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Test: Harley Benton ST-Modern HH, E-Gitarre

Das untere Ende der Preisspirale erreicht?

7. Juli 2026
Harley Benton ST-Modern HH Aufmacher

Test: Harley Benton ST-Modern HH

Sie ist da, die neueste Generation der wahrscheinlich günstigsten Einsteigergitarren aller Zeiten, die Harley Benton ST-Modern HH. Du bist auf der Suche nach einem Instrument, das locker unter den Weihnachtsbaum passt? Here we go …

Kurz & knapp

Worum geht es? Die Harley Benton ST-Modern HH ist eine moderne ST-Style-Gitarre mit Humbuckern, Coil-Split und zahlreichen Ausstattungsmerkmalen, die man in dieser Preisklasse kaum erwarten würde.

  • Ausstattung: Compound-Radius, Dual-Action-Trussrod, Locking-Mechaniken und String-Through-Body-Konstruktion.
  • Verarbeitung: Saubere Fertigung, hochwertige Materialien und vorbildliche Bespielbarkeit.
  • Sound: Druckvolle Humbucker-Sounds plus zusätzliche Flexibilität durch Coil-Split.
  • Einsteigerfreundlich: Moderne Ergonomie und unkompliziertes Handling erleichtern den Einstieg.
  • Preis-Leistung: Erstaunlich viel Gitarre für gerade einmal 159,- Euro.
Bewertung

Harley Benton ST-Modern HH

Finger WegUngenügendBefriedigendGutSehr GutAusgezeichnetNicht bewertet
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Harley Benton ST-Modern HH PM
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(8)

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Harley Benton ST-Modern HH – Unboxing

Die Harley Benton ST-Modern HH braucht sich optisch auf jeden Fall nicht zu verstecken. Schon beim Auspacken bin ich mal wieder erstaunt, was eine Gitarre für den Preis eines größeren Lego-Technik-Sets bieten kann:

  • eine optisch einwandfreie Lackierung in Purple Metallic
  • Korpus aus amerikanischer Erle
  • sauber eingesetzter Hals aus geröstetem, kanadischem Ahorn mit modernem C-Profil
  • Griffbrett aus Lorbeer (optisch nah an Palisander)
  • Compound-Radius 12″ – 16″
  • korpusseitig zugänglicher Dual-Action-Trussrod
  • Locking-Tuner
  • ergonomisch gefräster Hals-Korpus-Übergang
  • zwei Humbucker mit Coil-Split
  • Fixed Bridge mit Saitenführung durch den Korpus

Zugegebenermaßen hat so ein Karton Lego auch seinen Reiz. Aber kann man damit auch solch wundervollen Krach erzeugen?

Für diese paar Töne habe ich die Harley Benton ST-Modern HH aus dem Karton geschält, kurz gestimmt und in den Kemper gesteckt. Das Backing ist ein Sessionplayer-Track aus Logic, das Kemper-Profile kommt von Guido Bungenstock.

Ein bisschen Einsteigerwissen

Die wichtigsten Specs habe ich euch eben schon aufgelistet. Für die Einsteiger unter euch, die eventuell mit der Gitarre liebäugeln, hier noch ein paar nähere Infos dazu.

Was ist ein Compound-Radius?

Ein Compound-Radius bedeutet, dass das Griffbrett nicht über die gesamte Länge den gleichen Radius besitzt, sondern sich dieser vom Sattel bis zum letzten Bund verändert.

Bei einem klassischen Griffbrett mit konstantem Radius bleibt diese Wölbung überall gleich. Ein Compound-Radius wird dagegen nach hinten hin immer flacher. Das bedeutet, in den unteren Lagen fühlt sich die Gitarre angenehm für Akkorde an. In den hohen Lagen wird das Griffbrett dagegen flacher, was Bendings und Solospiel erleichtert.

