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Test: Ibanez RGA42FM, E-Gitarre

7. März 2019

Die blaue Pille!

Ibanez RGA42FM

Ibanez RGA42FM

Der Name Ibanez ist allgegenwärtig – sei es nun im unteren Preisbereich, in der mittleren Liga oder im High-End-Segment. Die Japaner haben schlicht immer ein passendes Instrument im Angebot und bieten dabei in aller Regel die bestmögliche Qualität für unser hart Erspartes. Unser heutiger Testkandidat stammt aus der unteren Preiskategorie, was man der Ibanez RGA42FM aber auf den ersten Blick überhaupt nicht ansieht. Wie es um die Substanz hinter der hübschen Fassade steht, werden wir im folgenden Artikel mal betrachten.

Ibanez RGA42FM front

Ibanez RGA42FM – Facts & Features

Schon interessant, wie sich die Ibanez RG doch im Laufe der Zeit gewandelt hat und heute in vielen Facetten im Programm von Ibanez vertreten ist. Vom „80er Jahre Knicknack-Design“ bis zu einem modernen und ergonomisch bis ins Detail ausgefeilten Instrument hat sich das Zugpferd im Stall der Japaner entwickelt und zählt bis heute als erste Wahl vor allem für Musiker aus dem Metal-Bereich, die die vielen Features einer RG zu schätzen wissen.

Diese Attribute trägt auch unsere RGA42FM in sich, das beginnt eben mit dem futuristisch designten Korpus aus Mahagoni, auf den ein geflammtes Ahornfurnier aufgeleimt wurde und der in seinem dunklen Blauton wesentlich wertiger wirkt, als man in dieser Preisklasse erwarten würde. Neben diesem Finish, von Ibanez als „Blue Lagoon Burst Flat“ bezeichnet, ist diese E-Gitarre auch in einem geflammten Sunburst-Finish erhältlich, was nicht weniger beeindruckend gut aussieht. Zumindest für diese Preisklasse, denn die RGA42FM kostet im Laden schlappe 379,- Euro. Ein weißes Binding umschließt sämtliche Kanten der Decke und bietet einen schönen Kontrast zur Flammung des Ahornfurniers.

Ibanez RGA42FM Dragon Eye Burst Flat

Die Ibanez RGA42FM in „Dragon Eye Burst Flat“

Das komplette Instrument wurde mit einer Satinlackschicht überzogen, das beinhaltet auch die Rückseite des Halses, was erfreulicherweise zu einem angenehm natürlichen Spielgefühl beiträgt. Vorausgesetzt, man kommt mit dem typischen, ultraflachen Halsprofil zurecht, denn genau ein solches besitzt der eingeschraubte Wizard III Hals der Ibanez RG42FM. Die Bundierung ist sehr gut gelungen, alle 24 Jumbobünde wurden sauber in das Griffbrett aus Jatoba eingesetzt und an ihren Kanten abgerichtet. Auch die Oberflächen der Bünde bieten keinen Anlass zur Kritik, sie wurden sauber poliert, sodass von Anfang an Bendings und Slides ohne Schabgeräusche vonstattengehen. Dezente Dots an den bekannten Stellen sorgen für eine ebenso dezente Optik und natürlich für die Orientierung beim Bespielen des Griffbretts, dessen kakaobraune Oberfläche eine wirklich hübsche Figur abgibt.

Ibanez RGA42FM Fretboard

Schöne Färbung des Jatoba Griffbretts

Natürlich darf an einer echten Ibanez RG der bearbeitete Hals-Korpus-Übergang nicht fehlen und auch hier finden wir wieder einen extreme schlanken Übergang zwischen diesen beiden Bauteilen einer E-Gitarre. Doch nicht nur das, ergänzt wird diese perfekte Ergonomie durch eine weitere Fräsung hinter dem unteren Cutaway. Mit dem Ergebnis, dass selbst Bund Nummer 24 mühelos mit der Greifhand erreicht werden kann. Nichts anderes hätte man erwartet bei einer RG – oder etwa nicht?

