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TEST: Harley Benton Overdrive Custom Line OD-5

Solider Overdrive fürs ganz kleine Geld

27. Juli 2025

Das Harley Benton Overdrive OD-5 überzeugt durch ein geradezu absurd gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer denkt, dass ein Pedal für 39,- Euro nicht klingen kann, wird hier schnell eines Besseren belehrt.

Kurz & knapp

  • Preis-Leistung: Extrem günstiges Overdrive-Pedal mit erstaunlich guter Klangqualität.
  • Verarbeitung: Robustes Stahlgehäuse und hochwertige Potis sorgen für einen sehr wertigen Eindruck.
  • Clean-Blend: Flexibles Mischen von Clean- und Overdrive-Signal möglich, erfordert aber Fingerspitzengefühl.
  • Klangqualität: Produziert warme, definierte Overdrive-Sounds mit ausreichend Bandbreite.
  • Kritikpunkt: Clean-Boost klingt bei starker Anhebung unsauber, leichte Popp-Geräusche beim Einschalten.

Bewertung

Harley Benton OD-5 Overdrive

Finger WegUngenügendBefriedigendGutSehr GutAusgezeichnetNicht bewertet
Bewertung des Autors
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Die ersten 5 Minuten mit dem Harley Benton Overdrive

Bei einem Overdrive für unter 50,- Euro denkt man schnell, man könnte nicht viel erwarten. Jedoch gab es bereits Anfang der 200oer ein grünes Zerrpedal für den schmalen Geldbeutel, das ordentlich für Furore gesorgt hat. Deshalb sollte man hier erst mal alle Vorurteile zur Seite schieben und lieber gut zuhören – vielleicht hält man hier den nächsten Boutique-Killer in den Händen!

Beim Auspacken muss man dann auch direkt mal festhalten, dass sowohl Optik als auch Haptik einen ersten Hinweis darauf geben, dass hier trotz des günstigen Preises Wert auf Qualität gelegt wird. Hier passt erst mal wirklich alles. Stahlgehäuse, sehr schicke Lackierung, stabile und wertig wirkende Potis – wow! Auch wenn es sich beim Harley Benton Custom Line OD-5 Overdrive ganz klar um ein Overdrive-Pedal für Einsteiger handelt, muss man Folgendes sagen: Würde nicht so prominent Harley Benton draufstehen, hätte ich allein vom Anschauen mit dem doppelten Preis gerechnet!

Line Check

Bei so einem positiven Ergebnis wünsche ich mir natürlich, dass uns das OD-5 Overdrive beim Line-Check nicht im Stich lässt. Also Gitarrenkabel ran, Amp warmlaufen lassen und einfach mal einschalten. Die Regler stehen alle so grob auf 12 Uhr und was ich da so höre, lässt mich vorerst wieder dran zweifeln, ob das Pedal wirklich so günstig ist. Einen guten Vibe verbreitet es schon mal direkt und macht dadurch noch mehr Lust auf den folgenden Testbericht.

Harley Benton Custom Line OD-5 – Facts

Wie oben schon erwähnt, sitzt das Harley Benton Overdrive in einem wirklich stabil wirkenden Stahlgehäuse und macht dadurch einen soliden, bühnentauglichen Eindruck. Vom Aufbau her haben wir es mit einem relativ klassischen Zerreffekt zu tun, dessen Funktionen sehr simpel aufgebaut sind und wohl für die meisten keine besonderen Überraschungen liefern. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hier um einen Overdrive (in Abgrenzung zu Boost- und Distortion-Pedalen). Harley Benton beschreibt die klangliche Vielfalt mit „von Vintage Overdrive bis zu modernem High Gain“. Erst mal also alles wie erwartet. Schauen wir uns aber trotzdem etwas genauer an, was das Drive-Pedal zu bieten hat.

Oberseite

Auf der Oberseite des Harley Benton Overdrive befinden sich über dem Bypass-Footswitch, der übrigens als True-Bypass ausgeführt ist, die vier Regler Gain, Clean, Tone und Level. Gain, Tone und Level sind die üblichen Vertreter bei einem Zerrpedal. Darüber steuert man den Grad der Verzerrung, Tone regelt das Klangbild und Level fungiert als Lautstärkeregler.

Clean Boost

Wo es etwas interessanter wird, ist der Clean-Regler. Denn der OD-5 Overdrive ist nicht nur ein Overdrive, sondern bietet mit dem Clean-Regler auch einen Clean-Boost. Und das Ganze so, dass dem verzerrten Overdrive-Signal das geboostete Clean-Signal beigemischt werden kann. Der Regler funktioniert so, dass man in der Minimalstellung das reine Overdrive-Signal erhält, in der Maximalstellung jedoch 100 % Clean-Boost. Somit hat man flexiblere Möglichkeiten, was Klangeigenschaften wie Klarheit, Anschlagsdynamik oder Ähnliches angeht.

