Test: Industrial Music Electronics Stillson Hammer MK2, Eurorack Sequencer

31. Mai 2019

Sequencer-Arbeitstier fürs Eurorack

industrial music stillson hammer mk2

Industrial Music Electronics Stillson Hammer MK2, Eurorack Sequencer

Stillson Hammer von The Harvestman kennen sicherlich einige Besitzer von Eurorack-Systemen. Dieses Modul ist ein Burst Generator und mittlerweile nur noch gebraucht erhältlich. The Harvestman heißt mittlerweile Industrial Music Electronics und bietet mit dem Stillson Hammer MK2 einen 4-Kanal CV/Gate Performance-Sequencer an. Warum beide Module trotz unterschiedlicher Anwendung den gleichen Namen tragen, ist mir nicht klar geworden.

Industrial Music Electronics Stillson Hammer MK2

Wie dem auch sei, Stillson Hammer MK2 bietet 4 Spuren Step-Sequencing in einem Eurorack-Modul mit zahlreichen spannenden Funktionen. Die schauen wir uns hier näher an.

Erster Blick auf den Stillson Hammer Mk2

Stillson Hammer MK2 nimmt 32 TE Platz im Case in Anspruch. In der oberen Hälfte des Moduls befinden sich die Ein- und Ausgänge sowie zahlreiche Taster und einige Regler. Ein 4-stelliges Display mit 7-Segement-Anzeige gibt rudimentäre Auskunft über Parameterwerte. Rechterhand befinden sich die CV- und Gate-Ausgänge sowie ein Ausgang für das Clock-Signal. Das Modul verfügt über einen eigenen Clock-Generator und fungiert somit als Taktzentrale, kann aber auch extern synchronisiert werden.

Industrial Music Electronics Stillson Hammer MK2

Stillson Hammer MK2 verfügt über 2 Modulationseingänge, über die sich verschiedene Parameter des Moduls per Control Voltage steuern lassen.

Die untere Hälfte des Moduls besteht aus 16 Slidern, mit denen die Tonhöhen und Parameterwerte eingestellt werden können.

Das Modul kann also vier Sequencer-Spuren mit jeweils 16 Steps gleichzeitig erzeugen. Diese können ganz individuell sein und völlig unabhängig (außer im Tempo) voneinander arbeiten. Die Step-Längen lassen sich zum Beispiel separat voneinander variieren. Für jeden Step können zudem Anzahl und Geschwindigkeit von Wiederholungen einzeln eingestellt werden, das ist beeindruckend.

Das Konzept des Industrial Music Electronics Stillson Hammer MK2

Nachdem ich kürzlich den Intellijel Metropolis Step-Sequencer testen durfte, ging ich an Stillson Hammer MK2 genauso erst mal intuitiv ran. Der wird schon Signale erzeugen, ich drücke mal hier und stecke mal dort … Nein, so intuitiv wie Metropolis ist dieses Teil nicht. Obwohl ich mir eine Menge Fachkenntnis zuschreibe, habe ich es nicht geschafft, ohne Bedienungsanleitung die ersten CV- und Gate-Signale aus dem Modul fließen zu lassen. Das kratzt am Ego.

Industrial Music Electronics Stillson Hammer MK2

Aber nach dem Blick in die Anleitung wird zumindest klar: Das Bedienkonzept ist konsequent durchdacht, WENN man es dann einmal verstanden und erlernt hat. Und DANN fließen die Sequenzen ganz wunderbar. Also zuerst die gewünschte Spur auswählen, dann die entsprechende Parameterseite, dann die Werte mit den Slidern auswählen.

Es gibt die typischen Funktionen wie Länge der Sequenzen, Länge der Gates, Laufrichtung, Clock Dividing, Slide, Quantisierung etc., was von einem ausgewachsenen Sequencer erwartet wird.

Industrial Music Electronics Stillson Hammer MK2

Der große Nachteil bei diesem Sequencer: Alle Spuren teilen sich die 16 Slider. Sobald eine Spur gewechselt wird, stimmen die Slider-Positionen natürlich nicht mehr mit der Spur überein. „What you see isn’t what you get.“ Zur Hilfe kann einem hier das Display kommen, denn jeder Reglerwert kann hierüber angezeigt werden. Dies geschieht numerisch, quantisiert (in Form der Tonhöhe) oder auch als Spannungswert.

