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Test: Icon Platform Nano, DAW-Controller

2. Dezember 2019

Kompakter Controller für Laptop und Studio

ICON nano platform

Im Bereich der DAW-Controller ist Icon Pro Audio wahrlich kein Unbekannter. Die QCon Reihe ist allseits bekannt und bietet gute bis sehr gute Möglichkeiten, die DAW fernzusteuern. Mit der Platform-Serie hat Icon seit einiger Zeit eher die kleineren Studios im Fokus, deutlich kompakter und überschaubarer sind die Controller in dieser Serie gestaltet. Mit dem Platform Nano kommt nun der bis dato kleinste Controller aus dieser Serie auf den Markt. Wir wollten wissen, wie sich der kleine Sprössling im Tonstudio-Alltag schlägt.

Verarbeitung und Bedienelemente des Icon Platform Nano

Der erste Eindruck wiegt in der Regel schwer und bleibt zunächst einmal im Kopf haften. Der Platform Nano braucht sich hierbei allerdings keine Gedanken zu machen. Ein stabiles Kunststoffgehäuse mit einer Bedienoberfläche aus Metall sowie seitliche Abschlussleisten aus Kunststoff begrüßen den Besitzer des Nanos, alles scheint sehr übersichtlich und klar gegliedert. Die Maße des Controllers belaufen sich auf 21,5 x 19,5 x 5,5 cm. Eine gute Größe, die ausreichend Platz für Bedienelemente bietet, aber immer noch so kompakt ist, dass man den Controller zwischen Computertastatur und Bildschirm (oder daneben) unterbringen kann. Dazu ist er sehr transportabel und findet in jeder Tasche Platz.

ICON nano platform

Die Bedienoberfläche des Nanos ist leicht nach vorne geneigt, was die Übersichtlichkeit erhöht. Platziert man den Controller neben dem Laptop, ist der Neigungswinkel passend und das Display lässt sich gut ablesen. Je weiter man den Controller nach vorne schiebt, desto schwieriger wird es allerdings. Steht der Controller beispielsweise schräg rechts vorne, wird es unter Umständen schwierig, die untere Zeile des Displays abzulesen. Hier gilt es, einfach einen guten Platz für ihn zu finden.

Der Nano Platform verfügt über einen berührungsempfindlichen motorisierten Fader (Auflösung 10 Bit), der eine Länge von 10 cm aufweist und über ein 12-stelliges LED-Meter verfügt. Rechts davon befinden sich sechs Soft-Buttons, die wie alle Buttons des Nanos hintergrundbeleuchtet sind. Der aktive Zustand kann also stets gut nachvollzogen werden. Hat man einen Track selektiert, ist der Motorfader stets für diesen zuständig. Mit Hilfe der erwähnten Buttons wechselt man entweder Spur für Spur in einzelnen Schritten oder in 8er Blöcken weiter. Die ganz oben angesiedelte „5-8 Taste“ bietet eine weitere Funktion. Hat man beispielsweise Track 14 selektiert und Button 5-8 ist deaktiviert, so steuern die vier Potis oberhalb des Displays jeweils den Pan der unteren Hälfte der aktuellen 8er Gruppe, d. h. Track 11-14. Aktiviert man Button 5-8, so reagiert die obere Hälfte der aktuellen 8er Gruppe auf Pan-Befehle, d. h. 15-18. Je nach Parameter kann man also, obwohl ja nur ein Track selektiert werden kann, auch die daneben liegenden Spuren steuern.

icon platform nano 7

Ein weiteres Beispiel: Beim Steuern des internen 4-Band-EQs in Cubase und bei aktiver EQ-Steuerung des Controllers steuert man bei deaktiviertem 5-8 Button die unteren Frequenzbänder 3 und 4, beim aktivierten 5-8 Button die Frequenzbänder 1 und 2. Das hätte ich ehrlich gesagt anders herum erwartet, denn einen aktiven 5-8 Button verstehe ich so, dass man eher die höheren bzw. weiter rechts/unten angesiedelten Bänder, Kanäle etc. steuert, aber gut.

Neben dem Motorfader bietet der Controller insgesamt fünf Drehregler (vier oberhalb des Displays, der fünfte (samt LED-Kranz) direkt über dem Fader), ein gut ablesbares Display, ein Jog-Dial mit Push-Funktion sowie eine Vielzahl von Buttons. Ein Teil davon ist bereits mit den zugewiesenen Funktionen beschriftet, bei anderen ergibt sich der Sinn erst, wenn man eins der beiliegenden Overlays drauflegt.

icon audio platform nano

Overlays sind viele dabei

Hiervon liefert Icon Audio erstaunlicherweise deutlich mehr mit, als man zunächst erwarten würde, denn insgesamt 13 Overlays liegen dem Nano bei. Neben den klassischen DAWs wie Logic, Cubase/Nuendo, Reason, Studio One, Bitwig, Ableton, Pro Tools gibt es auch Overlays für Digital Performer, Reason, Reaper, Samplitude, FL Studio, Sonar und Audition. Hier sollte also für einen Großteil der Nutzer die passende „Schablone“ dabei sein.

