Profi-Delay fürs Eurorack
Intellijel Sealegs ist ein umfangreich ausgestattetes Delay-Modul für das Eurorack des bekannten, führenden kanadischen Modulherstellers Intellijel. Das Modul ist zwar bereits vor einiger Zeit erschienen, doch kam ich erst vor Kurzem damit in Berührung und fand einerseits Gefallen am Klang, stellte andererseits aber auch fest, dass es mit einigen Features ausgestattet ist, die ich bislang im Eurorack-Bereich noch nicht entdeckt hatte. Hier vorgestellt wurde es bisher ebenfalls nicht, das hole ich nun nach. Zudem erschien kürzlich ein Firmware-Update auf Version 1.3.
- Drei Delay-Modi: Tape, BBD und Digital bieten unterschiedliche Klangcharaktere – von warm und verrauscht bis klar und präzise.
- Hochwertige Klangformung: Separate HP-/LP-Filter, ein Color-Regler und Drive ermöglichen flexible klangliche Gestaltung.
- Modulation & Routing: Umfangreiche CV-Modulationsmöglichkeiten, Stereomodi, Cross-Feedbacks und ein positionierbarer Hall.
- Exzellente Bedienung: Acht Fader, neun Attenuverter, fünf große Regler und logische Menüführung machen Sealegs besonders praxisnah.
Inhaltsverzeichnis
Intellijel Sealegs Eurorack Delay
Sealegs bedeutet auf Deutsch sinngemäß: seetauglich sein, (auf See) standfest werden oder sich an schwankende Bedingungen gewöhnen. Für ein Delay bedeutet das nach meiner Interpretation vielleicht auch so etwas wie „Kontrolle“. Diese zu behalten, ist nach meiner Erfahrung bei vielen Delay-Modulen nicht ganz so einfach.
Delay- und Echo-Effekte arbeiten mit Feedback und Delay-Zeiten, beides gilt es richtig einzustellen. Änderungen an Delay-Zeiten führen oft zu Pitch-Effekten, die gewünscht sein können oder auch nicht. Bei Feedback-Einstellungen liegt die Kunst oft darin, Echos nicht zu kurz ausklingen zu lassen, andererseits aber auch zu verhindern, dass Feedbacks aus dem Ruder laufen. Intellijel ist bekannt für gut durchdachte Werkzeuge. Ich durfte für AMAZONA.de bereits Atlantix und Multigrain (Link: hier) testen – die Erwartungen an Sealegs sind dementsprechend hoch.
Sealegs Basics
Sealegs ist ein digital arbeitendes Echo- bzw. Delay-Effektgerät mit umfangreicher Ausstattung, das in echtem Stereo (True Stereo) funktioniert und sich sehr gut bedienen lässt. Acht Parameter – Time, Width (bzw. Left/Right oder Time und Time-Offset für Delay 2), Feedback, Modulation Rate & Depth, Color, HPF und LPF – lassen sich über acht Fader (Slider) steuern. Man regelt also einerseits die Delay-Einstellungen, andererseits die Modulationen und darüber hinaus den „Charakter“ des Effekts. CV-Modulationen sind für alle acht Parameter möglich und über acht weitere kleine Drehregler (Attenuverter) darüber skalierbar und invertierbar.
Darunter befinden sich fünf große Drehregler, die verschiedene Funktionen übernehmen können. Dazu gehören Verzerrungs-, Noise- und Modulationsoptionen sowie die Regelung eines Hallanteils („Fog“), der sich variabel im Signalfluss platzieren lässt. Außerdem kann zwischen drei „modellierten“ Delay-Modi (Tape, BBD, Digital) mit unterschiedlichen Klangeigenschaften gewählt werden. Auch verschiedene Zeitbereiche (von langen bis zu kurzen Delays) und Stereo-Modi sind einstellbar. Mit der Freeze-Taste lässt sich das Delay einfrieren, wenn man sie kurz drückt. Bei längerem Drücken fungiert sie als ALT-Taste, um Zweitfunktionen wie Noise Type, Fog Decay und Cross-Feedback zu aktivieren.
Sealegs ist in meinen Augen ein klassisches Tape-Delay: Bei solchen Delays wird typischerweise ein einzelnes verzögertes Signal immer wieder neu eingespeist, sodass gleichmäßige Echos entstehen. Im Gegensatz dazu gibt es auch Multitap-Delays, die Echos mit unregelmäßigen Abständen erlauben. Ich unterscheide vereinfacht zwischen Tape- und Tap-Delays, um die Beschreibung und Kategorisierung zu erleichtern – auch wenn es natürlich auch Tape-Echos mit mehreren Tonköpfen und komplexen Echo-Strukturen gibt.
