Test: Hifiman Sundara, Studiokopfhörer

6. September 2019

Hi-Fi-Kopfhörer im Studioeinsatz

Hifiman sundara

Hifiman Sundara, Studiokopfhörer

Auf AMAZONA.de hatten wir bisher noch keinen Kopfhörer aus dem Hause Hifiman getestet. Und obwohl der Hersteller wohl eher im Hi-Fi-Segment anzutreffen ist, haben wir während unserer Tests schon oft festgestellt, dass der Stempel „Hi-Fi“ vielen Consumer-Kopfhörern nicht gerecht wird und diese durchaus auch im Studiobereich zum Einsatz kommen können. Interessant ist der Kopfhörer schon deshalb, weil er nicht zur großen Schar der dynamischen Kopfhörer gehört, sondern als magnetostatischer Hörer zu einer deutlich kleineren Gruppe gehört.

Erster Eindruck vom Hifiman Sundara

Aufgebaut ist der magnetostatische Sundara als Kopfhörer der offenen Bauweise. Das vornehmliche Einsatzgebiet wird im Studio entsprechend bei Mixing und Mastering liegen. Zu viel nach außen strahlt er ab, so dass er fürs Recording zunächst ungeeignet erscheint. Der Aufbau des Kopfhörers ist sehr robust und er macht einen soliden Eindruck. Sofort fallen die Metallgitter auf, mit denen die Ohrmuscheln nach außen abgeschlossen werden. Das macht Eindruck, sieht schick aus und gefällt.

Hifiman Sundara

Mit 372 g gehört der Sundara nicht zu den Leichtgewichten unter den Kopfhörern. Das Gewicht fällt jedoch im Vergleich zu anderen magnetostatischen Kopfhörern nicht allzu hoch aus. Ein Audeze LCD-X bringt es beispielsweise auf knapp 700 g, da ist der Sundara deutlich entspannter zu tragen. Entsprechend fällt das Gewicht auch bei längeren Sessions nicht negativ auf.

Als Material kommt beim Sundara vor allem Metall zum Einsatz. Die Grundkonstruktion des Kopfhörers bzw. dessen Rahmens besteht daraus, das darunter liegende Kopfband ist aus Kunstleder gefertigt. Die Ohrmuscheln sind beidseitig aufgehängt und passen sich in ihrer vertikalen Neigung der Kopfform an, nach vorne bzw. hinten lassen sich allerdings nicht drehen. Einen kompakten Faltmechanismus, wie ihn derzeit viele Allrounder-Kopfhörer bieten, gibt es beim Sundara nicht. Da er hauptsächlich für den stationären Einsatz ausgelegt ist, stellt dies jedoch kein Problem dar.

Hifiman Sundara

Die Ohrmuscheln sind auf der Innenseite mit Velours ausgekleidet. Dieses liegt angenehm auf den Ohren auf und lässt ausreichend Luft durch, so dass der Hifman Kopfhörer auch ohne Weiteres mehrere Stunden am Stück getragen werden kann. Die Ohrmuscheln lassen sich auf beiden Seiten um einige Zentimeter herausziehen, so finden auch größere Köpfe ausreichend Platz unter dem Sundara. Die Größenverstellung rastet dabei angenehm stark ein, ein unabsichtliches Verstellen ist hiermit ausgeschlossen. Auch nach mehrmaligem Auf- und Abziehen bleibt die eingestellt Größe erhalten.

Lieferumfang und technische Daten des Hifiman Sundara

Neben den Kopfhörer selbst findet man in der Verpackung des Sundara lediglich ein 1,5 m messendes Anschlusskabel. Dieses wird beidseitig am Kopfhörer befestigt und endet auf einem abgewinkelten 3,5 mm Stereo-Klinkenstecker. Ein Adapter auf 6,3 mm Klinke liegt bei. Ein zweites Kabel, am besten als Spiralkabel ausgeführt, wäre für den Studioeinsatz sicherlich schön gewesen.

Hifiman Sundara

Ein kleines Handbuch zum Sundara liegt ebenfalls bei. Hierhin gibt es neben einem Grußwort vom Hifman Gründer interessante Hintergrundinformationen zur Technik des Kopfhörers. So hat Hifiman beispielsweise die Membrane des Sundara 80 % dünner gemacht als die der Vorgänger-Serie HE400. Dies soll laut Hersteller zu einem breiteren Frequenzbereich führen. Magnetostatische Kopfhörer sind in der Regel für ihr gutes Impulsverhalten und die hohe Auflösung bekannt, da bin ich gespannt, wie sich der Sundara hierbei schlägt.

Die technischen Daten des Sundara gibt Hifiman mit einem Frequenzbereich von 6 Hz bis 75 kHz an. Die Empfindlichkeit liegt bei 97 dB, die Impedanz bei 37 Ohm. Detailliertere Angaben gibt es zum Sundara nicht.

