Preiswerter Einsteiger-Combo
Ein Gitarrenverstärker mit 40 Watt, vier Kanälen, eingebauten Effekten und einem Preis, der kaum über dem eines Wochenendeinkaufs einer Kleinfamilie liegt – klingt zu gut, um wahr zu sein? Der Harley Benton Übungsamp versucht genau das: maximale Ausstattung zu minimalen Kosten.
- Vielseitigkeit: Fünf Amp-Voicings, integrierte Effekte und digitale Schnittstellen decken zahlreiche Einsatzbereiche ab.
- Bedienung: Intuitive Steuerung mit speicherbaren Presets und übersichtlichem Bedienpanel.
- Klang: Solider Übungssound mit Einschränkungen bei Dynamik und Speaker-Performance bei hohen Pegeln.
- Extras: Bluetooth, USB-Audio und ein integriertes Stimmgerät bieten Mehrwert für Homerecording und Alltag.
Inhaltsverzeichnis
Harley Benton Übungsamp HB-40MFX
Das kompakte Combo-Format wirkt aufgeräumt, die Bedienung ist unkompliziert und auch optisch macht der Amp einen durchaus erwachsenen Eindruck. Ob Wohnzimmer, Hobbykeller oder kleine Jam-Session: Mit seinem moderaten Output und flexiblen Klangoptionen soll der Amp vor allem Einsteigern und Preisbewussten ein verlässlicher Begleiter sein. Ob er diesem Versprechen gerecht wird, zeigt der folgende Testbericht.
Facts & Features
Der Harley Benton Übungsamp präsentiert sich als klassischer Übungsamp mit modernem Funktionsumfang und dabei als ernstzunehmender Kandidat für Einsteiger, Fortgeschrittene und alle, die einen vielseitigen All-in-one-Amp für zu Hause oder kleine Sessions suchen. Das Bedienpanel ist übersichtlich gestaltet und gut ablesbar, alle Anschlüsse befinden sich auf der Vorderseite – mit Ausnahme des Lautsprecherausgangs, der an der Rückseite sitzt. Damit kann man dem Verstärker mit einer Zusatzbox etwas mehr Power verleihen.
5 Voicings zur Auswahl
Im Zentrum des Harley Benton Übungsamp steht die Auswahl der fünf verschiedenen Amp-Voicings: Clean, Crunch, Lead, OD1 und OD2. Ein Drucktaster (Voice) oberhalb des Gain-Reglers schaltet zyklisch durch die fünf Klangcharaktere, die jeweils aktive Einstellung wird dabei durch eine grüne LED angezeigt. Die Abstimmung der Voicings ist grundsätzlich praxisnah: Der Clean-Kanal bleibt auch bei höheren Pegeln sauber, der Crunch- und Lead-Modus bietet unterschiedliche Abstufungen an klassischer Verzerrung, während OD1 und OD2 die moderne, stark gesättigte Schiene abdecken. Die Unterschiede sind hörbar, wenn auch nicht besonders differenziert. Vor allem die OD-Modi ähneln sich ziemlich und sind teilweise sehr zäh in der Dynamik. Doch dazu später mehr.
Ein großer Pluspunkt ist die Ausstattung mit einem echten 3-Band-EQ, der in den Reglern für Bass, Middle und Treble realisiert ist. Insbesondere der Mittenregler bietet dabei genug Einfluss, um den Grundcharakter jedes Voicings effektiv anzupassen. Darüber hinaus stehen ein Gain- und ein Lautstärkeregler zur Verfügung, um das Verhältnis zwischen Sättigung und Endlautstärke zu bestimmen. Abgerundet wird das Ganze durch einen Master-Volume-Regler, mit dem man die Gesamtlautstärke des Amps unabhängig von den Lautstärken der fünf Voicings einstellt.
Wichtige Effekte mit dabei
Die integrierte Effektsektion stellt fünf digitale Effekte bereit: Reverb, Delay, Chorus, Phaser und Tremolo. Diese lassen sich über die EFX-Taste nacheinander durchschalten, wobei jeweils eine LED den aktivierten Effekt anzeigt. Mit dem FX-Regler kann die Gesamtintensität bestimmt werden. Wer tiefer ins Sounddesign einsteigen will, hält die Taste EFX gedrückt, bis sie rot leuchtet: Nun lässt sich über den PARAM-Regler der erste Parameter anpassen. Ein weiterer Druck auf EFX schaltet zur zweiten Einstellung (grün), ein dritter zur dritten (blau). Ein weiterer Druck rotiert wieder zum ersten Parameter zurück, ein erneutes langes Drücken beendet schließlich den Edit-Modus.
Diese Dreistufigkeit erlaubt trotz spartanischer Oberfläche eine recht übersichtliche Bearbeitung der Effektparameter. Klanglich liefern Phaser, Chorus und auch das Tremolo solide Resultate, die sich praxisnah einfügen lassen. Der Hall hingegen wirkt recht künstlich, ja fast schon „blechern“. Echo-Fans bekommen zwar ein brauchbares Basiswerkzeug, müssen jedoch auf Features wie das ungemein bequeme Tap-Tempo verzichten. Insgesamt ist die Sektion ein nettes Add-on, ersetzt aber bei gehobenen Ansprüchen auf keinen Fall ein separates Effektgerät bzw. Multi-FX.