Stell dir das Griffbrett als einen Ausschnitt aus einem Kreis vor:

  • Kleiner Radius = stärker gewölbt
  • Großer Radius = flacher

Harley Benton ST-Modern HH Compound Radius erklärt

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Ein stark gewölbtes Griffbrett spielt sich bei Akkorden oft angenehmer. Bei großen Bendings kann die Saite jedoch gegen höhere Bünde stoßen und „abwürgen“. Ein flaches Griffbrett vermeidet dieses Problem, fühlt sich aber für manche Spieler bei offenen Akkorden komisch an.

Der Compound-Radius versucht nun, beide Vorteile zu kombinieren:

  • Komfortable Akkorde in den tiefen Lagen
  • Flachere Saitenlage möglich
  • Weniger Probleme bei Bendings
  • Angenehm für modernes Lead-Spiel

Der Compound-Radius ist kein Muss und macht eine Gitarre nicht automatisch besser. Er ist eher ein Komfortmerkmal. Viele legendäre Gitarren besitzen bis heute einen konstanten Radius. Die Fender Stratocaster etwa liegt, je nach Baujahr, meist bei 7,25″ bis 9,5″, während eine Gibson Les Paul in der Regel einen Radius von 12″ besitzt.

Wem die Harley Benton ST-Modern HH in Purple nicht gefällt, der hat noch andere Optionen:

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Harley Benton ST-Modern HH TG
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Was ist ein Dual-Action-Trussrod?

Ein Gitarrenhals muss sich konstant der Kraft der gespannten Saiten entgegenstellen. Holz allein würde dabei schnell an seine Grenzen stoßen und der Hals würde sich in Richtung des Saitenzugs verziehen. Deshalb wird im Inneren des Halses ein Stahlstab verbaut, der dem Saitenzug entgegenwirkt. Ein herkömmlicher Single-Action-Trussrod wirkt allerdings nur der Saitenspannung entgegen. Was aber, wenn sich der Hals in die falsche Richtung verzieht, weil man den Stab zu fest angezogen hat?

Ein Dual-Action-Trussrod besteht aus zwei übereinanderliegenden Metallstäben, die an den Enden miteinander verbunden sind. Durch Drehen der Einstellschraube in die eine oder andere Richtung kann der Hals aktiv nach vorne oder hinten korrigiert werden. Dadurch wirkt das System in beide Richtungen.

 

Harley Benton ST-Modern HH Trussrod erklärt

So sieht ein Double-Action-Trussrod aus. Das Bild zeigt einen Trussrod der Firma Göldo.

Das benötigte Werkzeug liegt der Harley Benton ST-Modern HH übrigens bei. Da das nicht unbedingt selbstverständlich ist, sei es an dieser Stelle erwähnt.

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Göldo WS44G Trussrod
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Harley Benton ST-Modern HH Trussrod Stellschraube

Die Stellschraube der Double-Action-Trussrod der Harley Benton ST-Modern HH

Was ist ein Coil-Split?

Ein Coil-Split ermöglicht es, bei einem Humbucker-Tonabnehmer eine der beiden Spulen abzuschalten. Der Humbucker arbeitet dann nur noch mit einer einzelnen Spule und verhält sich klanglich ähnlich wie ein Single-Coil. Meist wird die Funktion über ein Push-Pull-Poti oder einen zusätzlichen Schalter aktiviert.

Klanglich gewinnt die Gitarre durch einen Coil-Split an Transparenz, Brillanz und Höhenanteilen. Der Sound wirkt offener und drahtiger, verliert aber etwas Druck und Ausgangsleistung gegenüber dem Humbucker-Betrieb. Ein Coil-Split macht aus einem Humbucker zwar keine echte Stratocaster oder Telecaster, erweitert die klanglichen Möglichkeiten einer Gitarre jedoch erheblich und sorgt für mehr Flexibilität zwischen kräftigen Rock-Sounds und glockigen Clean-Klängen.

Harley Benton ST-Modern HH Neck Joint

Der großzügig ausgefräste Übergang vom Hals in den Korpus macht das Spielen in den oberen Lagen zum Kinderspiel

Warum String-Through-Body?

