen. Wie man später in den Klangbeispielen feststellen wird, ist der Sound absolut in Ordnung, wenn auch „kein oberstes Regal“.

Die Hardware (Tune-O-Matic Steg, Stop-Tailpiece und die geschlossenen DieCast-Mechaniken) wurde vergoldet, was der Gitarre fast einen „noblen Touch“ verleiht. Die Klinkenbuchse wurde an der Zarge und nicht auf der Decke montiert, was möglicherweise auch die bessere Variante ist, da man dann instrumentenseitig keinen gewinkelten Klinkenstecker benötigt.

Handling

Ab Werk wurde die Gitarre mit einem „Satz .010-er“ bespannt. Die Saiten meines Testobjekts lechzten nach Austausch, da sie teilweise bereits korrodiert waren. Wechselte man die Saiten, könnte man auf das Griffbrett auch gleich etwas Öl auftragen, da es sich trocken anfühlt. Setzt man Vibrato bzw. String-Bending ein, ist ein schabendes Geräusch wahrzunehmen. Die Bünde wurden demnach nicht sauber poliert, was sich sicherlich mit einer klaren Ansage an die Endkontrolle aus der Welt schaffen ließe.

Die Saitenlage war zu hoch (kommt bei Testinstrumenten leider häufiger vor), noch stimmte die Oktavreinheit. Das kannte ich bis dahin von Harley Benton so nicht, im Gegenteil, die heutige Testkandidatin stellt aus meiner langjährigen Test-Erfahrung damit eher die Ausnahme dar. Vermeidbar wäre es. Die Kerben des Sattels waren erfreulicherweise ausreichend tief gesägt, also muss nicht viel getan werden, um dem Instrument zu einer perfekten Bespielbarkeit zu verhelfen.

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Mehr Informationen

Die Potis wirken wertig und leisten beim Drehen den gewünschten, leichten Widerstand. Das Umschalten auf Singlecoil-Betrieb gestaltet sich suboptimal, da die Poti-Knöpfe so tief liegen, dass man mit den Fingern kaum daruntergelangt, um diese anzuheben.

Sound

Hören wir zunächst den Hals-Tonabnehmer als Doppelspuler mit einigen bluesigen Linien. Der Klangregler ist voll aufgedreht, obwohl das folgende Klangbeispiel auch weniger Höhen ertrüge:

Nun „ge-splittet“ bzw. Singlecoil (SC), der Klang wird schlanker und besitzt dann naturgemäß etwas weniger Ausgangspegel:

Beide Tonabnehmer parallel (beide Humbucker) könnten folgendermaßen klingen:

In folgendem Beispiel hören wir den Steg-Tonabnehmer zunächst als Singlecoil. Nach 16 Sek. wird dann auf Humbucker geschaltet:

Wir hören die Gitarre auf dem Hals-Tonabnehmer durch den verzerrten Kanal meines Peavey Classic 20 MH. Der Sound ist schön cremig:

Der Steg-Tonabnehmer (Humbucker) liefert ordentlich Biss und Durchsetzungsvermögen:

Signalweg: Harley Benton HB-35Plus – Peavey Classic 20 Minihead – MESA/Boogie 1 × 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Sennheiser e906 – MOTU M4 – Mac Studio mit Logic

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Fazit

Die Harley Benton HB-35 Plus schlägt sich klang- und verarbeitungstechnisch ausgezeichnet. Die Qualität der Tonabnehmer geht gemessen am Taschengeld-Preis völlig in Ordnung. Für kleines Geld wird hier erstaunlich viel Gutes geboten. Die Gitarre ist eine ausgezeichnete Wahl für Einsteiger und Fortgeschrittene bis hin zum Semi-Profi. Lediglich das lieblose Werks-Setting verhindert die Note „sehr gut“.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Coil-Split
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Werkseinstellung

Preis

  • 199,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Ragutini

    Nur schade, dass es die Harley Benton HB-35Plus bei Thomann nicht gibt.
    „Leider ist das Produkt Harley Benton HB-35Plus Gun Metal Blue w/Bag nicht mehr im Sortiment.“ und „Ihre Suche nach „Harley Benton HB-35Plus“ brachte keine Ergebnisse“

  2. Mehr anzeigen
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