Test: Ibanez RG5320-CSW Prestige

25. Februar 2020

Edler Flitzefinger mit Vollausstattung

Die neue Kollektion der Ibanez RG Serie ist seit einiger Zeit verfügbar. Trotz ihrer nun mehr als drei Jahrzehnte auf dem Buckel macht das Aushängeschild von Ibanez immer noch einen frischen Eindruck. Die Instrumente werden erfreulicherweise permanent weiterentwickelt. Dies betrifft Hardware, Hölzer, Farben, Ausstattung oder auch Pickups, mit denen in all den Jahren experimentiert wurde. Unsere heutige Testkandidatin, die Ibanez RG5320-CSW aus der Prestige-Serie, ist eine in Japan gefertigte „Power-Strat“ mit jeglicher Ausstattung, die das Herz begehrt. Hier wurde absolut an nichts gespart. Wir sind gespannt, ob wir auch dieses Mal nicht enttäuscht werden.

Ibanez RG5320-CSW Prestige – erster Eindruck

Öffnet man den sehr robusten, schwarzen Hartschalenkoffer, der mit zum Lieferumfang hehört, wird man sicherlich augenblicklich von der Schönheit dieses Instruments fasziniert sein, denn hier wird einiges für das Auge geboten. Der Koffer des Instruments wurde mit rotem Plüsch ausgekleidet und schützt die Gitarre sicherlich wirkungsvoll vor und äußeren Einwirkungen oder auch Temperaturschwankungen. Im Koffer finden wir auch ein Werkzeug, wie es Fahrradfahrer gerne mit sich führen, was mit allen für die Einstellung des Instruments benötigten Schlüsseln (Inbus, Schraubendreher etc.), bestückt ist. Die Ibanez RG5320 wurde hervorragend verarbeitet, denn auch bei sehr genauem Hinsehen kann man keinerlei Makel oder auch nur den kleinsten Verarbeitungsfehler entdecken.

Korpus

Die RG5320 aus der Prestige-Serie besitzt einen Korpus aus Mahagoni. Die Decke ist flach, auch eine Armauflage bzw. Abrundung am Korpus, wie sie bei einer Stratocaster zu finden ist, besitzt die Gitarre. Die auffällige graue Lackierung der Decke (Farbgebung „Cosmic Shadow“) ist sicherlich ein Augenschmaus, nicht zuletzt, da diese hervorragend ausgeführt wurde. Der Korpus wurde hochglänzend klar lackiert und wird von einem weißen Binding umrandet. Das Floyd-Rose-Style-Vibratosystem wurde „unterfräst“, deswegen liegt es relativ tief, was zu einem guten Spielgefühl beiträgt. Die Klinkenbuchse sitzt an der Zarge und wurde schön dezent ohne eine Grundplatte montiert. Der Übergang zum Hals wurde ergonomisch clever gestaltet, da die Abrundung am Korpus, da wo sich normalerweise eine Neckplate befindet, einen besseren Zugriff auf die hohen Lagen des Halses gewährt. Die drei schwarzen Kunststoffabdeckungen (Tremolofach, Elektrikfach und Zugang zur Buchse) wurden ausnahmslos plan montiert, dafür wurden entsprechende Fräsungen am Korpus vorgenommen. Bei vielen, auch teilweise kostenintensiven Gitarrenmodellen kommt es schon einmal vor, dass man auf solche Fräsungen verzichtet und die Tremolofachabdeckung „übersteht“. Hier hat man ganze und saubere Arbeit geleistet.

Der klar lackierte Mahagonikorpus harmoniert optisch gut mit dem hellen Ahornhals

Die Gitarre wiegt etwa 3,8 kg, was sicherlich dem Mahagonikorpus und dem Vibratosystem zuzuschreiben ist, da der Hals aufgrund seiner verhältnismäßig kleinen Masse, das Gewicht sicherlich nicht unverhältnismäßig stark in die Höhe treiben wird. Die Ibanez RG5320 wurde ab Werk mit „9-er Saiten (D’Addario EXL120 .009 – .042) bestückt.

