Test: Ibanez RG421HPAH-BWB, E-Gitarre

10. März 2020

Preisbewusster Flitzefinger mit Röstung

Neulich hatten wir bereits die edle Schwester der heutigen Testkandidatin die RG5320 in Augenschein genommen. Diese konnte in allen Belangen überzeugen, liegt aber auf einem deutlich höheren Preisniveau. Die heute zu testende RG421HPAH kommt mit zumindest äußerlich minimal abgespeckten Features daher, technisch ist sie recht ähnlich aufgebaut und verzichtet lediglich auf das Floyd Rose-Style-Vibratosystem. Auch sie besitzt die Fusion Edge Humbucker von DiMarzio und die Möglichkeit, die Tonabnehmer zu splitten. Erfreulicherweise ist auch die „Röstung“ des Halses mit eingeschlossen, die ein sehr angenehmes Spielgefühl erzeugt und sicherlich auch optisch sehr ansprechend wirkt. Die Gitarre bzw. deren Decke aus Esche wurde mit dem Farbton „Blue Wave Black“ lackiert und ab Werk mit D’Addario EXL110 .010″ – .046″ bestückt. Preislich muss man für die RG421HPAH knapp 850,- Euro einplanen.

Lieferumfang

Aufgrund des relativ schlanken Preises befindet sich leider kein Gigbag bzw. Koffer im Lieferumfang. Schlüssel (Inbus) für die Einstellung der Halsspannung und die Höhe der Saitenreiter sind natürlich dabei.

Korpus

Der Korpus wurde aus vier verleimten Stücken erstellt, wobei man die Schnittstellen kaum sieht, da diese clever zusammengestellt wurden. Als Tonholz kommt hier Nyatoh (eine südostasiatische Art aus der Pflanzenfamilie der Sapotengewächse), das äußerlich eine deutliche Ähnlichkeit mit Mahagoni aufweist. Dieses Holz ist im südostasiatischen Raum ansässig und dadurch relativ preiswert erhältlich. „Buy local“ war hier anscheinend die Devise der Ibanez-Strategen, die für die in Indonesien gefertigten Instrumente gerne heimisches Material einsetzen. Warum auch nicht? Umweltschonend und kostensparend zugleich, das nennt man „Win win-Situation“.

Der Korpus wurde an der Oberseite mit einem weißen Binding versehen. Verarbeitungstechnisch gibt es hier nichts zu bemängeln, eine Auffälligkeit muss jedoch erwähnt werden: Etwas merkwürdig ist bei unserer Testkandidatin, dass die Hülse der tiefen E-Saite etwas versetzt gebohrt wurde. Auf den Bildern des Herstellers ist dies nicht zu sehen. Es scheint sich also hier um einen Produktionsfehler bzw. eine falsch angebrachte Bohrung zu halten.

Die Decke des Instruments wurde aus Sicht des Designs (Farbgebung „Blue Wave Black“) ansprechend gebeizt, sodass die Maserung der Decke aus Esche noch durchscheint.

Ibanez RG421HPAH – Hals

Der Hals aus Ahorn wurde mit dem Korpus mit vier Schrauben verbunden. Ein Blick auf die Rückseite des gerösteten Ahornhalses verrät, dass hier in Höhe des zweiten Bundes Material „angesetzt“ wurde. Die Stabilität des Halses wird dies sicherlich nicht ungünstig beeinflussen, aber es ist ein Anhaltspunkt, dass man hier „ökonomisch“ mit dem Tonholz umging.

Die Mensur 648 mm (25,51″) fällt wie bei einer gewöhnlichen Stratocaster oder Telecaster aus, auch die Sattelbreite von 43 mm ist bei der Mehrzahl der E-Gitarren zu finden. Das Griffbrett aus Jatoba besitzt weiße Dot-Griffbretteinlagen. Gitarren aus dem Hause Ibanez sind hinreichend bekannt für eine komfortable Bespielbarkeit, so wurde auch unsere Testkandidatin mit einem sogenannten Wizard III Halsprofil (Stärke 1. Bund 19 mm – Stärke 12. Bund 21 mm) bestückt. Auch der sehr flache Griffbrettradius (400 mm (knapp 16 Zoll) und die 24 Jumbo Bünde kommen einem entspannten Spiel sicherlich zugute.

Das Griffbrett fällt mit einer Stärke von satten sechs Millimetern relativ dick aus. In dieses wurden seitlich kleine fluoreszierende Dots eingesetzt, was sicherlich auch auf der Bühne cool aussieht.

Elektrik und Hardware

Die Hardware der Ibanez RG421HPAH (F106 Steg, Potiknöpfe, Pickups, Ibanez Mechaniken, Gurtpins) wurde komplett vergoldet. Jeweils ein Volume- und Tone-Regler kontrollieren den elektrifizierten Klang. Auch in dieser Ibanez Gitarre finden wir wieder die DiMarzio Fusion Edge Humbucker. Die Zusammenarbeit von Ibanez und DiMarzio besteht ja bereits seit langer Zeit, so werden diese Tonabnehmer quasi speziell für Ibanez gebaut und werden auf der Internet-Seite von DiMarzio auch gar nicht angeboten. Beide Humbucker werden mittels eines 3-Wege-Schalters angewählt und lassen sich splitten, was die klangliche Flexibilität deutlich erhöht. Im Coilsplit-Modus sind die jeweils innen liegenden Spulen aktiv. Somit wird der Klang am Steg nicht ganz so drahtig und der Klang des Hals-Pickups etwas weniger basslastig, was sicherlich die bestmögliche Variante darstellt. In folgendem Diagramm lässt sich dies noch einmal nachvollziehen:

Handling

Die Einstellung ab Werk ließ zu wünschen übrig, deswegen musste ich Hand anlegen, um die Saitenlage auf ein gutes Niveau zu bringen. Dies erfolgt ja bekanntlich durch die Absenkung der Saitenstege (soweit man sich vorher davon überzeugt hat, die optimale Halsspannung eingestellt zu haben). Nach dieser Maßnahme stand einer hervorragenden Bespielbarkeit nichts mehr im Wege.