Hifiman Sundara

Tonstudio-Einsatz des Hifman Sundara

Der Sundara muss sich im Test mit den folgenden Zuspielern beweisen: Neben einem SPL Phonitor Mini, den Kopfhörerausgängen einer RME HDSP Karte und einem Mackie 1604 Pult kommt als mobiler Partner ein iPhone SE und ein NoName MP3-Player zum Einsatz. Als Vergleich kommt ein AKG K-812 zum Zuge.

hifiman sundara

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der AKG K-812 und der Sundara sind sich in ihrem Klangbild sehr ähnlich, was absolut positiv zu vermerken ist. Immerhin kostet der K-812 mehr als doppelt so viel wie der Hifiman. Beim Durchhören unterschiedlicher eigener und fremder Produktionen, von klassisch über Live-Jazz-Aufnahmen bis hin zu aktuellen Charts-Produktionen ist alles dabei, fällt sofort auf, dass beide Kopfhörer ein sehr klares und äußerst brillantes oberes Klangspektrum abbilden können. Nichts ist zu harsch, es sei denn, man hat es entsprechend so gemischt, man kann sehr wohl analytisch mit ihm hören. Auch beim mittleren Frequenzbereich geben sich die beiden Kopfhörer kaum etwas. Mir persönlich gefällt der K-812 etwas besser, aber ohne Weiteres würde ich auch den Sundara für Mixe heranziehen. Der Bassbereich ist schön kompakt und bringt Änderungen, die man hieran vornimmt, gut zur Geltung. Auch der Subbereich ist schön ausgeprägt wahrnehmbar.

Während der Sundara beim Impulsverhalten dem K-812 überlegen ist, er agiert hier einfach schneller und sauberer, finde ich die Tiefen- und Stereopositionierung beim AKG gelungener. Letztlich sind dies aber Nuancen und reine Geschmacksache. Der K-812 agiert hier etwas analytischer.

hifiman sundara

Insgesamt lässt sich also festhalten, dass der vermeintliche Hi-Fi-Kopfhörer Sundara ohne Weiteres im Studio zum Einsatz kommen kann. Dabei bietet er ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und hat gegenüber anderen magnetostatischen Kopfhörern einen klaren Gewichtsvorteil.

Fazit

Der Hifiman Sundara ist als Hi-Fi-Kopfhörer angetreten und beweist sich als sehr guter Studiokopfhörer. Als magnetostatischer Kopfhörer bietet er ein sehr gutes Impulsverhalten, ein breites und klares Klangbild mit kompakten Bässen und brillanten Höhen. Die Verarbeitung ist sehr gut und solide.

Dies führt letztlich zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis und dazu, dass der Sundara uneingeschränkt für Mix/Mastering sowie für den reinen Musikgenuss empfohlen werden kann.

Plus

  • Verarbeitung
  • Klang
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • hinsichtlich der magnetostatischen Konkurrenz: Gewichtsvorteil

Minus

  • nur ein Kabel enthalten

Preis

  • 349,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Matt2KH

    Interessante Frage, die nach derzeitiger Marktlage alle Gemüter bewegen sollte, finde ich:
    Den Fostex T60RP, Hifiman Sundara oder Shure SRH1440?

    Alle drei geben sich nicht nur als Spielzeug oder 30-Jahre alte Technik (wie bei den großen Namen). Ich meine, das hört man auch, nur den Fostex habe ich noch nicht gehört.
    Zwischen den zwei, die ich gehört habe, klingt der Sundara definitiv „erwachsener“, aber auch irgendwie etwas zu „glasig“ (untere Mitten oder so müssten präsenter oder knackiger sein). Der Shure kann sowohl bescheiden klingen, wie auch einen umhauen, da die Details und die Klarheit phänomenal sind. Allerdings ist er auch recht hell.
    Beide habe/konnte ich jetzt aber nicht genau beschreiben.

    Ich würde gerne wissen, ob man davon einen klar empfehlen kann, bzw. wie die zueinander stehen im Ranking (inklusive mir unbekanntem Fostex).

    • Profilbild
      Matt2KH

      Korrektur: Der Fostex T60RP ist doch ein Spielzeug. Mir war nicht ganz klar, dass es sich hier nur um eine offiziell gemoddete Version des T50RP handelt. Ich halte nicht besonders viel vom Modden, da es nichts an den technischen Limitationen ändert. Das ist hier nicht anders. Natürlich kann oder sollte man das vielleicht teilweise trotzdem machen, nur schaue ich nicht danach, und manchmal wird so getan, als gäbe es keine natürlichen Limitationen. (Den Hype um teils teure Mod-Spezialisten halte ich für total absurd.)
      Ich hätte nur einer doppelt so teuren Version zugetraut, auch technisch richtig was herzumachen, um sich mit den anderen Hifiman oder auch dem Sundara zu messen (wobei der Sundara auch die anderen Hifiman He-400 schlägt, die auch teilweise günstiger waren und wohl international günstiger sind).

      Dann bin ich mir nur noch unsicher zwischen dem Hifiman Sundara und dem Shure SRH1440, die ich beide auf ihre Art sehr gut fand, aber nicht direkt vergleichen kann.

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