Ibanez RG5320 – Hals

Der Hals aus Ahorn (Super Wizard HP, Dicke am 1. Bund 17 mm, am 12. Bund 19 mm) wurde mittels vier Schrauben mit dem Korpus fixiert. Dieser ist extrem flach, deswegen hat man die Festigkeit des sportlichen Halses mit quer verleimten eingelegten Streifen aus Wenge wirkungsvoll verbessert. Auf den Ahornhals wurde ein Griffbrett aus Makassar-Ebenholz aufgeleimt. Die sogenannten Mother of Pearl Dot Griffbretteinlagen wurden abseits der Mitte bzw. seitlich angebracht, was das Instrument optisch noch etwas individueller macht. Seitlich besitzt der Hals an der Griffbrettkante fluoreszierende Dot-Einlagen, so wäre man auch bei absolut dunkler Bühne immer in der Lage, mühelos die Greifhand richtig zu positionieren.

Der Hals besitzt eine Mensur von 648 mm und einen sehr flachen Griffbrettradius von 430 mm, was etwa 17 Zoll entspricht. Die Sattelbreite gestaltet sich mit 43 mm im „Mainstream-Bereich“. Natürlich ist auch ein Locking-Sattel am Start, damit das Vibratosystem verstimmungsfrei arbeiten kann. Die 24 Jumbo Stainless Steel Bünde sind fett und hoch, wurden perfekt eingesetzt und weiterverarbeitet, sodass ein perfektes Spielgefühl gegeben ist.

Die Rückansicht der Ibanez RG5320

Die Rückseite des 5-teiligen geschraubten Halses wurde satiniert dünn klar lackiert und anscheinend minimal sehr fein angeschliffen (Stahlwolle, 1000-er Schleifpapier?), was ein sehr angenehmes Spielgefühl erzeugt und vor allem die „Schwitzer“ davor bewahrt, an einem satt aufgetragenen Hochglanzlack kleben zu bleiben.

Elektrik

Die beiden DiMarzio Fusion Edge Humbucker überzeugen zunächst durch ein schickes Styling, wir hören später, was diese klanglich zu bieten haben. Jeweils ein Volume- und Tone-Regler reichen völlig aus, um den Klang des Instruments verstärkt sinnvoll zu beeinflussen. Die Pickups lassen sich nach bewährter Manie mit einem 3-Wege-Blade-Schalter, wie man ihn aus einer Telecaster oder älteren Stratocaster kennt, umschalten. Ein sogenannter „Alter Switch“ erweitert die Tonabnehmer-Kombinationsmöglichkeiten, die man in folgendem Diagramm sehen kann. Dabei wird jeweils eine Spule des Humbuckers (die äußere) kurzgeschlossen, somit bleiben die innenliegenden Spulen aktiv, was für einen vergleichsweise minimal wärmeren Klang sorgt bzw. den Hals-Pickup in gesplitteten Zustand etwas weniger bassig klingen lässt.

Im Singlecoil-Modus sind die inneren Spulen aktiv

Der kleine recht dezente „Alter Switch“ erfreut sich guter Qualität und wurde genau zwischen den beiden Potis platziert, was sicherlich absolut praxisnahe ist.

Hardware

Auch Hardware-mäßig wurde nicht gespart, so hat die Ibanez RG5320 die  sogenannte „Cosmo Black Hardware“, bestehend aus einem Lo-Pro Edge Locking Tremolo und Gotoh Mechaniken an Bord. Der Hebel für das Vibratosystem ist sehr stabil wird gesteckt, dieser sitzt schön straff, somit spricht das Vibratosystem auch sehr zügig bzw. direkt an.

Eine durchdachte runde Sache

Handling

Die Ibanez RG5320-CSW aus der Prestige-Serie kommt perfekt ausgewogen auf den Knien zu liegen. Wie man es von den Instrumenten der RG-Serie kennt, lässt sich keinerlei Kopflastigkeit beobachten.

