Acht Effekte für zahlreiche Experimente
Das Herbs and Stones Soft Memo ist ein Multieffektgerät im Desktop-Format. Acht Algorithmen und ein semi-modularer Aufbau lassen auf ein breites Einsatzspektrum und vor allem jede Menge Spaß schließen. Ob meine Erwartungen erfüllt werden, wollen wir in folgendem Testbericht herausfinden.
- Klangcharakter: Von klassischen Effekten bis zu radikal-experimentellen Texturen mit starkem Eigencharakter.
- Modulation: Zwei LFOs, Envelope-Follower und zahlreiche CV-Punkte eröffnen tiefgehende Eingriffe in Wet-, Dry-, Feedback- und Filterparameter.
- Stereo-Optionen: Zwei identische Kanäle ermöglichen kreative Mono-zu-Stereo-Setups und komplexe Feedback-Strukturen.
- Lernkurve: Einfaches Bedienkonzept, aber deutlicher Einarbeitungsbedarf durch unterschiedlich reagierende Algorithmen.
- Bewertung: Sehr gut – mit wachsender Erfahrung steigen Klangqualität und kreative Ausbeute deutlich.
Inhaltsverzeichnis
Über Herbs and Stones
Herbs and Stones ist ein italienischer Hersteller von Synthesizern und Effektgeräten. Der Fokus liegt sehr deutlich auf experimentellen Klängen und Sound-Design, was natürlich nicht heißen soll, dass sich damit nicht auch tolle Musik machen lässt.
2020 erblickte das erste Produkt namens Liquid Foam das Licht der Welt. Dabei handelte es sich um eine analoge Modular-Groovebox mit Dual-Sequencer. In der Produktpalette reiht sich mittlerweile von Klangerzeugern über Effekte bis hin zu Matrix-Mischern so ziemlich alles ein, was das Tüftlerherz begehrt.
Obwohl es auch ein paar Eurorack-Module gibt, scheint das Desktop-Format bei Herbs and Stones sehr beliebt zu sein. Das neue Soft Memo ist bereits das siebte Gerät in diesem Format, das wir uns nun einmal genauer anschauen wollen. Zunächst mal die Eckdaten:
- 8 Effekt-Algorithmen
- 25 Patch-Punkte
- 2 High-Gain-Vorverstärker
- 2 Feedback-Wege mit analogen VCAs und VCFs
- 2 LFOs (mit Taktteilung und Phasenverschiebung)
- 1 Envelope-Follower
- 2 identische Audiokanäle (Mono oder Stereo nutzbar)
- Möglichkeit zur Einstellung der Interaktion beider Kanalregler
Wichtige Info vor dem Kauf
Bei einem semi-modularen Gerät darf man gerne auf ein paar Patch-Kabel hoffen und ein passendes Netzteil würde ich als Selbstverständlichkeit bezeichnen. Beides ist beim Herbs and Stones leider nicht im Lieferumfang enthalten. Zur Info: Zur Stromversorgung wird ein BOSS Standard 9 V Netzteil mit 500 mA und Minuspol innen benötigt.
Eine Art Handbuch lässt sich auf der Herstellerseite unter „Overview“ herunterladen. Hier findet man meines Erachtens nach alles Wissenswerte sehr kompakt und klar formuliert vor.
Haptik & Verarbeitung
Die Geräte von Herbs and Stones besitzen keine einheitliche Größe, wie man es von anderen Herstellern teilweise gewohnt ist. Das Soft Memo hat die Maße 254 x 165 x 60 mm und ein Gewicht von ziemlich exakt 1 kg.
Das schwarze Gehäuse mit weißer Schrift besteht aus pulverbeschichtetem Metall und auch wenn die Optik zunächst etwas konfus erscheinen mag, so ist doch alles mehr als deutlich les- und somit bedienbar.
Die Verarbeitung scheint mir auf den ersten Blick sehr gelungen und hochwertig zu sein. Die Zeigermarkierungen der Potentiometer sind allerdings nicht ganz identisch. Am folgenden Bild ist dies deutlich zu sehen, da sich alle Regler (1, 2 und 3) auf Anschlag befinden. Haptisch gibt es hier allerdings nichts zu beanstanden.
Anschlüsse des Herbs and Stones Soft Memo
Auf der Rückseite des Herbs and Stones Soft Memo befinden sich zwei Ein- und Ausgänge für 6,3 mm Klinkenstecker, die auf zwei unterschiedliche Kanäle aufgeteilt sind. Jeweils ein Ein- und Ausgang trägt dabei die Bezeichnung A, die anderen beiden die Bezeichnung B.