Beim String-Through-Body-Prinzip werden die Saiten nicht nur an der Brücke befestigt, sondern durch Bohrungen im Korpus geführt und auf der Rückseite verankert. Dadurch entsteht ein direkterer Kontakt zwischen Saite, Brücke und Korpus, was sich auf das Spielgefühl und den Klang auswirken kann.

Als Vorteile werden häufig ein etwas längeres Sustain, eine straffere Ansprache und ein direkteres Spielgefühl genannt. Besonders bei tieferen Stimmungen oder kräftigem Anschlag empfinden viele Gitarristen die Saitenspannung als definierter. Außerdem erhöht sich der Anpressdruck der Saiten auf die Brücke, was für eine stabile Schwingungsübertragung sorgen kann. Die klanglichen Unterschiede zu einer Top-Load-Brücke sind allerdings meist eher subtil und hängen stark von der gesamten Konstruktion der Gitarre ab. Viele Spieler bevorzugen das String-Through-Body-System daher weniger wegen eines dramatisch anderen Sounds, sondern wegen des etwas festeren Spielgefühls.

Die Praxis

Leider hat meine Kofferwaage das Zeitliche gesegnet und mich mit und ohne Gitarre auf die Waage zu stellen, ist mir zu doof. Da ich aber das Gewicht meiner Ibanez AZ226 kenne, kann ich die beiden einmal nebeneinander halten und stelle keinen signifikanten Unterschied fest. Somit schätze ich die Harley Benton ST-Modern HH auf etwa 3,2 kg.

Auf dem Schoß liegt die Gitarre ohne Kopflastigkeit. Über die Ergonomie des ST-Designs wurde in jüngster Zeit ausreichend gesprochen. Bleibt also die Beschreibung des ersten Eindrucks, den die Humbucker-Strat auf mich macht.

Trocken angespielt zeigt sich keinerlei Schwäche. Wer glaubt, eine Gitarre für 159,- Euro müsse so klingen, wie Omas Socken riechen, sieht sich getäuscht. Das Instrument zeigt sich in allen Lagen drahtig bis perkussiv. Die Bespielbarkeit ist dank Compound-Radius und großzügiger Fräsung am Hals-Korpus-Übergang vorbildlich. Das gilt übrigens auch für die Einstellung der Saitenlage.

Natürlich gibt es bei Instrumenten dieser Preisklasse eine gewisse Streuung, das sollte uns allen klar sein. Aber selbst wenn die Gitarre noch ein Setup vom fachkundigen Servicetechniker bekommen muss, ist der Preis schwer zu toppen. Ich hatte schon Instrumente hier, die das Zehnfache kosten und längst nicht so gut spielbar aus dem Karton hüpften.

Harley Benton ST-Modern HH Locking Tuner

Locking-Tuner erleichtern den Saitenwechsel und erhöhen die Stimmungsstabilität.

Der Sound

Bleibt also jetzt noch der verstärkte Klang. Und hier kommen die Isola Hydrazine Alnico5 Humbucker ins Spiel, die mit ihren chromfarbenen Kappen optisch schon mal was hermachen. Aber wir wissen alle, dass die Tonabnehmer bei derart günstigen Instrumenten oftmals der Schwachpunkt sind. Also hören wir mal rein, was die Harley Benton ST-Modern HH clean so von sich gibt.

Ihr hört die Gitarre über den Kemper direkt in Logic gespielt. Etwas Reverb kommt vom Kemper, in der DAW arbeitet lediglich ein Limiter, um Pegelspitzen zu vermeiden.

Das kann ich jetzt nicht wirklich schlecht finden. Ein bisschen dumpf vielleicht im Humbucker-Modus, hier steht einem ja aber immer noch die Möglichkeit offen, einen Equalizer zur Hilfe zu nehmen. Die Basis ist durchaus mehr als brauchbar.

Schalten wir um auf einen angezerrten Sound. Das Profile eines Morgan AC20 kommt zum Einsatz:

Die richtig brillanten Höhen vermisse ich auch hier etwas, im Bassbereich schwimmt es minimal. Aber hey – wir hören eine Gitarre, die weniger kostet als ein hochwertiges Pickup-Set. Alles in allem bin ich vom Sound durchaus angetan.

