Test: Hughes & Kettner Ampman, Floor Amp

9. Februar 2021

Neues vom Bionic Tone Generator!

Das nenne ich doch mal ein offenes Ohr für die Bedürfnisse des Kunden. Nachdem die Hughes & Kettner Nano Serie aus dem Stand sowohl vom der schreibenden Zunft als auch vom User zu dem wahrscheinlich besten Bedroom-Amp ever gekürt wurde, macht sich Hughes & Kettner umgehend daran, eine erweiterte Produktreihe zu kreieren, die auf die Kritikpunkte der winzigen Heads eingeht. Insbesondere der fehlende FX-Loop und die etwas eingeschränkte Direct-to-Interface Funktionen schmälerten etwas den Proberaum/Live- wie auch den Homerecording-Bereich, was zwar nicht den hervorragenden Sound schmälert, jedoch die Flexibilität etwas einschränkte. Wohl an, Hughes & Kettner präsentiert die Ampman Serie, die sich mit den beiden Modellen Classic und Modern erneut aufmacht, nach der 3-fach ausgeführten BS200 Serie (Head, Combo, Floor) und der Nano Serie ein weiteres Highlight in der Spirit zu manifestieren.

Hughes & Kettner Floorboard für E-Gitarre

Den meisten Gitarristen wird die allgemeine Entwicklung nicht verborgen geblieben sein. Der Trend zu „kleiner und leichter“ setzt sich auch im Jahr 2021 ungebrochen fort und gewinnt immer mehr an Kontur. Die Königsklasse in Form von massiven Vollröhren-Heads und -Combos stellt klanglich zwar immer noch das Nonplusultra dar, wird aber in ihrer Handhabung mittlerweile leider nur noch lukrativ arbeitenden Künstlern der Ober- und Spitzenliga ermöglicht, die über eine entsprechende Crew und ebenso entsprechenden Transportmöglichkeiten verfügen. Und selbst im Profibereich zählt bei Flugshows jedes Kilogramm, was aus dem Transport-Budget entnommen und lieber in die eigene Brieftasche gewirtschaftet wird.

So folgt die Ampman Serie demnach auch dem sehr erfolgreichen Floor-Amp der BS200 Serie, der aufgrund seiner umfangreichen klanglichen und schaltungstechnischen Flexibilität schon seit längerer Zeit seinen Weg in die Transporttaschen von (semi-) professionellen Gitarristen gefunden hat. Sollte die Nano Serie mit dem Floor-Amp einen unehelichen Nachwuchs hervorbringen, er würde aussehen wie die Ampman Serie. Aber alles schön der Reihe nach.

Die Ampman Floorboards von Hughes & Kettner

Gleich drei verschiedene Ziele hat sich Hughes & Kettner mit der Ampman Serie gesetzt.

1.) Die einfache klangliche Verwaltung der Nano Serie beibehalten

2.) Mehrere Modelle der Nano Serie in einem Amp vereinen

3.) Die Road-Tauglichkeit und die Flexibilität der Floor Serie in das Produkt einfließen lassen

Um es vorneweg zu nehmen, alle drei Ansätze sind in vollem Umfang gelungen, was man schon am ersten Eindruck erkennen kann. Je zwei Nano Amp Modelle wurden in einem der beiden Versionen vereint, wobei man zwischen der Classic- und der Modern-Version wählen kann. Erwartungsgemäß fand der Vintage Nano Head mit seinem hervorragenden Clean-Sound Zugang zu beiden Ampman Versionen, wobei die Classic-Variante mit seinem zweiten Kanal mehr in Richtung Rock, die Modern-Variante mehr in Richtung Metal zielt.

Hughes & Kettner Ampman Test

Hughes & Kettner AmpMan Modern Front

Neben dem Highlight der Sagging-Schaltung, wurden von der Nano Serie in beiden Kanälen der Tone Regler wie auch Gain und Master übernommen. Als echten Mehrwert muss man die Regler Presence und Resonanz werten, die nun auch klanglichen Möglichkeiten im Bereich Hoch- und Tiefton abrunden. Des Weiteren gibt es je Kanal einen Master-Regler, der über die Lautstärkendifferenz im Solo-Mode entscheidet. In Sachen Leistung sind die Werte mit der Nano Serie identisch und entsprechen gegenüber einer Röhrenendstufe einmal mehr dem physikalischen Zwang einer Solid-State-Endstufe verpflichtet, will heißen, je mehr Widerstand am Speaker, desto weniger Leistung.