Ich muss gestehen, ich hatte selten eine Gitarre in den Fingern, die sich so hervorragend spielen ließ. Selbst technisch sehr anspruchsvolle Passagen der linken Hand, erledigen sich hier quasi fast von selbst. Die Bezeichnung des Halsprofils (Super Wizard) ist daher absolut zutreffend. Nicht nur die Halsform, sondern auch die hohen fetten Bünde ermöglichen ein entspanntes Spiel ohne viel Kraftaufwand. Das Halsprofil wurde an den Kanten schön abgerundet, was die Bespielbarkeit nochmals positiv beeinflusst. Das ganze Instrument ist spürbar eine Einheit und die Summe der durchdachten Features ergibt ein traumhaftes Spielgefühl. Das Vibratosystem bleibt vollkommen verstimmungsfrei. Selbst in hohen Lagen gewähren die ergonomischen Anpassungen einen mühelosen Zugriff, ohne sich verbiegen zu müssen.

Sound

Bereits trocken darf man sich über eine gute Ansprache und Resonanz freuen. Die beiden DiMarzio Fusion Edge Humbucker liefern einen außerordentlich fetten und runden Ton, deswegen gerät mein Peavey auch im klaren Kanal fast schon etwas in die Sättigung.

Hören wir die Gitarre zunächst clean. Das Klangbeispiel beginnt mit dem Hals-Pickup, gefolgt von der Mittelstellung und Stegtonabnehmer:

Jetzt mit Coilsplit (mit aktiviertem „Alter-Switch“). Die Singlecoil-Sounds der DiMarzio Fusion Edge Humbucker klingen recht individuell, wobei man jedoch keinesfalls einen typischen „Stratocaster-Sound“ geliefert bekommt.

Nun wird der verzerrte Kanal meines Peavey aktiviert. Die Pickups haben einen satten Output und erzeugen einen sehr fetten charaktervollen Ton, der aber auch eine gute Saitentrennung bietet, da er, auch bei Einsatz heftiger Verzerrung, nicht matscht. Wir hören den Stegtonabnehmer, wobei hier auch das Vibratosystem ordentlich „rangenommen wird“, um dessen Verstimmungsfreiheit zu demonstrieren:

Nun legen wir den kleinen „Alter Switch“ um und erhalten den Singlecoil-Sound. Bei heftiger Verzerrung muss man naturgemäß mit deutlich wahrnehmbarem Brummen rechnen:

Der Sound wird etwas „drahtiger“ und entwickelt gerade auch bei Single-Note-Linien einen speziellen Ton.

Schließlich hören wir den Hals-Pickup mit verzerrtem Sound:

Man kann der Ibanez RG5320-CSW Prestige nur eine große klangliche Flexibilität und einen, dank der Pickups, individuellen Ton attestieren. Insgesamt kann dieses Instrument auf ganzer Linie überzeugen. Man darf sicher sein, dass diese Gitarre auch abseits der Metal-Abteilung viele Freunde finden wird.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Ibanez RG5320-CSW Prestige – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall bzw. Delay hinzugefügt).

 

Fazit

Die Ibanez RG5320-CSW Prestige wurde optisch und klanglich voll ausgestattet und ist durch ihre zahlreichen Features sicherlich universell in jeder Musikrichtung wunderbar einsetzbar. Das Instrument kann absolut überzeugen, vor allem der hervorragende Sound und die außergewöhnlich gute Bespielbarkeit ragen hervor. Minuspunkte sind nicht festzustellen, sieht man von dem etwas höheren Gewicht einmal ab. Bei dem Gebotenen muss man auch beim Preis von knapp unter 2.100,- Euro durchaus von einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis reden, weil die RG5320 in Sachen Sound, Handling und Design brilliert.

Plus

  • Sound
  • Design
  • herausragende Bespielbarkeit
  • Verarbeitung
  • hochwertiger Hartschalenkoffer

Preis

  • 2.099,- Euro
Klangbeispiele
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