Test: Headrush Gigboard, Gitarren Multieffekt Pedal

Insgesamt ist die Bedienung mit allen Untermenüs und den sehr klar aufgebauten Rigs sehr intuitiv und schnell zu erlernen. Dabei bietet das Headrush Gigboard einen doch sehr großen Funktionsumfang und einige sehr praktische Features, wie einen globalen EQ, verschiedene Pegel für den Effektweg und die Möglichkeit, die Polaritäten angeschlossener Hardware umzukehren.

Der Touchscreen – ein willkommenes Feature

Natürlich ist es auch sehr schön, ein so großes und vor allem auch gutes Touchdisplay auf einem solchen Gerät zur Verfügung zu haben. Durch unsere Smartphones und Tablets sind wir sehr verwöhnt, was gute Touchdisplays angeht. Wer aber einmal in ein etwa sechs Jahre altes Auto steigt, das mit einem Touchdisplay ausgestattet ist, das unter der Spitze des Eisberges ein riesiges Reservoir an langsamen, ungenauen und unkreativen Geräten darauf wartet, die Menschheit mit Frust und unangenehmen Kribbeln unter den Fingernägeln zu überziehen.

Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob nicht auch eine Bluetooth-Konnektivität zu einem Tablet oder Smartphone die einfachere Wahl gewesen wäre. Da wären wahrscheinlich die Beschaffung von teueren Bauteilen und eine Menge Entwicklungsarbeit vorweg zu erledigen gewesen, indem man diese Funktionen auf ein anderes Endgerät verfrachtet hätte. Es gibt ja viele Beispiele von Modeling-Amps und Effektgeräten, die dieses Prinzip verfolgen. Allerdings muss schon gesagt sein, dass es natürlich im Interesse des Bedienkomforts und wahrscheinlich auch der Zuverlässigkeit sein wird, alles in einem Gerät zu haben. Das könnte aber den doch recht deutlichen Preisunterschied zu Geräten wie dem BOSS GT1000 oder dem Line6 Firehawk, die einen ähnlich hohen Funktionsumfang bieten.

Klanglich ist as Gigboard ganz vorne mit dabei.

Headrush Gigboard – Sound & Praxis

Klanglich muss sich das Headrush Gigboard allerdings vor keinem der Mitbewerber verstecken. Ganz im Gegenteil. Modeling-Amps und Multieffektprozessoren sind in den letzten Jahren schon ein gutes Stück vorangekommen und das zeigt insbesondere auch das Headrush Gigboard. Dank der Rechenpower und der neuen Software sind kaum Latenzen zu spüren, selbst wenn alle Plätze mit Boxen-Simulationen oder Effekten belegt sind und das Ganze resultiert in einem sehr „natürlichen“ Spielgefühl. Egal ob über Kopfhörer oder an den Amp angeschlossen. Besonders gut reagiert das Gigboard auch auf die Spieldynamik der Gitarre und auf das Runterregeln per Volume-Poti. Wo früher des Öfteren mal Artefakte auftauchten, wenn der Prozessor nicht den erwarteten Pegel bekam. So etwas setzt das Gigboard jedoch wirklich vorzüglich um und bietet beinahe schon röhrenartige Dynamik. Ein Beispiel ist hier mit relativ starker Verzerrung unter Verwendung des Volume-Reglers zu hören:

Aber natürlich kann man auch einen ganz einfachen Cleansound wählen. Viele von denen sind mit etwas zu vielen Effekten belegt, klingen aber auch unterhalb der Oberfläche gut:

Doch auch die angebotenen Effekte klingen sehr überzeugend:

Aber auch wer es richtig hart mag, kommt mit dem Headrush Gigboard auf seine Kosten. Dazu gibt es bei Bedarf auch ein sehr aggressives Noisegate:

Doch auch dazwischen liegen so ziemlich alle Sounds, die man im täglichen Leben so braucht:

Unter den Presets gibt es wahrscheinlich für jeden Geschmack das Passende und von komplett cleanen Rigs bis zur totalen Distortion oder dem Fuzz-Overload sind so ziemlich alle Stilrichtungen vertreten. Dabei leidet das Gigboard jedoch auch ein wenig von einer Krankheit, die viele Effektprozessoren befällt: Die Presets sind meist etwas überladen mit Effekten und neigen daher zu Extremen. Klar möchte man als Hersteller zeigen, was man kann, aber für den täglichen Gebrauch tut es in der Regel auch ein bisschen weniger.

Aufnahmen mit dem Headrush Gigboard

Gut funktioniert dabei auch die Interface-Funktion des Gigboard. Mit 24 Bit Tiefe und 96 kHz lässt sich davon direkt in Studioqualität aufnehmen und wiedergeben. Dafür werden zudem vier Kanäle geboten, sodass das Wet-Signal parallel zum Dry-Signal aufgenommen werden kann und so volle Freiheit für die Post-Production liefert. Gleichzeitig bietet das Gigboard auch eine Loop-Funktion mit 30 Minuten Aufnahmezeit, auf der eine Menge Ideen festgehalten werden können.

Die Klangbeispiele wurden direkt mit einer PRS SE Custom 24 und einer und einer Gibson Les Paul Classic 2019 aufgenommen.

Fazit

Das Headrush Gigboard bietet einen fantastischen Sound und ein sehr modernes Bedienkonzept, ohne bei den physischen Features wie Konnektivität und Qualität zu knausern. Solch eine intuitive und schnelle Bedienbarkeit ist auf anderem Wege kaum zu realisieren und dabei hat Headrush alles in allem gute Arbeit geleistet. Der Signalweg ist super einfach zu befüllen, die Parameter lassen sich blitzschnell editieren und die Funktionen befinden sich an den Stellen, an denen man sie sucht.

Ein paar Mankos wie die fehlende Listenansicht und die geringfügige Überflüssigkeit des Jogwheels könnten mit Software-Update vielleicht zukünftig verbessert werden. An den wichtigsten Punkten, der Hardware und vor allem dem Sound, gibt es aber wirklich nichts auszusetzen. Let it rush to your head!

Plus

  • sehr guter und natürlicher Sound
  • viele Anschlussmöglichkeiten und Features
  • innovatives Bedienkonzept
  • solide Verarbeitung

Minus

  • Jogwheel etwas redundant
  • Listenansicht nicht überall verfügbar

Preis

  • Ladenpreis: 599,- Euro
Klangbeispiele
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