Test: Harley Benton Streetbox 60, Verstärker

26. Mai 2020

Die All-in-one-Lösung für die Straße

Wer gerne und oft seine Zeit mit dem Instrument im Freien verbringt oder sich mit dem Musikmachen auf der Straße oder in Bars und Cafés vergnügt, der wird liebend gern auf eines verzichten: das Mitschleppen von schwerem und zu vielem Equipment. Klein, leicht und kompakt soll es zugehen und dabei darf es natürlich nicht an der nötigen Power sowie der Unabhängigkeit vom Stromnetz fehlen. Cool wäre es dann noch, wenn man möglichst viele Instrumente mit einem Verstärker unter einen Hut zaubern kann und genau das soll die Harley Benton Streetbox 60 uns bieten. Ausgestattet mit drei Kanälen und zwei der wichtigsten Effekte, Bluetooth-Kompatibilität, einem Notch-Filter zur Unterdrückung von Feedback beim Anschluss akustischer Instrumenten sowie einem Line-In und einem Line-Out soll die kleine Box dafür das Wichtigste bieten. Was sie kann und ob die Session in der Fußgängerzone mit ihr gelingen kann, wollen wir uns im folgenden Test mal betrachten.

Die Streetbox 60 – Facts & Features

Das kompakte Gehäuse in Holzoptik besitzt die Maße von 375 x 195 x 185 mm bei einem Gewicht von rund 4 kg und wird zusammen mit einer Tragetasche samt Schulterriemen ausgeliefert. Zwei Metallbügel auf der Oberseite sowie eine Griffschale an der linken Außenseite sorgen für einen sicheren Transport auch ohne Tasche. Rechts außen befindet sich ein Flansch, um die Streetbox 60 bei Bedarf vom Boden auch mal auf einem Ständer zu positionieren. Man kann den Verstärker sowohl auf seine Unterseite als auch auf die rechte Seite stellen, denn an beiden Seiten des Gehäuses befinden sich dafür stabile Gummifüße.

Mit im Lieferumfang befindet sich ein 24-Volt-Netzteil, mit dem der integrierte Akku geladen werden kann, der Hersteller verspricht eine Nutzungsdauer von bis zu fünf Stunden, bevor ein Nachladen nötig wird. Das ist natürlich von der Auslastung des Systems abhängig – je mehr Kanäle und Effekte benutzt werden, je kürzer fällt die mögliche Nutzungsdauer aus. Nach rund drei Stunden Ladezeit steht der Akku dann wieder voll im Saft.

Die beiden 5,5″ Breitbandlautsprecher auf der Vorderseite der Kiste werden von einem robusten Lochgitter aus Metall wirkungsvoll geschützt und bieten zusammen mit der Endstufe eine Leistung von 60 Watt. Grundsätzlich handelt es sich um eine Stereoendstufe, was bedeutet, dass über die Bluetooth-Verbindung eingespeisten Audiosignale auch in Stereo wiedergegeben werden. Prima geeignet, wenn man einfach nur mal seine Lieblingstracks anhören und in voller Breite genießen möchte. Die eingebauten Effekte allerdings werden nur in Mono ausgegeben, was natürlich etwas schade ist, denn mit dem Echo und dem Hall befinden sich zwei Effekte an Bord der Streetbox 60, die vor allem von einer Stereoausgabe enorm profitieren würden.

Übersichtliches Bedienpanel

Die drei Kanäle bieten eine übersichtliche Bedienung und können zudem mit verschiedenen Instrumenten belegt werden. Das Einsatzgebiet des Amps beschränkt sich keineswegs nur auf akustische Gitarren, auch viele weitere Saiteninstrumente können an die Eingänge angeschlossen werden, auch Geigen oder Bässe etwa sollte die Streetbox 60 problemlos verstärken können. Der oberste Kanal in der Reihe verfügt über einen Klinkeneingang, gefolgt von einem Schalter, der den Benutzer zwischen einem akustischen Instrument mit oder ohne einem aktiven Pickup-System wählen lässt. Zur Klangabstimmung dient ein Dreiband-EQ mit Bässen, Mitten und Höhen, ein Volume-Regler bestimmt die Lautstärke dieses ersten Kanals und für die räumliche Gestaltung steht ein Reverb-Regler bereit.

Kanal 2 hingegen kann sowohl für den Anschluss eines Instruments als auch für den Betrieb mit einem Mikrofon verwendet werden. Angepasst wird dies durch einen weiteren Schalter, der hier die Vorauswahl übernimmt. Auch hier gibt es wieder die Dreiband-Klangregelung und ein Volume-Poti, zusätzlich kann noch ein Effekt, entweder Delay oder Hall, dem Signal beigefügt werden. Die Betonung liegt auf entweder/oder, beides zusammen funktioniert leider nicht.

Der dritte Kanal ist einem Mikrofon vorbehalten. Das wird nicht nur deutlich durch das aufgedruckte Mikrofon-Symbol, sondern auch durch die Anwesenheit einer Klinke-XLR-Kombibuchse. Erneut finden wir wieder einen Dreiband-EQ und einen Volume-Regler, die beiden Effekte können auch in diesem Kanal ihre Verwendung finden.

