Konsolen-DNA im kompakten Rack
Mit dem API500-Rack Harrison D510r sowie den drei Modulen Harrison 32Cpre+, dem Harrison Audio Comp und dem Harrison MR3eq 500-Series-EQ bringt Harrison erstmals die Klangtradition seiner Konsolen in ein modulares API500-Rack-System. Zusammen mit dem vielseitigen D510r-Chassis ergibt das eine kompakte, aber klanglich ambitionierte analoge Frontend-Kette – ideal für Tracking und Mixing mit echtem Analog-Feeling. In diesem Testbericht gehen wir auf Ausstattung, Verarbeitung und Klangcharakter aller drei Module ein und zeigen, ob und wie sie im Harrison D510r-System ihre Stärken ausspielen.
- Konzept: Modulares API500-Rack, das weit über eine klassische Lunchbox hinausgeht und sich bis zur hybriden Audio-Zentrale ausbauen lässt.
- Klang: Typischer Harrison-Sound mit Wärme, Kontrolle und musikalischer Abstimmung statt extremer Färbung.
- Module: 32Cpre+, Comp und MR3eq bilden eine stimmige, praxisnahe Channelstrip-Kette für Recording und Mixing.
- Workflow: Durchdachter analoger Signalfluss, ideal für Hybrid-Setups mit DAW-Anbindung und optionalem Summing.
- Fazit: Kein Effekt-Feuerwerk, sondern ehrlicher Konsolen-Sound im 500-Format mit hoher Studio-Tauglichkeit.
Inhaltsverzeichnis
- Harrison D510r, 32Cpre+, Comp, MR3eq
- Das API500-Rack Harrison D510r
- Harrison 32Cpre+: Preamp im 500-Format
- Harrison Audio Comp: flexibler analoger Kompressor
- Harrison MR3eq: analoger 3-Band-Equalizer
- Klangliche Synergie: Wenn Preamp, Comp und EQ zusammenspielen
- Klangbeispiele des Harrison-Systems
- Die Mitbewerber des Harrison API500 Systems
Das API500-Rack Harrison D510r
Bevor wir zu den einzelnen Modulen kommen, werden wir zunächst einen genauen Blick auf das Fundament des Systems: das API500-Rack Harrison D510r. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein klassisches 10-Slot-500-Series-Rack, in der Praxis entpuppt es sich jedoch als hochgradig modulares System, das weit über die Funktionen einer herkömmlichen Lunchbox hinausgeht.
Grundkonzept & Aufbau des Harrison D510r
Das Harrison D510r bietet zehn vollwertige API500-Slots mit großzügig dimensionierter interner Stromversorgung, die auch stromhungrige Module problemlos versorgt. Mechanisch macht das 19″-Rack einen sehr soliden Eindruck und bietet ein stabiles Metallgehäuse, sauber geführte Steckplätze und rückseitig symmetrische XLR-Ein- und Ausgänge für jeden Slot. Damit eignet sich das Harrison D510r gleichermaßen für feste Studioinstallationen wie für mobile Racks.
Im Unterschied zu vielen klassischen API500-Chassis versteht sich das Harrison D510r jedoch nicht nur als Modulträger, sondern als Systemplattform, die sich funktional an unterschiedliche Studio-Szenarien anpassen lässt.
Optionale Erweiterungen – das eigentliche Alleinstellungsmerkmal
Die große Stärke des Harrison D510r liegt in seinen optionalen Erweiterungskarten, mit denen sich das Rack vom reinen Analog-Gehäuse zur hybriden Audio-Zentrale ausbauen lässt:
- D510mx Mixer-Modul: Mit diesem optionalen Summierer wird das Harrison D510r zum analogen Submixer. Die belegten Slots lassen sich intern auf eine Stereo-Summe routen, inklusive Pegel- und Panorama-Kontrolle. Ideal für Drum-Submixes, Stem-Summing oder als analoge Summierstufe vor der DAW.
- USB/ADAT Interface-Option: Über eine optionale Digitalkarte kann das Harrison D510r direkt an Rechner oder Audiointerface angebunden werden. Damit wird aus dem Rack ein kompaktes Frontend für Recording-Sessions, bei dem die analoge Klangformung bereits vor der Wandlung stattfindet.
