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Test: Ibanez AVD15MPL-OPS, Akustikgitarre

6. Juni 2019

Ibanez röstet die AVD15MPL-OPS

Ibanez AVD15MPL-OPS

Ibanez AVD15MPL-OPS

Die meisten von uns kennen und schätzen Ibanez als alteingesessenen Hersteller erstklassiger elektrischer Gitarren. Stimmt ja eigentlich auch, denn die RG-Serie sowie die Flachbretter der S-Serie zählen nicht nur als Zugpferde des japanischen Herstellers, sie belegen auch regelmäßig die oberen Plätze in den Rankings – und das auch bei uns. Etwas im Schatten dieser zwei übermächtigen Ikonen stand bzw. steht immer schon die Akustiksparte des Herstellers, obwohl das Angebot an Instrumenten dort ähnlich erdrückend groß ist, wie es bei den elektrischen der Fall ist. Brandneu erscheint nun die Ibanez AVD15MPL-OPS im Handel und bei uns zum Test und auch hier merkt man mal wieder die Innovationsfreude, die Ibanez selbst im Akustikgitarrenbereich an den Tag legt.

Ibanez AVD15MPL-OPS – Facts & Features

Zugegeben, auf den ersten Blick sieht die AVD15MPL-OPS nicht viel anders aus als eine herkömmliche Akustikgitarre in Dreadnought Bauform. Na gut, die Decke ist vielleicht ein wenig dunkler, als es bei Sitkafichte in aller Regel der Fall ist. Und genau dort finden wir auch das Besondere an dieser Akustikgitarre, denn die Decke wurde laut Hersteller „Thermo Aged“, was nichts anderes als eine Wärmebehandlung bedeutet und aus der Welt der elektrischen Gitarren übernommen wurde. Nun ist es also auch bei den Akustikgitarren angenommen: Was einst von Music Man als „Roasted Maple“ auf den Markt gebracht wurde, scheint in seinem Siegeszug nicht mehr aufzuhalten zu sein.

Ibanez verspricht sich mit diesem Verfahren, den natürlichen Alterungsprozess des Holzes zu beschleunigen, um so etwas Vintage-Sound in fabrikneue Klampfen zu pressen. Man kann davon halten, was man will und auch ich habe dazu meine Meinung, rein optisch gesehen aber wirkt die Decke schon sehr attraktiv in ihrem abgedunkelten Ton. Und damit sie möglichst lange makellos bleibt, sorgt ein Pickguard aus einem Ahornfurnier für den entsprechenden Schutz unterhalb des Schalllochs. Der zweiteilige Boden und die Zargen bestehen aus reinem, also nicht auf irgendeine Art behandelten Ahorn, was einen bedeutenden Teil zur außergewöhnlichen Optik dieses Instruments beiträgt.

Auch das Griffbrett und der Steg wurden in den Ofen geschoben. Beides besteht aus Ahorn, was ebenfalls nicht ganz alltäglich ist, die Cappucino-braune Farbe des behandelten Holzes ist aber auch hier auf jeden Fall ein echter Blickfang. Aufgeleimt wurde das Griffbrett auf einen einteiligen (!) Hals aus „Nyatoh“ – an dieser Stelle muss ich erneut erwähnen, welch bunte Vielfalt an Tonhölzern uns doch das Artenschutzabkommen CITES bisher gebracht hat und immer noch bringt. Über „Nyatoh“ ist jedoch nichts rauszubekommen, vermutlich handelt es sich nur um eine neue Bezeichnung für das Billig-Mahagoni „Nato“, das man ja schon lange bei sehr günstigen Instrumenten findet.

Die Bundierung lässt keine Wünsche übrig, die Bünde wurden sauber eingesetzt, entgratet und auf ihren Oberflächen ausreichend poliert. Die Voraussetzungen für eine gute Bespielbarkeit sind auch dank des angenehm flachen Halsprofils also gegeben, von daher ist es schade, dass unser Testinstrument mit einer unnötig hohen Saitenlage ausgeliefert wurde – rund 4 mm in der Oktavlage sind definitiv zu viel. Sowohl die Stegeinlage als auch der Sattel bieten aber noch genügend Luft, um die Bespielbarkeit mit wenig Aufwand deutlich angenehmer zu gestalten.

Der obligatorische Blick durch das Schallloch zeigt keine Auffälligkeiten, alle mit dem Auge erkennbaren Verstrebungen wurden sauber ausgeführt, von Splittern, Leimresten oder ähnlichen Mängeln in der Verarbeitung keine Spur. Zu erkennen ist aber auch hier wieder die dunkle Farbe des Holzes und tatsächlich: Auch die Teile, die für die Verstrebungen der Decke verantwortlich sind, wurden ebenfalls wärmebehandelt. Scheint also doch Auswirkungen auf den Klang zu haben, solch eine Hitzekur, denn die Optik spielt an dieser kaum sichtbaren Stelle ja keine Rolle. Einem solch behandelten Holz wird zudem eine höhere Festigkeit nachgesagt und das würde an dieser Stelle wiederum einen Sinn ergeben, denn hier wirkt eine enorm hohe Zugkraft auf die Decke ein.

