Test: Harley Benton Rockplug Classic Rock, Kopfhörerverstärker

6. Februar 2018

Der Kleine für zwischendurch


Harley Benton Rockplug Titel

Die Amplugs von VOX gibt es schon eine ganze Weile und dazu in einer recht umfangreichen Auswahl für verschiedene Stilistiken. Die kleinen Kopfhörer-Amps sind aber auch ungemein praktisch und verwöhnen den Benutzer mittlerweile mit einer erstaunlich hohen Klangqualität. Und selbst wenn man mit dem Kauf daneben liegen sollte und der gebotene Sound nun so gar nicht passt, sind rund 40,- Euro „Lehrgeld“ für einen der VOX Amplugs gerade noch so zu verschmerzen. Was, 40,- Euro? Lächerlich, denn dafür bekommt man von den Sparfüchsen der Musikhaus Thomann Hausmarke Harley Benton ja fast drei Harley Benton Rockplug! Genau so ist es, die Thomänner haben mal wieder auf die Pauke gehauen und bieten den neuen Kopfhörerverstärker Harley Benton Rockplug zu einem Preis an, bei dem man mal wieder nur staunen kann. Lohnt sich das Einstöpseln des Rockplug in die Klampfe oder nicht? Testen wir es aus!

Harley Benton Rockplug Classic Rock – Facts & Features

Das 80 x 30 x 15 mm große Kunststoffgehäuse des Rockplug wurde sauber mit der Klinkenbuchse zusammengefügt. Mit rund 50 Gramm Gewicht sollte man den kleinen Amp wohl kaum merken, ist er erst einmal in die Buchse der Gitarre eingestöpselt. Durch die Tatsache, dass für die Stromversorgung ein Lithiumionenakku und keine Batterien benutzt werden, weist das Gehäuse aufgrund des unnötigen Batteriefachs eine erstaunlich gute Stabilität auf.

Die vier blauen LEDs auf der Oberseite haben alle etwas mit der Energieversorgung des Rockplug zu tun: Drei von ihnen informieren über die vorhandenen Energiereserven und werden nach jeweils 20 % Verlust der Spannung abgeschaltet. So ist man jederzeit über den aktuellen Ladezustand des Akkus informiert. Die ganz rechte LED hingegen leuchtet auf, wenn es an die Ladebox gehen muss. Das kann laut Hersteller bis zu 15 Stunden dauern, für eine ausgiebige Session jenseits des Stromnetzes scheint also gesorgt zu sein.

Irgendwann ist es aber mal so weit und aus diesem Grund liegt dem Gerät ein entsprechendes USB-Kabel zum Nachladen des Lithiumionenakkus bei, wie auch ein 3,5-mm-Miniklinkenkabel zum Anschluss an die AUX-In-Buchse des Rockplug. Somit kann man auch mit seinen Lieblingstracks jammen, die Lautstärke des eingehenden AUX-Signals muss allerdings am „Spender“ eingepegelt werden. Und sogar noch an einen Adapter, der eine weitere Miniklinkenbuchse zur Verfügung stellt, wurde gedacht – falls also der/die Liebste unbedingt mal mithören möchte!

Harley Benton Rockplug Classic Rock Set

Harley Benton Rockplug Classic Rock – Bedienpanel

Die eigentliche Bedieneinheit des Rockplug sitzt auf der Außenseite des Gehäuses, leider vom Spieler abgewandt. Aber gut, so viel gibt es dort ohnehin nicht einzustellen, als das man sich die Anordnung der drei Regler für Gain, Tone und Volume nicht schon nach knapp zwei Minuten merken könnte. Alle drei Regler sind zwar zu gut Dreiviertel im Gehäuse verschwunden, bieten aber durch ihren weichen Lauf und den randierten Seiten der Potis dennoch einen schnellen Zugriff.

Auch der Netzschalter befindet sich hier auf der Oberseite. Wird er umgelegt, dann leuchten im Idealfall die drei besprochenen LEDs, um die Betriebsspannung anzuzeigen. Eine herkömmliche Power-LED gibt es aber trotzdem noch, die sitzt an der linken Gehäuseseite, zusammen mit der AUX-In-Buchse und leuchtet nicht weniger hell als die drei Kollegen an der Front. Bleibt noch die rechte Seite des Gehäuses zu erwähnen, hier wartet die Mini-USB-Buchse auf Anschluss zum Nachladen des Akkus.

Sound & Praxis mit dem Harley Benton Rockplug Classic Rock

Überraschend ist die Tatsache, dass im Innern des winzigen Gehäuses des Rockplug doch tatsächlich eine analoge Schaltung steckt. Insofern kann man nur überrascht sein, mit welch wenig Nebengeräuschen der Verstärker doch nach dem Umlegen des Power-Schalters an den Start geht. Und der Klang der kleinen Kiste ist ausgesprochen positiv zu bewerten! Genau so wie auch die Dynamik, die in fast allen Positionen des Drivepotis eine gute Interaktion mit der angeschlossenen Gitarre bzw. dem Spieler bietet.

