Kleiner Amp, große Sounds
Wer einen kompakten Akustik-Amp für Wohnzimmer, Probe und kleinere Gigs sucht, sollte sich den Hughes & Kettner era C genauer anschauen. Der kleine Amp bietet erstaunlich viele Anschlussmöglichkeiten und Funktionen und könnte damit für Singer-Songwriter, Straßenmusiker und Solo-Entertainer gleichermaßen interessant sein.
Was ist es? Der Hughes & Kettner era C ist ein kompakter Akustikverstärker mit vier Kanälen, integrierten Effekten, Bluetooth und umfangreichen Anschlussmöglichkeiten für Bühne, Probe und Zuhause.
- Sound: Warmer, voller Klang mit überzeugendem DI-Out und praxisgerechter Klangregelung.
- Ausstattung: Vier Kanäle, Bluetooth, Effekte, FX-Loop und DI-Out bieten hohe Flexibilität.
- Praxis: Kompakt, leicht und dank Hochständerflansch auch für kleine Gigs bestens geeignet.
- Bedienung: Durchdachtes Konzept mit kanalindividuellen Einstellungen trotz gemeinsamer Regler.
- Schwächen: Je nach Einstellung hörbares Grundrauschen und leichte Gehäusevibrationen.
Inhaltsverzeichnis
Hughes & Kettner era C – Die ersten 5 Minuten
Ein Akustikgitarrenverstärker mit vier Kanälen, eingebauten Effekten und Bluetooth in einem kleinen Gehäuse für unter 400,- Euro? Das ist schon eine Ansage und macht den era C sowohl für Hobbymusiker als auch für Profis interessant, die eine günstige Lösung für den mobilen Einsatz suchen. Um zu schauen, ob der kleine Würfel hält, was er verspricht, tritt er heute bei uns im Test an!
Lieferumfang & erster Eindruck
Der Hughes & Kettner era C ist tatsächlich noch kleiner, als ich vermutet hatte, und würde sogar fast in meinen Rucksack passen. Auch wenn man ihn aus dem Karton holt, staunt man, denn das Gewicht ist ebenfalls überraschend gering. Ein absolutes Fliegengewicht.
An sich macht der Amp aber einen guten ersten Eindruck, wirkt sauber verarbeitet und übersichtlich aufgebaut. Neben dem Verstärker liegen dem Karton noch das externe Netzteil sowie eine Bedienungsanleitung auf Englisch und Deutsch bei. Soweit, so gut.
Line Check
Beim Line Check wollen wir wie gewohnt schauen, was man aus dem Produkt herausholt, ohne sich damit näher zu beschäftigen. Also Akustikgitarre schnappen, einstecken, aufdrehen – los geht’s.
Den Input musste ich allerdings ganz kurz suchen, denn beimHughes & Kettner era C liegen alle Anschlüsse auf der Rückseite. Auf dem Bedienfeld findet man sich dagegen sehr leicht zurecht, sodass man sofort loslegen kann.
Im folgenden Beispiel befindet sich der EQ in Mittelstellung, der Hall stammt aus der FX-Sektion des Amps. Ihr hört sowohl den DI-Out des Verstärkers als auch das mikrofonierte Signal des Lautsprechers. Ich muss sagen, dass mir das, was ich da höre, direkt ziemlich gut gefällt, egal ob Picking am Anfang oder Strumming mit Plektrum. Genauere Angaben zur Signalkette findet ihr weiter unten im Praxistest.
Die Specs
Der Hughes & Kettner era C ist ein kleiner, moderner Akustik-Amp, der sowohl Inputs für Instrumente als auch für Mikrofone bietet. Trotz seiner geringen Größe von nur 270 × 285 × 250 mm (B × H × T) und seines Gewichts von 6,2 kg bringt er satte 60 Watt Leistung mit und bietet mit seinem 8″-Doppelmembran-Lautsprecher genügend Fläche, um volle Klänge zu produzieren.
