Test: IK Multimedia iRig Pro Duo I/O, mobiles Audio-MIDI-Interface

13. April 2020

Duo-Interface jetzt in neuer Version

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IK Multimedia iRig Pro Duo I/O, mobiles Audio-MIDI-Interface

Alle drei Jahre liefert IK Multimedia in schöner Regelmäßigkeit ein neues Modell aus seiner iRig Pro-Reihe. 2014 startete mit dem Urvater, dem Kleinst-Interface iRig Pro, das zum einen auch an Mobil-Geräten funktionierte und zum anderen auch niederohmige Mikrofonsignale verarbeiten konnte. 2017 folgt dann mit dem iRig Pro Duo die zweikanalige Version des Erfolgsmodells inklusive optischer Aufwertung bei der Pegel- und Funktionskontrolle. Und nun also, im Jahr 2020 gibt es mit dem IK Multimedia iRig Pro Duo I/O erneut einen Nachfolger – übrigens passend zum 10-jährigem Bestehen der iRig-Serie, von der man inzwischen mehr als fünf Millionen Geräte verkauft hat.

Im Gegensatz zum Vorgänger lässt sich beim IK Multimedia iRig Pro Duo I/O aber nicht vom Namen auf die neuen Features schließen, denn „I/O“, also „Input/Output“ dürfen wir getrost bei wohl jedem Audiointerface vermuten. Was also ist neu? Was besser? Und warum ist das neue 90,- Euro teurer als I/O-lose Duo?

IK Multimedia iRig Pro Duo I/O

So ein Namensungetüm für so ein kleines Gerät!

Die Technik

Für die Technikfreunde hier kurz ein paar knallharte Facts und Zahlen: Das iRig Pro Duo I/O ist ein 24 Bit / 48 kHz Audiointerface mit MIDI In/Out, 48 V Phantomspeisung und schaltbarem Direct-Monitoring. Die Verstärkung der Mikrofoneingänge wird mit 50 dB, einem Rauschpegel von -103 dB(A) und einem Frequenzbereich von 20 – 20.000 Hz angegeben. Die des Instrumenteneingangs mit 27 dB bei einem Rauschpegel von -104 dB(A) und einem Frequenzbereich von 5 – 21.000 Hz. Die Line-Ausgänge (2x 6,3 mm Klinke symmetrisch) liefern einen Dynamikumfang von 106 dB(A). Hätten wir das auch geklärt.

Ausgepackt: Jede Menge Kabel

Erster Gedanke: Ganz schöne fette Verpackung für so ein kleines Teil. Oder steckt da noch mehr drin? Antwort: Ja – vor allem reichlich (Adapter)-Kabelage. Enthalten sind an Kabeln ein Lightning to Mini-DIN, ein USB-C to Mini-DIN und ein USB to Mini-DIN sowie zwei MIDI-Adapter der etwas exotischeren Art (Stereo-2,5 mm-Miniklinke auf 5-Pol-DIN). Hinzu kommen zwei AA-Batterien und die übliche „Register Product, Download Apps“-Karte, die wie immer zwar nicht produktspeziell, sondern allgemein gehalten sind, aber trotzdem ganz nützlich sein können (sofern man die nicht im Lauf der Jahre schon gesammelt hat).

Sonst noch was? Ja, ein Zettelchen mit einem QR-Code und einem Link, über die ich mir das englischsprachige, gut 20-seitige Handbuch herunterladen kann. Was ich natürlich sofort mache.

IK Multimedia iRig Pro Duo I/O

Die Adapterkabel oben sind mit dabei, der Rest leider nicht

Angeschaut: Neues im Detail

Auf den ersten Blick sieht alles gleich aus. Mattschwarzes, jetzt dezent gummiertes statt des vormaligen glatten Hochglanz-Kunststoff-Gehäuses (das keinen Fettfinger verzieh) mit den Abmessungen 127 x 75 x 37 mm, Gewicht ohne Batterien 197 g. Auf der Gehäuseoberseite in der oberen Hälfte vier Multicolor-LED-Anzeigen für Phantom-Power, MIDI und Audio-Level, in der unteren Hälfte die beiden großen Input-Gain-Knobs.

Erster kleiner Unterschied: Die sind jetzt gummiert, mit „Riffelung“ an den Seiten und ragen anscheinend ein klein wenig weiter raus – und sind zudem endlich auch von 0 bis 10 beschriftet, so dass man auf den ersten Blick sieht, was man da gerade eingestellt hat. Was in der Beziehung insgesamt schon mal ein deutliches Bedienplus gegenüber dem Vorgängermodell bringt. Kleiner Aufwand, große Wirkung. Oder wie mein Vater immer zu sagen pflegte: „So kann man auch mit kleinen Sachen Beamtenkindern Freude machen.“ Außerdem hat man zwischen Regler und LEDs nun noch einen großen Schriftzug „iRig Pro“ platziert; da ist zu vermuten, dass da demnächst noch mehr Geräte aus dieser Produktlinie kommen könnten.

