Metal-Brett für Einsteiger
Die von uns getestete Harley Benton ST-20HH Active SBK gehört mit einem Preis von unter 150,- Euro zu den günstigsten E-Gitarren der Serie.
- Klang: Hoher Output, definiert bei High‑Gain; clean eher neutral und weniger dynamisch.
- Ausstattung: Aktive HBZ‑Humbucker, Hardtail, 3‑Wege‑Schalter; einfache, zweckmäßige Hardware.
- Praxis: Gute Bespielbarkeit; werkseitig etwas hohe Saitenlage, schnell justierbar.
- Für wen: Einsteiger/Zweitgitarre, Homerecording & Modding; sehr günstiger Preis.
Inhaltsverzeichnis
Harley Benton ST-20HH Active SBK E-Gitarre
Die Hausmarke Harley Benton von Thomann hat sich in den letzten Jahren einen festen Platz im Segment preisgünstiger Musikinstrumente erarbeitet. Insbesondere das Gitarrensortiment wurde kontinuierlich erweitert und qualitativ aufgewertet, ohne dabei die Preisgestaltung aus den Augen zu verlieren. Modelle wie die ST-20 oder die SC-550 setzen mittlerweile in ihren jeweiligen Preisbereichen Standards, an denen sich die Konkurrenz messen lassen muss. Die von uns getestete Harley Benton ST-20HH Active SBK gehört mit einem Preis von unter 150,- Euro zu den günstigsten E-Gitarren des Programms, bringt jedoch einige Ausstattungsmerkmale mit, die in dieser Preisklasse keineswegs selbstverständlich sind – und erneut zum Staunen verleiten.
Auffälligstes Merkmal ist die Bestückung mit zwei aktiven High-Gain-Humbuckern, was in Kombination mit dem Hardtail-Steg, dem mattschwarzen Finish und der schwarzen Hardware auf ein modernes Konzept hindeutet. Gleichzeitig bleibt die Korpusform dem traditionellen Strat-Stil treu – inklusive geschraubtem Hals, ergonomischer Konturierung und typischer Double-Cutaway-Bauart. Damit zielt das Instrument weniger auf puristische Vintage-Fans, sondern vielmehr auf Einsteiger oder Fortgeschrittene mit Vorliebe für kernige Rock- und Metal-Sounds.
Inwiefern diese konzeptionelle Ausrichtung auch in der Praxis überzeugt, klären wir im Verlauf des Tests. Wie immer interessiert dabei nicht nur der Sound, sondern auch die Verarbeitungsqualität, die Bespielbarkeit und das allgemeine Handling der Gitarre. Legen wir los!
Facts & Features
Die Harley Benton ST-20HH Active SBK folgt äußerlich dem klassischen ST-Design, setzt jedoch einige eigene Akzente. Der Korpus besteht aus Pappel, einem Holz, das häufig bei preisgünstigen E-Gitarren zum Einsatz kommt. Das mattschwarze Finish verleiht der Gitarre eine moderne, aggressive Optik, die gut zum Metal-orientierten Konzept passt. Die Oberflächenverarbeitung ist für diese Preisklasse solide: Keine groben Lacknasen oder auffälligen Schleiffehler, allerdings zeigt sich die Oberfläche empfindlich gegenüber Fingerabdrücken und Kratzern.
Der geschraubte Hals besteht aus Ahorn und ist mit einem Griffbrett aus Roseacer versehen – einem wärmebehandelten Ahornholz, das optisch an Palisander erinnert und ein ähnliches Spielgefühl bietet. Dieses Material findet man im Low-Budget-Bereich häufiger. Die Verarbeitung des Griffbretts ist sauber: Die Dot-Inlays sind gleichmäßig eingesetzt, die Bundenden ordentlich abgerichtet. Die Bundierung besteht aus 22 Bünden mittlerer Größe, die sauber abgerichtet und poliert wurden. Scharfe Kanten oder ungleichmäßige Übergänge sind bei unserem Testmodell nicht vorhanden. Die Intonation ist ab Werk gut eingestellt und alle Akkorde, Voicings oder Licks klingen sauber über das gesamte Griffbrett hinweg.
Das Halsprofil ist ein modernes C, das vielen Spielerhänden entgegenkommen dürfte – weder zu dick noch zu flach, mit einer angenehm satinierten Rückseite, die nicht zum Kleben neigt. Die Mensur beträgt 648 mm, der Griffbrettradius liegt bei 305 mm – beides Werte, die dem typischen ST-Spielgefühl entsprechen. Die Sattelbreite von 42 mm ist Standardmaß und sorgt für eine vertraute Haptik.