Er verfügt über vier Kanäle für den gleichzeitigen Anschluss von Instrumenten, Mikrofonen oder Zuspielern. Input 1 und 2 sind dabei mit einer XLR-Kombibuchse, einem -10 dB Pad sowie optionaler Phantomspeisung ausgestattet. Neben separaten Gain-Reglern samt Mute-Funktion verfügen beide Kanäle über einen 3-Band-EQ. Mit dem Shape-Button lässt sich zudem das Frequenzspektrum verändern.
Kanal 3 liegt als 3,5-mm-Stereo-Input vor und besitzt einen eigenen Lautstärkeregler auf der Oberseite, während Kanal 4 die 6,3-mm-Return-Buchse (Stereo) des integrierten FX-Loops verwendet und für Quellen mit Line-Pegel ausgelegt ist. Er besitzt ebenfalls einen kleinen Level-Regler direkt neben der Input-Buchse.
Die FX-Sektion bietet mit Hall (Warm, Dunkel, Hell) und Delay (Kurz, Mittel, Lang) insgesamt acht integrierte Effekte zur Auswahl, die über den FX-Volume-Regler in ihrer Intensität gesteuert werden können. Die Master-Sektion kommt neben dem Regler für die Gesamtlautstärke mit einem nützlichen Notch-Filter zur Eliminierung lästiger Feedback-Frequenzen (41 – 180 Hz).
Dank der Bluetooth-Schnittstelle kann der Hughes & Kettner era C auch Audio streamen, etwa zum Abspielen von Backingtracks oder Pausenmusik beim Auftritt. Über den Kopfhörerausgang kann zudem ohne Lautsprecher geübt werden.
Auf der Rückseite befinden sich außerdem noch der bereits erwähnte FX-Loop zum Einbinden externer Effekte, der DI-Out mit XLR-Buchse und Ground-Lift, der entweder vor oder nach den Effekten abgegriffen werden kann, sowie der Anschluss für den optionalen Fußschalter.
Auf der Unterseite des Verstärkers befinden sich zu guter Letzt noch ein 35-mm-Hochständerflansch für die Montage auf einem PA-Ständer sowie die Bohrungen für den optionalen Tilt-Stand.
Für alle, die es etwas edler mögen, gibt es übrigens auch eine Version mit Holzverkleidung. Diese kostet allerdings direkt 100,- Euro mehr.
Hughes & Kettner era C – der Praxistest
Das klingt ja alles schon einmal sehr vielversprechend und vor allem sehr flexibel einsetzbar. Kommen wir nun zum Praxistest, um zu schauen, wie sich der era C in freier Wildbahn schlägt. Wir testen den Amp heute vor allem auf seine Fähigkeiten als Akustikgitarrenverstärker und beschränken uns daher auf die Gitarre als Instrument.
Zum Einsatz kommt eine Lakewood D-14 Dreadnought mit L.R. Baggs Anthem Pickup. Für alle, die dieses Tonabnehmersystem nicht kennen: Es handelt sich um eine Kombination aus Piezo-Pickup und internem Mikrofon, deren Anteile über einen Blend-Regler gemischt werden können. Das Line-Check-Beispiel wurde mit einem 50/50-Blend beider Quellen aufgenommen.
Alle Klangbeispiele sind sowohl über den DI-Out als auch mit einem Neumann TLM 102 (ca. 20 cm Entfernung zum Speaker) aufgenommen. Alles läuft anschließend in ein RME Fireface 802 und wird in Pro Tools aufgenommen. Die einzige Bearbeitung der Signale ist ein sanfter Low-Cut bei 70 Hz, um die Aufnahmen sauber zu halten.
Wir bewegen uns für den Test überwiegend in Kanal 1, der ja identisch mit Kanal 2 ist. Was mir sehr gut gefällt, ist, dass die EQ- und FX-Einstellungen trotz des geteilten Regler-Sets für Kanal 1 und 2 pro Kanal unterschiedlich eingestellt werden können. Das kann zwar eine Fummelei sein, da beim Umschalten die Reglerpositionen nicht mehr zum eingestellten Wert passen, die Flexibilität für unterschiedliche Quellen erhöht es jedoch enorm. So können z. B. die Vocals in Kanal 2 mit einem anderen EQ und mehr Hall als die Gitarre in Kanal 1 versorgt werden.