Ibanez RGA42FM – Hardware und Elektrik

Es gibt sie mit und es gibt sie ohne Vibrato, die Ibanez RG. Unser Testmodell ist eines mit einer festen Brücke, bei der die Saiten durch den Korpus gefädelt werden, bevor sie den Weg zu den Mechaniken antreten. Der Fachmann spricht hier von einer „String-Through-Saitenführung“, die dem gesamten Klang und den Resonanzen gewaltig auf die Sprünge helfen kann. Dass dies in aller Regel gut funktioniert, konnten wir in einigen Tests schon feststellen, darunter befanden sich aber nicht nur Instrumente von Ibanez, auch andere Hersteller machen sich diese Bauart zunutze.

Aufgenommen werden die Saiten auf der anderen Seite von den sechs geschlossenen No-Name-Mechaniken, die eher den Erwartungen an ein Instrument dieser Preisklasse entsprechen. An dieser Stelle wird von vielen Herstellern der Rotstift angesetzt und nicht anders ist es auch bei unserer Ibanez RG42FM, die sich beim Stimmen etwas zickig zeigt. Na ja, immerhin gibt es hier oben noch etwas Luxus in Form eines Matched-Headstocks, über den man mittels Schnellverschluss auch ohne weiteres Werkzeug ganz fix Zugang zum Halsstab bekommt.

Ibanez RGA42FM headstock

Matched Headstock mit den sechs No-Name-Mechaniken und dem cleveren Halsstab-Schnellverschluss

Ibanez RGA42FM – die Elektrik

Die neuen Ibanez Quantum-Pickups werden auch in die RGA42FM eingeschraubt, die beiden Humbucker nehmen ihre Positionen an Hals bzw. Steg ein. Geschaltet wird wie zu erwarten über einen Fünfwegeschalter, der die folgenden Kombinationen der Pickups ermöglicht:

Es gibt also nicht die klassische Fünfwegeschaltung, wie man sie von einer Ibanez RG eigentlich gewohnt ist. Eine Parallelschaltung des Front-Humbuckers ist an dieser Stelle doch eher ungewöhnlich, für mich zumindest. Aber wieso mal nicht etwas Neues ausprobieren?

Der Schalter und die beiden Regler für Lautstärke und Klang sind von guter Qualität: Der Schalter besitzt so gut wie kein Spiel und rastet vermutlich auch in ein paar Jahren noch satt in seinen fünf Positionen ein, Gleiches gilt für die Potis, die butterweich auf ihren Achsen gleiten und sich ebenfalls frei von Spiel zeigen. Bestückt wurden die Potis mit griffigen Metallknöpfen, die auch im Eifer des Gefechts noch ein sicheres Zugreifen ermöglichen. Die Bedienelemente wurden genau an der richtigen Stelle auf der Decke angebracht: sinnvoll beieinander liegend und dennoch der rechten Hand nie im Weg stehend. Auch solch kleine Details schätzen Kenner bei einer Superstrat durchaus!

 Ibanez RGA42FM rear

Ibanez RGA42FM – in der Praxis

Der Grundsound kann richtig gut gefallen, hier macht sich erneut der Einsatz einer Saitenführung durch den Korpus vom ersten Ton an positiv bemerkbar. Trocken angespielt zeigt sich ein bissiger, drahtiger und mittenbetonter Sound, der auch in Sachen Sustain für ein Instrument dieser Preisklasse durchaus überzeugen kann. Die Bespielbarkeit könnte sicher noch besser sein, hätte man sich etwas sorgfältiger mit der Saitenlage befasst. Aber auch so geht das Gebotene schon in Ordnung, führt man sich immer wieder den Preis vor Augen, für den die RGA42FM die Läden verlässt. In jedem Fall aber bietet die gute Verarbeitung des Halses und hier im Speziellen die der Bundstäbchen gute Voraussetzungen, um ein optimales Setting für Einsteiger und verwöhnte Profis gleichermaßen zu erreichen.