Der integrierte Bluetooth-Empfänger im Harley Benton Übungsamp erlaubt das drahtlose Streamen von Backing-Tracks oder Übungssongs direkt vom Smartphone oder Tablet. In der Praxis funktioniert das zuverlässig. Zusätzlich gibt es einen Aux-Eingang im Miniklinkenformat, falls man lieber kabelgebunden arbeiten möchte. Für das lautlose Üben steht ein Kopfhörerausgang zur Verfügung, ebenfalls als 3,5-mm-Miniklinkenbuchse ausgelegt. Wird hier ein Kopfhörer angeschlossen, schaltet der interne Lautsprecher automatisch stumm – eine für Übungsamps typische und nützliche Funktion. Der Klang über Kopfhörer geht für das Üben in Ordnung, ist aber keinesfalls mit einer Cab-Simulation vergleichbar!
Der Mini-USB-Port ermöglicht die digitale Audiowiedergabe vom Computer – geeignet, um etwa Play-Alongs, Songs oder Übungs-Tracks direkt über den Verstärker abzuspielen. Der Amp meldet sich in der DAW bzw. den Audioeinstellungen des Computers als „MRX High Audio“ an, wobei der Master-Regler am Amp die USB-Lautstärke beeinflusst. Firmware-Updates oder gar USB-Recording funktionieren hier zwar nicht, doch auch so bietet die Funktion für Einsteiger und das Heimstudio einen kleinen Mehrwert.
Ein weiteres nützliches Tool ist das integrierte Stimmgerät, das per LED-Anzeige eine schnelle Orientierung beim Stimmen ermöglicht. Aktiviert wird es über einen Taster am Bedienpanel. Beim Spielen zeigt eine einzelne LED den aktuellen Ton an und weicht bei Abweichungen von der Stimmung farblich ab. Sicher kein chromatischer Luxus-Tuner, aber für schnelles Nachstimmen absolut ausreichend.
Nicht zu vergessen: Der Harley Benton Übungsamp bietet vier voll programmierbare User-Presets, die auf Knopfdruck abrufbar sind. Sobald man einen Sound inklusive Effekt, EQ und Lautstärke gefunden hat, kann dieser gespeichert werden und steht dann beim nächsten Einschalten sofort wieder zur Verfügung. Die Speicherfunktion ist nicht übertrieben komplex, aber sie funktioniert verlässlich und bietet gerade Einsteigern eine gute Möglichkeit, ihre eigenen Kreationen einfach abzuspeichern – und mindestens genauso einfach wiederzufinden.
Der integrierte 10″-Speaker liefert im Zusammenspiel mit der 40-Watt-Class-AB-Endstufe eine recht ordentliche Lautstärke. Das reicht aber erfahrungsgemäß nicht für den Einsatz im Proberaum oder auf der Bühne. Für kleine Sessions, Unterricht oder das Spielen zu Hause genügt die Leistung aber locker. Zur Not kann man ja am externen Speaker-Anschluss auf der Rückseite eine Zusatzbox anschließen, wenn doch mal ein größerer Gig ansteht. Soweit zur Begutachtung des Harley Benton HB-40MFX – lassen wir nun die Praxis sprechen!
Der Harley Benton Übungsamp im Sound-Check
Der Harley Benton Übungsamp erwacht nach Umlegen des Power-Schalters ohne Knacken und mit erfreulich wenig Grundrauschen zum Leben. Nach dem Einschalten lassen sich die fünf Amp-Voicings Clean, Crunch, Lead, OD1 und OD2 per Tastendruck anwählen, eine kleine LED zeigt dabei stets den aktiven Kanal an. Das Clean-Voicing liefert einen glasklaren Grundsound, der bei niedrigen Lautstärken recht warm und offen klingt.
Für Jazz oder Funk ist dieser Kanal gut geeignet, wenngleich es doch spürbar an Headroom fehlt und er daher dann und wann etwas „gepresst“ klingt. Der Crunch-Kanal klingt typisch britisch-rau beeinflusst, allerdings etwas undynamisch – der typische „Amp-reagiert-auf-den-Anschlag“-Moment bleibt hier leider aus. Trotzdem lässt sich durch das Kurbeln am EQ irgendwie schon auch ein bluesiger Sound hervorzaubern.
Die beiden Overdrive-Modi OD1 und OD2 des Harley Benton Übungsamps bieten ordentlich Gain für Classic-Rock bis moderaten Metal. Dabei fällt auf, dass der Grundcharakter recht mittig abgestimmt ist, mit komprimierter Ansprache und begrenztem Dynamikumfang. Wer Dynamik sucht, bekommt sie – allerdings ohne große Feinzeichnung oder nuancierte Kontrolle durch das Pick-Attack. Der kleine 10″-Speaker bringt den Ton erstaunlich kraftvoll ins Zimmer, tendiert aber bei höheren Lautstärken zum Dröhnen und kann im Hochtonbereich je nach Sitzposition etwas kratzig wirken. Für Bandproben mit Double-Bass-Drummer und Bass-Stack-Freaks oder gar Gigs dürfte das zwar nicht ausreichen, aber dafür wurde der Amp ja auch nicht gebaut.
Die integrierten Effekte Reverb, Delay, Chorus, Tremolo und Phaser lassen sich wie beschrieben aktivieren und mit jeweils drei Parametern anpassen. Klanglich reicht es von brauchbar bis zweckmäßig: Der Hall wirkt digital und flach, das Delay hingegen klingt verhältnismäßig sauber, und Chorus und Phaser integrieren sich gut ins Signal – sofern man sie dezent dosiert.
Klangbeispiele
Für die folgenden Klangbeispiele habe ich vor dem Amp ein AKG-C3000-Mikro platziert. Die Effekte stammen aus dem Harley Benton, eingespielt wurden die Tracks mit meiner Music Man Silhouette Special.





































