Test: Ibanez S6570Q-SLG Prestige, E-Gitarre

28. November 2017

Hohes Prestige in der S-Klasse

An was denkt man zuerst, wenn der Name Ibanez und Gitarre fällt? Na klar, in aller Regel zunächst einmal an das Zugpferd im Hause, die allseits bekannte RG-Serie des Herstellers. Stets im Schatten dieser „besaiteten Übermacht“ stand die S-Serie, dabei ist diese Baureihe von jeher nicht weniger gut ausgestattet und bietet in der Ibanez-Oberklassebaureihe „Prestige“ einige sehr interessante Modelle. So wie unser heutiger Testkandidat, die Ibanez S6570Q-SLG Prestige, die sich mit einem Ladenpreis von deutlich über 2.000,- Euro schon in die Spitzenposition der erhältlichen Prestige-Instrumente einreiht. Mal sehen, was die Edel-Ibanez so drauf hat!

Facts & Features

Selbstredend, dass die Ibanez S6570Q-SLG, wie jede andere Prestige aus japanischer Fertigung auch, in einem extrem hochwertigen Case ausgeliefert wird. Mit darin befindet sich der nützliche „Multitool“ Werkzeugknochen, mit dem alle Einstellarbeiten am Instrument vorgenommen werden können. Nach dem Aufklappen des Deckels erwartet den Besitzer der Blick auf eine atemberaubend schön gezeichnete und in einem satten Grün strahlende Wölkchenahorndecke, die an ihren Rändern in einen Blauton übergeht. Obwohl  dieses Blau wirklich nur bei gutem Licht zu erkennen ist und der Farbton Grün hier ganz offensichtlich überwiegt, bezeichnet Ibanez das Finish unserer S6570Q-SLG dennoch als „Surreal Blue Burst Gloss“. Vielleicht sollte ich mal einen Sehtest besuchen? Erhältlich ist ein weiteres technisch identisches Modell in „Natural Blue“, hier stimmt die Angabe des Herstellers wieder mit meinem Farbverständnis überein.

— Die Ibanez S6570Q-SLG Prestige in Natural Blue —

Basis für den typisch schmalen S-Serie-Korpus ist ein einteiliges Stück Mahagoni, auf das die bereits beschriebene, extrem schön geflammte Ahorndecke aufgeleimt wurde. Ein cremefarbenes Binding ziert die Ränder der Decke, die eine Stärke von 4 mm aufweist. Ein bis in die kleinsten Ritzen aufgetragener Hochglanzklarlack bedeckt den gesamten Korpus und lässt die Gitarre regelrecht „glühen“.

Der Hals: Was kann es anders sein als ein Wizard-Neck?

Für was lieben alle Shredder und Flitzefinger eine Gitarre von Ibanez (fast) am meisten? Logisch, für den pfeilschnellen Wizard-Hals natürlich, der selbstverständlich auch in unsere S6570Q-SLG eingeschraubt wurde. Die Verarbeitung der 24 Bünde entspricht der Preisklasse, besser kann man es einfach nicht machen! Die Bundstäbchen wurden nicht nur an ihren Kanten perfekt abgerundet („Fret Edge Treatment“), sondern sitzen zudem absolut sauber in der Höhe auf dem Palisandergriffbrett, was im Ergebnis eine unfassbar gute Saitenlage ermöglicht. Ohne Schnarren, Deadspots und dennoch immer noch mit genügend „Saft“ im Ton!

— Ibanez S6570Q-SLG Prestige – Rückseite —

Dass man mit der Ibanez S6570Q-SLG in der Luxusklasse unterwegs ist, zeigt sich auch an der Kopfplatte, die im selben Finish wie der Korpus erscheint („Matched Headstock“) und die die sechs schwarz verchromten Mechaniken von Gotoh trägt. Es sind Varianten ohne Klemmmechanismus, was aber über deren Qualität überhaupt nichts aussagt. Ohnehin unterliegen die Mechaniken bei einem Floyd-Rose-Style-Vibrato keiner besonders großen Beanspruchung, denn der Klemmsattel nimmt ihnen den Großteil der Arbeit ja ab. Dennoch ist es beruhigend zu wissen, dass auch an dieser Stelle an der Qualität nicht gespart wurde. Kann man in dieser Preisklasse ja auch erwarten, oder?

Ibanez S6570Q-SLG Prestige Headstock

— Kopfplatte der Ibanez S6570Q-SLG Prestige mit den Gotoh Tunern —

Hardware und Pickups der Ibanez S6570Q-SLG Prestige

Der Ibanez Haus- und Hoflieferant DiMarzio steuert die Pickups für die S6570Q-SLG bei. Verbaut wurde ein DiMarzio Air Norton Humbucker in der Position am Hals, der Singlecoil in der Mitte ist das Modell True Velvet und am Steg hat ein The Tone Zone seinen Platz gefunden. Geschaltet wird über den bewährten Fünfwegeschalter, der folgende Kombinationen der Tonabnehmer ermöglicht:

Überraschungen erwarten uns bei der Elektrik der Gitarre nicht, hier findet man den typischen Aufbau einer H-S-H Schaltung aus dem Hause Ibanez.

Nicht fehlen dürfen natürlich das Volume- und das Tonepoti, die in ihrer Qualität die Premiumansprüche der S6570Q-SLG unterstreichen. Das gilt im Übrigen auch für den robusten und sauber schaltenden Fünfwegeschalter, der in gewohnt griffgünstiger Position auf der Decke angebracht wurde.

