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Test: Harrison MR3eq, API500 Equalizer

Der Sound einer 80er-Legende als API500-Modul

14. Juni 2024
Harrison Audio MR3eq test

Harrison MR3eq, API500 Equalizer

Das Wiederbeleben berühmter Schaltungen der Tonstudiotechnik ist nicht neu. Der Harrison MR3eq Equalizer passt da genau ins Schema, denn er hat ebenfalls einen berühmten Urahnen, auf den bereits der Name hinweist. So möchte auch der Harrison MR3eq Equalizer an längst vergangene Zeiten anknüpfen und den legendären Harrison-Sound 43 Jahre später ins API500-Modulformat bringen.

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Harrison

Berühmte Toningenieure, Produzenten und Künstler pflastern den Weg von Harrison durch die 70er- und 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Reinhold Mack und Bruce Swedien sind zwei davon und haben auf den Harrison Mischpulten ihrer Residenzstudios Meisterwerke von Michael Jackson und Queen aufgenommen und gemischt. Auch nach Schweden in die Polar Studios hat Harrison den Weg gefunden und dort den Sound von ABBA unterstützend begleitet. Wie andere Hersteller auch, knüpft Harrison an die Vergangenheit an und belebt seine beliebten tontechnischen Designs in einem neuen Format wieder. Die 500-Serie umfasst den Harrison 32Cpre+ Vorverstärker der berühmten Harrison 3232 Mischpultkonsole, den Harrison Comp Kompressor sowie den Harrison MR3eq Equalizer als Nachbildung des EQs der Harrison MR-3 Mischpultkonsole aus den 1980er-Jahren.

Was bietet der Harrison MR3eq Equalizer?

Harrison MR3eq Equalizer schräg Platine

Der EQ ist relativ simpel aufgebaut. Er ist ein 3-Band-EQ mit parametrischem Mittenband und semiparametrischen Höhen- und Bassfiltern. Alle drei Bänder besitzen einen Gain von ±10 dB. Höhen- und Bassfilter lassen sich in der Charakteristik zwischen Shelving mit 6 dB/Okt. Flankensteilheit und Glockenfilter zweiter Ordnung umschalten. Das Glockenfilter ist mit proportionaler Filtergüte (Q-Faktor) ausgestattet. Die Breite der Bearbeitung ändert sich mit zunehmendem Boost. Filter mit proportionaler Filtergüte klingen deutlich musikalischer als Filter mit fester Güte. Die Frequenzbereiche der einzelnen Filterbänder sind:

  • Bassfilter: 40 Hz bis 800 Hz
  • Mittenfilter: 400 Hz bis 8 kHz
  • Höhenfilter: 800 Hz bis 15 kHz

Die Filter überlappen sich deutlich, so schließt das Höhenfilter direkt ans Bassfilter an. Beide besitzen eine obere beziehungsweise untere Eckfrequenz von 800 Hz. Das Mittenband liegt mittendrin und überlappt mit dem Bassfilter im Bereich von 400 Hz bis 800 Hz und mit dem Höhenfilter im Bereich von 800 Hz bis 8 kHz. Auf diese Weise lassen sich interessante Bearbeitungen durchführen. So könnte man bei einem Gesangsmikrofon zum Beispiel die Höhen oberhalb von 3 kHz mit einem Shelving-Filter anheben und mit dem Mittenfilter und kleinem Q-Faktor den Bereich von 4 kHz bis 6 kHz wieder leicht absenken, um Zischlaute zu minimieren. Auf diese Weise lassen sich ähnliche Bearbeitungen erzielen, wie sie mit einem 4-Band-EQ mit zwei Mittenfiltern möglich wären.

Auch der Harrison MR3eq Equalizer verfügt noch über ein weiteres Band in Form des High-Pass-Filters. Das High-Pass-Filter arbeitet mit einer Flankensteilheit von 12 dB/Okt. und einem 3 dB Resonanz-Peak an der Eckfrequenz. Das High-Pass-Filter umfasst einen Bereich von 25 Hz bis 3,1 kHz.

