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Test: Harley Benton TE-62CC LPB, E-Gitarre

11. Januar 2022

Neue Teles braucht das Land!

Harley Benton TE-62CC LPB

Harley Benton TE-62CC LPB

Harley Benton wäre nicht Harley Benton, wenn man nicht auch eine ganze Reihe von E-Gitarren im TE-Stil im riesigen und unaufhaltsam wachsenden Programm hätte. Die VT-Serie des Herstellers hat nun ein Upgrade erhalten und das betrifft auch unsere TE-62CC LPB als heutiges Testmodell, die nun mit unter anderem mit neuen Pickups, einem gerösteten Ahornhals und verbesserter Hardware erscheint. Und das alles nach wie vor für einen Preis, der der Konkurrenz den Angstschweiß auf die Stirn treiben dürfte: Mickrige 149,- Euro sind für den Erwerb der Harley Benton TE-62CC LPB fällig und damit wird die Luft im unteren Preissegment für die Mitanbieter wieder ein Stückchen dünner. Was die metallicblaue Tele-Kopie uns bieten kann, werden wir nun genauer beleuchten.

Harley Benton TE-62CC LPB – Facts & Features

Als Basis für den Singlecut-Body wurde Pappel verwendet. Wie viele Teile hier zusammengesetzt wurden, lässt sich nur schwer bestimmen, denn die Metalliclackierung („Lake Placid Blue“) ist satt und sehr sorgfältig bis in die kleinste Ritze aufgetragen. Schleifspuren oder gar Lacknasen sind keine festzustellen, ebenso wenig aber auch eventuelle Schnittkanten der verwendeten Holzstücke. Das Design des Bodys hält sich absolut am berühmten Original, somit gibt es keinerlei Shapings oder Fräsungen auf Vorder- und Rückseite zu entdecken. Die Tele war eben immer schon ein „einfaches Brett“ und ganz dieser Tradition verpflichtet zeigt sich auch unser Testmodell mit den bekannten Ecken und Kanten. Keine „Bierbauchfräsung“ oder besondere Maßnahmen rund um den Hals-Korpus-Übergang sind zu finden, lediglich die sechs Hülsen für die Aufnahme der Saiten auf der Rückseite gilt es zu erwähnen. Sie sind Teil der String-through-Saitenführung, die in aller Regel für ein insgesamt besseres Resonanzverhalten sorgt und zudem dem Sustain erfahrungsgemäß auf die Sprünge hilft.

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Harley Benton TE-62CC LPB back

Rückseite mit den sechs Hülsen zur Aufnahme der Saiten

Roswell Pickups

Gut die Hälfte der Decke wird von einem mintgrünen, dreischichtigen Schlagbrett bedeckt, das wie gewohnt den vorderen Singlecoil mit umschließt. Zum Einsatz kommen, wie es mittlerweile bei Gitarren von Harley Benton die Regel ist, ein Satz Roswell-Pickups. Es handelt sich bei unserem Testmodell um AlNiCo 5 Typen, die wie üblich über einen Dreiwegeschalter ausgewählt und mittels Volume- und Tone-Poti dem persönlichen Geschmack angepasst werden. Die Bedienelemente sitzen zusammen auf einer Chromblende und hinterlassen grundsätzlich einen guten Eindruck: Der Schalter rastet knackig in seinen drei Positionen ein und die beiden Regler laufen sauber auf ihren Achsen. Allerdings dürften die Potis m.M.n. gerne ein Stück weicher zu bedienen sein, das gilt insbesondere für das Volume-Poti, das sich doch ganz schön zäh beim Drehen verhält. Volume-Swells mit dem kleinen Finger gestalten sich so etwas schwierig, bei regelmäßiger Nutzung dürfte das Problem sich aber früher oder später erledigen, das zeigt uns die Erfahrung.

Harley Benton TE-62CC LPB Roswell

Roswell-Singlecoils, hier die Stegausführung in der charakteristischen „Aschenbecherbrücke“

Hals aus karamellisiertem Ahorn

Längst auch in der untersten Preisklasse angekommen ist die Wärmebehandlung von Ahornhälsen, was der Hersteller nicht wie landläufig bekannt als „roasted“, sondern als „karamellisiert“ bezeichnet. Aufgeleimt wurde ein separates, ebenfalls wärmebehandeltes Griffbrett aus Ahorn mit einem eher vintage-orientierten Radius von 12″ und 21 Bünden mittlerer Stärke. Die Qualität der Bundierung kann man als gut gelungen bezeichnen, hier und da piekst es zwar etwas an den Kanten, einer guten Bespielbarkeit tut das aber keinen Abbruch. Ebenso gut steht es um den Sattel, der sauber in der Kerbe am Halsende seinen Platz eingenommen hat.