Nach dem Auflegen des Overlays ergibt sich allerdings ein Problem: Während die Controller-Zuweisungen der rechten Button-Reihe (Mode, Send, Pan etc. – siehe Bild) einfach abzulesen sind, wird es bei den acht Buttons unterhalb des Displays schon schwieriger. Die Schrift fällt hier sehr klein aus, dazu spiegelt die Oberfläche des Overlays etwas, was beim Ablesen ein ständiges Vor- und Zurückziehen des Kopfs mit sich bringt, damit alles erst einmal entziffert werden kann.

icon audio platform nano

Perfekt sieht anders aus, dazu ist die Schrift nur schwer lesbar. Je nach aktivem Button, werden die gleich farbigen Funktionen gesteuert.

Die Sektion, die zwischen den fünf bunten LEDs und der Transportsektion liegt, steuert stets unterschiedliche Funktionen. Welche, darüber entscheiden die fünf bunten LEDs darüber und ablesen kann man es auf dem Overlay. Je nachdem ob die beiden oberen Reihe der Funktions-Buttons rot, grün, blau, lila oder gelb leuchten, steuern diese also diverse Funktionen, was den Umfang der steuerbaren Parameter ziemlich in die Höhe schraubt, gut.

icon platform nano 7

Die Schablonen verrichten nach dem Auflegen zwar ihren Zweck, wirklich schön und tadellos gefertigt sind sie ehrlich gesagt nicht. Es sieht so aus, als ob auf dem eigentlichen Overlay eine durchsichtige Klebefolie liegt, die aber auf mehreren Overlays und an mehreren Stellen kleine Blasen wirft. Perfekt sieht anders aus.

Bevor wir mit den einzelnen Funktionen starten, hier zunächst der Überblick zu den Anschlüssen des Controllers.

ICON nano platform

Anschlüsse und Zubehör des Platform Nano DAW-Controllers

Sowohl Strom als auch Daten gelingen über den USB-Port in bzw. aus dem Platform Nano hinaus. Sollte nicht genug Power über USB zu beziehen sein, lässt sich über die daneben liegende Micro-USB-Buchse ein externes Netzteil anschließen. Zwei Anschlüsse für Fuß-Controller, die mit diversen Funktionen belegt werden können, bietet der Controller, gesichert werden kann er mit Hilfe eines Kensington Locks.

Optional bietet Icon ein zusätzliches Display für den Controller an. Dieses schlägt mit 149,- Euro zu Buche und lässt sich leicht am Nano befestigen und anschließen. Schön ist, dass der kompakte Controller über einen Power-On/Off verfügt.

icon platform d

Das Platform D Display ist optional für den Nano erhältlich

Einsatz des Nano Controllers im Studio

Mit allen 13 DAWs konnte ich den Nano zwar leider nicht testen, aber zumindest mit den folgenden muss sich der kompakte Controller im Test möglichst gut anfreunden: Cubase, Studio One, Reason und Bitwig. Im folgenden Video seht ihr, wie der Nano in einigen DAWs eingerichtet werden kann:

Der Controller bietet zunächst einmal die vier Arbeitsmodi HUI (Pro Tools), User-Def (ein eigens zu definierendes User-Preset), Logic Pro und MCP (für alle anderen DAWs). Der gewünschte Arbeitsmodus lässt sich beim Start des Controllers festlegen. Auf Basis der verschiedenen Protokolle sind die Funktionen des Controllers zunächst schon programmiert, über das User-Preset kann man sich aber auf Wunsch ein komplett eigenes erstellen. Hierfür bietet Icon Pro Audio die Software iMap an. Diese ist zwar nicht sonderlich schick aufgebaut, dafür bietet sie eine übersichtliche Aufteilung und intuitive Bedienung, das passt soweit.

icon audio platform nano

Unter Cubase, wo der Controller über die Studio-Einstellungen als Mackie Control angedockt wird, funktioniert der Controller einwandfrei: Transportkontrolle, zwischen den Kanälen wechseln, Lautstärke, Pan und die Sends steuern, Plugins als Insert aufrufen, den internen EQ steuern – all das funktioniert hier ohne Weiteres. Der Motorfader wechselt seine Position je nach Kanaleinstellung umgehend mit und dies schnell und nahezu geräuschlos.