Die bisher gute Stimmung wird jedoch leider getrübt, wenn man die E-Gitarre an den Verstärker anschließt. Trotz der neuen Schaltungsmöglichkeiten können mich die Quantum-Pickups nicht überzeugen, zumindest nicht im Korpus der RGA42FM eingesetzt. Sie klingen recht muffig und zum Teil ziemlich dünn und das klangliche Potenzial, das in der Grundkonstruktion der Gitarre schlummert, können sie leider nicht ausschöpfen. Das macht sich natürlich insbesondere bei den unverzerrten Sounds bemerkbar, bei den verzerrten sind diese Einschränkungen noch zu verschmerzen und können mit dem Korrigieren der Einstellungen am Verstärker zumindest ein Stück weit abgefedert werden. An dieser Stelle mal wieder der Tipp, sich ein paar Austausch-Pickups zu besorgen, denn mit einem Satz DiMarzios, Duncans oder EMGs würde man die RGA42FM ganz sicher enorm aufwerten!

Genug der Worte, hören wir rein in den Sound der Ibanez RGA42FM. Für die nun folgenden Klangbeispiele wurde die E-Gitarre in den Eingang meines Orange Micro Dark gestöpselt, der war verbunden mit einer 1×12″ Celestion Vintage 30 Box, die wiederum von einem AKG C3000 Mikro abgenommen wurde. Zum Gitarrensound habe ich eine ganz leichte Prise Delay meines Catalinbread Echorec hinzugefügt. Sonst wurden keine weiteren Effekte benutzt.

Fangen wir mit den unverzerrten Sounds an. Im ersten Beispiel hören wir den Sound des Front-Humbuckers mit Schalterstellung 2 – er befindet sich also im Parallelmodus.

Etwas flach das Ganze und wie bereits erwähnt nicht annähernd so, wie es die Grundsubstanz dieser E-Gitarre bietet. Etwas besser klingt es da schon in Position 4 des Schalters, wir hören einen Cleansound, in dem beide Humbucker im Einspulermodus laufen.

Kommen wir zu den High-Gain-Sounds, bei denen die Pickups zwar ein ordentliches Brett abliefern, es aber auch hier wieder an Tiefe, Schärfe und vor allem Höhen mangelt. Zunächst ein Riff, eingespielt mit dem Quantum-Humbucker am Steg.

Nun ein weiteres Beispiel für den Sound des Quantum Steg-Humbuckers, jetzt allerdings mehr im Stil einer Leadline, anstelle eines bratenden Riffs.

Zum Abschluss der verzerrte Sound des Humbuckers in Halsposition. Hier kann man immerhin das Potenzial erahnen, das die Ibanez RGA42FM mit besseren Tonabnehmern bieten kann.

Fazit

Trotz der beschriebenen Schwächen, vor allem die der eher bescheiden klingenden Quantum-Pickups, kann ich nach Abschluss des Tests der Ibanez RGA42FM mit ruhigem Gewissen ein gutes Urteil ausstellen. Die E-Gitarre ist Ibanez-typisch sehr gut verarbeitet und besitzt eine Optik, die ganz sicher die angepeilte Zielgruppe erreichen wird. Hinzu kommt die gewohnt gute Bespielbarkeit einer RG, auch wenn das Werkssetting unseres Testinstruments ein Ausrutscher sein dürfte. Eine gute Rockgitarre zu einem mehr als fairen Preis, die es in jedem Fall anzutesten gilt!

Plus

  • Verarbeitung
  • Optik
  • kräftiger Grundsound
  • gute Bespielbarkeit (nach Korrektur des Werkssettings)
  • wunderbar leicht

Minus

  • Pickups
  • Werkssetting

Preis

  • Ladenpreis: 379,- Euro
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