Das D-Halsprofil wurde angenehm flach gestaltet, das ist mindestens genau so wichtig für ein gutes Handling wie die nur satinierte Halsrückseite, die der Greifhand über die volle Länge des Halses stets ein natürliches Spielgefühl vermittelt. Abgesehen davon verleiht die dunkle Färbung des Halses zusammen mit der blauen Lackierung des Korpus dem Instrument eine wirklich hübsche und stimmige Optik – denn das Auge spielt ja bekanntlich auch immer mit.

Solide Hardware mit zuverlässigen Mechaniken

Dem Rotstift zu Opfer fällt in dieser niedrigen Preisklasse oft die Qualität der Hardware und das ganz besonders bei den Mechaniken, deren Funktion den Besitzer durch Wackeln und übermäßiges Spiel oft an den Rand der Verzweiflung treiben kann. Keine Frage, die Tuner sind eine wichtige Sache, wenn man unbeschwerten Spaß mit einer Gitarre erleben und nicht nach jedem Song das Instrument erneut stimmen möchte. Die an der schlanken Kopfplatte der TE-62CC LPB angebrachten DieCast-Mechaniken im Kluson-Design arbeiten hingegen überraschend gut, sie besitzen nur wenig Spiel auf ihren Achsen, was ein präzises und unkompliziertes Stimmen ermöglicht. Zudem hielten sie während der Testdauer die Gitarre zuverlässig die Stimmung und passen sie mit ihren verchromten Mini-Buttons perfekt zum Vintage-Design des Instruments.

Zur Aufnahme der Saiten dienen drei Saitenreiter – wenn schon vintage, dann aber richtig! Auch wenn die irgendwann mal auftretende Korrektur der Oktavreinheit etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen dürfte, als es bei Systemen mit einem Reiter für jede Saite der Fall ist. Beim genauen Betrachten der „Aschenbecherbrücke“ fällt jedoch auf, dass bereits Vorkehrungen in Form von Bohrungen für sechs einzelne Reiter getroffen wurden. Somit könnte man praktisch die vorhandenen durch einen kompletten Satz neuer Teile ersetzen und das Instrument damit natürlich auch ein Stück weit servicefreundlicher machen. Bei unserer Testgitarre gab es jedoch keinerlei Probleme in diesem Bereich: Die Oktavreinheit war ab Werk perfekt eingestellt, Akkorde und Voicings, ganz gleich in welchem Bereich auf dem Hals auch immer, klangen stets rein und klar.

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Harley Benton TE-62CC LPB Headstock

Die Harley Benton TE-62CC LPB im Praxis-Check

Akustischer Grundklang / Handling

Neben ihrem angenehm leichten Gewicht überrascht die TE-62CC LPB schon trocken angespielt mit einem brillanten und kernigen Grundklang. Die Konstruktion schwingt schon recht ordentlich und kann zudem mit einem guten Sustain punkten – sicherlich alles Dinge, die man der String-through-Saitenführung zuschreiben muss. Das schlanke Halsprofil mit der nur satinierten Oberfläche bietet ein wunderbar natürliches Spielgefühl, faktisch ohne Widerstand gleitet die Greifhand auf dem Daumen gestützt durch alle Lagen des Griffbretts bis hinauf zum letzten Bund, der dank des weit ausgesägten Cutaways mühelos zu erreichen ist. Um ehrlich zu sein: Würde mir jemand im Shop diese Gitarre in die Hand drücken und ich wüsste nicht, wie günstig sie wäre – ich würde jetzt schon bereits mit meinen Vermutungen vom mindestens dreifachen Preis komplett daneben liegen. Die Überraschung ist Harley Benton auch hier wieder geglückt, man hat es ja fast schon erwartet bei der kontinuierlich wachsenden Qualität der Instrumente, die der Hersteller Stück für Stück weiterentwickelt.