Was gibt es sonst noch zu entdecken? High-Pass-Filter und Equalizer lassen sich getrennt in den Signalweg nehmen oder ausschalten. Alle Regler laufen schön stramm und es gibt trotz des geringen zur Verfügung stehenden Platzes genügend Abstand zwischen den Reglern, um diese bequem zu bedienen.

Harrison MR3eq Equalizer Front

Die Bedienelemente des Harrison MR3eq Equalizers

Was mir nicht so gut gefällt, ist die Beschriftung der Regler. Hier hätte es bei den Frequenzreglern zumindest noch eine Angabe bei 12 Uhr sein dürfen, um den Regelweg etwas besser einschätzen zu können. Eine weitere Sache, die mir weniger gefällt, ist die fehlende Mittenrasterung bei den Gain-Reglern. Das war es aber auch schon.

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Genauso kurz und knapp wie meine Beschreibung des Produkts hier ist auch die Bedienungsanleitung. Sie besteht aus einer Seite und den hier aufgeführten Informationen. Laut Hersteller eignet sich der Equalizer für Vocals, Drums, Akustikgitarre, E-Gitarre, Keyboards und mehr. Bei einer solchen Angabe muss ich schmunzeln, denn bei den früher in jedem Studio anzutreffenden Inline-Mischpultkonsolen gab es den Kanal-EQ und der wurde für alles verwendet, was aufgenommen werden sollte. Den Luxus, zwischen verschiedenen Preamps, EQs und Kompressoren auswählen zu können, gab es damals in den 1970er- und 1980er-Jahren in den meisten Fällen schlicht nicht. Wollte man den Klang einer bestimmten Mischpultkonsole für ein bestimmtes Instrument, musste man in ein Studio gehen, in dem diese Mischpultkonsole vorhanden war.

Sich im Prinzip jeden berühmten Preamp, Kompressor oder EQ in ein API500-Rack schrauben zu können und ein ganzes Arsenal der berühmtesten tontechnischen Designs der letzten 50 bis 60 Jahre jederzeit zur Auswahl zu haben und sogar mitnehmen zu können, ist ein Luxus, den wir gar nicht genug zu schätzen wissen. Wobei sich bei den heutigen Produktionsmethoden die Frage stellt, was von diesen feinen Unterschieden am Ende bei einer Dynamik von 1 bis 4 dB noch hörbar ist. Doch das ist ein anderes Fass, das ich jetzt an dieser Stelle nicht aufmachen möchte.

Wie lässt sich der Harrison EQ im Tonstudio einsetzen?

Das Harrison MR3eq Equalizer Modul ist schnell ins API500-Rack, in meinem Fall der Fredenstein Bento 6S Lunchbox, eingebaut. Da mir alle drei Module der 500-Serie zur Verfügung standen, habe ich sie für den Test selbstverständlich auch in Kombination unter die Lupe genommen.

Vor dem Einbau konnte ich noch einmal die extrem saubere Verarbeitung der Platinen bewundern. Anders als bei günstigeren API500-Modulen lassen sich die drei Module sehr leicht ins Bento 6S Rack schieben und die Bohrungen für die Schrauben sitzen passgenau. Obwohl so etwas eigentlich selbstverständlich sein sollte, ist es das leider nicht immer.

Harrison API500 Module im Rack

Für den Test kam der Harrison 32Cpre+ Vorverstärker gemeinsam mit dem Harrison Comp und dem Harrison MR3eq Modul zum Einsatz

Ich habe mich für folgende Reihenfolge entschieden:

Den Beginn der Signalkette bildet natürlich der Harrison 32Cpre+ Vorverstärker. Nach dem Vorverstärker folgt der Harrison Comp Kompressor und im Anschluss der Harrison MR3eq Equalizer. Natürlich kann man die Reihenfolge von Kompressor und Equalizer auch tauschen. Das lässt sich unabhängig vom Einbau bei der Fredenstein Bento 6S Lunchbox selbstverständlich auch über eine externe Verkabelung erledigen, sodass man nach dem Einbau nicht festgelegt ist. Durch das interne Routing der Fredenstein Bento 6S Lunchbox durchläuft das Signal ohne weitere notwendige Verkabelung die einzelnen Slots der Reihe nach.

