Test: Ibanez Premium S1027, E-Gitarre

27. November 2018

Vintage-Power in moderndem Gewand

Ibanez Premium S1027

Die Ibanez Premium S1027

Nun also die Ibanez Premium S1027: Sieben Saiten, federleicht, Pickups von DiMarzio – auf dem Papier schon mal interessant. Sie können es also nicht lassen, die Japaner: Was den japanischen Customshop und Denkschmiede verlässt, ist grundsätzlich interessant und regelrecht Gitarrenbaukunst. Und das hohe Niveau fängt nicht erst mit der obersten Riege, der Prestige-Serie an, sondern ist bereits eine Preisklasse darunter in der Premium-Baureihe die Regel. Ob Singlecoil-Magie wie bei den Ghost Rider Modellen oder die mit aktiven Tonabnehmern bespickten, martialischen Iceman Modellen: Ibanez bringt als globale Marke eine Menge Know-how mit. Wir haben uns zuletzt ausführlich der Ibanez SA560MB-ABT gewidmet, einem zufriedenstellenden schlanken Modell aus der S-Reihe in der unteren Preisklasse. Selbst die Massenware hat bei Ibanez also ein gewisses Niveau, und was hier Premium ist, ist bei anderen Prestige. Fest steht also: Das vorliegende Modell, die Ibanez Premium S1027, verdient es, ausführlich unter die Lupe genommen zu werden!

Ibanez Premium S1027 – Facts and Features

Eine martialische 7-Saiter in Lightweight-Ästhetik und edlem Finish: Das vorliegende Modell erscheint in Cerulean Blue Burst und vereint, ganz typisch für S-Reihe, erst mal eine Reihe von Widersprüchen in sich.

Auf dem Mahagonikorpus liegt ein wunderschönes Top aus gemaserter Pappel auf. Auch wenn es eine Frage des Geschmacks ist: Das Cerulean-Blue-Burst-Finish gehört zum Schönsten, was man in dieser Preisklasse bekommen kann. Aber zurück zum Gewicht erst mal: Wie man es von der S-Reihe bei Ibanez gewohnt ist, ist das vorliegende Modell erstaunlich leicht. Dabei darf man davon ausgehen, dass ein Haufen Hardware in das gute Stück gepackt wurde. Bei einem so leichten Korpus lässt der Sustain oft zu wünschen übrig – hoffen wir da mal auf eine erfreuliche Überraschung im Praxisteil. Fest steht also: für eine siebensaitige Axt ungemein leicht.

Ibanez Premium S1027

Viele Hölzer wurden hier verarbeitet. Allein beim Hals kommen vier Holzsorten zum Einsatz: Walnuss, Panga Panga, Ahorn sowie das lila Pupleheart Wood. Der Zweck des Ganzen ist es unter anderem, ein gutes Sustain bei einem so leichten Korpus zu gewährleisten. Die Verarbeitung mehrerer Hölzer zieht sich durch den gesamten Korpus hindurch, der mit seinem doppelten Cutaway auch das Erreichen höherer Bundregionen problemlos ermöglicht. Die Vielfalt der Materialien merkt man der Ibanez Premium S1027 trotzdem nicht an – auf der Rückseite des Wizard-Halses zeichnen sich die einzelnen Holzsorten zwar wie Rennstreifen ab, aber das sieht einfach gut aus und hat seine ästhetische Berechtigung. Ein cremefarbenes Binding, das den Aufsatz aus Pappel an den Mahagonikorpus übergangslos anschließt, verstärkt den Eindruck der erstklassigen Verarbeitung.

Viel von sich reden macht der Wizard 7 – Hals, der bei den RG- und S-Modellen zwar die gleiche Dicke hat, aber beim vorliegenden S-Modell flacher abrundet. Nach ein paar Stunden festigt sich das Spielgefühl und man möchte meinen, dass der Wizard 7-Hals das perfekte Mittelding zwischen der für Arpeggien und Soli nötigen Flachheit mit der substanziellen Greifbarkeit für Riffs darstellt: Der flache C-Shape trifft den „Sweetspot“, vor allem im Hinblick auf die Tatsache, dass es sich um den breiten Hals einer Siebensaiter handelt.