Nichts zu kritisieren gibt es ebenfalls im Umfeld von Bitwig und Reason. Mit Bitwig 3.0 arbeitet der Controller gut zusammen und alles funktioniert wie vom Hersteller beschrieben, auch in Reason konnte ich keine Bugs oder Fehler finden.

icon audio platform nano

Je nach DAW sind die Zuweisungen immer etwas anders gewählt, so auch in Studio One 4.5. Beispielsweise ist der letzte Button der rechten Reihe hier nicht belegt, da verschenkt Icon also weitere Funktionen. Grundsätzlich funktioniert aber auch hier alles so, wie es soll.

Das Display des Platform Nano gibt zwar stets Auskunft darüber, welche Funktion (Insert, EQ, Pan, etc.) man gerade steuert, die Werte des zu verändernden Parameters werden aber nicht angezeigt, was im Umkehrschluss heißt, dass der Blick stets in Richtung Computerbildschirm gerichtet sein muss. Das ist bei den deutlich größeren und teureren QCon Controllern von Icon besser gelöst, aber das bereits erwähnte Display D2 könnte da definitiv Abhilfe leisten.

icon audio platform nano

In der täglichen Arbeit mit dem Controller führt das dazu, dass man oft auch erst einmal herausfinden muss welcher Parameter bzw. Funktion gerade anliegt. Wie bei einem Großteil der breit aufgestellten DAW-Controller, d. h. es sollen möglichst viele DAWs damit gesteuert werden können, liegt das Problem beim Protokoll. Das kann man Icon auch gar nicht ankreiden, denn jeder DAW-Hersteller kocht sein eigenes Süppchen und die Hersteller der DAW-Controller müssen sehen, wie sie das bei sich eingebunden bekommen. Einen anderen, deutlich aufwändigeren, aber auch mit mehr Funktionsumfang ausgestatteten Weg, geht beispielsweise Nektar. Hier wird für jede DAW ein eigenes Setup programmiert, was dazu führt, dass Funktionen deutlich besser abzustimmen sind und praxisnaher programmiert wird.

Leider konnte ich den Nano nicht mit Logic Pro X testen, aber nach Durchsicht des folgenden Videos sollte hier ebenfalls alles funktionieren.

Eine Sache, die mich in der Arbeit mit dem Nano Platform allerdings gestört hat, ist die Tatsache, dass eine Encoder-Bewegung (ein Schritt vor oder zurück) oft nicht mit der Bewegung in der DAW übereinstimmt. Manchmal muss man drei Schritte drehen, bis der Wert eines Parameters sich ändert, anderswo ist man mit drei Dreh-Schritten schon einen Großteil des Parameterwegs gegangen.

icon platform nano

Fazit

Der Platform Nano ist ein solider DAW-Controller, der mit einer Vielzahl von DAWs zum Einsatz kommen und eine Unmenge an Funktionen steuern kann. Die Verarbeitung ist solide, die Einrichtung geht leicht von der Hand.

Je nachdem welche DAW man mit dem Nano nutzt, fallen die Möglichkeiten größer oder kleiner aus. Mit den getesteten DAWs gab es zumindest keine großen Beanstandungen, das Problem liegt eher am zum Einsatz kommenden universellen Protokoll, was die Abstimmung auf einzelne DAWs schwierig macht. Dies kann man Icon aber, wie im Test bereits angemerkt, nicht ankreiden, sondern jeder Nutzer muss letztlich schauen, wie sich der Nano mit der eigenen DAW verträgt.

Kompakt gehalten und übersichtlich aufgebaut ist er, er passt in jede Tasche und geht gerne mit auf Reisen. Aber auch im Studio ist der Kleinste aus der Platform-Serie alles andere als fehl am Platz.

 

Plus

  • Motorfader und Vielzahl von Bedienelementen
  • Verarbeitung
  • 13 Overlays

Minus

  • Overlays nicht sauber verarbeitet
  • Schrift auf den Overlays zu klein
  • teils Probleme bei den Controller-Wegen (je nach Parameter eine bis mehrere Poti-Umdrehungen notwendig, um Wert zu ändern)

Preis

  • 169,- Euro
Forum
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    Tom Herwig

    Das was auf den Overlays Blasen wirft….ist das nicht nochmal eine Schutzfolie?
    Ansonsten finde ich das Teil sehr interessant, gerade wenn man nicht so viel Platz hat auf dem Schreibtisch.

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