Auch die Bluetooth-Funktion arbeitet astrein und lässt sich in Windeseile herstellen. Stöpselt man einen Kopfhörer ein, wird der Lautsprecher direkt stummgeschaltet und der Master-Volume-Regler bestimmt nun die Lautstärke für den Kopfhörerausgang. Übrigens: Dass das Netzteil ausgelagert ist, kommt bei vielen ja nicht so gut an. Ich persönlich sehe darin weder einen Nach- noch einen Vorteil. Positiv ist allerdings, dass man bei einem Defekt des Netzteils nicht den ganzen Amp einschicken, sondern nur Ersatz besorgen muss.
Picking Sounds
Wie man dem Line Check schon entnehmen konnte, macht der era C klanglich direkt eine gute Figur. Die Sounds klingen voll und warm, der EQ lässt einen schön ins Klangbild eingreifen. Pickings transportiert der Amp sauber und klar, nur das Eigenrauschen ist je nach Einstellung deutlich wahrnehmbar. Die Settings könnt ihr den Namen der Beispiele entnehmen. FX gibt dabei immer an, welcher der acht Algorithmen ausgewählt ist. Der FX-Level-Regler stand jedes Mal auf ca. 11 Uhr.
Strumming Sounds
Auch bei gestrummten Akkorden liefert der Verstärker gute Ergebnisse. Mit dem EQ lassen sich aus der Dreadnought auch topfigere Sounds herausholen, die eher an eine Gitarre mit kleinerem Korpus erinnern. Insgesamt klingt das Ergebnis des DI-Outs übrigens sehr gut.
FX Check und Shape
Die acht eingebauten Effekte sind in fünf verschiedene Reverb- und drei Delay-Algorithmen unterteilt. Bei den Reverbs finden sich zwei Room-Reverbs, zwei Hall-Reverbs sowie ein mächtiger Church-Reverb. Die drei Delays sind unterteilt in Short, Mid und Long.
Über eine Tastenkombination gelangt man in den FX-Modus, in dem sich rudimentäre Parameter wie die Reverb-Länge oder die Delay-Zeit einstellen lassen. Ihr hört die acht verschiedenen Effekt-Presets nacheinander.
Der Shape-Button wird in der Bedienungsanleitung als Aktivierung der Klangregelung angegeben. Das kann ich so nicht bestätigen. Der 3-Band-EQ greift auch ohne aktivierten Shape-Modus. Die Funktion ist meines Wissens eher ein Frequenz-Shift und dadurch meiner Meinung nach auch deutlich brauchbarer, da er fast wie ein Bright-Switch fungiert. Im Klangbeispiel hört ihr das Signal zuerst ohne, dann mit aktiviertem Shape.
In den folgenden Beispielen hört ihr übrigens wieder einen 50/50-Blend zwischen Piezo und internem Mikrofon der Gitarre.
Was mir am Hughes & Kettner era C nicht so gut gefallen hat, ist zum einen, dass der Amp je nach Einstellung deutlich zu rauschen beginnt. Zum anderen entsteht abhängig vom Verhältnis zwischen Gain und Master-Volume eine interne Vibration beziehungsweise ein Surren bei tiefen Frequenzen. Dieses Verhalten trat sowohl beim ersten Testgerät als auch nach dem Austausch beim zweiten Gerät auf und ist somit vermutlich konstruktionsbedingt – schade.







































Mir gefällt an solchen Geräten vor allem, wenn sie einfach funktionieren und Musiker nicht mit unnötigem Schnickschnack aufhalten. Vier Kanäle, gute Anschlussmöglichkeiten und ein vernünftiger Sound, mehr braucht man für viele Auftritte eigentlich nicht. Und Hughes & Kettner hat mich in Sachen Klang bisher noch nie enttäuscht.