Das neue ultimative Werkzeug für kritisches Hören?
Das Mischen mit Kopfhörern scheint absolut im Trend zu liegen. Das lässt sich unter anderem daran ablesen, dass in letzter Zeit immer neue Modelle auf den Markt kommen, die um die Gunst des geneigten Toningenieurs buhlen. Heute haben wir einen Kandidaten der Berliner Firma HEDD im Testlabor. Der HEDDphone D1 verspricht eine hohe Klangtreue bei großem Tragekomfort und punktet zudem mit der Verwendung von eigens dafür entwickelten Materialien. Wir untersuchen, ob der HEDDphone D1 damit eine ernsthafte Alternative für Mixing und Mastering im Tonstudio darstellt.
- Klang: Sehr neutrale Wiedergabe mit exzellenter Transientenabbildung dank TPCD-Membran.
- Arbeitsweise: Schlanker, linearer Bass und ehrliche Mitten erleichtern das kritische Beurteilen von Mixen.
- Tragekomfort: Geringes Gewicht und bequeme Velours-Ohrpolster ermöglichen auch lange Sessions.
- Einsatz: Überzeugt am Audiointerface ebenso wie mit Kopfhörerverstärker und eignet sich auch für unterwegs.
- Fazit: Hochwertiges, zuverlässiges Abhörwerkzeug für das Tonstudio mit klarer Empfehlung zum Testen.
Inhaltsverzeichnis
Übersicht: Was bietet der HEDDphone D1?
Beim HEDDphone D1 handelt es sich um einen klassischen offenen Over-Ear-Kopfhörer. Im Gegensatz zu einem geschlossenen Kopfhörer wird man hier als Außenstehender durchaus etwas von der Musik hören können, weshalb sich solche Kopfhörer prinzipiell nicht für das Aufnehmen, sondern vielmehr für das Mischen und Mastern eignen. Und genau dafür ist der D1 von HEDD auch gedacht und entwickelt worden.
Die Besonderheit beim HEDDphone D1 ist laut HEDD die erstmalige Verwendung von TPCD. TPCD steht dabei für „Thin-Ply Carbon Diaphragm“, zu Deutsch also eine dünnschichtige Carbon-Membran. Dabei handelt es sich um ein hochfestes Verbundmaterial, das Resonanzen kontrollieren und schnelle Transienten ermöglichen soll. Entwickelt wurde es in Zusammenarbeit mit der schwedischen Firma Composite Sound. Diese wiederum hat sich seit Jahrzehnten auf die Entwicklung genau solcher Materialien spezialisiert.
Den Frequenzbereich des HEDD HEDDphone D1 gibt der Hersteller mit 5 bis 40 kHz an. Das Ganze bei einer Empfindlichkeit von 100 dB/mW und einer Impedanz von 32 Ohm. Die Ohrpolster des HEDDphone D1 bestehen aus perforiertem Velours und sitzen, das kann ich jetzt schon verraten, äußerst bequem auf den Ohren.
Dazu kommt das sehr geringe Gewicht von nur 350 g, was unseren Testkandidaten zu einem äußerst attraktiven Kopfhörer machen könnte, da er geringes Gewicht mit hohem Sitzkomfort zu vereinen scheint.
Angeschlossen wird er über zwei Monoklinkenanschlüsse, die sich links und rechts an den Ohrmuscheln befinden und auf einem 3,5-mm-Miniklinkenkabel enden. Ein Adapter auf 6,3 mm ist selbstverständlich im Lieferumfang enthalten. Das Kabel ist insgesamt 2,3 m lang und sollte somit für die meisten Arbeitsplätze ausreichend Spielraum bieten. Leider geben die Kabel ganz leichte Geräusche von sich, wenn man sie beim Tragen berührt. Im Arbeitsalltag, zumal wenn man Musik hört, hat mich das jedoch nicht weiter gestört.
Lieferumfang und Verarbeitung des HEDDphone D1
Der HEDDphone D1 wird in einem schicken schwarzen Karton geliefert. In diesem befinden sich außerdem noch ein stabiles Case und eine kleine Transporttasche für das Kabel. Speziell das Case macht einen sehr robusten Eindruck, wodurch man den HEDDphone D1 damit auch gut auf Reisen mitnehmen kann.
