Test: Headrush FRFR-112 Active Monitor

Headrush FRFR-112 – in der Praxis

Die Box steht in allen der möglichen Positionen auf den ins Gehäuse integrierten Füßen stabil und ist durch ihr Eigengewicht auch erst mal nicht so leicht vom ihr vorbestimmten Platz zu verdrängen. Die Meisten von uns Gitarristen werden die Box wohl in der leicht geneigten Form als Monitor vor, neben oder hinter sich stellen. Und hier offenbart sich das erste Problem. Steht die Box geneigt, knicken sowohl das Netzkabel als auch das Signalkabel des ersten Kanals schon leicht ab (s. Foto). Kippt die Box, aus welchen Gründen auch immer, nach hinten, lastet das volle Gewicht der Box auf den Kabeln. So geschehen beim Praxistest auf der Bühne, als ich posend den rechten Fuß auf der Box abgestellt habe. Durch das Fehlen eines Kippschutzes kippte die Box leicht nach hinten. Im schlimmsten Fall gibt’s Kabelschaden oder die Buchsen gehen längerfristig durch die mechanische Belastung kaputt.

Abhilfe könnte hier ein „Überrollbügel“ schaffen. Alternativ wären höhere Füße oder eine etwas tiefer versenkte Anschlussplatte denkbar. Ich habe mir mit Winkelsteckern beholfen, das im Lieferumfang enthaltene Netzkabel ist aber das auf dem Bild ersichtliche. Also hier bitte unbedingt nachbessern!

— Abknickende Kabel bei Verwendung in „Monitorposition“ —

Um die Neutralität einer Box zu testen, ist es durchaus sinnvol, sich erst mal auf bekanntem Terrain zu bewegen. Also das iPhone gezückt, das Adapterkabel gesucht und Peter Gabriel gebeten, Red Rain in des Testers Wohnzimmer zu schmettern. Die Wiedergabequalität der Headrush FRFR-112 kann ich (bei ausgeschaltetem Contour-Modus) als wirklich angenehm ausgeglichen bezeichnen – und zwar in allen Lautstärken, die eine Mietwohnung zulässt. Die Bässe drängeln nicht nach vorne und die Höhen sind klar und präsent. Bei leiserer Wiedergabe ist der Contour-Schalter ein angenehmer Gehilfe, die Wiedergabe der Audiodatei wirkt runder und angenehmer fürs Ohr. Im Übungsraum und auf der Bühne von der Leine gelassen, sollte man dann – natürlich auch immer der Raumbeschaffenheit gerecht werdend – auf den Contour-Modus verzichten, denn dann werden vor allem die Bässe für meinen Geschmack zu aufdringlich.

Grundsätzlich macht die Box aber auf angenehme Art und Weise das, was sie soll: Sie verstärkt neutral. 2000 Watt klingt natürlich erst mal unheimlich laut, ist aber natürlich nur die Spitzenlast, die die Box abzufeuern imstande ist. Im Dauerbetrieb ist sie mit 1000 Watt angegeben, wobei sich die Leistung noch mal zu etwa zwei Dritteln auf den Bass- und Mittenbereich und zu einem Drittel auf den Hochtöner verteilt. Aber mit Wattzahlen hochzustapeln, ist ein gern genutzter Trick. Nichtsdestotrotz hat mir die Lautstärke der Box absolut ausgereicht, um auch einen wildgewordenen Drummer zu bändigen!

Jetzt aber los!

Also dran mit dem Kemper und her mit dem Ohrfutter. Mein Lieblingsprofil des Kempers, der Morgan AC20, ist der erste Kandidat. Der hat seine Stärken im Clean- & Crunch-Bereich und ist in meinen Rigs fast immer die Basis. Der erste Eindruck ist mäßig, der Grund dafür aber schnell gefunden. Da ich sonst fast ausschließlich mit InEars spiele, ist meine komplette Soundpalette darauf abgestimmt, mit meinen Hörern optimal zu klingen. Also schnell das originale Profile geladen und siehe da, der Himmel klart auf! In Zimmerlautstärke perlen die Töne wunderbar klar und Crisp an die Ohren, der trockene Sound ist straff und definiert im Bass und unaufdringlich, aber präsent in den Höhen. Verstärkt wird dieser Eindruck dann natürlich, wenn man den Contour-Schalter noch ins Spiel bringt und Bässe und Höhen um die oben schon genannten 3 dB anhebt. Was also der erste Test mit dem Audiofile schon vermuten ließ, setzt sich hier nahtlos fort.

Reichert man den Sound mit etwas Modulation und einer Kombination aus Reverb und Delay an, geht vor allem in den oberen Frequenzen die Sonne auf. Meine üblichen Delay-Settings haben mich in diesem Fall total überrascht und ich habe tatsächlich ein Highcut-Filter darüber legen müssen, weil das Delay auf einmal so klar und deutlich zu hören war, wie ich es über die InEars nie wahrgenommen habe. Aber nie schrill oder unangenehm, sondern eben einfach deutlicher wahrnehmbar. Also ein dicker Pluspunkt im Clean-/Crunch-Bereich und bei effektbeladenen Sounds. Ich habe, das sei nebenbei bemerkt, meine Rigs für mein Pink Floyd Tribute Projekt mit Hilfe der Headrush FRFR-112 komplett überarbeitet und der Gesamtsound hat dann beim Gig über InEar und PA tatsächlich noch mal an Klarheit und Präsenz gewonnen.