- Dante-AoIP-Integration: Besonders relevant für größere Studios oder Live-Umgebungen ist die Dante-Option. Damit lässt sich das D510r nahtlos in netzwerkbasierte Audiosysteme integrieren. Mehrkanal-Audio über Ethernet, flexible Routing-Möglichkeiten und hohe Skalierbarkeit inklusive.
Harrison D510r: Einsatz in der Praxis
In Verbindung mit Modulen wie dem 32Cpre+, Comp und MR3eq wächst das Harrison D510r über das klassische Lunchbox-Konzept hinaus.
Statt einzelner Effektbausteine entsteht ein echter analoger Signalfluss: vom Preamp über Dynamikbearbeitung bis zum EQ, optional direkt summiert oder digital ausgekoppelt. Gerade für Hybrid-Setups aus analogen Komponenten und DAW-Mixing bietet das D510r dadurch eine sehr durchdachte Arbeitsweise.
Unterm Strich ist das Harrison D510r weniger eine „Spielwiese für API500-Module“, sondern vielmehr eine zentrale Studio-Komponente, die mit den eigenen Anforderungen mitwachsen kann, vom kompakten Recording-Rack bis zur vernetzten Analog-Summing-Lösung.
Harrison 32Cpre+: Preamp im 500-Format
Das erste Glied der Channelstrip-Kette ist der Mic-Preamp 32Cpre+.
Ausstattung & Features
- Jensen JT-MB-CPCA transformer-coupled Mic-Preamp für vollen, offenen Charakter
- +20 bis +70 dB Gain – genug Leistung für dynamische und Ribbon-Mikrofone
- Hoch- und Tiefpassfilter mit musikalischer 12 dB/Okt.-Flanke und typischem Resonanz-Peak
- Frontseitige XLR/TRS-Combo-Buchse für Mikrofone oder Hi-Z-Instrumente
- Phasenumkehr, 48 V Phantomspeisung, Pad sowie Overload-LED
Verarbeitung
Die Schalter und Potis des Harrison 32CPre+ sind solide ausgeführt, die Bedienelemente schnell durchschaut. Die Platinen sind hauptsächlich in SMD-Technik realisiert, was typisch für moderne 500-Module ist. Die Bauweise ist funktional, sauber beschriftet und vermittelt trotz des kompakten Formats eine professionelle Haptik.
Klang & Praxis
Klanglich liefert der Harrison 32Cpre+ genau das, was man von einem klassischen Harrison-Preamp erwartet: ein kräftiges, musikalisches Low-End-Fundament, eine offene, sauber definierte Mitte und runde, natürlich-weiche Höhen. Die Filter erlauben es, bereits beim Tracking raumgreifend störende Frequenzen zu zähmen und geben so mehr Kontrolle schon vor der DAW.
Der zusätzliche Instrumenteneingang auf der Front und der hohe Gain-Bereich machen das Modul nicht nur für Vocals interessant, sondern auch für Gitarren, Bässe oder andere Quellen, die ein charaktervolles analoges Eingangssignal suchen.
Harrison Audio Comp: flexibler analoger Kompressor
Zwischen Preamp und EQ sitzt der Kompressor, ein weiterer Harrison-Klassiker im API500-Format.
Ausstattung & Features
- Feed-forward-Kompressor mit THAT 2180 VCA-Chip für lineare, saubere Kompression
- programmabhängige Attack-Zeit: reagiert dynamisch auf das Eingangssignal
- variable Release-Zeit (von schnell bis langsam) für viel Flexibilität
- Threshold, Ratio, Makeup-Gain-Regler plus Gain-Reduction-LED
Verarbeitung
Die Bedienelemente sitzen sicher auf der Front des Moduls, die Beschriftung ist klar und funktional. Auch bei diesem Modul setzt Harrison auf eine gründliche, aber moderne Bauweise mit vielen SMD-Komponenten und eine solide mechanischer Stabilität. LEDs geben Feedback über die Gain-Reduction für schnelle Pegelübersicht im Studioalltag.
Klang & Praxis
Der Harrison Comp ist ein Vielzweck-Kompressor, der sowohl als musikalischer Leveler als auch als kräftiger „Vibe-Kompressor“ fungieren kann. Dank der programmabhängigen Attack-Charakteristik bleibt er auf Transienten sensibel und drückt nicht gleich alles platt, was ideal für Drums, Bass oder Gesangsspuren ist.