Rückseite

Die Rückseite ist mit den Input- und Output-Buchsen, sowie mit einem 9 V Netzteilanschluss denkbar einfach ausgestattet. Stromseitig kann man das Pedal aber auch mit einem 9 V Block betreiben.

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Auf einen Blick

  • klassischer warmer Boutique-Style Overdrive
  • große Klangvielfalt von Vintage-Overdrive bis zu modernem High-Gain
  • bühnentaugliches „Heavy Duty“-Gehäuse
  • True-Bypass
  • Regler: Gain, Clean, Tone, Level
  • On/Off-Schalter mit Status-LED
  • Ein- und Ausgang: 6,3 mm Klinke
  • Betrieb mit 9 V Batterie oder 9 V Netzteil
  • Abmessungen mit Reglern: 120 x 56 x 95 mm (B × H × T)
  • Gewicht: 0,350 kg

 

Harley Benton Overdrive Rückseite

Die Rückseite weist noch einmal auf den True-Bypass hin

Die Sounds

Jetzt wollen wir die nicht ganz so kleine grüne Kiste aber auch mal in Aktion sehen bzw. hören. Hierfür nehme ich meine Haar S-Type Gitarre mit HSS-Bestückung und hänge den Harley Benton Custom Line OD-5 Overdrive vor einen Morgan PR-12. Am Amp hängt die UA Ox Box mit einer 4×12er-Box mit Greenbacks. Von dort geht es über ein RME Fireface 802 in Ableton Live 12.

Clean Boost

Wir arbeiten uns mit den Gain-Stufen nach oben und starten somit erst einmal mit der Clean-Boost-Seite. Dafür drehen wir den Clean-Regler voll auf, was den Gain-Regler dadurch außer Betrieb setzt. Ihr hört immer drei Tonabnehmereinstellungen: Hals-, Mitte-, Steg-Humbucker. Zuerst schauen wir, wie der Clean-Boost bei Unity-Gain, also ohne Lautstärkesprung, klingt.

Insgesamt muss ich sagen, dass der Clean-Boost wohl nicht gerade die Stärke des Pedals ist. Je mehr man boostet, desto unschöner klingt das Signal. Das fällt vor allem beim Humbucker auf, der so klingt, als würde er das Pedal überfordern. Subtil eingesetzt bekommt man jedoch schönere, leicht angekickte Clean-Sounds. Im vierten Beispiel checke ich noch den Tone-Regler. Hier habe ich die Vermutung, dass dieser bei voll aufgedrehtem Clean-Regler keine Funktion hat. Hier klingt der Clean-Boost in Verbindung mit der Zwischenstellung an der Strat jedoch durchaus nach einer runden Sache.

Harley Benton Overdrive

Overdrive

Kommen wir nun zum Einsatz des Pedals als Overdrive. Drehen wir den Clean-Regler also vorerst komplett zu. So bekommen wir das rein verzerrte Signal. Beim ersten Beispiel hört ihr nochmal das Signal mit dem Pedal im Bypass. Hier kann das Pedal definitiv mehr seine Stärken ausspielen. Das Harley Benton Overdrive ist in der Lage, warme Klänge zu produzieren, die nur wenig matschen und genügend Definition besitzen. Das gefällt mir für das Preissegment ganz gut. Auch der Tone-Regler hat im Check eine gewisse Bandbreite, besitzt auf den letzten Zentimetern sogar noch einige Reserven.

Overdrive & Clean-Blend

Schauen wir uns nun noch an, was das Harley Benton Overdrive von vielen anderen Pedalen unterscheidet: die Möglichkeit, die Clean- und Overdrive-Signale zu mischen. Hier muss ich sagen, das kann gut klappen – muss es aber nicht. Millimeter können hier entscheidend sein. Die nicht so schönen Eigenschaften des Clean-Boosts kommen bei zu weit aufgedrehtem Clean-Regler zu sehr durch. Es kann jedoch eine effektive Möglichkeit sein, einem an sich zufriedenstellenden Overdrive-Sound noch etwas mehr Anschlagsdynamik und Frische zu verleihen.

