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Test: Ibanez AZ24047, E-Gitarre

2. März 2021

Geröstete Brünette mit großer Flexibilität!

Es ist ein wenig still geworden um die 7-Saiter-Fraktion. Nachdem Steve Vai Ende der Achtziger mit dem Universe Modell die Firma Ibanez zum Protagonisten aller Prog-Fans auserkor und die Band Korn die 7-Saiter Gitarre in den Mainstream einführte, übernimmt diese Bauform den Part des „Missing Link“ zwischen dem traditionellen 6-saitigen Konzept und dem „Brauchen-Wir-Wirklich-Noch-Einen-Bassisten“ 8-Saiter Djent Bereich. Auch der sich vor Jahren auf dem Zenit befundene Downtuning-Trend, bei der eine Standard-6-Saiter um mehrere Halbtöne nach unten transponiert wird, hat große Teile des 7-saitigen Territoriums für sich in Beschlag genommen. Zum Test haben wir eine Ibanez AZ24047 in klassischem Schwarz vorliegen, welche sich anschickt, Teile des verlorengegangenen Terrains zurückzuerobern.

Ibanez AZ24047 Test

Ibanez AZ24047 Front

Die Ibanez AZ24047 E-Gitarre

Was wäre Ibanez ohne seine ellenlangen und für den Laien nicht zu entziffernden Modellbezeichnungen? Man sollte wirklich eine Lanze für die Musikalienhändler brechen, welche sich tagtäglich mit die Zahlenkolonnen auseinandersetzen müssen. Sei’s drum, die Japaner werden diese Bezeichnungspolitik wohl nicht mehr aufgeben, man muss damit leben.

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Einmal mehr kommt das in Japan gefertigte Instrument mit den klassischen Powerstrat-Attributen daher, soll heißen, Strat-angelehnter Korpus, leistungsfähige Pickups und ein Vibratosystem, wobei die „Dicke Hose“-Abteilung bei diesem Modell aus der Prestige Serie vergleichsweise moderat ausgefallen ist. Vielmehr hat man den Eindruck, Ibanez möchte sowohl in der Farbgebung, als auch im allgemeinen Layout sowohl beim Publikum, als auch bei den Bandkollegen keine Provokation erzeugen. Man mag die braun-schwarze Farbgestaltung als dezent oder als banal auslegen, ganz wie es einem gefällt.

Ibanez AZ24047 Test

Ibanez AZ24047 Korpus

Bzgl. der Verarbeitung zeigt Ibanez einmal mehr seine Klasse, wobei bei einem Modell dieser LIga, welches über einen Ladenpreis von 2.199,- Euro verfügt, der allgemeine Headroom bzgl. Unsauberkeiten auch sehr niedrig angesetzt sein wird. Hier wird der Pedant wohl den ganzen Tag suchen dürfen, er wird keinen Grund zum Nörgeln finden.

Gleich mehrere Besonderheiten hat Japan in der Ibanez AZ24047 verbaut. Nicht mehr ganz neu, aber dennoch immer wieder ein Highlight in Sachen Schwingungsverhalten ist der im Bolt-on-Verfahren montierte Hals aus geröstetem Ahorn. Bekanntermaßen profitiert insbesondere diese Holzart in Sachen Schwingungsverhalten von dem Verfahren und verpasst dem Instrument bereits im Trockenmodus ein für die Bauweise geschraubter Hals/Vibratosystem außergewöhnlich langes Sustain. Erwartungsgemäß sind die Abmessungen des Halses aufgrund der sieben Saiten etwas stärker als gewöhnlich, was zu den folgenden Werten führt:

Breite: 47 mm am Sattel, 66 mm am 24. Bund
Dicke: 20.5 mm am 1. Bund, 22.5 mm am 12. Bund
Griffbrettradius : 305 mm

Ibanez AZ24047 Test

Ibanez AZ24047 Rückseite

Der Hals ist auf dem Erle-Korpus 4-fach verschraubt und wie häufig bei Ibanez in einer abgerundeten Halsaufnahme, was die Bespielbarkeit in den oberen Lagen deutlich erleichtert. 24 Jumbo-Bünde aus Edelstahl auf einer langen Mensur (648 mm / 25,5“) sind auch auf diesem Modell Standard. Der Trussrod ist an der Kopfplatte von oben zugänglich und bringt aufgrund dieser Konstruktion schon eine nicht zu unterschätzende Schwächung der sensiblen Übergangsstelle zur Kopfplatte mit sich. Zwar wird dieser Umstand durch den massiveren Hals etwas aufgefangen, dennoch ist (wie immer) eine erhöhte Vorsicht bei seitlichen Einwirkungen in diesem Bereich angesagt.