Aber auch das Display hilft lediglich mit kryptischen Informationen weiter. Man muss sich also intensiv mit dem Modul auseinandersetzen, um die Funktionen und die Arbeitsweise zu verinnerlichen.

Es gibt ein paar schöne Shortcuts, um die Arbeit mit den verschiedenen Spuren zu erleichtern. Zum Beispiel können alle 16 Werte per Shortcut den Wert von Slider 1 einnehmen, ohne alle Regler in dieselbe Position bewegen zu müssen.

Insgesamt stehen 32 Speicherplätze für Sequenzen mitsamt Parametern zur Verfügung.

Industrial Music Electronics Stillson Hammer MK2

Spaß macht die Randomize-Funktion, falls einem die Inspiration ausgeht.  Hier kann der eine oder andere Zufall helfen, eine Melodielinie oder einen Rhythm-Track zu kreieren.

Vieles geht an diesem Sequencer „on the fly“: Einzelne Spuren muten, Transportfunktionen per Gate steuern, Parameter wechseln und neue Werte eingeben etc. Mit Stillson Hammer MK2 bekommt man ein echtes Arbeitspferd, sowohl für Live als auch für den Studioeinsatz.

Fazit

Industrial Music Electronics Stillson Hammer MK2 ist ein echtes Arbeitstier unter den Eurorack Sequencern. Mit seinen umfangreichen Funktionen und Anschlüssen sorgt es als Takt- und Musikzentrale mit seinen vier Spuren für viel Spaß und Abwechslung. Jede Spur für sich kann ganz individuell und unabhängig voneinander betrieben werden.

Was zu Beginn stört, ist die Einarbeitung in das Bedienkonzept, denn intuitiv lässt sich das Modul zunächst nicht unbedingt bedienen. Das Display hilft da auch nicht weiter. Hier muss etwas Zeit und Lerneifer investiert werden, um den vollen Umfang an Möglichkeiten griffsicher zu beherrschen. Zudem verliert man schnell den Überblick, welche Werte für einzelne Spuren und Parameter eingestellt sind, denn die Werte lassen sich an den Reglern nicht so einfach ablesen.

Zudem sind die Anschaffungskosten für das Modul relativ hoch.

Wen das nicht stört, der erhält als Gegenleistung einen starken Sequencer mit viel Potential!

Plus

  • 4 Spuren mit jeweils 16 Steps
  • 16 Slider mit LED-Beleuchtung
  • viele Parameter und Möglichkeiten
  • Transportsteuerung per Gate-Befehlen

Minus

  • Einarbeitungszeit erforderlich
  • wenig informatives Display
  • Unübersichtlichkeit der Spuren
  • relativ hoher Anschaffungspreis

Preis

  • Ladenpreis: 699,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    torpedo  

    durch drücken auf den push encoder lassen sich gesetzte steps jederzeit (auch im laufenden betrieb) anzeigen. auch das display ist eigentlich selbsterklärend, auch noten werden angezeigt , ziemlicher luxus, was daran unübersichtlich sein soll, verstehe ich nicht so recht.
    was ihn aber richtig gut macht :
    das timing ist sehrsehr gut, auch beim umschalten der patterns. pattern-chaining ist auch super tight und recht clever gelöst.
    dann durch shift+cv kann man auswählen ob sich cv nach den gates richtet oder nicht.
    random und slide klingen sehr musikalisch !
    mit den cv ausgängen lassen sich auch module triggern, und im richtigen mode sind sie unabhängig von den gates,dadruch bekommt man quasi einen 8 kanal trigger sequenzer.
    die ratchets klingen auch musikalisch.
    dann ist quantisiert (viele verschieden scales, major u. minor) und unquantisiertes cv möglich! das transponieren geht auch in echtzeit.
    pui, also für das gebotene geht der preis dann auch in ordnung.
    einzig was mir gerade auf die nerven geht ist, das ich die controllers noch nicht so recht zum laufen bekomme.. mal gucken

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