In den folgenden Beispielen hört ihr das Sound-Sample immer zuerst ohne Clean-Anteil, danach mit dem Clean-Regler auf dem beschriebenen Wert. Des Weiteren habe ich hier mal die extremen Einstellwerte des Tone-Reglers erforscht. Gerade im ersten Beispiel geht hier auf dem Halstonabnehmer dann doch die Sonne auf!

Harley Benton Overdrive Inside

Aufgeräumtes Innenleben, Batteriebetrieb ist beim Harley Benton Overdrive möglich

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Klangbeispiele
Fazit

Das Harley Benton Overdrive Custom Line OD-5 Pedal ist schon fast unverschämt günstig. Dafür bietet es mit dem Clean-Blend-Regler und der True-Bypass-Schaltung interessante Features, die es von anderen Overdrive-Effekten abheben. Klanglich hat es durchaus etwas zu bieten, wenn man bereit ist, etwas Zeit zu investieren, auch wenn hier und da einige Schwächen auftauchen. Aber was will man erwarten bei diesem Preis? Selbst wenn es nur eine gut klingende Einstellung bietet, hat sich der Kauf schon gelohnt und die Verarbeitung ist eine 10 von 10! Insofern passt das.

Plus

  • Preis
  • Verarbeitung
  • True-Bypass
  • Overdrive/Clean-Blend

Minus

  • Clean-Boost klingt überladen
  • Blend nur bedingt einsetzbar

Preis

  • 39,- Euro
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Über den Autor
Profilbild

Matze Franz RED

Mit Lenny Kravitz und Coldplay aufgewachsen und dann zum Jazz gefunden. Bachelor und Master Studium Jazz Gitarre in Würzburg und Mannheim. Danach den Fokus wieder auf die Musik gelegt, mit der ich groß geworden bin und jetzt als Live- und Studio-Gitarrist mit allen möglichen deutschen Pop-Acts unterwegs. Ich habe mit ClockClock, LEA, Laith Al-Deen, Lotte, Marie Bothmer, Bengio, Tiemo Hauer und vielen weiteren Künstler*innen und Bands zusammengearbeitet. Große Momente in meiner Karriere ...

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Numitron AHU

    im Gegensatz zu bekannten Marken hat Harley Benton keine Zwischenhändler und deswegen so günstig.
    im Gegensatz zu den Teuren Herstellern bekomm man oft deutlich mehr für das Geld.
    viele gitarristen haben eine und sagen sie wurden immer besser.

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      @Numitron Ich habe bei meinem Thomann-Besuch mehrere Harley Benton E-Gitarren ausprobiert und mit einer E-Gitarre einer bekannten US-Marke, die ich selbst seit Jahrzehnten spiele, verglichen. Was soll ich sagen?

      Verarbeitung: sehr gut
      Klang: sehr gut
      Optik: sehr gut
      Preis: exzellent (nur 1/5 des Preises der anderen Gitarre)

      Ich bin großer Fan des US-Fabrikats, würde aber nach dem Vergleich keine teurere Gitarre des Herstellers mehr kaufen, höchstens noch die günstigeren, Nicht-US-Modelle.

      Ähnlich ist es übrigens mit den Gitarren zweier großer japanischer Hersteller, die ebenfalls deutlich günstiger und mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser sind.

      Man sollte selbst vergleichen und Marke und Herkunft einfach mal für die Bewertung vergessen. Dann erlebt man nämlich die eine oder andere Überraschung und bekommt die eigene Markenhörigkeit unter Umständen deutlich vor Augen gehalten. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

  2. Profilbild
    mofateam

    „Nachahmer für billigen Preis und Lohn“

    Respekt, es ehrt Dich natürlich, wenn Du ausschließlich Boutique-Pedale und Customshop-Gitarren bzw Instrumente von kleinen Herstellern kaufst !
    Mir ist Josh Scotts JHS auch viel sympathischer als der dunkle Imperator Uli Behringer, der quasi eine eigene Stadt in China betreibt…

    Andererseits erhält man z.B. bei Harley Benton einen Preci (dessen Leo-Fender-Original so ungefähr von jeder anderen Firma kopiert wird), wo Qualitäts- und Preisverhältnis mindestens doppelt so gut ist wie das der meisten Mitbewerber…

    Dazu muß man sich bloß ein wenig mit der Preiskalkulation von Industrieinstrumenten befassen. Sprich, man zahlt am Ende der Kette meistens eigentlich nur für das Markenversprechen, welches leider in sehr vielen Fällen nicht einmal ansatzweise eingehalten wird. Gibson-Fans wissen, was ich meine.