Elektrischer Sound

Die TE-62CC LPB ist ja nun nicht die erste Gitarre mit Roswell-Pickups, die ich einem Test unterziehen konnte. Mal harmonierten die Tonabnehmer gut mit der Grundkonstruktion, mal etwas weniger, in diesem Fall sind wir irgendwo mittendrin gelandet. Zunächst einmal ist erfreulich, dass die beiden Roswell-Singlecoils ziemlich geizig mit Nebengeräuschen umgehen, weder im Alleinbetrieb noch zusammengeschaltet ist hier irgendetwas auffällig. Im unverzerrten Bereich leiten sie den strahlenden, Grundklang des Instruments gut an den Verstärker weiter und ergänzen sie mit dem charakteristischen „Twang“, für den dieser Typ ja so beliebt ist und den man natürlich auch erwarten darf. Mit zunehmendem Overdrive jedoch wandelt sich das Bild und der einstmals so strahlende und klare Klang wird zunehmend matschiger und undifferenziert, während dann auch die Nebengeräusche erwartungsgemäß stärker hervortreten und den Spaß schnell vermiesen können. Für „richtig Heavy“ war die Tele eben noch nie gemacht, das können andere Kandidaten weitaus besser.

Harley Benton TE-62CC LPB – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die Harley Benton TE-62CC LPB zusammen mit einem Mesa/Boogie Studio 22+ Combo verwendet. Vor dem Verstärker wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert, ehe das Signal ohne weitere Effekte in Logic Audio aufgezeichnet wurde.

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Fazit

Würde man noch ein paar Euro für einen Satz Austausch-Pickups in die Hand nehmen, dann könnte man die Harley Benton TE-62CC LPB zu einer Tele aufrüsten, die dem Original verdammt nah auf die Pelle rückt. Das Instrument ist nicht nur für diese Preisklasse hervorragend verarbeitet, sondern bietet mit dem schlanken, wärmebehandelten Ahornhals eine ausgesprochen gute Bespielbarkeit, die sowohl Einsteigern als auch Profis gefallen dürfte. Erneut ein Knaller in der Low-Budget-Klasse!

Plus

  • gute Verarbeitung
  • gute Bespielbarkeit
  • solide Hardware
  • mal wieder ein Hammer Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • PUs bei Overdrive-Sounds
  • schwergängige Potis

Preis

  • 149,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Sven Blau  

    Könntet ihr mal wieder Gitarren von Fender testen, oder Squier? Alle 2 Tage Thomann Hausmarke ist langweilig. Mittlerweile wissen wir ja, dass das ganz tolle Gitarren sind…

    Aber für mich interessant sind Fendergitarren der Preisklasse um 1000€ sowie Squier ab 300€.

  2. Profilbild
    Atarkid  AHU

    Saugeil Stephan, danke für den Test!!! Die Gitarre hatte ich eh auf dem Zettel. Für einen schönen „Twang“ eben, den ich mit meiner SG natürlich nicht hab.
    Hast Du vielleicht einen Tipp für den Austausch der Pickups?

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Poh … ich persönlich vertraue ja auf Produkte aus dem Hause DiMarzio …. aber da hast Du echt die Qual der Wahl. Zur Not tuns ja auch ein paar Gebrauchte eines Markenherstellers. Ansonsten die üblichen Verdächtigen, wie Kloppmann, Häussel, Seymour Duncan ,… damit würde die HB Tele nen Quantensprung machen :)

      • Profilbild
        Atarkid  AHU

        Klasse, Danke! Werd ich mir mal anschauen, weil ich glaub nicht, dass ich für den Preis an der HB Tele vorbeikommen werde.

  3. Profilbild
    janschneider  

    Ich fände es ja mal interessant, wenn HB mal eine richtig kompromisslose Tele für 300-400€ oder so machen würde und da nochmal das letzte Stück Qualität herausholten, anstatt “so günstig wie möglich” oder “gut für den Preis…

    Bezüglich Einstellung und Bespielbarkeit würde ich mal vermuten, dass Tester da entsprechende Modelle erhalten, die etwas mehr Zuwendung erfahren haben als die vom Otto-Normalbesteller. Meine Erfahrung zumindest mit zwei Akustikgitarren war eine andere, eine musste ich zurückgeben, das sie so schlecht gebaut war, dass man sie eigentlich nicht vernünftig einstellen konnte, die nächste brauchte auch noch einiges an Arbeit, bevor sie annähernd bespielbar war. OK, für 170€ macht man das schon mal mit…

    • Profilbild
      Green Dino  AHU

      Wann war das?
      Die HB Gitarren sind wohl sukzessive besser geworden während den letzten Jahren, hin und wieder ist ein Aussreisser dabei, aber prinzipiell scheint sich da einiges getan zu haben.
      So habe ich das zumindest mitbekommen.

      • Profilbild
        Stephan Güte  RED

        Vollkommen korrekt, die Teile werden von Jahr zu Jahr besser in Sachen Klang, Verarbeitung, Bespielbarkeit und Optik. Da is schon lange nix mehr mit Feuerholz ;)

    • Profilbild
      GuitarHearts  

      Vielleicht folgt ja mal was wie die Fusion Tele, bloß eben nicht HH, so wie jetzt.
      Ich habe eine da, wüsste nicht was man da besser machen könnte.