Ibanez Premium S1027

Ein Griffbrett aus Panga-Panga-Holz ist dem Autor nicht so geläufig, wie er es gerne hätte. Es lässt sich nicht ganz so glatt an wie Palisander, ein bisschen rau ist das Spielgefühl schon, aber der ergonomische Aspekt kommt durch die einwandfrei gesetzten abgerundeten Bundkanten noch mal zum Vorschein. Hier kann problemlos über das Griffbrett geflitzt werden, nichts stört oder hält einen unnötig zurück. Da macht auch das ungewohnt raue Greifgefühl auf dem Panga-Panga-Holz nichts aus. Die Einlagen auf dem Griffbrett bestehen wie gewohnt aus Perlmutt und stehen bei den 24 Bünden nirgendwo auch nur einen Millimeter hervor – Premiumqualität eben. Mit vier Schrauben wurde der Hals entsprechend auch enorm stabil in den Korpus geschraubt – alle Modelle der S-Reihe weisen diesen speziellen Nachdruck bei der Verarbeitung des Halses auf. Gehen wir weiter zur Hardware – wird das Premiumniveau beibehalten?

Ibanez Premium S1027PBF – Hardware

So ein breiter Sattel ist nicht jedermanns Sache, bei einer siebensaitigen Gitarre aber natürlich unvermeidlich. Entsprechend sind Stabilität und gleichmäßige Resonanz hier die höchsten Gebote. Dabei ist die Sattelbreite der Gibraltar Standard II-7 bridge mit 48 mm in gewohntem Rahmen und angelehnt an klassische Hardtail-Brücken. Verglichen mit vielen anderen siebensaitigen Gitarren, die nicht aus dem Hause Ibanez stammen, liegt der Gibralter Standard II-7 ungemein flach und tief auf – so lässt sich prima die Hand ggf. auflegen, und auch ansonsten gewährleistet die feste Brücke absolute Stimmstabilität und Spielkomfort. Das ist nämlich auch so ziemlich das Wichtigste, was eine Brücke leisten muss: Das Spiel in keiner Weise beeinträchtigen und gleichzeitig gleichmäßige Resonanz und Stabilität gewährleisten.

Ibanez Premium S1027

Der silberne Rücken der Stimmmechaniken passt farblich nur bedingt zum Gesamtbild der Gitarre, aber hier ist ja vor allem die Verarbeitungsqualität entscheidend. Mit den Gotoh MG-T Locking Mechanismen kann man eigentlich nicht viel falsch machen – sie sind leicht einstellbar und durch die Locking-Funktion zudem stabil im Tuning. Die Volume- und Tone-Potis sind ebenfalls makellos verarbeitet. Hier darf man ebenfalls auf den Praxisteil gespannt sein: Wir werden uns ansehen, ob der oft angeführte Kritikpunkt vieler Ibanez Gitarren, keine hohe Bandbreite mit den Tone-Potis abzudecken, auch hier greift. Kommen wir zu den Pickups!

Ibanez Premium S1027 – Pickups

Singecoil bei einer siebensaitigen Gitarre? Eher Mangelware. Entsprechend ist auch bei der Ibanez Premium S1027 eher Humbucker-Magie gefragt. Was es gibt? Zwei passive DiMarzio PAF 7 Humbucker der Extraklasse. Denn dass es bei einer Gitarre mit sieben Saiten vorwiegend auch klatschen muss, ist klar. Spulen aus Keramik gewährleisten dabei einen transparenten Gesamtklang. Dabei klingen die Humbucker, wie man es von den DiMarzio gewohnt ist, alles andere als schrill und auch in den höheren Regionen ungemein warm und rund. Das Vintage Gefühl wird durch die DiMarzio Humbucker bewusst herbeigerufen. Statt klinischem Biss gibt es Transparenz und Klarheit in den tiefen Gefilden – eben gewährleistet durch die Magneten aus Keramik.

Angesteuert werden die Humbucker, wie auf dem Diagramm zu sehen ist, durch einen Fünfwegeschalter, der eine große Bandbreite an Sounds abdeckt.

Ibanez Premium S1027

Einen Rahmen für die Humbucker gibt es nicht. Sie wurden direkt in den Korpus eingelassen. Wackeln tut hier trotzdem nichts – die Tonabnehmer sind fest im Korpus eingeschraubt worden. Aber genug geredet – gehen wir mal in die Praxis und schauen uns im Detail an, was die Gitarre klanglich alles so leisten kann.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Sokrates  

    Die verzerrten Sounds klingen so, als ob man keinen Marshall-Verstärker, sondern einen Harley-Davidson Auspuff verwendet hat.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.