Auf der Oberfläche sitzen insgesamt 25 Patch-Punkte für Miniklinkenstecker. Die Eingänge haben einen auffällig großen weißen Ring um sich herum und sind nicht beschriftet, während die Ausgänge (ohne Umrandung) zurückhaltender wirken, dafür aber beschriftet sind. Die Eingänge sind immer dem am naheliegendsten Regler zugewiesen. Eine Ausnahme ist der Eingang „r“, der einen Retrigger-Eingang darstellt.
Herbs and Stones Soft Memo: Kanal A und Kanal B
Die beiden Kanäle leiten das eingehende Signal zunächst durch einen Vorverstärker mit bis zu 100-facher Verstärkung. Parallel dazu durchläuft es einen analogen, CV-gesteuerten Feedback-Pfad, indem es zuerst einen VCA und danach ein analoges Resonanz-Tiefpassfilter durchläuft. In der Eingangsstufe der Effekte wird das Signal dann gemischt und kann bearbeitet werden.
Kanal A besitzt außerdem noch einen Envelope-Follower, dessen Empfindlichkeit über die Kanalverstärkung und den Feel-Regler eingestellt werden kann.
- Wet: Anteil des bearbeiteten Signals am Ausgang
- Dry: Anteil des unbearbeiteten Signals am Ausgang
- Fb: Anteil des bearbeiteten Signals im Rückkopplungspfad
- Freq: Grenzfrequenz des Resonanz-Tiefpassfilters im Rückkopplungspfad
- Res: Resonanz des Tiefpassfilters im Rückkopplungspfad
- Gain (Blitzsymbol): Verstärkungsstufe 1× bis 100×
Für die Parameter Wet, Dry, Fb und Freq stehen CV-Eingänge zur Verfügung. Lediglich die Regler für die Resonanz besitzen keine Möglichkeit zur Modulation.
Ebenfalls wichtig zur Bearbeitung sind die Dry- und Wet-Tasten, zusammen mit einer Taste mit einem Notensymbol. Wenn die Taste mit dem Notensymbol aktiviert ist, wird das Signal von Kanal A zu Kanal B übertragen. Über die anderen beiden Tasten werden die Wet- und Dry-Regler von Kanal B an die von Kanal A gekoppelt. Dadurch ist es möglich, ein Monosignal im Stereobereich aufzuteilen und an den Ausgängen A und B jeweils den gleichen Anteil an Wet- und Dry-Signalen zu erhalten.
Die Effekte des Herbs and Stones Soft Memo
Die acht digitalen Effekte des Herbs and Stones Soft Memo lassen sich über die Plus- und Minus-Tasten auswählen und die aktuelle Einstellung lässt sich an den darunterliegenden LEDs ablesen. Jedem Effekt sind drei Parameter und die dazugehörigen Regler 1, 2 und 3 zugewiesen. Jeder Parameter lässt sich auch mit CV-Signalen ansteuern.
Die Anordnung der jeweiligen Parameter (1, 2 und 3) fand ich zu Beginn etwas irreführend, da die Abfolge der Zahlen von oben nach unten in umgekehrter Reihenfolge angeordnet ist. Intuitiv hatte ich oftmals zu Parameter 3 gegriffen und eine Veränderung auf Kanal A erwartet. Das hat man sich aber natürlich auch sehr schnell eingeprägt.
Twin Gorge (Dual Drifting Delay)
- Delay-Zeit A (1 ms -> 500 ms)
- Delay-Zeit B (1 ms -> 500 ms)
- Drift
Faux Mirrors (Lo-Fi Reverse Time Processor)
- 1. Buffer-Länge A
- 2. Buffer-Länge B
- 3. Scanrate (langsam -> schnell)
Empty Shell (Shimmering Feedback Delay)
- Delay-Zeit
- Pitch (-1/+1)
- Feedback
Fixed Thoughts (Double Pitched Freeze Reverb)
- Länge der Hallfahne (bis zu unendlich)
- Pitch (A) + Freeze-Rate
- Pitch (B) + Freeze-Rate
Grotto Divide (Stereo Crossfade Reverb)
- Pre-Delay
- Crossfade A/B
- Decay-Zeit
Rival Choir (Freeform Stereo Chorus)
- Chorus-Rate A
- Chorus-Rate B
- Intensität
Mood Swings (Drifting Stereo Pitch Shifter)
- Pitch Shift A
- Pitch Shift B
- Drift
Late Rings (Dual Stereo Ring Modulator & Tempo Offset)
- Modulator-Frequenz A
- Modulator-Frequenz B
- Tempo Offset
Die Modulatoren
Neben dem bereits erwähnten Hüllkurvenfolger für Kanal A gibt es noch zwei LFOs, unterteilt in LFO x und LFO y. Ein visuelles Feedback erhält man hier über die LEDs der jeweiligen Ausgänge.