Bei den verbauten Pickups handelt es sich um zwei aktive High-Gain-Humbucker vom Typ HBZ, die über einen 3-Wege-Schalter und einen einzelnen Volume-Regler gesteuert werden. Ein Tone-Regler fehlt – was zwar etwas unflexibel wirken mag, aber dem Einsatzzweck für verzerrte Sounds mit klarem Fokus durchaus entspricht. Der Schalter bietet die typischen drei Positionen: Steg, beide Tonabnehmer zusammen und Hals, was einfache, aber brauchbare Klangoptionen ermöglicht. Der Zugang zur erforderlichen Batterie, einem 9-Volt-Block, befindet sich auf der Rückseite über einen Schnellverschluss.
Die Harley Benton ST-20HH Active SBK im Praxis-Check
Bereits beim ersten Anspielen macht die ST-20HH Active SBK deutlich, dass sie für ein bestimmtes Einsatzgebiet konzipiert wurde: verzerrte Sounds. Die aktiven HBZ-Humbucker liefern ein Signal mit hohem Output, das sich – wie zu erwarten – besonders bei High-Gain-Einstellungen wohlfühlt. Clean bleibt der Klang relativ neutral, mit eher zäher Dynamik und wenig Wärme. Das ist nicht ungewöhnlich für aktive Tonabnehmer in dieser Preisklasse, die vor allem für Rock- und Metal-orientiertes Spiel entwickelt wurden. Bei verzerrten Sounds hingegen entfaltet sich der volle Charakter der ST-20HH Active SBK: knackige Palm-Mutes, definiertes Attack und ein Sustain, das für ein Instrument dieser Klasse durchaus solide ist.
Das Spielgefühl ist komfortabel: Der Hals liegt gut in der Hand, das Griffbrett ist gleichmäßig abgerichtet und zeigt keine nennenswerten Verarbeitungsmängel. Die werkseitige Saitenlage ist etwas hoch, lässt sich jedoch mit wenigen Handgriffen durch Einstellen des Halswinkels oder der Saitenreiter an der Brücke optimieren. Die Stimmstabilität ist dank des festen Stegs und der geschlossenen Mechaniken insgesamt zufriedenstellend – auch wenn hier natürlich keine Boutique-Präzisionsteile verbaut sind. Selbst bei tieferen Tunings hält die Gitarre ihre Stimmung gut, was für moderne Metal-Spieler interessant sein dürfte.
Die Elektronik arbeitet weitgehend störungsfrei. Der Volume-Regler reagiert ordentlich, jedoch nicht sehr feinfühlig. Im mittleren Bereich sind nur geringe Pegelunterschiede wahrnehmbar, bevor der Output gegen Ende relativ abrupt abfällt – ein typisches Merkmal einfacher Potis in dieser Preisklasse. Wer die Gitarre aufwerten möchte, sollte hier über einen hochwertigen Ersatz vom Zubehörmarkt nachdenken. Ähnliches gilt für die Buchse, die bei unserem Testmodell zwar fest sitzt, aber eine einfache Federung aufweist. Auch hier kann sich ein Austausch lohnen, falls das Instrument regelmäßig im Live-Betrieb genutzt werden soll.
Auch der 3-Wege-Schalter verrichtet seinen Dienst ohne Aussetzer, wirkt jedoch leicht schwammig und etwas unpräzise beim Umschalten. Die Schaltpositionen rasten nicht besonders deutlich ein, was bei schnellen Pickup-Wechseln auf der Bühne zu Ungenauigkeiten führen könnte. Das ist verschmerzbar, mindert aber den Gesamteindruck leicht. In den verschiedenen Positionen (Bridge, Middle, Neck) zeigen sich durchaus Nuancen, auch wenn die Klangvielfalt aufgrund der aktiven Bauweise und der hohen Kompression eingeschränkt ist. Wer auf dynamisches Spiel und viele Klangfarben Wert legt, stößt hier an Grenzen. Wer hingegen auf solide Metal-Riffs und verzerrte Rhythmusarbeit setzt, dürfte mit dem Gebotenen zufrieden sein – insbesondere, wenn man den enorm günstigen Preis bedenkt.
Insgesamt zeigt sich die Elektrik der ST-20HH Active SBK funktional, aber erwartungsgemäß nicht hochwertig. Wer langfristig Freude an dem Instrument haben möchte, kann mit geringem Aufwand und überschaubaren Kosten eine deutliche Verbesserung erzielen. Eine solide Substanz ist auf jeden Fall vorhanden.
Klangbeispiele
Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die Harley Benton ST-20HH Active SBK zusammen mit meinem Orange Micro Dark Top und einer daran angeschlossenen Celestion Vintage 30-Box verwendet. Abgenommen wurde das Signal mit einem AKG-C3000-Mikrofon in Logic Audio.
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