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Test: Heritage Audio 73EQ JR, 73JR Preamp, 2264JR Kompressor und Preamp


Ein amtlicher Kanalzug

Heritage Audheritage audio moduleo

Die spanische Firma Heritage Audio hat sich zum Ziel gesetzt, mit ihrer Produktreihe den klassischen Klang der seit 1973 im Einsatz befindlichen Neve Konsolen nachzubauen. Es handelt sich tatsächlich um Klone der verschiedenen Komponenten jener klassischen Neve Konsole. Das spiegelt sich sowohl im Namen und Aussehen des Produkts wider als auch im Preis. Denn als günstig kann man die angebotenen Module nicht wirklich bezeichnen, halten sie sich doch alle so um die 1000-Euro-Marke auf. Im Vergleich dazu kosten die „Original-Klone“ von AMS-Neve, die ebenfalls EQ, Preamp und Kompressor für das 500er System anbieten nicht erheblich viel mehr.

Denn es handelt sich bei den Testobjekten um Einschubkassetten für ein API 500er System, auch „Lunchbox“ genannt. Heritage Audio bietet auch passende 500er Racks an, die Teil des anderen Testberichtes auf Amazona.de sind.

Ein voller Kanalzug Heritage Audio

Alle drei zusammen

Um dem Test etwas näher an die Praxis zu binden, habe ich mir mit den drei Modulen einen kompletten Kanalzug zusammengestellt, bestehend aus 73JR Preamp, 2264JR Kompressor und 73EQ JR Equalizer. Da der Kompressor über ein Highpass-Filter in der Sidechain verfügt, ist mir die Reihenfolge lieber. Denn naturgemäß gehen mit einer Kompression immer Höhenanteile verloren, die man dann mit einem EQ wieder aufholen kann. Hardwaretechnisch gibt es, bis auf eine Ausnahme (siehe 73EQ JR), nichts zu meckern. Die Kassetten sind robust und die Frontplatte hat eine Dicke von über 0,5 cm. Die gerasterten Potis rasten allesamt satt ein und auch die Schalter vermitteln einen wertigen Eindruck bei Betätigung. Allerdings „tanzen“ die Schalterkappen ein wenig auf der Frontplatte. Zunächst möchte einmal kurz jeden der Kandidaten vorstellen.

73JR Preamp

Mit allen notwendigen Mitteln ausgestattet, präsentiert sich der Preamp schnörkellos im Konsolendesign, das auch aufgrund der Potiknöpfe echten Vintage-Charme versprüht. Es gibt einen Gain-Regler, der die Verstärkung von 30 dB bis 80(!) dB in 5 dB Rasterungen einstellt. Mit dem Output-Regler kann man das Signal dann genau auf die nächste Stufe abstimmen. Dabei fehlt keiner der üblichen Verdächtigen: Highpass-Rumpelfilter, ein PAD, um das Eingangssignal vor der Verstärkung um 20 dB abzusenken, eine Phasenumkehr sowie die Wahl des generellen Eingangspegels (Line bzw. Mic/D.I.) und der Schalter, mit dem die Eingangsimpedanz für Mikrofone von 1200 Ohm auf 300 Ohm herabgesetzt wird. Das ist vor allem für ältere niederohmige und Bändchenmikrofone von Interesse. Der Schalter für die 48 Volt Phantomspeisung ist nach der Aktivierung beleuchtet. Beinahe selbstverständlich ist die Verwendung von Ein- und Ausgangsübertragern und ein rein diskreter Signalpfad in Class A.

Heritage Audio 73 JR Preamp

Mit einem Frequenzgang von 20 Hz (+0,3 dB ) bis 20 kHz (-0,2 dB) und THD-Werten von weniger als 0,025% bei 1 kHz und weniger als 0,05% bei 100 Hz ist man wohl auf der sicheren Seite. Auch der maximale Ausgangspegel von 26 dBu ist mehr als ausreichend.