Auf der Vorderseite die beiden Neutrik XLR/Klinke-Kombo-Buchsen – leider nicht verriegelbar, was ich bei Mobilgeräten dann immer doppelt schade finde, da dort das Interface dann ja mitunter auch schon mal bewegt wird. Auf der linken Seite die beiden Main-Ausgänge (große Klinkenbuchsen) samt Levelcontroller-Rädchen. Auch das wurde im Zuge der verbesserten Bedienerfreundlichkeit nun beschriftet; es war mir eh ein Rätsel, wie man beim Vorgänger auf die wirre Idee kommen konnte, das nicht zu tun. Daneben schließlich noch der Schalter für die 48 V Phantomspeisung (zuständig für beide Kanäle); dass der eher schwer betätigt werden kann, ist beabsichtigt, so läuft man nicht Gefahr, sich eine Aufnahme aus Versehen zu zerschießen.

Auf der rechten Seite dann – wie gehabt – die Kopfhörerbuchse (für Miniklinke) samt Lautstärkeregler (jetzt ebenfalls beschriftet) und der Schalter für Direct-Monitoring, um eventuellen Delays beim Abhören aus dem Weg zu gehen. Auf der Rückseite schließlich die beiden MIDI-Buchsen (für die eingangs erwähnten Adapter von 2,5 mm Miniklinke auf DIN) und die Mini-DIN-Buchse für die Verbindung des IK Multimedia iRig Pro Duo I/O mit der Außenwelt; die dazu benötigten Kabel liegen wie gesagt alle bei. Daneben noch die Buchse zum Anschluss eines optionalen 9 V Netzteils, was beim stationären Betrieb sicherlich die beste Lösung ist, will man nicht ständig Batterien nachwerfen, die zumindest unter Volllast nicht ewig halten. IK Multimedia gibt hier eine Recording-Laufzeit von 3,5 Std (NiMH Akku) bzw. 45 Min (Alkaline) an, bzw. eine Playback-Dauer von 10 respektive 3 Stunden. Alternativ lässt sich der IK Multimedia iRig Pro Duo I/O auch per USB mit Strom versorgen, was aber im Betrieb mit Mobilgeräten diese sicher schnell leer saugt und bei 48 V Phantompower eventuell auch gar nicht erst funktioniert.

IK Multimedia iRig Pro Duo I/O

Die Drehregler sind jetzt gummiert und beschriftet

Weitere Features des Interfaces

Schön, beschriftete Gain-Regler, gummiertes Gehäuse und ein neues Logo. Aber diese kosmetische Überarbeitung kann doch nicht alles gewesen sein, das das IK Multimedia iRig Pro Duo I/O von seinem Vorgänger unterscheidet? Vor allem würde das ja nun auch kaum die Mehrkosten von aktuell rund 90,- Euro (239,- statt 150,- Euro) rechtfertigen.

Und tatsächlich liegen die Hauptunterschiede/-verbesserungen dann im Inneren des Gehäuses. Der wohl wichtigste: Neue, verbesserte Class-A-Preamps sollen für mehr Gain sorgen – verspricht der Hersteller. Außerdem gibt es für Windows Laptops und Surface Tablets neue Treiber (mit ASIO Kompatibilität). „Semi-neu“ ist der USB C-Anschluss. Das Adapterkabel USB-C auf Mini-DIN-Kabel gab es – wenn ich mich recht erinnere – beim Vorgänger zumindest anfangs noch nicht, kann aber schon seit gut zwei Jahren auch einzeln nachgekauft werden, um Geräte wie iRig MIDI 2, Pro, HD, HD-A, Pro I/O, Keys I/O und Stomp I/O damit zu beglücken. Wobei ich den Preis von 36 Euro für 60 cm Kabel schon ziemlich ambitioniert finde. Um es mal freundlich zu formulieren.