Die zwangsweise etwas verlängerte Kopfplatte nimmt 7 Locking-Mechaniken von Gotoh auf und sorgt mittels eines Dreifach-String-Trees für den nötigen Anpressdruck bei den drei Diskant-Saiten. Auch das Vibratosystem wird von Gotoh geliefert und macht direkt durch den Fakt der Stille auf sich aufmerksam. Stille? Jawohl, endlich hat ein Hersteller die Testberichte gelesen und den insgesamt vier Vibratofedern im Inneren jeweils eine Gummimanschette verpasst, was den furchtbaren „Hallspiralen-Effekt“ anderer Vibratosysteme eliminiert. Kleines Detail, extrem große Wirkung! Ein Locking-System verwendet die Ibanez AZ24047 nicht, stattdessen ist der Sattel ein Graph-Tech BLACK TUSQ XL.

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Ibanez AZ24047 Test

Ibanez AZ24047 Schaltplan Pickups

Pickups, Schaltung und Optionen der Ibanez AZ

Bei der Ibanez AZ24047 verlassen die Japaner ihren Haus- und Hoflieferanten in Sachen Pickups, DiMarzio und geben Seymour Duncan mit drei Pickups der Hyperion Serie den Vorzug. Alle Pickups sind passiv und basieren auf Alnico-Magneten. Zwei Schalter, ein leider etwas wackeliger 5-Wege und ein Miniswitch ermöglichen eine recht komplexe Soundverwaltung, welche das beigefügte Bild umfassend erklärt. Ein hinkender Vergleich würde die beiden Modi ungefähr in einen Strat und in einen LP Ansatz unterteilen. Wie gesagt, es hinkt. Ein Mastervolume- und ein Mastertone-Regler runden die Soundverwaltung ab. Der Saitensatz ist von D’Addario und lautet auf den Namen EXL 110-7 (.010/.013/.017/.026/.036/.046/.059).

Ibanez AZ24047 Test

Ibanez Multitool

In Sachen Zubehör setzt Ibanez bei diesem Modell einmal mehr Maßstäbe, an dem sich manch anderer Hersteller ein Beispiel nehmen könnte. Nicht nur dass das Instrument in einem hochwertigen Kunststoffkoffer geliefert wird, nein, den Höhepunkt stellt das mitgelieferte Multitool Hex Wrench MTZ11 dar, welches einem Schweizer Armeemesser gleich alle Schlüssel beinhaltet, welche man zum Einstellen des Instruments benötigt. Die Herstellungskosten für ein solches Produkt werden sich intern wohl bei ca. 3-4 Euro belaufen, warum hat nicht jeder Hersteller so ein Tool im Funktionsumfang. Die Außenwirkung wiegt diese Investition um ein Vielfaches auf!

Ibanez AZ24047 Test

Ibanez AZ24047 Koffer

So klingt die Ibanez AZ24047 E-Gitarre in der Praxis

Sieht man von den etwas massiveren Abmessungen des Halses ab, so hat man das Gefühl, eine reguläre Ibanez Powerstrat in den Händen zu halten. Gewicht, Abmessungen und Handling gestalten sich wie immer und fügen sich problemlos in das persönliche Spielgefühl ein. Dank eines String-Space von 10,5 mm spürt man von der Griff- und Anschlagstechnik her nicht wirklich einen signifikanten Unterschied, sofern man sein Griffbrett nicht von „oben nach unten“ (tonal von unten nach oben) analysiert.

Ibanez AZ24047 Test

Ibanez AZ24047 Tuner

Die tiefe H-Saite fügt dem Tonspektrum zwar nur 5 zusätzliche Basstöne hinzu, das Griffbrett aber ist ein völlig anderes. Es dauert seine Zeit, bis man seine Scales und Voicings dem geänderten Klangspektrum angepasst hat, es handelt sich ja schließlich um ein völlig eigenständiges Instrument. Der typische Metal-Head wird jetzt womöglich noch die H-Saite auf A herunter stimmen, am Amp den High-Gain-Kanal penetrieren, einen Powerchord nach dem anderen in Barregriffweise abfeuern und sich erst im Proberaum, auf der Bühne oder bei den Demoaufnahmen überlegen, wo man jetzt noch irgendwie den Bassisten tonal unterbringen kann. Kleiner Tipp, Bassist aus der Band nehmen und Keyboarder rein. Können klanglich mehr und lassen sich deutlich besser im Gesamtsound platzieren. Das Los des Heavy-Bassisten in 2021. P.S. Nur noch ein Bruchteil aller Downtuning-Metal-Produktionen haben noch einen „echten, gespielten“ Bass und selbst den kann man so gut wie nie im Klangbild ausmachen.