LFO x hat fünf Ausgänge, die alle ein etwas unterschiedliches Signal ausspielen. Über den Shape-Parameter lässt sich stufenlos zwischen den Schwingungsformen Sinus, Dreieck, Rechteck und Sägezahn auswählen. Über den Rate-Regler wird die Frequenz eingestellt und über den Phase-Regler lässt sich die Phase für den Ausgang X2 um bis zu 180° drehen.
Bezüglich der Sägezahnschwingung erhält man am Ausgang X1 eine aufsteigende Kurve und am Ausgang X2 eine absteigende Kurve, vorausgesetzt der Phase-Regler ist im Uhrzeigersinn aufgedreht. Die Ausgänge mit den Teilern zwei, vier und acht senden jeweils eine Rechteckschwingung, die im Verhältnis zur LFO-Rate zeitlich geteilt sind.
LFO x besitzt außerdem einen Retrigger-Eingang („r“), wodurch bei einem eingehenden Gate-Signal die Schwingungsform zu ihrem Startpunkt zurückgesetzt wird.
LFO y besitzt zwei Ausgänge, die eine Sinusschwingung oder eine zufällig gestufte Schwingungsform (Sample & Hold) erzeugen. Der Phase-Regler verändert die Phasenlage zwischen den beiden Ausgängen in 0°, 90°, 180° und 270°. Über die Mode-Taste lässt sich zwischen vier Betriebsarten für LFO y umschalten: frei laufend sowie synchronisiert auf die LFO-x-Rate in den Teilungen 2, 4 oder 8.
Der beschriebene Envelope-Follower von Kanal A kann zusätzlich über den Ausgang „e-f“ abgegriffen werden.
Der Herbs and Stones Soft Memo in der Praxis
Das Herbs and Stones Soft Memo hat definitiv seinen eigenen Charakter und von ganz klassischen Effekten bis hin zu sehr ungewöhnlichen Ergebnissen ist prinzipiell alles möglich. Etwas Vorsicht ist bezüglich der hohen Vorverstärkung und des äußerst resonanzfähigen Filters geboten. Das variiert allerdings auch je nach Effekt.
Auch wenn die Bedienung sehr einfach gehalten ist, so bedarf es etwas an Einarbeitungszeit, um die Effekte und wie sich diese auf das Eingangssignal auswirken, kennenzulernen. Doch genau das ist eben auch der Gedanke bei der Verwendung des Herbs and Stones Soft Memo. Es soll zum Experimentieren einladen und bestenfalls neue und inspirierende Klänge hervorzaubern.
Zudem lassen sich (nicht nur) aus Monosignalen wunderschöne und interessante Stereosignale erarbeiten. Während der Testphase hatte ich hierfür vor allem die internen Modulatoren genutzt, um die Wet- und Dry-Regler zu modulieren.
Verrückte Ergebnisse lassen sich sehr schnell verwirklichen und Freunde von sogenannten „Happy Accidents“ haben hier sicherlich ihren Spaß. Möchte man stets musikalisch bleiben und einen schnellen Workflow an den Tag legen, gibt es sicherlich günstigere und praktischere Alternativen.
Der Dry-Ausgang des Herbs and Stones ist praktisch rauschfrei, beim Aufdrehen des Wet-Reglers kommt aber immer etwas hörbares Rauschen hinzu. Für mich persönlich macht das aber auch etwas an Charme aus.
In den Klangbeispielen habe ich versucht, eine möglichst große Bandbreite an Klangquellen zu bearbeiten, da sich der Herbs and Stones Soft Memo auch für alle Arten von Sounds eignet. Besonders Vocals zu verfremden hat mir dabei ziemlich viel Spaß gemacht (vielen Dank an der Stelle an Johanna/IOANA für die Demo-Aufnahmen).
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Ja, das Teil macht echt Spaß. Hatte die ersten Tage gar nichts eingesteckt, da unheimlich viele – auch sanfte Klänge – aus dem Teil herauskommen wenn man es no-input ensetzt.
Hier ist meine Ausbeute: https://www.youtube.com/watch?v=i9YcjmEOTiQ :)
@Jeanne tolles Demo-Video!
Sehr geile Soundbeispiele, die sehr gut zeigen, wie die Effekte von »sanft« über »immer stärker« bis hin zu »ziemlich/völlig abgedreht« eingesetzt werden können. 🙂
Ich spiele seit Monaten übrigens ein Spiel, welcher Testbericht wohl von welchem Amazona-Autor geschrieben wurde. Beim Herrn Hecht liege ich fast immer richtig. 😁
@Flowwater Danke! Ich vermute die dubbigen Beispiele verraten mich dabei immer ;)
Die weiß umrandeten Buchsen verwirren ein bisschen beim ersten Anschauen.
Die Idee ist cool und lät zum expeimentieren ein, die Optik eher nicht.