In der Praxis gefällt mir vor allem die flexible Release-Steuerung und die Tatsache, dass der Kompressor auch mit traditionellem Design sauber arbeitet und dem Mix weder Ballast noch unnötige Färbung hinzufügt.
Harrison MR3eq: analoger 3-Band-Equalizer
Der letzte Baustein in der Channelstrip-Kette ist der Harrison MR3eq, ein unkomplizierter, aber musikalischer EQ.
Ausstattung & Features
- 3-Band-Parametric-EQ mit +/-10 dB Boost/Cut
- High- und Low-Bands mit Shelf/Prop-Q-Charakteristik
- Mittenband vollparametrisch (variable Q)
- Hochpassfilter zur schnellen Entrümpelung des Signals
- Bypass-Schalter für EQ & HPF
Verarbeitung
Auch beim MR3eq setzt Harrison auf eine einfache, aber zweckmäßige Bauweise mit sauberen Reglern und Schaltern. Die Frontplatte ist klar strukturiert. Wer bereits andere API500-EQs kennt, findet sich hier sofort zurecht.
Klang & Praxis
Der Harrison MR3eq spielt seine Stärken genau da aus, wo ein klassischer analoger EQ brilliert: musikalisch, nicht steril. Er formt den Klang mit einem warmen, satten Bass- und Mittenbereich und einem milden, aber wirkungsvollen Hochton-Band. Besonders das vollparametrische Mittenband gibt viel Kontrolle über den Klangcharakter eines Instruments.
Im Vergleich zum Preamp-Modul klingt der MR3eq etwas cleaner und weniger Übertrager-gefärbt, dafür präziser in der Frequenzbearbeitung, was perfekt für Mix- und Tracking-Sessions ist, in denen du gezielt und musikalisch eingreifen willst.
Klangliche Synergie: Wenn Preamp, Comp und EQ zusammenspielen
Die eigentliche Stärke des Harrison-Systems zeigt sich nicht bei der Betrachtung der einzelnen Module, sondern im Zusammenspiel von 32Cpre+, Comp und MR3eq innerhalb des Harrison D510r-Racks. Hier wird schnell klar, dass diese drei Module nicht zufällig nebeneinanderstehen, sondern klanglich und konzeptionell aufeinander abgestimmt sind, ganz im Sinne klassischer Harrison-Konsolen.
Am Anfang der Signalkette steht der Harrison 32Cpre+, der dem Signal eine stabile, musikalische Basis verleiht. Sein Klang ist präsent, aber nicht aggressiv, mit einem soliden Tiefenfundament und einer offenen Mittenabbildung. Gerade in Kombination mit Vocals oder akustischen Instrumenten entsteht ein guter Eindruck von Größe und Tiefe, ohne dass der Sound überzeichnet wirkt. Wichtig: Der Preamp klingt auch dann noch angenehm, wenn man ihn etwas härter anfährt, was ideal ist für moderne Recording-Situationen, in denen Charakter gefragt ist, aber Kontrolle erhalten bleiben soll.
Der anschließende Harrison Comp greift diesen Grundcharakter auf. Durch die programmabhängige Attack-Zeit reagiert der Kompressor sehr natürlich auf Transienten und bewahrt die Lebendigkeit des Signals. Besonders bei Gesang, Bass oder Drum-Subgruppen zeigt sich, wie gut der Comp mit dem 32Cpre+ harmoniert: Pegel werden gezähmt, ohne dass das Signal an Offenheit verliert. Die Kompression wirkt organisch und fügt sich klanglich nahtlos in den Preamp-Sound ein.
Den letzten Schliff übernimmt der Harrison MR3eq. Hier geht es weniger um chirurgische Korrekturen als um musikalische Formung. Kleine Anhebungen oder Absenkungen reichen oft aus, um dem Signal mehr Präsenz, Wärme oder Klarheit zu verleihen. Besonders auffällig ist, wie gut der EQ auf bereits komprimiertes Material reagiert: Der Klang bleibt stabil, nichts bricht ein oder wirkt harsch.
In Summe entsteht eine Signalkette, die klar analog, aber nicht altmodisch klingt. Die drei Module ergänzen sich zu einem homogenen Klangbild, das sich hervorragend für Aufnahmen eignet, aber auch im Mix als Subgruppe oder Insert überzeugt. Statt spektakulärer Einzelmodule liefert Harrison hier eine stimmige, professionelle Klangästhetik, die an klassische Großkonsolen erinnert – nur eben im kompakten 500-Format.