Etwas höher verzerrt klingen die Pickups im Humbucker-Modus etwas kraftlos, dafür ist der Split-Coil-Sound absolut praxistauglich. Der Sound ist das Profile eines Bogner Alchemist im Mercury-Channel:

Das Lead-Brett wartet. Bert Meulendijks Bogner XTC darf ran. Ein bisschen Delay fürs Gefühl und ab geht die Luzie.

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Klangbeispiele
Fazit

Als Einsteiger hätte ich mir in den 80ern nach einer Gitarre wie der Harley Benton ST-Modern HH die Finger geleckt. Sehr gute Verarbeitung, eine verdammt starke Optik und ein mehr als brauchbarer Sound machen das Instrument zu einem echten Preis-Leistungs-Hammer. Wer mit einer solchen Gitarre ins Musikerleben startet, wird vermutlich lange Freude daran haben und vor allem frustfrei üben können. Natürlich klingen die Pickups etwas flacher als die Tonabnehmer deutlich teurerer Instrumente. Angesichts eines Preises von gerade einmal 159,- Euro kann man aber kaum erwarten, dass sie sich wie die Pickups meiner 4.000,- Euro teuren Music Man verhalten.

Die Verarbeitung und die verwendeten Materialien sind hingegen so hochwertig, dass die Harley Benton problemlos mit den Ansprüchen ihres Besitzers mitwachsen kann. Wer später mehr aus dem Instrument herausholen möchte, tauscht einfach die Pickups aus und erhält eine Gitarre, die auch dann noch eine hervorragende Basis bietet.

Plus

  • Optik
  • Verarbeitung
  • Preis

Minus

  • Pickups etwas flach

Preis

  • 159,- Euro
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Harley Benton ST-Modern HH PM
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Harley Benton ST-Modern HH TG
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Über den Autor
Profilbild

Jan Steiger RED

1972 geboren, von der Gitarre Anfang der 80er gefunden worden. Im Team von Amazona seit 2018, immer neugierig auf neues Equipment und froh, so viel neues Zeug ausprobieren zu dürfen. Bekennender Kemper-Fan und InEar-Fanatiker. Save your ears, you crazy fools!

 

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Izakaya

    Super Artikel. Mit den Erklärungen rund um Radien und Trussrods hat das richtigen Mehrwert für Einsteiger.

  2. Profilbild
    chardt AHU

    Endlich: Eine Strat im untersten Preisbereich mit Erlenkorpus und Hardtail! Da lohnt sich doch glatt die Investition in andere Tonabnehmer.

    Und was die sehr guten Erklärungen im Test betrifft: Die sind in einem Test, der bald im Archiv unter vielen anderen „verschwinden“ wird, fast verschwendet. Kann man das vielleicht in einen Workshop „Fachbegriffe Gitarre erklärt“ packen zum leichteren Wiederfinden?

    Gruß, Carsten

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      @chardt Hi,

      sehr gute Idee.

      Jan, geh das doch mal an und pack das in einen Workshop zum vorgeschlagenen Thema. Das könnten wir eigentlich für mehrere Instrumentengruppen machen. Manchmal sind es die simplen Dinge, die vielen Leuten weiterhelfen.

      Ist ja nicht jeder ein Profi im Gitarrenbau.

  3. Profilbild
    Linus AHU

    Meine ST-62 hat mir schon gezeigt, dass der Preis einer Gitarre längst nicht alles über ihre Qualität aussagt. Gerade der Hals und die Bespielbarkeit haben mich damals wirklich überrascht.
    Bei der ST-Modern HH sehe ich es ähnlich: Für 159 Euro Compound-Radius, Locking-Tuner, String-Through und Coil-Split – da hätte man sich früher als Einsteiger wirklich die Finger danach geleckt. Und wenn die Basis stimmt, sehe ich günstige Pickups nicht einmal als großes Problem. Später ein gutes Pickup-Set rein und man hat vielleicht eine Gitarre, die einen wesentlich länger begleitet, als der Preis vermuten lässt.

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