IK Multimedia iRig Pro Duo I/O

Die beiden XLR/Klinke-Kombibuchsen sind leider nicht verriegelbar

iRig Pro Duo I/O ausprobiert: Android und iOS

Erster Test: Das iRig Duo I/O mit Android. Etwas irritierend beim ersten Mal für iRig-Newcomer: Das Duo I/O hat keinen Power-Button, sondern erwacht erst dann zum Leben, wenn man es mit Smartphone, Tablet oder Rechner verbindet. Die Stromversorgung erfolgt – bei nicht eingesetzten Batterien – entweder über USB, über die beiden AA-Batterien oder über ein optionales Netzteil. Im stationären Betrieb ist Letzteres in jedem Fall vorzuziehen; nicht nur aus Umweltschutzgründen, sondern auch weil die  Batterielaufzeit doch recht überschaubar ist: Bei genutzter +48 Phantomspeisung liegt sie bei rund einer Stunde, mit vernünftigen Akkus bei rund zwei Stunden. Ideal wäre es natürlich, wenn das Pro Duo I/O einen USB-Anschluss hätte, um eine Powerbank anzuschließen. Warum IK Multimedia bei seinen iRig-Geräten noch immer auf Mini-DIN setzt (und damit dann auch auf die recht exotischen Adapter), ist mir eh schon lange rätselhaft.

Das Zusammenspiel mit meinem Galaxy A8 funktioniert problemlos über das (oben beschriebene) Adapterkabel USB-C auf Mini-DIN-Kabel. Das iRig Pro Duo I/O wird auf Anhieb als externes Mikrofon erkannt, auch der Ausgang wird anstandslos auf das iRig umgelegt und der Smartphone-Speaker abgeschaltet, das Abhören ist also kein Problem. Apps wie das Diktiergerät von Samsung sind sofort mit dem iRig einsatzbereit. Der Kopfhörerausgang des Pro Duo I/O ist mir allerdings – je nach Kopfhörer – etwas zu schwach auf der Brust. Mein seit vielen Studiojahren bewährter AKG K-501 Kopfhörer wurde da relativ dünn mit Output versorgt, während meine billigen MPow-Headphones (angeschafft für unterwegs) deutlich mehr Druck brachten. Die Leistung ist da eben – wie beim Vorgänger auch – von der Impedanz des Kopfhörers abhängig.

Auch bei meinem alten iPad Air gab es im Test keine Probleme. Das iRig Pro Duo wurde sofort erkannt, sämtliche getesteten Apps waren ohne zu murren zur Zusammenarbeit bereit.

Vermisst habe ich im mobilen Einsatz einen Clip am iRig Pro Duo I/O, mit dem ich das Gerät zum Beispiel am Gürtel befestigen könnte (nachdem ich den Pegel einmal voreingestellt habe). Für den Außeneinsatz wäre das keine schlechte Sache, da man das Interface aufgrund der Rundumversorgung mit Anschlüssen und Kabeln kaum in der Jackentasche unterbringen kann; und in der Hand halten ist auch keine Option, da man ja beide Hände schon für das Smartphone braucht, auf der die Recording-App läuft. Aber vielleicht nimmt IK Multimedia diesen Hinweis ja auf und bietet demnächst etwas in der Art an – auch eine spezielle Tasche mit Öffnungen an den Seiten wäre da zum Beispiel denkbar.

IK Multimedia iRig Pro Duo I/O

Das IK Multimedia iRig Pro Duo I/O mal von allen Seiten

Mobiles Interface am PC

Letzter Check: iRig Pro Duo I/O am PC – wo ich das Verbindungskabel mit 60 cm dann doch etwas zu kurz finde. Manchmal ist mehr eben einfach mehr. Die Verbindung zu meinem Windows 10 Notebook gestaltet sich zeitlich etwas aufwendiger als zu den Mobilegeräten, woran ich aber selber schuld bin. „iRig Pro Duo I/O wird eingerichtet“ meldet Windows, worauf die Level-LED von Kanal 2 des iRig erst einmal minutenlang blinkt, dann sämtliche Symbole kurz vom Bildschirm verschwinden (und wieder auftauchen), dann blinken beide Level-LEDs. Abgestürzt? Aufgehängt? Zieht das Duo I/O gerade ein Update? Nein, wie fast immer sitzt der Fehler vor der Tastatur: „Make sure phantom power is turned off“ – mahnt das Handbuch, das ich (wieder mal) zu spät bemühe. Peinlich. Also „Phantom Power“ auf off und schon geht’s. Na ja, fast – zwar wird das iRig in den Soundeinstellungen schon angezeigt, damit es aber auch funktioniert, muss erst noch der aktuelle Treiber von der IK Multimedia-Seite heruntergeladen werden. Und den gibt es – IK Multimedia typisch – erst dann, wenn ich mein Gerät auch registriert habe. Aber gut, im Gegenzug bekomme ich zur Belohnung – wie eingangs erwähnt – einen Haufen Apps und Software, wie neun Effektgeräte aus der T-RackS-Serie, AmliTube 4 oder den Sample Tank 4 SE.