Klangbeispiele des Harrison-Systems
Ich habe in zwei E-Gitarren-Beispielen den HI-Z Eingang des 32Cpre+ zum „Rauchen“ gebracht. Einmal mit einem Brown-Sound und einen Marshall Sound, beide über eine Gibson Les Paul und dem Plug-in Guitar Paradise von Universal Audio.
In beiden Tracks habe ich den Preamp recht heiß angefahren und im Kompressor eine Gain-Reduction von 4 dB eingestellt – bei einem mittleren Release. Der Equalizer hat alle drei Bänder leicht betont und so klingen beide Samples sehr dynamisch und transparent.
Dann ein paar Töne eines E-Pianos aus den 80ern. Einmal pur direkt aus dem Synthesizer (Yamaha MODX M8) und einmal komplett durch das Harrison System geschickt. Auch hier gefällt mir die schöne analoge Note und die klare Transparenz des API-500 Systems.
Die Mitbewerber des Harrison API500 Systems
Mit dem API500-System bewegt sich Harrison Audio in einem durchaus umkämpften Umfeld. Naheliegend ist der Vergleich mit klassischen API500-Herstellern wie API, deren Preamps und EQs ebenfalls stark von Konsolenästhetik geprägt sind, klanglich jedoch oft aggressiver und direkter auftreten.
Von Neve inspirierte Module (etwa von BAE oder Heritage Audio) setzen dagegen stärker auf Sättigung und Farbe, wirken dabei aber weniger neutral als das Harrison-System. Die SSL-500-Module punkten mit Präzision und einer intuitiven Arbeitsweise, bleiben klanglich jedoch kühler.
Im Vergleich positioniert sich Harrison Audio bewusst zwischen Charakter und Kontrolle: weniger Effekt, mehr Konsole.
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Teures Vergnügen für etwas Konsolen-Sound !
Wenn ich mir die Bauteile auf den Platinen ansehe, kosten diese wenige Euronen. Da sind die aufgerufenen Preise schon sehr ambitioniert.
Firmen wie SSL treiben einen deutlich höheren technischen Aufwand für Ihren Sound bei ähnlichen Preisen.
@Spectral Tune Nach ner kurzen SSL API500 Modulsuche find ich eher höherpreisige Module bzw sehr wenig im „ähnlichen“ Bereich, kannst du deine Kritik bitte ein bisschen präzisieren?
@justcloseyoureyes klar, sehr gerne.
Der sehr gute SSL 500-Series VHD+ Preamp kostet gerade mal 20 Euro mehr als der 32 pre +
Der SSL 500-Series UltraViolet EQ als Stereo EQ liegt pro Kanal deutlich tiefer.
@Spectral Tune Danke, aus der Sicht nachvollziehbar. Auf welchen Preis würdest du beim Betrachen der Platine kommen?
@justcloseyoureyes Uii, genau kann ich es nicht ausrechnen. Den Preise der verwendeten Operationsverstärker vom Typ TI 33078 kannst du bei mouser nachschauen – ist nicht viel.
Unabhängig von Preis und Herstellkosten ist wichtig ob dir der Klang gefällt und ob du haptisch arbeiten möchtest.
Alternativ gibt es gute Audiointerfaces und zahlreiche PlugIns für die Konsolensättigung.
Wichtig ist dass du damit deine Musik machen kannst. Dann können sogar die hier vorgestellten Module das richtige sein, auch wenn sie für mich überteuert sind.
@Spectral Tune Danke für die Erläuterung🙂
@Spectral Tune Richtig was du sagst 👍
Ich finde aber nur der Preis des Chassis, wenn überhaupt, diskussionswürdig, so vom Schiff aus ohne Blick ins Innere.
Es ist ja nicht nur der Materialpreis, der den VP bestimmt, sonst wäre ja alle Software kostenlos.
Das Chassis voll ausgefüllt ist eine satte Investition.
Es braucht doch gar kein voll bestücktes Rack. Gerade der Pre bietet mit seinen durchstimmbaren Hoch- und Tiefpassfiltern plus den übrigen Merkmalen bereits sehr viel. Man darf auch nicht vergessen, bei einem derart hochwertig aufbereiteten und dann hoffentlich gleichwertig gewandeltem Signal haben digitale Prozessoren einen ganz anderen Arbeitspunkt und klingen entsprechend auch besser.