Harley Benton Streetbox 60 Inputs

Harley Benton Streetbox 60 – die drei Kanäle bzw. Eingänge

Ein Mastervolume-Regler bestimmt die Gesamtlautstärke des Systems und mit dem Notch-Filter lassen sich gezielt Frequenzen aufspüren und auslöschen, die zu unbequemen Feedbacks neigen. Weiterhin finden wir in dieser Master-Sektion noch zwei Buchsen im Miniklinkenformat, mit denen sich zum einen Signale in den Verstärker einspielen lassen und zum anderen der Sound des kompletten Amps abgenommen werden kann. Für die Bluetooth-Funktionalität steht ein weiterer Regler bereit, mit dem sich das eingespielte Signal in seiner Lautstärke regeln lässt. Das Koppeln mit einem Bluetooth-Gerät funktionierte im Test problemlos: Kurz auf den Schalter neben dem Regler drücken und schon wird man aufgefordert, im gekoppelten Gerät viermal die Null einzugeben. Danach kann der Spaß schon beginnen, leider jedoch mit ein paar Nebengeräuschen versehen.

Den Abschluss machen der Netzschalter, der Anschluss für das Netzteil sowie die Ladestandanzeige des Akkus, die mit nur 3 LEDs allerdings recht grob ausgefallen ist.

Harley Benton Streetbox 60 Notch Filter

Harley Benton Streetbox 60 Master Sektion mit Notch Filter, Amp In/Out und Bluetooth

Da sämtliche Regler auf der Platine sitzen und nicht etwa durch Muttern mit dem Panel verschraubt wurden, wackeln sie etwas in ihrem Sitz. Man sollte also nicht zu grob mit ihnen umgehen und möglichst darauf achten, keine schweren Gegenstände dort oben abzulegen. Etwas Schutz bieten jedoch die beiden Metallbügel, vielleicht hätte man das Panel ein Stück weit tiefer in das Gehäuse eingesetzt. Denn auf der Straße und beim Transportieren geht es ja nicht immer zimperlich zu.

Harley Benton Streetbox 60 – in der Praxis

Sicherlich kann man aus solch einer kleinen Box mit ihren 60 Watt und den zwei 5,5″ Lautsprechern keinen sonderlich fetten Bassschub erwarten – die Physik setzt auch hier der Sache deutlich ihre Grenzen. Was die Harley Benton Streetbox 60 aber bietet, ist ein kräftig mittenbetonter und damit sehr durchsetzungsfähiger Sound, mit dem man sich etwa im Getümmel einer Fußgängerzone oder in einer gut besuchten Kneipe garantiert behaupten kann. Gut gefallen kann zudem der effektive Dreiband-EQ in jedem der drei Kanäle, denn der packt beherzt zu und selbst bei kräftig aufgeregelten Höhen tendiert das Signal nicht zu übermäßigem Rauschen. Das Rauschen kommt erst dann, wenn der Mastervolume-Regler mehr als dreiviertel seines Regelwegs hochgezogen wird, was besonders dann stört, wenn man mit der Streetbox 6o vielleicht einfach nur mal im stillen Kämmerlein üben möchte.

Die Effekte mit den voreingestellten Parametern klingen ausreichend, hier sollte man aber auf keinen Fall eine Studioqualität erwarten, zumal sie ja nur in Mono arbeiten, ich erwähnte es bereits weiter vorne im Text. Sie reichen aber durchaus aus, um dem angeschlossenen Instrument oder dem Sänger einen Wohlfühlfaktor zu verpassen, bzw. einen kleinen Schub in Sachen Inspiration zu verleihen. Punktabzüge muss die kleine Box noch in Sachen Bluetooth einstecken, denn das Signal wird ebenfalls von Nebengeräuschen begleitet, sodass man hier bei Bedarf besser die Audioquelle mittels Miniklinkenkabel direkt an die Amp-In-Buchse anschließen sollte. Dennoch erhält man unterm Strich ein System, das besonders Singer/Songwriter mit einer akustischen Gitarre und einem Mikrofon bewaffnet treue Dienste leisten kann!

Fazit

Als mobile Kompakt-PA für kleinere Gigs in Bars, Cafés oder in der Fußgängerzone kann man die Harley Benton Streetbox 60 uneingeschränkt empfehlen. Mit ihren drei Kanälen, den wichtigsten Effekten Hall und Echo, der Möglichkeit der Verstärkung eines Mikrofons bzw. von Vocals und natürlich ihrem netzunabhängigen Betrieb bietet die kleine Box mit ihrer 60 Watt Leistung dazu ausreichend Möglichkeiten bzw. Reserven. HiFi-Enthusiasten hingegen, die gerne und oft ihre Lieblings-Tracks möglichst ohne Kabelverbindung genießen möchten, werden sich wohl nach einem anderen Spielzeug umsehen müssen. Grund hierfür ist nicht nur der übermäßig mittenbetonte Grundsound, sondern auch die Tatsache, dass die Bluetooth-Verbindung nicht ohne Nebengeräusche auskommt.

Plus

  • robustes Gehäuse
  • drei Kanäle für unterschiedliche Quellen
  • effektiver EQ
  • netzunabhängig
  • integriertes Notch-Filter

Minus

  • Rauschen in der Master-Sektion
  • Nebengeräusche bei Bluetooth-Verbindung
  • Potis etwas fragil

Preis

  • 299,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Naran

    Hallo, obwohl der Artikel erst heute veröffentlicht wurde, kann man die Streetbox auf der Thomann Seite nicht finden. Seid Ihr zu früh? Oder was ist da passiert?

    • Profilbild
      Hein Bloed  

      Vermutlich ausverkauft. Die Konkurrenz von Bonedo hat die Kiste vor ein paar Wochen getestet, da gab es sie noch bei Thomann. Wegen Corona sind die asiatischen Produktions- und Lieferketten teilweise immer noch unterbrochen, deshalb werden gerade viele Güter teurer oder sind gar nicht mehr verfügbar (gerade bei Festplatten bemerkt).

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