Test: Hemingway DP-501, Digitalpiano

15. Juli 2012

Digital Keys

Den Kauf eines Digitalpianos verbindet man oftmals mit großen finanziellen Ausgaben. Oft wird von Preisen ab 1.000 Euro gesprochen bis hin zu Geräten, die so viel kosten, wie ein gebrauchter Kleinwagen. Dass es auch anders geht, möchte die Firma Hemingway beweisen, die mit dem DP-501 einen echten Preisknüller vorstellt. In den Verkaufscharts ist das Gerät schon seit längerem auf den vorderen Plätzen zu finden. Grund genug, sich das Home-Piano mal genauer anzuschauen.

Hemingway DP501

Hemingway DP501

Generelles zum Hemingway DP-501

Die Firma Hemingway ist seit dem Jahr 2003 auf dem internationalen Markt der Digitalpianos tätig. In Deutschland werden die Geräte von Musik Meyer in Marburg vertrieben, die Pianos selbst werden von einer Partnerfirma in China gefertigt. Insgesamt gibt es die drei Modellreihen 200, 500 und 700, wovon die mittlere Reihe zum Test zur Verfügung stand. Erstes Produkt der Firma was das DP500, was mittlerweile jedoch vom hier getesteten DP-501 abgelöst wurde.

Ausgestattet ist das Hemingway DP-501 mit einer 88-tastigen Hammermechanik Tastatur, die voll aus Plastik gefertigt ist. Das Gewicht des Pianos liegt dementsprechend bei relativ leichten 53 kg. Da bringen die Konkurrenten (vor allem mit Holztastatur) auch mal 100 kg und mehr auf die Waage. Aber gut, steht das Teil erst mal im heimischen Wohnzimmer, soll es ja so schnell auch nicht mehr von dort wegbewegt werden. Die Tastatur macht einen guten Eindruck, fühlt sich aber durchaus ein wenig wackelig an. Die einzelnen Tasten haben nach links und rechts zu viel Spiel, so dass insgesamt kein wertiges Gefühl aufkommt. Nach dem Anspielen federn die Tasten zwar recht fix wieder nach oben in die Ausgangsposition zurück, verharren dort allerdings nicht gleich, sondern federn nochmals ein wenig nach. Insgesamt ist die Tastatur für meinen Geschmack auch viel zu leichtgängig.

Das DP-501 ist in drei Farbvarianten erhältlich. Je nach Präferenz kann man sich das Digitalpiano in der Farbe Rosenholz, Anthrazit oder in Schwarz poliert bestellen.

Anschlüsse & Lautsprecher des E-Pianos

Verbindung zur Außenwelt bekommt das DP-501 über folgende Anschlüsse: Auf der Rückseite befinden sich der Anschluss für das (interne) Netzteil, ein MIDI In/Out Duo, jeweils ein Line In/Out als 6,3 mm Stereoklinke ausgelegt und der Anschluss für das 3-fach Pedal. Abgeschlossen wird das Ganze von zwei Kopfhöreranschlüssen auf der Vorderseite des Gerätes.

Display

Display

Anschlüsse

Anschlüsse

Das interne Lautsprechersystem verfügt über eine maximale Leistung von 2x 40 Watt was – rein zahlentechnisch – richtig viel ist. Leider sagen die Zahlen oft nur sehr wenig über die eigentliche Qualität und den Klang aus. Und genau das ist auch das Problem des DP-501. Der Klang ist insgesamt sehr mulmig und ohne wirkliche Präsenz in den Höhenlagen. Auch der Bassbereich wird einfach als Tiefenbass wahrgenommen, ohne ein ausgeglichenes und vor allem differenziertes Bild abzuliefern. Klar, beim DP-501 geht es hier preislich um die unterste Kategorie, aber mir ist es wichtig aufzuzeigen, wo die Unterschiede liegen zu den teureren Digitalpianos – und das Lautsprechersystem zeigt dies sehr deutlich auf.

Wie klingt das Hemingway DP-501?

Insgesamt acht Klänge hat das DP-501 mit an Bord. Diese verteilen sich auf jeweils zwei akustische und elektrische Pianos, ein Harpsichord- und Vibes-Sound, ein Streicher Patch und eine Orgel. Alle Sounds sind insgesamt sehr einfach gehalten. Hört man bei anderen Geräten bspw. sehr dynamische Sounds, die in verschiedenen Anschlagsstärken auch unterschiedlich klingen, ist das DP-501 dagegen schon sehr statisch. Auf der Website des Herstellers findet man die Angabe: Sample in 1 Velocity Stufe. Die Nachfrage bei Hemingway ergab, dass die Sounds tatsächlich alle mit nur einer Anschlagsstärke aufgenommen wurden. Andere Hersteller nehmen ihre Samples mit bis zu 3 oder mehr Velocitystufen auf, wodurch sich ein viel realistischeres Klangbild ergibt. Um Missverständnisse zu vermeiden sei gesagt, dass das DP-501 durchaus Lautstärken von ganz leise bis laut spielen kann. Allerdings verändert sich der Charakter eines Flügelklanges mit Erhöhung der Lautstärke, und beim DP-501 wurde dies bei der Aufnahme nicht mit einbezogen. Daher ist auch klar, wieso alles ein wenig statisch klingt.