Der geröstete Hals fühlt sich sehr angenehm an und das schlanke Halsprofil gestattet eine Leichtigkeit beim Spiel, wie man sie meist nur von Instrumenten aus dem Hause Ibanez antrifft. Auch Music Man Gitarren besitzen im Allgemeinen eine überdurchschnittlich gute Bespielbarkeit und sind häufig gleichermaßen mit einer „Röstung“ ausgestattet worden, hierfür muss man jedoch bekanntermaßen deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Geröstete Hälse sind seit einiger Zeit ein Trend, auf den viele Gitarrenhersteller aufspringen. Ich persönlich begrüße dies, da man beim Spielen das Gefühl hat, der Hals würde minimal bessere Klangeigenschaften hervorbringen (was sicherlich einmal empirisch untersucht werden müsste). Abgesehen davon sind das Spielgefühl und die optischen Reize einer Röstung sicherlich gute Argumente.

Durch die bewährte Form der Cutaways steht auch einem entspannten Spiel in den hohen Lagen nichts im Wege. Das Spielgefühl ist auch für die rechte Hand optimal, da die rechte Hand komfortabel auf dem Steg zu liegen kommt und das dicke Griffbrett das Niveau der Saiten etwas „anhebt“, sodass die rechte Hand sich wie von selbst am optimalen Punkt platziert.

Meister Tom Quale hat die Ibanez RG421HPAH bereits in den Fingern gehabt, seine Technik und Gefühl für Melodien ist wie immer äußerst beeindruckend:

Durch den ergonomisch gestalteten Übergang an der Halstasche kann man mühelos auch sehr hohe Lagen erreichen.

Sound

Die DiMarzio Fusion Edge Humbucker liefern einen hohen Output. Einige Nutzer beschweren sich gelegentlich, dass der klare Sound dieser Tonabnehmer recht leblos klingt und die mit diesen Pickups bestückten Gitarren sich ausschließlich für die sehr harte Fraktion eignen. Man darf im Coilsplit-Modus sicherlich nicht erwarten, die klassischen Singlecoil Sounds à la Stratocaster bzw. Telecaster geliefert zu bekommen. Wer diese Sounds bevorzugt, wird sicherlich sofort zum „Klassiker“ greifen. Fakt ist, dass die Tonabnehmer sicherlich anders klingen, als man es von einem „gewöhnlichen“ Einspuler erwartet.

Schauen wir zunächst einmal, was die RG421HPAH verzerrt zu bieten hat und hören den Steg-Pickup als Humbucker (HB). Die tiefe E-Saite wurde auf D „gedropped“. Extrem viel Verzerrung ist hier gar nicht involviert, trotzdem darf man sich nicht zuletzt aufgrund der Pickups über einen sehr fetten Sound freuen:

Mit aktiviertem Singlecoil-Schalter wird der Klang etwas drahtiger und „frecher“:

Hören wir, was der Hals-Pickup zu bieten hat:

Der Klang wirkt nicht matschig, sondern bleibt konkret.

Auch clean lassen sich dem Instrument interessante Klänge entlocken. Wir hören beide Tonabnehmer parallel im Humbucker-Betrieb. Für Rockabilly oder Country sicherlich mehr als brauchbar. Eine gewisse Ähnlichkeit zu einem Telesound (Pickups parallel) ist durchaus gegeben, nur erzeugt die Ibanez RG421HPAH deutlich mehr Output und klingt etwas kühler, da sie mehr auf verzerrte Sounds abgestimmt ist. Ein herkömmlicher Singlecoil bzw. Humbucker mit einem durchschnittlichen Output würde meinen Peavey Classic im klaren Kanal sicherlich nicht zum Zerren bringen, die verbauten DiMarzio Fusion Edge Humbucker schaffen dies allerdings, wie man im folgenden Klangbeispiel bemerken kann:

Schließlich hören wir den Halstonabnehmer clean als Humbucker betrieben:

Man kann der Ibanez RG421HPAH eine stabile klangliche Flexibilität und einen individuellen Ton attestieren, der nicht nur die Wünsche der harten Fraktion berücksichtigt. Insgesamt kann dieses Instrument auf ganzer Linie überzeugen, da Sound, Verarbeitung und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Ibanez RG421HPAH – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall bzw. Delay hinzugefügt).

Fazit

Die Ibanez RG421HPAH zeigt sich klanglich flexibel und hervorragend verarbeitet. Wie von Gitarren aus dem Hause Ibanez gewohnt, ist dieses Instrument hervorragend zu spielen und fühlt sich nicht zuletzt aufgrund des gerösteten Halses sehr angenehm an. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis kann überzeugen, da man diesem Instrument nicht eine Schwäche nachsagen kann.

Plus

  • Sound
  • Bespielbarkeit
  • Design
  • Pickups
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • kein Gigbag/Koffer im Lieferumfang

Preis

  • 849,- Euro
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