Reverb für Sparfüchse
Das Harley Benton MiniStomp Deep Blue bietet drei einfache Reverb-Sounds im Miniformat und zeigt, wie viel Hall für unter 40,- Euro möglich ist.
- Formfaktor: winziges Metallgehäuse, robust, leicht und Pedalboard-freundlich
- Sounds: Room und Spring solide, Shimmer nur eingeschränkt nutzbar
- Bedienung: drei Regler und ein Schalter, True-Bypass, einfach und direkt
- Fazit: für knapp 40,- Euro ein brauchbarer Hall für Üben, Homerecording und kleine Setups
Inhaltsverzeichnis
Harley Benton MiniStomp Deep Blue – Reverb im Hosentaschenformat
Die Thomann-Hausmarke Harley Benton dominiert seit Jahren den Einsteiger- und Budget-Bereich und sorgt regelmäßig für Diskussionen in den Foren. Von Gitarren über Amps bis hin zu Effektgeräten: Kaum ein Segment bleibt unberührt. Mit der MiniStomp-Serie bringt Harley Benton winzige Effektpedale in stabilen Metallgehäusen auf den Markt – gedacht für alle, die wenig Platz auf dem Board haben oder einfach unkomplizierte Sounds zum kleinen Preis suchen. Das Harley Benton MiniStomp Deep Blue ist der Reverb der Reihe und verspricht drei Hallvarianten im Hosentaschenformat. Was man für den geringen Preis erwarten darf, werden wir im folgenden Review klären.
Facts & Features
Das Harley Benton MiniStomp Deep Blue ist ein digitales Hallpedal in einem massiven Metallgehäuse. Mit 92 x 38 x 32 mm und 133 g Gewicht ist es so klein, dass es fast untergeht, bleibt aber dank seiner soliden Bauweise robust genug für den Alltag. True-Bypass sorgt dafür, dass das Signal unverfälscht bleibt, wenn der Effekt ausgeschaltet ist.
Das Pedal bietet drei Modi, die über einen Mini-Schiebeschalter angewählt werden: Room, Spring und Shimmer. Geregelt wird mit drei Potis, wobei „Mix“ das Mischverhältnis zwischen Original- und Effektsignal bestimmt, „Decay“ die Halldauer regelt und „Tone“ das Hallsignal je nach Wunsch hell oder dunkel filtert. Die drei Regler hinterlassen einen guten Eindruck, insbesondere die Mini-Potis „Mix“ und „Tone“ wirken überraschend robust. Auch der 3-Wegeschalter rastet sauber mit einem deutlichen Knacken in seinen Positionen ein. Gleiches gilt für den Decay-Regler – als wichtigster Regler bEsitzt er einen großen Knopf, der sich komfortabel mit zwei oder drei Fingern umschließen lässt und somit nuancierte Einstellungen ermöglicht.
Hinzu kommt der Fußschalter mit roter Status-LED, der wie erwartet kein Softklick-Typ, sondern ein ganz normaler mechanischer Schalter ist und entsprechend Geräusche von sich gibt, wenn man den Effekt an- bzw. ausschaltet. Die rote LED ist leuchtstark genug, um auch bei Tageslicht entdeckt zu werden. Anschlussseitig gibt es je einen 6,3 mm Klinkenein- und -ausgang, Strom bezieht das Harley Benton MiniStomp Deep Blue über ein 9V DC Netzteil (Minus innen, nicht im Lieferumfang enthalten).
Ein Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen – wo sollte der 9-Volt-Block bei derart kleinem Formfaktor denn auch Platz finden? Der Stromverbrauch ist mit 20 mA minimal und damit überhaupt kein Problem für Mehrfachnetzteile, wie sie ja in aller Regel auf unser aller Pedalboards gerne verwendet werden. Soweit zu den Facts, kommen wir nun zum Praxis-Check.
Das Harley Benton MiniStomp Deep Blue in der Praxis
Im Praxistest zeigt sich das MiniStomp Deep Blue als typischer Vertreter seiner Preisklasse – kompakt, unkompliziert und auf das Wesentliche reduziert. Die beiden Basis-Modi Room und Spring liefern für den Preis solide Ergebnisse. Room sorgt für eine dezente Räumlichkeit, die Gitarrensound ohne große Färbung breiter wirken lässt. Spring bringt ein wenig Vintage-Charme ins Spiel, allerdings ohne das authentische „Drip“ echter Federhalls. Bei beiden Modi gilt: Weniger ist mehr. Dreht man das Mix-Poti zu weit auf, verliert das Signal schnell an Transparenz und wirkt blechern, was besonders bei cleanen Sounds auffällt. In moderaten Einstellungen können beide Modi aber durchaus den Hall eines Verstärkers ersetzen und werten gerade einfache Setups hörbar auf.
Der Shimmer-Modus dagegen konnte im Test nur eingeschränkt überzeugen. Schon bei mittleren Einstellungen klingt er leicht verstimmt und kann dem Signal eine unnatürliche Färbung geben. Sinnvoll einsetzen lässt er sich eigentlich nur sehr dezent über den Mix-Regler, um eine subtile Schicht oberhalb des Grundsounds hinzuzufügen. Wer hier sphärische Ambient-Sounds oder hochwertige Studioqualität erwartet, wird enttäuscht – in dieser Preisklasse ist das schlicht zu viel verlangt.
Positiv fällt die Bedienung auf. Drei Regler und ein Schalter – mehr braucht es nicht. Alle Bedienelemente arbeiten präzise und ohne mechanisches Spiel und der True-Bypass funktioniert einwandfrei. Allerdings tritt beim Ein- und Ausschalten ein deutlich hörbares Knacken auf, das sich bei höheren Lautstärken oder empfindlichen Verstärkern störend bemerkbar machen kann. In dieser Preisklasse ist das kein Drama, aber man sollte es wissen.
Das massive Metallgehäuse macht einen robusten Eindruck und das Pedal ist mit 133 g angenehm leicht. Durch seine kompakte Bauweise passt es auch auf überfüllte Pedalboards. Man sollte es aber realistisch einordnen: Für knapp 40,- Euro bietet das MiniStomp Deep Blue eine brauchbare Grundausstattung an Halleffekten zum Üben, fürs Homerecording oder als einfacher Raumsimulator für günstige Gitarren-Amps, die über keinen eigenen Hall verfügen. Für den professionellen Einsatz ist es jedoch zu limitiert und klanglich einfach nicht ausreichend, um dauerhaft einen realistisch klingenden Hall zu erzeugen. Doch was erzähle ich hier, hören wir einfach mal rein, wie das kleine blaue Kistchen so klingt.
Harley Benton MiniStomp Deep Blue – Klangbeispiele
Für die folgenden Klangbeispiele habe ich das Harley Benton MiniStomp Deep Blue in den Effektweg meines Orange Micro Dark Tops geschaltet. Als Box kam eine 1× 12″ Celestion Vintage 30 zum Einsatz, vor der ein AKG C3000 Mikrofon in Position gebracht wurde. Eingespielt wurden die Tracks mit einer Harley Benton Superstrat.







