Den Kompressor vor den Equalizer zu setzen, ist eine Frage der Anwendung. Mir gefällt der Harrison Comp Kompressor insbesondere für das Tracking sehr gut, weil er sehr sanft zu Werke geht und die Eingangssignale schön verdichtet. Ich sehe ihn weniger als Effektkompressor oder für eine pumpende Kompression. Natürlich kann man mehr aus dem Harrison Comp Kompressor herauskitzeln, wenn man mit dem Harrison MR3eq Equalizer zuvor bestimmte Frequenzen anhebt, auf die der Kompressor entsprechend reagieren soll. Der Harrison Comp Kompressor besitzt jedoch leider keinen Sidechain-Eingang, sodass kaum eine Möglichkeit besteht, dessen Sidechain-Zweig zu beeinflussen. Auch das war für mich ein Grund, den Equalizer nach den Kompressor zu setzen, sodass Anhebungen am Equalizer den Kompressor nicht unnötig triggern.

Ausprobiert habe ich alle drei Geräte mit verschiedenen Signalquellen. Für das Klangbeispiel habe ich mich für einen Loop entschieden und diesen im Anschluss mit dem EQ und auch den beiden anderen Modulen bearbeitet. Ich habe den Loop einfach abgespielt und währenddessen die Regler der Module bedient, sodass man schön die Wechselwirkung hören kann. Das erste Klangbeispiel umfasst nur den Harrison MR3eq Equalizer, das zweite Klangbeispiel alle drei Module.

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Fazit

Lange ist sie her, meine Zeit mit viel analoger Studiotechnik, einer Studer 24-Spur 2“-Bandmaschine und der großen AMEK-Mischpultkonsole. Das Ausprobieren und Drehen an den Reglern, bis der Klang gefällt, fehlt mir hingegen sehr. Mit Plug-ins macht das Schrauben wenig Spaß und mein Eindruck ist, dass Musikproduktion heute durch die Plug-ins sehr viel analytischer geworden ist. Wir sehen heute mehr und hören weniger hin. Ton kam früher aus den Lautsprechern, heute wird er visualisiert und auf unseren Bildschirmen dargestellt. In Foren und Tontechniker-Selbsthilfegruppen wird darüber diskutiert, wie die 0,5 dB-Anhebung bei 3 kHz den Gesang um Welten verbessert hat und der absolute Geheimtipp ist. Noch heute frage ich mich, wie ich diese 0,5 dB-Anhebung an der AMEK-Konsole eingestellt hätte?

Und schon ertappe ich mich dabei, wie ich meine eigene Kritik hinterfrage, die doch vor 40 Jahren gar keine Kritik gewesen wäre: Ist es wirklich schlimm, dass die Regler keine Mittenrasterung oder genaueren Angaben zu den Frequenzen haben? Nein, natürlich nicht, wenn man sich in der Zeit zurück bewegt und wieder Musik mit den Ohren produziert und ohne visuelle Unterstützung des Computer-Displays. Aus diesem Grund weigere ich mich, das dem Harrison MR3eq Equalizer-Modul anzulasten und als Negativpunkt aufzuführen. Wer es genauer haben möchte, kaufe sich das entsprechende Plug-in. Dort kann man dann auch ±0,1 dB über die Tastatur eingeben, wenn man das denn möchte und es den Sound besser macht. Ich freue mich einfach über die Chance, die ich hatte, kurz in der Zeit zurückzureisen und wieder zu schrauben bis es mir gefällt – ganz ohne Computer-Display.

Plus

  • Klang
  • große Überlappungsbereiche der drei Bänder
  • Verarbeitung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 439,- Euro
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