Die Tonblende ist zwar kein Ersatz für einen vollwertigen EQ, das wäre hier aber auch wohl über das Ziel hinaus geschossen. Zumindest aber kann speziell bei Sounds mit Singlecoils dem Signal hier etwas die Schärfe genommen werden. Schade ist nur, dass keine Effekte eingebaut wurden, denn das würde den Sound natürlich noch einmal deutlich aufwerten.. Aber wer weiß, vielleicht ist das Rockplug nur der Start einer kompletten Serie, ähnlich wie bei VOX? Es muss ja nichts Wildes sein, ein voreingestellter Hall oder ein rudimentär zu steuerndes Delay wäre aber schon etwas Feines. Dafür wäre der Kunde sicher bereit, ein paar wenige Euros mehr zu investieren. Genau so wie auch für eine Bluetooth-Funktionalität, dann ließen sich externe Tracks doch um einiges bequemer transferieren.

Hören wir nun aber rein in den Klang des Harley Benton Rockplug, für den ich den kleinen Amp aus der Kopfhörerbuchse über das mitgelieferte Miniklinkenkabel direkt in mein UAD Audiointerface eingeklinkt habe. Als Gitarre wurde meine Music Man Silhouette genutzt, in Logic wurden dann lediglich noch die Pegel angepasst. Wir hören das Rockplug in drei unterschiedlichen Zerrstufen, der Tone-Regler sitzt bei allen Beispielen in der Mittelposition, so passte es zumindest mit meiner Silhouette am besten.

Klangbeispiel 1 – der Low-Gain-Sound. Fast schon gut genug, um zumindest mit Singlecoils eine einigermaßen klare Linie hinzubekommen. Hier wurde aber der Humbucker am Steg meiner Silhouette benutzt, entsprechend hören wir eine leichte Zerrung im Sound.

Klangbeispiel 2 – die mittlere Verzerrung. Kein Grund zur Klage, nahezu frei von Matschen geht es zu und auch die Dynamik entwickelt sich überraschend gut. Das ist übrigens nicht nur beim Abhören über die Studioboxen so, selbst mit Kopfhörern ist die gute Interaktion zwischen dem kleinen Rockplug und der Gitarre spürbar. Ich habe für den Test u.a. die alten Ohrstöpsel eines iPhone 4 sowie ein paar guter Standard Hi-Fi-Kopfhörer verwendet: Selbst mit den alten iPhone-Hörern war das Klangbild noch mehr als akzeptabel!

Ein Rauschen ist nur ganz leicht im Signal hörbar – und das auch wirklich nur in Spielpausen. Während des Spielens stört es überhaupt nicht und beeinflusst zudem den Gitarrenklang in keiner Weise.

Klangbeispiel 3 – volle Kanne! Wie man hören kann, ist das Wort „Rock“ in der Typbezeichnung des Harley Benton Rockplug breit gefächert. So mancher Metaller oder zumindest Hardrocker dürfte sich mit der gebotenen Verzerrung, die bei Vollanschlag des Gain-Reglers zur Verfügung steht, durchaus zufriedengeben. Allerdings steigen auch hier bei erhöhtem Bedarf an Verzerrung die Nebengeräusche. Dennoch ist es erstaunlich, dass sich trotz der analogen Schaltung im Innern des kleinen Plastikgehäuses das Rauschen in absolut tolerierbaren Grenzen hält. Ich erwähnte es bereits weiter oben im Text und wäre dieser Fakt nicht so verblüffend, dann hätte ich an dieser Stelle sicher nicht noch einmal darauf hingewiesen. Nicht vergessen – wir haben es hier mit einem „Gitarrenverstärker“ zu tun, der für den Preis von einem Kasten guten Pils zu haben ist und dafür macht das kleine Rockplug seinen Job einfach gut!

Fazit

Gute Qualität zu günstigen Preisen anbieten, so lautet das Motto der Musikhaus Thomann Hausmarke Harley Benton und dieses Merkmal trifft auch absolut auf das kleine Harley Benton Rockplug Classic zu. Für den Preis von einem guten Kasten Pils bekommt man einen Kopfhörerverstärker, der nicht nur gute und dynamisch spielbare Overdrivesounds liefert, sondern auch alles andere als fragil wirkt und zudem mit einer guten Ausstattung und einem sinnvollen Lieferumfang erscheint. Die Krönung wären noch ein oder zwei eingebaute Effekte, vielleicht kann man das ja als Anregung verstehen. Oder wie wäre es mit Bluetooth?

Plus

  • gute und dynamisch spielbare Overdrivesounds
  • geringes Rauschen
  • integrierter Akku
  • Lieferumfang
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • keinerlei Onboard-Effekte

Preis

  • Ladenpreis: 14,90 Euro
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