73EQ JR

Auch der 73EQ JR ist komplett trafosymmetriert und teilt sich THD und Ausgangspegelwerte mit dem 73JR Preamp. Die EQs arbeiten nach dem Shelf- bzw. Peak-Prinzip. Zur Verfügung stehen Bass Shelf (220, 110, 60 und 35 Hz), Mid Peak Band (7,2, 4,8, 3,2, 1,6, 0,7, 0,36 kHz) und High Shelf (10, 12, 16 und 20 kHz). Die beiden Shelf-Bänder sind in der bekannten aktiven Baxandall-Schaltung ausgeführt, das Mittenband als ein Spulen-basiertes Filter, ähnlich wie in einem Pultec-EQ. Dabei ist der gleiche Line-Preamp eingebaut wie im 73JR Modul, so dass kein eigener Vorverstärker benötigt wird. Dieser Line-Preamp kann Signale noch mal um 6 dB verstärken.

Heritage Audio 73EQ JR Equalizer

Um einfache A/B-Vergleiche machen zu können, verfügt der 73EQ JR noch über einen EQL In Schalter. Alle Bedienelemente des EQs sind als Doppelachsendrehschalter ausgeführt, wobei die Krampe die Frequenz und der Hut den Hub bzw. die Senkung einstellt. Um Einstellungen einfacher wiederherzustellen, sind beide Bereiche gerastert. Man kann so zwar nicht alle Werte kontinuierlich verstellen, bekommt aber den Vorteil der Reproduzierbarkeit. Beim Test fiel mir auf, dass die Drehschalter über Gebühr wackelten – fand ich nicht so schön.

2264JR Kompressor, Preamp

Der Letzte im Bunde ist der 2264JR, der ebenfalls auf dem Neve-Vorbild beruht. Nicht nur dadurch, dass er ein großes beleuchtetes VU-Meter beherbergt, ist er auch doppelt so breit wie die beiden anderen Module. Es handelt sich nämlich um ein Kombimodul, das sowohl den Kompressor als auch den 1073 Preamp beinhaltet. Dazu belegt das Modul von Heritage Audio zwei Lunchbox-Slots, um den verschiedenen Möglichkeiten gerecht zu werden. Der direkte Line-Eingang zum Kompressor führt über den linken Slot-Eingang, der für den Mic-Preamp über den rechten. Beide teilen sich als Ausgang den linken Ausgangs-Slot. Allerdings verfügt der Preamp lediglich über eine zuschaltbare Phantomspeisung, kein Pad, keine Phasenumkehr oder ähnliches. Dabei ist festzuhalten, dass bei der Benutzung des Mikrofoneingangs der Kompressor außen vor bleibt.

Heritage Audio 2264 JR Kompressor/Preamp

Und es gibt noch einen wichtigen Unterschied zum Original. Der 2264JR von Heritage Audio bietet keine extra Einstellungen für den Limiter. Dieser ist sowohl im Original als auch in der aktuellen AMS-Neve-Version vorhanden und kann unabhängig vom Kompressor aktiviert und eingestellt werden.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    amazonaman AHU

    Sex in the Tonstudio, sieht einfach genial aus und klingt sicher auch sehr gut. Für den erfolgreichen Produzenten der Neuzeit sicher eine Investition wert. Gäbe es davon eine Studioleiche die ohne Funktion ist und billig zu haben, jaaaa das würde ich mir als Gag da rein stellen. Jedoch in Echt leider zu dekadent, also unnötig in Ruin getrieben.

  2. Profilbild
    undertheecho

    Ein schöner knackiger kurzer Testbericht. Angesichts der Vielzahl an Studioequipment und Herstellern würde ich es begrüßen, wenn man mehr solcher Berichte hier bei Amazona lesen könnte.

    Die Heritageprodukte wissen sicher zu überzeugen, aber der Klang und das Spiel an den Reglern hat mich zum Kauf anderer Produkte bewogen. Für mich sind die Tiefmitten etwas zu überzeichnet. Ich habe mich daher für API und Electrodyne Hardware entschieden, die ihre Vor- und Nachteile untereinander sehr gut ausgleichen.

    Wie immer ist das alles sehr subjektiv und ich möchte Heritage nicht schlecht reden.

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Heritage Audio JR

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