Negativ fällt mir beim Auspacken zunächst ein starker, chemischer Geruch auf, der dem Karton entströmt. Nach ein paar Tagen hat sich dieser aber weitestgehend verflüchtigt und ist nur noch ganz schwach wahrnehmbar.
Etwas stutzig war ich über ein weiteres mitgeliefertes Zubehör und zwar sogenannte Dust Remover, mit denen man den Staub auf den Ohrmuscheln entfernen können soll. Nachdem ich das Päckchen geöffnet hatte, stellte sich heraus, dass es eine Art Notizblock ist, dessen einzelne Blätter auf der Rückseite eine Klebefläche haben. Mit denen kann man dann die Ohrmuscheln abtupfen und so den Staub entfernen. Das verbuche ich mal unter der Rubrik „Wieder etwas gelernt“.
Wie klingt der HEDDphone D1 in der Praxis?
Der Hersteller HEDD bewirbt den HEDDphone D1 als vollwertigen Ersatz für Referenzmonitore. Jeder Ton solle unverfälscht und detailgetreu am Ohr des Hörers ankommen. Dadurch empfiehlt sich der D1 natürlich für den Einsatz im Tonstudio und hier eben speziell für das Mixing und Mastering. Und genau dafür habe ich den HEDDphone D1 in den letzten Wochen intensiv genutzt.
Zunächst steht aber erst einmal das Kennenlernen des Kopfhörers im Vordergrund. Dazu höre ich mich durch meine Musiksammlung und achte darauf, wie verschiedene Stücke, die ich gut kenne, sich mir darbieten. HEDD spricht davon, dass die im D1 verwendete TPCD-Technologie vor allem bei der Wiedergabe von Transienten Vorteile bringen soll. Das kann man nach einem ersten Höreindruck durchaus bestätigen. Gerade perkussives Material wie Kick, Snare oder auch Percussion kommen unheimlich präzise zu Gehör.
Im Bassbereich löst der D1 auch sehr gut auf und man kann etwa Basslinien und Kickdrum sehr gut und separiert hören. Dabei ist der Bassbereich relativ schlank, um nicht zu sagen linear. Eine Überbetonung findet hier definitiv nicht statt. Sprich, zum reinen Musikhören würde man sich vielleicht etwas mehr Bass wünschen und muss das entsprechend nachregeln. Für das kritische Arbeiten im Tonstudio finde ich es aber, so wie es der D1 liefert, sehr gut gelöst.
Im oberen Mittenbereich, im Übergang zu den Höhen, dachte ich zunächst, dass er hier etwas überbetont und zu scharf klingt. Musste dann aber erkennen, dass das nicht dem Kopfhörer, sondern der Musik, die ich gerade gehört habe, geschuldet war. Das ist für mich ein absoluter Pluspunkt, da dieser Bereich für das menschliche Ohr sehr kritisch ist. Mit dem D1 hat man dann ein Werkzeug, das einem diesen Bereich schonungslos aufzeigt. So hat man im Heimstudio die Möglichkeit, hier entsprechend entgegenzuarbeiten. Auch der Obertonbereich wird vom D1 souverän dargestellt und gut aufgelöst. Man kann sofort hören, wenn in einer Mischung etwas nicht stimmt und zum Beispiel S-Laute oder Zischlaute überbetont sind.
Tragekomfort des HEDDphone D1
Im Arbeitsalltag hat mich vor allem der Tragekomfort des HEDDphone D1 begeistert. Ich habe in meinem Leben schon viele Kopfhörer ausprobiert und dieser hier zählt definitiv zu den bequemsten. Auch lange Sessions stellen damit kein Problem dar und ich bin eher jemand, der sehr schnell genervt ist vom Arbeiten mit Kopfhörern. Gerade langwierige und tendenziell nervige Arbeiten wie das Editieren von Gesangsspuren werden einem hier echt erleichtert.