Sounds

Sounds

Bei den E-Pianos gibt es eine glockige FM- sowie eine Rhodes-Variante. Wo das FM-Piano noch akzeptabel ist, fehlt beim Rhodes einfach der Druck, so dass kein wirkliches Feeling aufkommt. Harpsichord, Orgel und Vibes gehen für meinen Geschmack in Ordnung, die Streicher sind dagegen sehr synthetisch und klingen eher nach Pad als wirkliches Streicher-Ensemble.

Die interne Klangerzeugung schafft insgesamt 64 Stimmen, was absolut in Ordnung geht.

Bedienung des DP-501 Pianos

Die Bedienung des Hemingway DP-501 ist dagegen sehr gelungen. Auch wenn die Oberfläche mit den Bedienelementen eher altbacken an einen 80er Jahre Retro-Look erinnert, gibt es doch viele direkte Funktionstaster, die mühselige Doppelfunktionen vermeiden. Mittig oberhalb der Tastatur befindet sich das Display was u.a. den aktuell angewählten Sounds darstellt. Wo andere Hersteller grade mal drei Zeichen hinbekommen, wird hier wenigsten der komplette Name des Sounds angezeigt. Links davon befinden sich die globalen Funktionen, rechts der Recorder sowie die Sektion der Sounds.

Kopfhöreranschlüsse

Kopfhöreranschlüsse

Effekte & EQ des Hemingway

Dass ich bei einem Gerät dieser Preisklasse tatsächlich einen Abschnitt Effekt einfüge, hätte ich vorab auch nicht gedacht. Aber da das DP-501 neben einem Chorus (allerdings nur on/off schaltbar, keine Intensität oder Modifikation) noch über einen Reverb-Effekt verfügt, kann man das schon mal machen. Entgegen des Chorus Effektes ist der Reverb zumindest in drei Stufen einstellbar. Hierbei wird zwar nicht die Eigenart des Effektes verändert, sondern nur die Intensität, mit der der Effekt auf den Sound wirkt, aber immerhin. Zusätzlich gibt es noch einen 2-Band-Equalizer (Treble/Bass), der zumindest grobe Eingriffe erlaubt. Insgesamt ist die Qualität der Effekte und des Equalizers nicht sonderlich hoch, aber dem Preisbereich des DP-501 angepasst. Neben den genannten Extras gibt es noch einen Touch-Taster, mit dem die Anschlagsdynamik in drei Stufen einstellbar ist.

EQ & Effekte

EQ & Effekte

Extras am DP-501

Zu guter letzt bietet das DP-501 die Möglichkeit, zwei Sounds zu layern, so dass schöne und klassische Kombinationen wie bspw. Piano, E-Piano und Strings möglich sind. Ebenso mit an Bord hat das Hemingway noch einen 2-Spur Recorder, mit dem man schnell und praktisch einen Song aufnehmen und bspw. auch links und rechte Hand getrennt voneinander üben kann. Passenderweise gibt es dazu auch noch eine Metronomfunktion. Sehr schön.

Blick über die Tastatur

Blick über die Tastatur

Marktumfeld

Wie im Test bereits aufgezeigt, ist das Hemingway DP-501 qualitativ nicht mit den Modellen der Markenhersteller zu vergleichen. Die Qualität der Sounds und der Tastatur reicht da leider nicht aus, um auf Augenhöhe mit Einstiegsgeräten von Yamaha, Roland oder Kawai mitzuhalten. Dennoch sehe ich das DP-501 als einfaches und vor allem günstiges Einstiegsgerät voll an. Sicherlich mögen die Klavierpuristen unter den Lesern das anders sehen, aber ich denke, dass das Gerät zumindest ein guter Startpunkt sein kann, um neue und potentielle Pianisten heranzuziehen, die entweder nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, sich gleich ein doppelt so teures Digitalpiano zu leisten oder aber auch einfach nicht gewillt sind, bei ihrem derzeitigen Leistungsstand mehr dafür auszugeben. Wenn die Käufer sich gut beraten fühlen und Spaß an der ganzen Sache haben, kommen sie ohnehin mit mehr Anspruch (und hoffentlich größeren finanziellen Möglichkeiten) in 2-3 Jahren wieder.

Fazit

Das Hemingway DP-501 ist ein sehr einfaches, aber als Einstiegsgerät gut geeignetes Digitalpiano. Die Verarbeitung und Bedienung des Gerätes ist sehr gut. Allerdings fehlt es bei der Tastatur deutlich an Qualität, und auch die Sounds können nicht wirklich überzeugen. Die Funktionsvielfalt ist gut, und mit den internen Effekten, EQ, Recorder lassen sich die ersten Anfänge gut meistern. Wer allerdings etwas mehr Budget zur Verfügung hat oder direkt mehr Wert auf Qualität achten möchte, sollte sich auf alle Fälle den größeren Bruder der 700er Reihe anschauen oder direkt die Digitalpianos der Markenhersteller antesten.

Plus

  • günstiger Preis
  • einfache und gute Bedienung
  • Effekte und EQ

Minus

  • Tastatur
  • Sounds sehr statisch und ohne Druck
  • Lautsprechersystem

Preis

  • Rosenholz, Anthrazit: 449,- Euro
  • Schwarz: 485,- Euro
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