Die Werte belaufen sich auf ca. 50 Watt an 4 Ohm, 25 Watt an 8 Ohm und 12 Watt an 16 Ohm und reichen problemlos aus, eine Clubbühne oder eine kleine Halle mit ausreichender Lautstärke zu beschallen. Lediglich bei einer „reinen“ 16 Ohm Box wie z. B. ältere Marshall 412er Cabinets (nicht auf 4 Ohm mono umschaltbar) könnte 12 Watt auf einer Hallenbühne etwas knapp werden. Aber immer dran denken, Lautstärkenmonster wie z. B. ein 100 Watt Plexi sind gerade einmal ca. 80 % lauter als ein Ampman bei 16 Ohm!

Um die insgesamt 14 Regler während des Transportes etwas zu schützen, wurden diese leicht vertieft auf der Oberseite platziert. Die jeweilige Kanalwahl wird über eine LED rechts außen angezeigt. Vier Fußschalter ermöglichen eine praxisgerechte Soundverwaltung in Form der Kanalwahl, eines Solo-Schalters, der Aktivierung/Deaktivierung des FV-Loops und einem Boost-Schalter, der den oberen Mittenbereich leicht boostet und mit einem externen Booster zu vergleichen ist.

Hughes & Kettner Ampman Test

Hughes & Kettner AmpMan Classic Front

Obwohl die Ampman Serie aufgrund ihrer Konzeption in Form eines massiven Metallgehäuses und der Fußschalter klar für den Live-Betrieb konzipiert ist, wurde auch auf die Nachfrage bzgl. des Homerecordings Rücksicht genommen. Wie auch bei der Floor Serie wurde eine Red Box Speaker Emulation verbaut, dieses Mal allerdings in einer professionellen XLR-Version mit schaltbarem Ausgangspegel (Mic/Line) und 8 verschiedenen Speaker-Simulationen. Hierüber lassen sich Direct-Recordings ins Interface erledigen, das Inear-System für den Live-Betrieb beschicken oder im Notfall auch ein direktes Signal zur PA legen. Die Red Box ist auf der Rückseite des Gerätes angebracht, wie auch noch weitere sinnvolle Features. Hierzu zählt auch der von vielen Usern vehement geforderte FX-Loop, der einen vollwertigen Live-Betrieb erst möglich macht. Zudem befinden sich auf der Rückseite noch der Regler für ein Noise-Gate, das insbesondere im Lead-Kanal der Modern-Ausführung sinnvoll ist. Wer in jeder Spielpause hektisch den Kanal wechseln musste, um dem Sänger nicht Nebengeräusch-technisch in die Ansage zu rauschen, weiß wovon ich rede.

Hughes & Kettner Ampman – Zubehör, Anschlüsse und Features

Um den Übungseffekt zu unterstützen, befindet sich ebenfalls ein Miniklinke-Kopfhörerausgang und ein Aux-In auf der Rückseite des Gehäuses, ebenso wie der Input und der Speaker-Output. Schön auch, dass selbst dieser vergleichsweise kleine Stromverbraucher über eine bei Nichtgefallen deaktivierbare AES-Schaltung verfügt, die den Verstärker nach 2 Stunden der Inaktivität ausschaltet. Diese Schaltung hat meinen Techniker während unserer Tourneen des Öfteren ins Schwitzen gebracht, da mein Triamp MKIII Spare Amp sich gerne einmal zum Ende der Show hin deaktivierte und mein Techniker diese Schaltung noch nicht kannte.

Leider war es aus Platzgründen nicht möglich, einen Kaltgerätestecker am Ampman zu verbauen, so dass das gleiche externe Netzteil wie auch bei der Nano Serie seinen Dienst verrichtet. Für den Live-Betrieb gilt es, sowohl für eine gute Zugentlastung zu sorgen, als auch niemals das externe Netzteil zu vergessen. Die Werte von 24 V bei 2,5 A wird kein Multispannungsnetzteil liefern können.

Auch wenn alle Bauteile massiv und hochwertig ausgeführt wurden, so empfehle ich, sich insbesondere für den Transport des Amps, eine gepolsterte Tasche oder entsprechendes Case zu besorgen. Neben den Reglern auf der Oberseite schützt man so auch die drei vorstehenden Regler auf der Rückseite des Gehäuses, die bei einem unglücklichen Aufschlag in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.