Es wäre allerdings sehr unfair, die Ibanez AZ24047 auf simples tieffrequentes Gebolze im Heavy-Bereich festzulegen, auch wenn viele User dies unmittelbar mit einer 7-saitigen Gitarre verbinden. Bzgl. der Vielseitigkeit hat das Instrument weitaus mehr zu bieten, was allein schon die große Pickup-Auswahl zeigt. Wie auch die RG Serie, bietet die AZ Serie von Clean über alle Spielarten des Crunch bis hin zu Lead und High-Gain ein sehr umfangreiches und ausgewogenes Klangbild, mit dem man sehr viele Spielarten abdecken kann. Im Prinzip ein sehr gutes Instrument für eine Dream Theater Tributeband, die zwecks Eingängigkeit noch 2 Sets mit klassischen Rocksongs am Abend spielen muss (sofern es eine solch aufgestellte Band gibt.

Das Instrument macht aufgrund des sehr guten Schwingungsverhaltens Spaß zu spielen und erweist sich in Sachen Flexibilität ähnlich dem beigefügten Multitool. Man kann alles spielen, was der „normale“ Klangbereich hergibt und hat für die „fette Abteilung“ noch mal die tiefe H-Saite in petto, welche sich in normaler Stimmung auch noch sehr musikalisch einbringen lässt. Die vergleichsweise dezente Optik (man halte sich bitte noch einmal kurz die Neon-Farbgebung einiger Ibanez Modelle vor Augen) ermöglicht den Einsatz auch in Bereichen, wo der Künstler sich optisch im Hintergrund zu halten hat.

Ibanez AZ24047 Test

Ibanez AZ24047 Aufsicht

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Fazit

Mit der Ibanez AZ24047 hat Japans größter Name in Sachen E-Gitarre eine sehr gute und vor allem flexible 7-Saitige am Start. Das Instrument besticht durch eine sehr gute Verarbeitung und ein ungewöhnlich gutes Schwingungsverhalten, bedingt durch den gerösteten Hals und die verwendeten Komponenten.

Aufgrund der umfangreichen Schaltung bietet die Gitarre eine vorzügliche Basis für alle musikalischen Darbietungen, bei denen eine große Flexibilität in Sachen Klang gefordert ist, wie zum Beispiel die immer wieder gerne angeführte Top 40 Coverband oder aber Produktpräsentationen.

Ach ja, selber kreativ sein ist natürlich auch mit diesem Instrument sehr gut möglich!

Die Klangbeispiele wurden mit einem ENGL Savage MKII, einem Marshall 412 Cabinet mit Celestion G75T und 2 Stck. SM57 erstellt.

Plus

  • klangliche Flexibilität
  • Verarbeitung
  • Komponenten
  • Detaillösungen
  • Zubehör

Preis

  • 2.199,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    uelef  

    Gibt es auch Gitarristen, die sich im Hintergrund halten möchten? ;-)
    Danke einmal mehr für deine unterhaltsamen und fachkundigen Test, Axel!

    • Profilbild
      liquid orange  AHU

      Axel schreibt ja: „… wo der Künstler sich optisch im Hintergrund zu halten hat.“
      Also eine klare Aufforderung, die sicher auf Grund der vielen Erfahrungen begründet ist. Von der Akustik steht da dann aber nichts ;-)

  2. Profilbild
    Eibensang  

    Nichts gegen die AZ-Serie – ich habe selbst inzwischen die AZ226 in Schwarz (Premium-Mittelklasse) und bin sehr glücklich mit ihr. Optisch jedoch empfand ich die Wahl als sehr eng: Das einzig direkt vergleichbare Modell erschien mir in seiner betonten „Strat-igkeit“ und vor allem den weißen Pickups auf schwarzem Glanzlackbody allzu sehr Dave Gilmours typischer Strat nachempfunden (den ich schätze – aber gerade deswegen nicht optisch imitieren wollen würde). Und die anderen: Tortoise-Schlagbretter, als wollten sie vor allem 70-jährige begeistern, die in den 60ties jung waren (ich war das in den 70ern).

    Ich bin genau das Zielpublikum für die AZs, was ihren Sound und seine Vielfalt betrifft! Allein das vintage-angelehnte Design finde ich etwas altbacken. Und spätestens bei dieser 7-Saiter, die doch eher der Hartbretterfraktion zuwinkt, kann ich die betonte gestalterische Zurückhaltung nicht ganz nachvollziehen. Ich für meinen Teil konnte den ganz scharf gestylten Äxten nur widerstehen, weil die halt auch klanglich auf Metal spezialisiert sind (die einzige Klangrichtung, die ich nicht brauche, oder ggf. nicht in dem Maß). :-)

  3. Profilbild
    mofateam  

    Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters, aber ich finde das Teil sensationell hässlich….

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