    Wer zudem hofft, daß Konzerne (bzw Private-Equity-Gesellschaften wie KKR), denen Marken wie Fender, Gibson etc gehören, ihr Produktsortiment in eigenen, ethisch korrekten Fabriken von bewußt fair entlohnten chinesischen Arbeitern herstellen lassen, glaubt auch an den Weihnachtsmann und die Zahnfee.

    Oft kommen die Produkte verschiedener Marken aus ein und der selben Fabrik – ähnlich wie bei Markenklamotten vs Fast Fashion Brands.

    Was bleibt, ist der etwas höhere Wiederverkaufswert eines Markengerätes.

    Ansonsten Dir einen schönen Sonntag, ich schmeiß jetzt gleich mal mein 16€-Behringer Plastik-Fuzz an, über das meine Fano-Tele super klingt.
    🤤

  3. Profilbild
    HG

    Die Harley Benton Pedale kann man sich schon mal ansehen. Als ich noch nicht wusste, wie ich klingen will, hab ich mir zwei Zerrer und drei von den Ampsim-Dingern gekauft. Das ist bald 20 Jahre her. Den TS-Klon spiel ich immer noch als Standard, andere mögen manche Feinheiten besser hören und besser spielen, aber der ist einfach gut. Einen anderen Zerrer und ein Ampsim-Pedal hab ich auch behalten, zwei von den Ampsims dann verschenkt und auch die laufen noch und erfreuen die Nutzer.
    Zu den Gitarren wurde oben genug geschrieben, das unterschreib ich so. Ich kenn noch recht frühe Instrumente von HB, ja, neee, lass mal😜
    Aber mittlerweile ist das gutes Zeug, nicht nur gemessen am Preis. Den HB-Jazzbass spiel ich seit Jahren, funktioniert einfach und klingt sehr schön, ich sehe keinen Grund, einen anderen zu kaufen. Irgendwann ein US-Fender, weil da Fender und USA drauf steht. Aber der Unterschied in Klang und Spielbarkeit steht in keinem Verhältnis zur Preisdifferenz. Natürlich ist der Fender geiler! Aber nicht zehn Mal, auch nicht fünf Mal.
    Muss jeder selber wissen, zum Glück ist für die meisten von uns Musik ein Hobby, bei dem man auch hirnlose Entscheidungen treffen darf!

    • Profilbild
      Filterpad AHU

      @HG „Hirnlose Entscheidungen“ 😅 Im Endeffekt kommt es zu 90% auf den an, der es spielt meiner Ansicht nach. Das war schon immer so und wird auch so bleiben.

      • Profilbild
        HG

        @Filterpad Das sowieso, wer kann, der kann😀
        ich meine mit „hirnlos“, dass es auch völlig okay ist, wenn man viel Geld für ein Werkzeug ausgibt, das man objektiv nicht braucht, so lang man Freude daran hat und die Familie deswegen nicht hungern muss. Und andersrum gilt das auch, warum sollte man kiloweise Scheibe verteilen, wenn man mit ner Harley Benton glücklich wird.

        • Profilbild
          Filterpad AHU

          @HG Ist auch meine Devise: Wenig, aber dafür hochwertige Waren. Bin kein Freund von sog. „Fast Fashion“ und jedes Jahr neue Studiomonitore kaufen. Aber natürlich muss auch ich preislich abwägen und habe selbstverständlich nicht alles in Top Qualität. Aber „deutlich unter Mittelmaß“ versuche ich bei allem zu vermeiden. Leider ist allein der Preis heutzutage keine Garantie mehr für Qualität. Wer sagt das ein Behri. Poly D schneller abraucht als ein Moog Model D Geddy Lee Minimoog Edition, der angeblich (laut Thomann Berichten) nicht ganz sein Geld wert ist. Allerdings eher auf den Lack bezogen und nicht technisch. Nun ja: Die Zeit wird es zeigen wo der Lack als erstes abblättert…

  4. Profilbild
    Jan Steiger RED

    Ich sehe das Ganze deutlich pragmatischer. Auch die Boutiquehersteller kochen nur mit Wasser. Dort werden Teile (bis auf ein paar Ausnahmen) ebenso so günstig wie möglich in Fernost produziert und dann lediglich im Hochlohnland zusammengeschraubt. Glaubst du, dass du bessere Produktionsbedingungen vorfindest, wenn du einen Markenpullover kaufst? Im Zweifel wurde der auf der gleichen Nähmaschine zusammengeschwartet wie der letzte Primaaaark-Schrei. Das Problem liegt nicht darin, WER die Sachen WO produziert, das Problem liegt an ganz anderer Stelle. Nämlich bei den beiden ökonomischen Prinzipien.

  5. Mehr anzeigen
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