  4. Profilbild
    Steffog  

    Danke für den coolen Test, Stephan.
    Du hattest vor längerer Zeit auch mal die Harley Benton TE-20MN getestet. Ich hab mir daraufhin eine zugelegt und die macht echt Spaß. Denke nun über ein Upgrade nach, die Optik finde ich gut, String-through sowieso, aber wie ist das jetzt mit den neuen Pickups. Klingen die denn jetzt wirklich nicht mehr so gut wie bei der TE-20MN?

    • Profilbild
      Xevantris  

      Hey,
      ich denke mal, die Kritik zu den Pickups ist im Verhältnis zum Preis zu betrachten. Sicherlich werden die besser sein als die der 89€ Tele-Imitation.

      Ich fände es allerdings auch echt spannend, mal einen richtigen Fender Testzu allen Gitarren von der Squier Bullet Strat /Tele bis hin zu den Fender Masterbuilt Modellen zu machen. Da hat sich extrem viel getan und es ist ziemlich verwirrend, da durchzublicken.
      Liebe Grüße

      • Profilbild
        Steffog  

        Hey Xevantris.
        Danke für Deine Antwort. Da hast Du sicherlich recht, bei dem Preis. Stephan meinte ja auch schon, die Roswell Pickups fallen mal so und mal so aus. Vielleicht hatte ich mit meinem Exemplar Glück und die in dieser Test-Tele waren halt nur okay.
        Den von Dir vorgeschlagenen Test durch alle Squier-Fender-Preislevel fänd ich auch spannend.

  5. Profilbild
    Fadermaster  

    Es gibt einen Hersteller, der zwar schon seit über 20 Jahren am Markt ist – dank fürchterlichen Marketings aber nie so richtig präsent: Vintage. Ich habe für mein Studio inzwischen 4 verschiedene, V6, V500, V100GT und V62 – Letztere ist eine von verschiedenen Telecaster Modellen aus diesem Hause. Die Gitarren kosten alle so um die 400 Euro (wenn überhaupt) und sind allererste Sahne. Ich bin seit über 30 Jahren Musiker und habe in dieser Zeit bis hin zu einer Fender Custom Shop Nocaster Relic so ziemlich alles mal zumindest gründlich antesten können. Vintage haut mich regelrecht um – schaut euch diese Gitarren unbedingt mal an. Da Amazona vermutlich einen Werbevertrag mit Thomann hat und diese nicht zum Sortiment gehören, werden wir sie hier wohl nie sehen. Vielleicht sollte ich selber mal einen Test hier veröffentlichen…
    Jedenfalls ist die V6 Strat von Vintage seit Jahren meine absolute Nummer 1 und der beste Player, den ich jemals hatte, und auch die anderen drei könnten das Dreifache kosten und es wäre noch immer ein Schnäppchen für das, was man bekommt.
    Blues-Ikone Gregor Hilden hat auf Youtube ein paar Videos, in denen er die V100GT (eine Gold Top) spielt. Anhören!

    • Profilbild
      Tyrell  RED 13

      Hi Fadermaster, auf AMAZONA.de werden regelmäßig Produkte getestet, die es nicht im THOMANN-Store gibt. Die Anspielung ist wirklich unnötig. Aktuell arbeiten für AMAZONA.de 85 Autoren. In den letzten 22 Jahren waren es sich einige hundert. Du wirst keinen einzigen finden der irgendwie durch die Redaktion bei der Wahl der Produkte oder der Bewertung, beeinflusst wurde.
      Also ja, die Idee einen Lesertest dazu zu schreiben klingt gut – mach doch einfach. :)
      Ob die Gitarrenredaktion das Teil testen will liegt in deren Händen. Selbst darauf habe ich als Chefredakteur keinen Einfluss.
      Viele Grüße,
      Peter

      • Profilbild
        Fadermaster  

        Der Nebensatz war nicht zynisch sondern sachlich gemeint, und dass es bei Amazone sehr Thomann-lastig zugeht, steht denke ich auch ausser Frage und da muss man sich als Redaktion eben auch mal solche Kommentare gefallen lassen ;)

        Review nehme ich in Angriff.

    • Profilbild
      GuitarHearts  

      Richtig! Ich hatte noch nie ne schlechte Vintage in der Hand. Die Thomas Blug halte ich für eine der besten Strats auf dem Markt (für normalos)

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