Test: Heritage Audio OST-6, MCM-8, BT-500, Gehäuse, Mixer und Funkmodul

8. Januar 2018

Lunchbox mit Funkzelle

Heritage Audio MCM-8

Heritage Audio ist ein spanischer Hersteller, der sich vor allem mit Geräten der gehobenen Preisklasse im Studiobereich einen Namen gemacht hat. Und obwohl erst 2011 gegründet, zählen u.a. schon Größen wie die Atlantic Studios NYC zu den „bekennenden Kunden“.

Zum Test der aktuellen Produkte des Herstellers standen von Heritage Audio folgende Geräte der 500er Serie bereit:

  • ein 500er Gehäuse Heritage Audio OST-6 mit Platz für 6 Module
  • ein 500er Gehäuse und passiver Mixer Heritage Audio MCM-8 mit Platz für 8 Module
  • sowie ein Bluetooth-Modul Heritage Audio BT-500 zum Verbinden von Smartphones und anderen Streaming-Geräten

Die anderen Module im 500er Format werden in einem eigenem Test untersucht, da es hier um die Kategorie „Studio Essentials“ bzw. Infrastruktur geht.

Heritage Audio OST-6

OST-6 – leider gibt es keine Arretierung für die weiblichen XLR-Buchsen

Beginnen wir mit dem offensichtlich unscheinbarsten Kandidaten, dem Heritage Audio OST-6. Dieser ist aus dickwandigem Metallblech gefertigt und bietet sechs 500er-Modulen Platz. Test fertig – nein, nicht ganz, denn neben seiner tadellosen Verarbeitung, die in einem robusten Gehäuse resultiert, sind alle Kontakte goldbeschichtet. Das gilt für die 500er-Steckplätze ebenso wie für die XLR-Ein- und Ausgänge sowie den Anschluss für das mitgelieferte externe Netzteil. Einziges Manko hier ist das Fehlen von Arretierungen für die weiblichen XLR-Buchsen. In Anbetracht der Größe und damit beabsichtigten Transportabilität ist das schon als Minuspunkt anzusehen.

Kann mit den Ohren nicht fliegen – die mitgelieferten Rackwinkel

Wenn man möchte, kann man den Heritage Audio OST-6 auch ins 19-Zoll-Rack verbringen, die dazu nötigen Dumbo-Rackwinkel sind im Lieferumfang enthalten.

Gib mir deinen Saft

Die Besonderheit liegt in der Art, wie die einzelnen Slots mit Strom versorgt werden. Das externe Netzteil stellt zunächst die Spannungen für die zwei Versorgungsbusse (+17,5 V und -17,5 V) und die Phantomspannung von 48V bereit. OST steht für „On-Slot Technology“, die dafür sorgt, dass die Spannungsversorgungen der einzelnen Slots voneinander entkoppelt sind, da sie von jeweils einzelnen linearen Spannungsreglern versorgt werden. Das wird insbesondere dann nützlich, wenn man 500er-Module von verschiedenen Herstellern in der Box betreibt, die sich in ihren Spezifikationen untereinander unterscheiden. Dadurch besteht die Gefahr, dass sich dann die Module gegenseitig beeinflussen, da sie alle auf denselben Spannungsregler zugreifen.

…we at Heritage Audio think this is the professional way of handling this reliably, eliminating issues often associated with sharing power between different modules of different brands and natures.

Aus den +17,5 V und -17,5 V werden dann für die eigentlichen Module +16 V/-16 V. Dabei kann die gesamte Box pro Versorgungsbus entweder mit 1,6 A (1,8 A kurzeitig) belastet werden, aber höchstens mit 400 mA pro Bus und Slot. Für die Phantomspannung stehen 140 mA zur Verfügung.

Das Gesagte gilt auch für die 8-fache 500er-Box Heritage Audio MCM-8, die zusätzlich über eine Passivmixerfunktion verfügt.