Gehen wir über in den Mid-Gain-Bereich. Wenn ich einen Zerrer vorschalte, in diesem Fall das Profile eines The Rat Pedals, ist die Präsenz des Hochtonbereiches zu viel des Guten. Also wieder etwas am EQ des Amps geschraubt, optimiert und tatsächlich auch hier fündig geworden. Die neutrale Wiedergabe der FRFR-112 macht meinen bisherigen Lieblingssounds zu schaffen. Nach einer Nacht Pause für die Ohren bin ich am nächsten Tag wirklich beeindruckt von meinen umgestalteten Sounds und fahre Box, Kemper und eine Auswahl an Gitarren im Kofferraum in den Übungsraum, um den Zwängen der Mietwohnung zu entkommen. Hier kommt jetzt zum ersten Mal der zweite Kanal der Headrush ins Spiel. Ich habe immer eine Auswahl an Lieblings-Jamtracks dabei. Also wird der zweite Kanal zum Playback-Kanal. Und das Ganze jetzt bei einer Lautstärke, die Außenstehende schon als unanständig bezeichnen würden.

Auch jetzt ist die Box nicht aus der Ruhe zu bringen. Sowohl im oben schon beschriebenen Clean-/Crunch-Bereich, sondern auch und vor allem im Midgain- und Highgain-Bereich. Der Contour-Regler war in meinem Fall bei hohen Lautstärken obsolet, der eine oder andere Kollege aus der Headbang-Fraktion wird sich allerdings über das Extra an Schub bei Scoop- oder Djent-Sounds freuen. Überhaupt zeichnet die Box auch bei „Highgain-Exzessen“ immer klar und definiert das gewählte Profil des Kempers ab. Ich habe mehrere Marshall, Boogie, Bogner und Diezel Profile in Verwendung und kann bei keinem sagen, dass die FRFR-112 dem nicht gewachsen gewesen wäre!

Als weitere Challenge für die Headrush FRFR-112 habe ich dann noch einen Versuch gestartet, verschiedene Akustikgitarren, also sowohl Steelstring als auch Nylonstring, über ein Zoom A3 zu verstärken und kann auch hier, was das Soundverhalten angeht, keine negativen Aussagen treffen. Zu allen Zeiten ist der Sound angenehm und ausgewogen.

Mit der Headrush FRFR-112 on Stage

Bei einer Band, die normalerweise komplett mit InEar ausgerüstet ist, stößt das Auftauchen einer die entspannte Ruhe auf der Bühne störende Box bei den Technikern und Kollegen erst mal auf Unverständnis. Das Testziel vor Augen und in Ermangelung einer herkömmlichen Monitoranlage auf der Bühne muss man ganz lieb und vorsichtig anfragen, ob man eventuell einen zusätzlichen Monitorweg zu Testzwecken gelegt bekommen kann. Man kann. Also los geht’s, wenigstens ein paar Songs kann ich unter Live-Bedingungen zocken. Der eine Kanal der Headrush wird mit dem Monitor Output des Kempers verbunden, der andere bekommt das Monitorsignal vom Pult, natürlich ohne Gitarre. Auch hier schlägt sich die Box bravourös, ich kann es nicht anders sagen. Der Schallkegel der Headrush FRFR-112 ist breit genug, um auch bei Bewegung auf der Bühne gut ortbar zu bleiben. Bei der von mir bevorzugten Aufstellung an der Bühnenseite gab es keine Probleme. Steht die Box vorne am Bühnenrand, sollte je nach Bewegungsspielraum über eine zweite Box nachgedacht werden, denn zwei Meter links von der Box ist auch bei perfektestem Abstrahlverhalten irgendwann Schluss.

Fazit

Headrush hat mit der FRFR-112 wirklich ein heißes Eisen im Feuer, wenn man bedenkt, dass die Box zu einem Ladenpreis von rund 350,- Euro zu haben ist. Die neutralen Wiedergabeeigenschaften der Box sind ein zuverlässiger Partner, wenn, ja wenn man die Quelle des Sounds im Griff hat. Und die Lautstärkereserven sind mehr als ausreichend, wenn man nach jahrelanger Beschallung im Rentenalter auch noch ohne Hörgeräte aktiv sein möchte.

Wie so oft sei ein persönlicher Test der Box unbedingt empfohlen. Negativ aufgefallen ist mir die unglückliche Konstruktion bzw. Positionierung der Netz- und Kanalbuchse des ersten Kanals, da hier langfristig Schäden an Kabeln oder Buchsen zu erwarten sind, sofern die Box in Monitorposition genutzt wird. Aber schließlich ist sie genau dafür konstruiert, hier sollte der Hersteller dringend nachbessern! Die empfindliche Oberfläche der Kunststoffkonstruktion ist sicherlich auch erwähnenswert, wenn auch letztendlich für mich persönlich kein kaufentscheidender Faktor.

Plus

  • neutrales Wiedergabeverhalten
  • Multifunktionale Form
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Position der Netzbuchse bzw. Kanalbuchse des ersten Kanals
  • empfindliche Oberfläche des Kunststoffs

Preis

  • Ladenpreis: 349,- Euro
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