Hughes & Kettner Ampman Test

Hughes & Kettner AmpMan Classic Rückseite

Das ist der Sound des Hughes & Kettner Ampman in der Praxis

OK, kommen wir direkt auf den Punkt. Ich bin durch den intensiven Kontakt mit der BS200 Serie klanglich ja schon so einiges von Hughes & Kettner gewöhnt, insbesondere was den analogen Klang und die klangliche Nähe zu einer Röhrenschaltung angeht. Was die Saarländer hier allerdings mit dem Ampman klanglich „anrichten“, setzt in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis noch mal einen oben drauf. Die beiden Varianten klingen mit einem Wort gesprochen phänomenal!

Die beiden Regler Presence und Resonance ermöglichen genau die klangliche Vielfalt, die es noch für den echten Bühnenbetrieb benötigt hat und sorgt in Zusammenarbeit mit dem Tone- und Sagging-Regler für eine sehr große Fächerung, was Stilistik und persönliche Prioritäten angeht. Die Vintage Variante lässt sich durch Hinzunahme eines Overdrive im TS9-Style problemlos zu einem Dreikanaler aufblasen, was es aber aufgrund des Solo- und Boost-Schalters nur bei sehr hohen Gain-Reserven bedarf, für AOR, Classic und Hard Rock reicht der Lead-Kanal völlig aus und besticht insbesondere durch seine hervorragende Interaktion mit dem Volume-Regler der Gitarre.

Besonders stark kommt dies in der Modern Variante zum Tragen, bei dem sich ein High-Gain-Sound durch Rücknahme des Outputs problemlos in einen echten Lead- oder Heavy-Crunch-Sound verwandeln lässt, ganz im Stil eines Vollröhrenamps. Klanglich liegen beide Varianten mehr in den amerikanischen als in den britischen Gefilden, soll heißen, der übermächtige „Mittennöck“ der EL34-Garde lässt sich zwar durch Linksdrehung des Tone-Reglers gut herauskitzeln, der Gesamtsound bleibt aber immer sehr ausgewogen und voluminös, wie man es eher aus der 6L6 Abteilung und Kollegen her kennt.

Die Praxistauglichkeit dieses Amps ist herausragend, für mich schon jetzt einer DER Neuerscheinungen in 2021. Diesen Amp auf ein mittleres Floorboard geschraubt, Tuner und die persönlichen Modulations- und Raumeffekte dabei und du bist perfekt ausgestattet für eine komplette Show. Solltest du vor Ort noch ein passendes Cabinet leihem können, besteht dein komplettes Equipment aus deinem Instrument und einer gepolsterten Tasche/Bagpack für dein Floorboard.

Diese Amps sind eine echte Bereicherung für jeden Working Musician! Volle Punktzahl mit allem Möglichen an Empfehlungen, was geht!

(Anmerkung der Redaktion: Da der Artikel bei Thomann noch nicht gelistet ist, werden Preisangabe und Verlinkungen noch ergänzt)

Hughes & Kettner Ampman Test

AmpMan im Studio

Fazit

Mit der Ampman Serie hat das Saarländer Unternehmen einmal mehr zwei hervorragende Produkte aus der Spirit Serie am Start. Die Verstärker bestechen durch einen hervorragenden Grundsound, große Praxistauglichkeit und eine sehr hohe Flexibilität, die vom Homerecording über die tägliche Übungsroutine bis hin zum sehr leicht zu transportierenden, professionellen Bühnenamp reicht.

Der Verzicht auf die klassische Dreibandklangregelung zu Gunsten des Tone-Reglers ermöglicht einen sehr schnellen Charakterwechsel über mittenlastig bis hin zu Scoop und erreicht im Zusammenspiel mit dem Sagging-Regler eine klangliche Qualität, die bis jetzt in der Solid-State-Technik nicht möglich war.

Unbedingt antesten und staunen! Absolute Kaufempfehlung!

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Konzept
  • Bionic Tone Generator
  • Flexibilität
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    OscSync  

    Hmm. Klingt super und ist für mich (auch im Namen) quasi eine erfreuliche und interessante Evolution des alten Tubeman-Konzepts.
    Aber eines wundert mich doch. Das Gerät ist beim Hersteller noch gar nicht angekündigt, es gibt keine Preisinfo, und dennoch ein Best Buy? Zumindest letzteres erfordert für mich zumindest die Betrachtung in Relation zum Preis. So riecht es doch leicht nach Werbung und wirft für mich Fragen auf. Axel, falls Du irgendwie in einem Verhältnis zu H&K stehst, das einen solch frühen Test ermöglicht, wäre m.E. aus Transparenzgründen ein Hinweis darauf sinnvoll. Und wenn das nicht so ist, wäre eben dieser Hinweis auch sinnvoll, um solche Fragezeichen zu vermeiden, Davon ab, wie immer schön geschrieben!