Wie alle Kopfhörer profitiert auch der HEDDphone D1 von einem speziellen Kopfhörerverstärker. Mit solch einem Gerät klingt alles noch einmal eine Spur hochwertiger und alle schon gelobten Features wie die gute Transientenwiedergabe und der lineare Frequenzverlauf werden noch einmal ein Stück verbessert. Es ist kein Unterschied wie Tag und Nacht, macht sich im Detail aber doch bemerkbar. Und gerade wer viel und lange mit seinen Kopfhörern arbeitet, sollte darüber vielleicht nachdenken. Aber es ist definitiv kein Muss.
Auch am Kopfhörerausgang meines Audiointerfaces überzeugte mich der D1 auf ganzer Linie. Das Gleiche gilt selbst für – in Anführungszeichen – minderwertige Abspielgeräte wie Smartphones oder Tablets. Selbst hier macht das Musikhören oder Gegenchecken von Mixen uneingeschränkt Spaß mit dem HEDDphone D1.
Konkurrenz und Alternativen für den HEDDphone D1
Wenn man sich auf dem Markt umsieht, so gibt es natürlich jede Menge Konkurrenz für den HEDDphone D1 in der Preisklasse zwischen 500,- und 700,- Euro. Als Erstes fallen mir hier zum Beispiel der Ollo Audio X1 und der Neumann D30 ein. Beide haben wir bereits bei Amazona getestet, die entsprechenden Testberichte könnt ihr hier und hier nachlesen.
Qualitativ spielt er definitiv in der gleichen Liga wie diese beiden Genannten, wobei sowohl der Ollo Audio als auch vor allen Dingen der Neumann D30 noch optional ein Software-Plug-in mitliefern, mit dem zum einen der Frequenzgang nochmals optimiert wird und andere akustische Umgebungen simuliert werden können.
Vor allem das RIME-System von Neumann ist momentan hier meiner Meinung nach der absolute Platzhirsch. Insbesondere wenn es dann noch um das Thema Atmos-Mischung mit Kopfhörer gehen soll. Man muss fairerweise aber dazu sagen, dass diese Software auch direkt mit 99,- Euro zusätzlich zu Buche schlägt. Welcher jetzt der perfekte Kopfhörer für einen selbst ist, muss man im Zweifel selbst ausprobieren und vergleichend herausfinden.







































Eine gute Option.
Bei all meinem Equipment ist für mich auch die Optik unumgänglich und die HEDDphone gefallen mir in dieser Hinsicht sehr. Klassisch und äußerst dezent. Rund, schwarz, einfach. Es gibt da ganz andere Kaliber, die, um es mal krass zu formulieren, eher an Riemen-Zahnspangenbügel aus den 70ern erinnern. Vielleicht könnte das „R/L“ etwas auffälliger sein, ich musste es auf den Bildern regelrecht suchen. Aber genau deshalb schreit es förmlich nach einem Test zwischen den 3, 4 oder 5 Marktgurus in dieser Preisklasse: Welcher kommt am ehesten an die ideale Frequenz-Durchschnittskurve, optimalen Frequenzgang und beste Tiefenstaffelung heran? (Meine goldwertigen Ideen für die Redaktion – einfach unbezahlbar^^). Teuer darf er sein, solange die Leistung stimmt. Heute ist ein guter Tag für Audiofreaks, die Wert auf hochwertiges Equipment legen: Erst die PMC Result6 Monitore, dann die HEDDphone D1 und natürlich der brandneue ASM Leviasynth. Fehlen nur noch große Flaggschiffe von Behringer (Yamaha D1, Jupiter 8)…und das Jahr dürfte niemals enden…🙂↔️
Hui. Als sehr zufriedener Nutzer der HEDD-07-MK2-Monitore ist mein Interesse erst einmal geweckt. :-)
Ich bin allerdings auch mit meinem derzeitigen Kopfhörer (Sennheiser HD 650) sehr zufrieden und habe daher zunächst keine Ahnung, ob die Anschaffung ein signifikantes Upgrade darstellen würde.