Das Netzteil, das die einzelnen linearen Spannungsregler versorgt, ist als Schaltnetzteil konzipiert

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass das „Reizwort“ Schaltnetzteil weder auf der Website noch im als PDF vorliegendem Handbuch (nur für MCM-8) auftaucht. Denn betrachtet man das externe Netzteil, bleibt einem nur der Schluss, dass es sich um ein Schaltnetzteil handeln muss. Es ist nicht besonders groß und dabei sehr leicht – Eigenschaften, die einem klassischen Trafonetzteil bei den o.g. Spezifikationen abgehen würden. Sei‘s drum, an einem Schaltnetzteil ist per se nichts verkehrt, vorausgesetzt, es ist gut umgesetzt, die Schaltfrequenz liegt weit über dem Audiobereich und der Ausgang ist geglättet. Im Test konnte ich dann auch keine wahrnehmbaren Einstreuungen feststellen.

Heritage Audio MCM-8

Das Heritage Audio MCM-8 bietet acht 500er-Modulen Platz und verfügt zusätzlich über eine Stereobus-Mixerfunktion. Diese ist rein passiv ausgelegt, nur am Ende der Summierung sorgt ein Aufholverstärker für die Anhebung auf Line-Pegel. Der Signalhub kann dabei bis zu 26 dBu betragen – also reichlich Saft für die nächste Stufe. Die einzelnen Panoramaregler, die eine satte Mittenrasterung haben, folgen dabei der 3 dB-Panorama-Regel (die besagt, dass ein Signal hart links oder hart rechts 3 dB lauter sein muss, um als gleichlaut mit einem Center-Signal wahrgenommen zu werden).

Signalfluss des MCM-8 von Heritage Audio ohne DB-25-Verbindungen

Da das Summenpoti vor der letzten Stufe liegt, bietet sich die Möglichkeit, diese bei Bedarf in die Sättigung zu fahren, wenn der Pegel dafür heiß genug ist. Der Aufholverstärker ist übrigens vom gleichen Typ, wie der im 1076-Modul von Heritage Audio. Genau wie bei diesem geht das verstärkte Signal zum Schluss in einen Übertrager, der am Ausgang das Signal mit einer Impedanz von 600 Ohm bereitstellt.

Satt und griffig – die Potis am MCM-8

Again, following the vintage topology, a stereo transformer coupled class A output amplifier is employed for this task. This amplifier is the same one used in the 1073 module.

Wie am Signalfluss ersichtlich besteht die Möglichkeit, das Signal sowohl zum Mixer als auch zum hinteren Ausgang zu schicken. Mit einem „Trick“ kann man das Heritage Audio MCM-8 auch ohne Module als Mixer benutzen. Nutzt man einen XLR-Male-auf-Female-Adapter kann man das Signal über die Ausgänge einspeisen und der Summierung zuleiten. Das sollte jedoch tunlichst vermieden werden, wenn noch ein Modul in dem Slot sitzt: Die niedrige Ausgangsimpedanz des Moduls würde das Eingangssignal stark beeinflussen und verzerren.

Zum Mixer gehören noch die AUX-L- und AUX-R-Eingänge, mit denen man eine Stereosumme einspeisen kann, um damit beispielsweise mehrere MCM-8 zu verketten. Der Ausgangspegel kann dann an zwei VU-Metern abgelesen werden, deren Null-Position bei +8 dBu kalibriert ist.

Die letzten Anschlüsse sind je zwei Tascam DB25-Buchsen, die die acht Ein- und Ausgangssignale spiegeln.

Forum
  1. Profilbild
    amazonaman  AHU

    Dieses 500er Format ist für den besonders fleißigen Musiksklaven und GAS Süchtigen genau das gefundene Fressen. Die Dinger sehen aber auch einfach verführerisch aus und sind leider gar nicht ohne Kredit zu haben. Ich wage mich solchen Geräten noch nicht einmal mehr als 100m zu nähern. Auch wenn ich es nicht bräuchte, aber es ist einfach sexy, verführerisch….. schnell weg hier!

    • Profilbild
      t.goldschmitz  RED

      Ja, dieser Einstellung kann ich mich nur anschließen. ich hab ja jetzt schon ein paar Module (u.a. von Rupert Neve Designs) getestet.
       
      Wenn man die einmal in Aktion gehört hat, möchte man die tatsächlich nicht mehr hergeben. Es klingt in der Tat einfach verführerisch edel.

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