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      Axel Ritt  RED

      Ich bin in der glücklichen Lage, als einer der Ersten das Produkt zum Test erhalten zu haben. Jedes Magazin freut sich natürlich darüber, das Erste zu sein, das ein hochwertiges Produkt zum Test erhält und den Test dann auch möglichst zügig online stellt.

      Ich kenne auch den Ladenpreis des Produktes und kann daher auch den Best Buy Button vergeben, möchte hier aber nicht dem regulären Listungs-Workflow vorgreifen, daher dieser seltene „Appetizer“ ;-)

      Viel Spaß mit dem Test!

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        FP

        Hast du zufällig auch ausprobiert, wie die beiden Kanäle jeweils auf heftige Zerren vor dem Input reagieren, also kein TS oder DS1 sondern eher z.B. Wooly Mammoth oder HM-2?

        Ist das Noisegate beim Modern metal-tauglich, v.a. die Release-Zeit, packt die richtig zu bei abgehackten Rhythmusparts?

        Auf gearnews wird übrigens ein Preis von 349,00 erwähnt, das wäre ja was..

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          Axel Ritt  RED

          Bzgl. externer Distortion Pedale kann ich nichts sagen, allerdings läuft die BS200 Serie mit meinem davor geschalteten IRONFINGER Distortion Pedal sehr gut. Ich schätze, dass auch der Ampman aufgrund seiner Abstammung sehr gut mit einem Distortion Pedal klar kommt. Hier heisst es ausprobieren.

          Da das Noisegate für den internen Gain Bereich konzipiert wurde, weiß ich nicht, wie es mit externen Pedalen funktioniert. Bzgl. Einstellmöglichkeiten hat es sich mit dem internen Gain Stufen gut vertragen, wie schnell es allerdings schliessen soll, hängt ja auch stark vom Tempo des Songs ab.

          Der o. g. UVP stimmt, das Preis / Leistungsverhältnis ist wirklich sehr gut.

  2. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Hi Axel,

    sehr überzeugende Klangbeispiele, v.a. Crunch, das kommt ja bei „Nicht-Röhre“ immer etwas mager und undynamisch. Könnte hier aber auch am Gitarristen liegen…

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    defrigge  AHU

    Die Clean Variante klingt so überzeugend, dass ich mich frage, ob man mit passend straffem 12“-Lautsprecher Cabinet ein Rhodes darüber spielen könnte.

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      Axel Ritt  RED

      Müsste eigentlich gehen, zumal der Amp genügend Aufholreserven für den geringen Ausgangspegel des E-Pianos hat.

      Ein echtes Rhodes? Respekt, ich sage nur 70 Kg (zumindest kam es mir damals so vor) …

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        defrigge  AHU

        Ein echtes Rhodes, aber nur im Home Studio mit Freunden. :)
        Dabei geht’s mehr um den Klang als um die Lautstärke.
        Für alles andere reichen die Varianten an Bord des Kronos… Und ja, ich kann mich noch gut erinneren, wie alle interessiert weggeguckt haben, wenn nach dem Gig das Rhodes zurück in den Band-Transporter musste :-)))

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          Axel Ritt  RED

          Kollege von mir hatte einen Keyboarder mit B3 (im Case!), Original Leslie und Rhodes.

          Der arme Mann war der einsamste Mensch der Welt an der Laderampe :-)))

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    Hein Schlau  AHU

    Bei den Nano-Amps bin ich zurückgeschreckt, weil die Verarbeitung so wenig wertig erschien – dünner Kunststoff und Potis, die teilweise an der Gehäusefront schabten. Dabei fand ich den Vintage Head im Laden klanglich ziemlich Klasse und vor allem dynamisch.
    Das Gehäuse bei den Ampmans ist jetzt ja aus Blech, sind die Potis mit dem Gehäuse verschraubt? Nicht ganz unwichtig bei Bodentretern…
    Und irgendwie hätten sie es doch so bauen sollen, dass man mit einem kräftigen Pedalnetzteil für Spannung sorgen kann.

  5. Profilbild
    Jan Steiger  RED

    Hammer!
    Ich bin echt auf den Preis gespannt, könnte eine Soundzentrale auf einem kleinen Sessionboard werden :)

  6. Profilbild
    ahoiboi

    Wie wurden die Klangbeispiele denn aufgenommen, über die interne Speakersimulation oder eine mikrofonierte Box?

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      über ein mikrofoniertes Cabinet.

      Marshall 412er mit Celestion G-75 T, abgenommen mit 2 Stck. SM57.

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