Dann aber endlich läuft es rund: iRig taucht in jeder Software als „iRig Pro Duo Device“ auf und kann genutzt werden. Unter Cubase zum Beispiel taucht das iRig dann auch in den MIDI-Einstellungen als verlässlicher Partner auf.

Der Praxistest

Ein Blick auf die technischen Werte zeigt, dass wohl tatsächlich an den Mikro-PreAmps gearbeitet worden ist: 50 dB statt 48 dB Gain-Range und 3,2 kOhm gegenüber 2,0 kOhm Microphone-Input-Impedance beim Vorgänger werden da angegeben. Hört man das? Leider hatte ich im Test das Vorgängermodell für einen direkten A/B-Vergleich nicht vorliegen, kann aber zumindest konstatieren, dass auch das neue iRig wieder richtig gut klingt und (wenn meine Erinnerung mich nicht täuscht) auch tatsächlich noch etwas mehr Luft nach oben haben. Die Test-Sprachaufnahmen mit meinen Rode Broadcaster klingen durch die Bank voll und warm, Rauschen kommt nicht vor. Und auch die E-Gitarrenaufnahmen gefallen mit einem klaren, unverfälschten Sound; wer also zum Beispiel mal eben Gitarre und Gesang gleichzeitig in guter Qualität aufnehmen möchte, ist beim iRig Pro Duo I/O an der richtigen Adresse – auch Mischbestückungen sind also machbar.

Die Pegelanzeige ist dabei eine zuverlässige Hilfe, auch wenn sie nur aus einer LED pro Kanal besteht. Die Farbwechsel von grün über orange bis rot (mit Zwischenstufen) ersetzen zwar keine 20-gliedriges Levelmeter, reichen aber völlig aus, um die Aufnahme sicher in den Kasten zu fahren. Die überarbeiteten Pegelsteller tragen da ebenfalls zu einem verbesserten Workflow bei, das Direct Monitoring funktioniert latenzfrei.

Für die Klangbeispiele habe ich einmal zwei Sätze aus unseren News mit dem iRig Pro Duo I/O plus Rode Broadcaster und einmal – zum Vergleich – nur mit dem Smartphone aufgenommen. Für die zusätzliche Gitarrenaufnahme muss ich mich wie immer an dieser Stelle entschuldigen, weil ich a) kein Gitarrist bin und b) die Gitarre auch leicht verstimmt ist – die Aufnahme soll nur den Klang/die Aufnahmequalität zeigen.

IK multimedia irig pro duo io 2 test

Fazit

Klingt gut, ist handlich und – endlich – auch leicht zu bedienen: Wer mobil in guter Qualität ein- oder zweikanalig etwas aufzeichnen will, bekommt mit dem IK Multimedia iRig Pro Duo I/O ein leistungsstarkes Werkzeug mit auf den Weg. Aber auch für audiotechnisch chronisch unterbesetzte Notebooks ist das Interface eine schöne temporäre Bereicherung. Dass die obendrein auch noch MIDI-tauglich ist, ist ein gern genommenes Sahnehäubchen. Da verschmerzt man dann auch die kleinen Mängel wie den etwas schwachbrüstigen Kopfhörerausgang. Für den (sicher schon geplanten) Nachfolger hätte ich aber doch noch ein paar kleine Wünsche. Zum Beispiel eine Befestigungsmöglichkeit (Clip oder Stativgewinde) und einen USB-Anschluss, um eine Powerbank anzuschließen, damit man im Außeneinsatz nicht zum Batterie-DJ wird. Einen Namen hätte ich für diesen Nachfolger dann auch gleich: iRig Pro Duo I/O Perfect.

Plus

  • guter Klang
  • kompaktes, recht robustes Gehäuse
  • verbessertes Handling
  • simple Bedienung
  • Plug & Play bei Mobilgeräten
  • einiges an Software zum Download
  • mit MIDI I/O

Minus

  • keine Befestigungsmöglichkeit

Preis

  • 239,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Maxi  

    Habe die „Mono-Variante“ von diesem Interface und bin eigentlich recht zufrieden. Etwas stört aber: Fahre ich den Rechner runter, gibt es beim Ausschalten in den angeschlossenen aktiven Monitoren einen lauten Knackser und danach unangenehmes, anhaltendes Rauschen, auch wenn Volume am Interface auf 0 steht. Um das zu vermeiden, muss man vor jedem Herunterfahren das Interface vom Netz trennen. Lästig und hatte ich bisher bei keinem Interface. Updates sind alle eingespielt, weiß jemand eine Lösung?

  2. Profilbild
    oldwired

    Wir wenn man das Interface mit Netzteil einsetzt das daran angeschlossene iPad über das Interface geladen?

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