Das Vibratosystem

Auch hier erwarten uns keine Überraschungen. Verbaut wurde das Beste, was es aus dem Hause Ibanez in Sachen Vibrato zu kaufen gibt. Und das nennt sich Lo-Pro Edge und besticht vor allem durch seine flache Bauform, die ein bequemes Auflegen der rechten Hand ermöglicht. Nichts steht im Weg, wie etwa die sechs Feinstimmer beim Originalsystem von Floyd Rose, die es der rechten Hand nicht immer leicht machen, eine komfortable Position zu finden. Darüber hinaus wird der Vibratohebel hier nur eingesteckt und zeigt sich sehr leichtgängig in seiner Funktion. Ganz im Gegensatz zum eingeschraubten Hebel des Floyd Rose Systems, das sich öfters schon mal etwas störrisch in der Bedienung zeigt.

Ibanez S6570Q-SLG Prestige Vibrato

— Ibanez S6570Q-SLG Prestige Vibrato —

Zwischenzeugnis

Nichts anderes hätte man erwartet: Die Ibanez S6570Q-SLG Prestige zeigt sich nach der ersten genauen Inspektion als ein absolutes Spitzeninstrument in Sachen Verarbeitung, Optik und Haptik gleichermaßen. So viel Qualität macht natürlich neugierig auf den Sound und die Performance – und dazu kommen wir jetzt.

Sound & Praxis mit der Ibanez S6570Q-SLG Prestige

Obwohl ich ja persönlich eher auf das „fleischige“ Profil eines Gitarrenhalses stehe, ist es doch immer wieder ein Genuss, ein paar Licks und Riffs auf einem Wizard-Neck abzufeuern. Und dieser ist geradezu geschaffen für Highspeed-Akrobatik auf höchstem Niveau, anders kann man das bei unserer Ibanez S6570Q-SLG Prestige nicht beschreiben. Der Hals mit dem wahnsinnig flachen Profil und seiner angenehm holzigen Rückseite, es wurde auch hier nur eine hauchdünne Satin-Lackschicht aufgetragen, ist die eine Seite für eine gute Performance mit dem Instrument. Die andere Seite ist der ergonomische und erstaunlich resonante Korpus, der sich, flach wie ein Frühstücksbrett, an den Bauch des Spielers anschmiegt und dort irgendwie gar nicht mehr weg will.

Ibanez S6570Q Finish

— Nur wirklich bei gutem Licht zu erkennen – das Blue-Burst-Finish —

Alles sitzt schlicht perfekt und ist gut zu erreichen. Dazu zählt der leichte Zugang zu den oberen Lagen des Halses, genau so wie auch die Bedienung des Fünfwegeschalters und der zwei Potis, die wie Butter auf ihren Achsen laufen. Über die Funktionalität des Low-Pro-Edge-Vibratos muss man nicht viel Worte verlieren. Hier gibt es nichts zu vermelden, außer einer enormen Stimmstabilität des Systems – selbst bei den beliebten und unvermeidbaren „Dive-Bombs“ ist kein müdes Cent Verstimmung festzustellen. So und nicht anders soll es sein! Zudem ist der Vibratohebel durch seine Leichtgängigkeit genau so schnell aus dem Aktionsradius der rechten Hand verschwunden, wie er erreicht werden kann.

Die Klangbeispiele wurden mit einem Orange Micro Dark Amp, einer H&K GL112 Gitarrenbox mit Celestion Vintage 30 Speaker und einem AKG C3000 Mikrofon in Logic Audio ohne weitere Bearbeitung aufgenommen.

In Klangbeispiel 1 zunächst der Cleansound der Gitarre, als Pickups wurde der Humbucker am Hals im Singlecoil-Modus und der Singlecoil-Pickup in der Mitte benutzt. Schalterstellung 2 also. Der Klang bzw. das Frequenzspektrum ist sehr ausgewogen, für einige Spieler vielleicht sogar schon zu sehr „aufgeräumt“.

In Klangbeispiel 2 hören wir Spielereien mit dem Front-Humbucker.

Ebenfalls den Front-Humbucker hören wir  in Klangbeispiel 3, nun aber mit einem Overdrivesound vom Micro Dark.

Richtig schönen „Biss und Draht“ liefert seit je her die Kombination Steg-Pickup (im Singlecoil-Modus) und der Singlecoil in der Mittenposition zusammengeschaltet. So auch hier, eingespielt mit einem nur angezerrten Sound des kleinen Orange.

Den Abschluss in Klangbeispiel 5 macht ein verzerrtes Riff, das auf dem Tone Zone am Steg eingespielt wurde.

dexibell vivo s1

Fazit

Die Ibanez S6570Q-SLG Prestige wird den hohen Erwartungen an ein Instrument dieser Preisklasse im Test mehr als gerecht, so schlicht und einfach könnte das Fazit ausfallen! Die Auswahl der Hölzer, der Hardware und wie dies in einer derartigen Perfektion zusammengesetzt wurde, ermöglicht eine Bespielbarkeit und einen flexiblen Klang, mit dem man in allen möglichen und unmöglichen Stilen sein Plätzchen finden kann. Die S-Klasse lohnt sich!

Plus

  • Klangvielfalt
  • Bespielbarkeit
  • hochwertige Verarbeitung
  • Schmuckstück
  • edles Case im Lieferumfang

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreis: 2.149,- Euro
Klangbeispiele
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