Überzogen wird das komplette Instrument von einer offenporigen Satinlackierung, die gleichmäßig aufgetragen wurde. Hier und da bemerkt man jedoch ein paar Unsauberkeiten unter der Lackschicht in Form von kleinen Staubkörnern, was jedoch in der Praxis nicht weiter stört. Nicht vergessen: Wir haben es hier mit einer Akustikgitarre der 400-Euro-Preisklasse zu tun und dafür präsentiert sich die Ibanez AVD15MPL-OPS bis hier in einem guten Licht!

Ibanez AVD15MPL-OPS – Advantage Bridge Pins

Eine Neuerung präsentiert uns Ibanez mit den „Advantage Bridge Pins“ im Steg, die ein vereinfachtes Einstecken und Entnehmen ermöglichen sollen. Eine sehr gute Idee, wie ich finde, denn wie oft passiert es, dass einer dieser „Knubbel“ beim Wechseln der Saite abreißt. Diese hier bestehen übrigens aus Ahorn – unbehandelt.

Ibanez AVD15MPL-OPS – Hardware

Ja, Hardware gibt es an einer Akustikgitarre auch, wenn auch nicht in rauen Mengen, dann aber zumindest an der Kopfplatte in Form von Mechaniken. Diese hier stammen von Ibanez und sind offen laufend, was ihrer guten Funktion aber keinen Abbruch tut. Zumindest im momentanen Neuzustand nicht, wie sich aber Schmutz, Feuchtigkeit und Stöße auf Dauer auf deren Funktionalität bzw. Zuverlässigkeit auswirken, bleibt abzuwarten. Schön anzusehen sind sie mit ihren Mini-Buttons aber allemal. Hoppla, fast hätte ich ja die beiden Gurtknöpfe vergessen, zu erwähnen. Der im Zargen ist ja faktisch immer dabei, der am Halsfuß jedoch nicht. Hier ist er es.

Ibanez AVD15MPL-OPS

Ibanez AVD15MPL-OPS – in der Praxis!

Bereits beim ersten Anschlagen eines Akkordes fallen sofort die Attribute einer Dreadnought-Akustik ins Auge bzw. in die Ohren des Betrachters. Der Klang ist äußerst mittengeprägt und sicher deshalb auch so überraschend kräftig, sodass man im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten bei Sessions nicht in Gefahr gerät, überhört zu werden. Das Sustain reißt nicht gerade vom Hocker, dafür aber das gute Attack, was bei einer Ahorn-Fichten-Konstruktion sicher auch so beabsichtigt bzw. zu erwarten war. Das Höhenspektrum ist recht lebendig und verleiht den Klang ein gutes Top-End, das jede Nuance fein abbildet.

Über die Bespielbarkeit habe ich mich weiter vorne ja schon ausgelassen – sie wäre sicher grandios, wäre die Werkseinstellung nicht so suboptimal ausgefallen. Der schlanke Hals mit seiner nur satinierten Rückseite und dem flachen Profil liegt aber gut in der Hand und sollte verwöhnten E-Gitarristen wie auch Anfängern gleichermaßen gefallen. Durch den schlanken Halsfuß ist das Erreichen des letzten Bundes vor dem Korpus (Nr. 15) überhaupt kein Problem, selbst ein Übergreifen auf die Bünde darüber ist zur Not möglich. Wenn das Solo eben mal länger dauert …

Ein Cutaway für wildes Solieren jenseits der Oktavlage gibt es keins, eben so wenig einen Preamp, mit dem man der Ibanez AVD15MPL-OPS einen Anschluss an die „elektrische Welt“ hätte ermöglichen können. Wem der Klang und die Optik des Instruments aber grundsätzlich gefällt und es wirklich nur an einer Möglichkeit der Verstärkung hapert, der sollte sich auf dem Zubehörmarkt umschauen. Dort findet man einige Lösungen im Bereich der Piezo-Pickups oder auch Klemmmikrofone, die im Innern des Korpus angebracht werden.

Ibanez AVD15MPL-OPS – die Klangbeispiele

Aus diesem Grund habe ich die folgenden Klangbeispiele mit einem AKG C3000 Mikrofon aufgenommen, das in unmittelbarer Nähe des Schalllochs platziert wurde. Im ersten Beispiel hören wir eine Picking-Sequenz mit offenen Akkorden, Beispiel 2 zeigt ebenfalls eine gepickte Figur, jedoch im mittleren und oberen Bereich auf dem Griffbrett.

Nun ein Strumming-Pattern – ein Klassiker auf der Akustik, der nicht fehlen darf.

Zum Abschluss etwas Blues, bei dem die Ibanez AVD15MPL-OPS eine gute Performance an den Tag legt.

Fazit

Wärmebehandelte Hölzer halten also nun auch Einzug in die Welt der Akustikgitarren. Inwiefern sich dieses Feature nun auf den Klang auswirkt, sei einmal dahingestellt. Rein optisch betrachtet jedoch macht die Ibanez AVD15MPL-OPS einen sehr wertigen Eindruck und auch ihr Klang ist für ein Instrument dieser Preisklasse mehr als gut zu bezeichnen. Einziges Manko: Die miserable Saitenlage, mit der unser Testinstrument ausgeliefert wurde. So etwas lässt sich aber vom Gitarrenbauer des Vertrauens schnell beheben und soll daher unsere Wertung nicht zu sehr nach unten drücken.

Plus

  • brillanter und lauter Klang
  • sehr gut verarbeitet
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Optik

Minus

  • Saitenlage des Testinstruments

Preis

  • Ladenpreis: 449,- Euro
Klangbeispiele
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