Details und Praxis, Teil 1
Soweit der grobe Überblick, nun ins Detail: Sealegs bringt so ziemlich alle Feinjustageoptionen mit, die man von den besten Delay-Plug-ins im klassischen Tape-Delay-Stil kennt. Übrigens: Bei meinen Praxisbeispielen verwende ich Sounds aus Intellijels Multigrain.
Zuvorderst zu nennen sind für mich die beiden völlig frei und separat voneinander regelbaren Filter (1× High-Pass, 1× Low-Pass), mit denen sich Echos bzw. Feedbacks klanglich ganz gezielt formen und bändigen lassen.
An zweiter Stelle steht ein „Width“-Regler im T/W- (Time/Width) Modus zur Einstellung der Stereobreite. Besonders wenn eine Vintage-Ästhetik gewünscht ist, klingen Echos in Mono meiner Meinung nach oft passender. Umgekehrt möchte man manchmal mächtigere Effekte und mehr Stereobreite. Mit dem Width-Regler lässt sich dies stufenlos und ganz nach Wunsch einstellen. Schaut man genauer hin, regeln die beiden linken Fader jedoch nur dann Time und Width, wenn der kleine Schalter für den Stereo-Modus darunter entsprechend gesetzt ist.
Die drei umschaltbaren Stereo-Modi für die Fader Time/Width sind nicht unbedingt selbsterklärend. Zwar kann man vermuten, dass „T/W“ für Time und Width sowie „L/R“ für Links und Rechts steht – hinter „Pong“ hätte ich jedoch eher einen klassischen Ping-Pong-Modus vermutet. Stattdessen werden im Pong-Modus die beiden Eingänge mono summiert und zwei Delays hintereinander geschaltet – mit der Möglichkeit, für Delay 2 eine zusätzliche Offset-Zeit einzustellen.
Sehr versteckt ist zudem eine ALT-FB-Cross-Option, die in den Stereo-Modi jeweils eine andere Funktion übernimmt und typischerweise entweder die Kanäle oder die Reihenfolge der Delay-Instanzen vertauscht.

Intellijel Sealegs: In der Detailansicht sieht man die ALT-Optionen und auch die als Modulationsquelle auswählbaren Schwingungsformen
Ein besonderes Merkmal von Intellijel Sealegs sind die drei Delay-Modi: Tape, BBD und Digital. BBD emuliert sogenannte Bucket-Brigade-Delays. Ein Bucket-Brigade-Delay (BBD) ist ein analoges Verzögerungssystem, bei dem ein Audiosignal per Clock schrittweise durch eine Kette von Kondensatoren weitergereicht wird. Dieser Prozess führt typischerweise zu Bandbreitenverlust, erhöhtem Rauschen und zunehmend dunkler werdenden Wiederholungen – und genau das emuliert Sealegs sehr gut.
Nur im Digital-Modus bewirken Änderungen der Time-Einstellung keine Pitch-Effekte. In den BBD- und Tape-Modi klangen die Echos im Test jeweils etwas dumpfer (besonders im letztgenannten Fall), wobei zu beachten ist, dass der Color-Regler je nach gewähltem Modus unterschiedliche Funktionen übernimmt. Die Unterscheidung, dass die drei Delay-Modi – Digital, BBD und Tape – in dieser Reihenfolge jeweils etwas dunkler klingen, gilt zunächst bei heruntergedrehtem Color-Regler. Bei aufgedrehtem Color-Regler werden im Digital-Modus Bitcrushing, im Tape-Modus Wow & Flutter und schließlich im BBD-Modus typische Artefakte erzeugt, die eher wie Rauschen klingen.
Insgesamt klingen alle drei Varianten für meinen Geschmack gut und interessant. In den folgenden drei Beispielen ist jeweils zunächst das trockene Signal zu hören, im Verlauf wird ein Echo-Effekt in einem der drei Modi hinzugemischt und anschließend der Color-Regler aufgedreht.
Die Delay-Längen bleiben in allen Modi gleich. Allgemein lassen sich drei Delay-Zeitbereiche wählen: S, M und L. Resonierende Feedbacks im hörbaren Audiofrequenzbereich lassen sich mit besonders kurzen Delay-Zeiten einstellen. Diese beherrscht Sealegs im S- (Short-) Modus mit Zeiten von 3,125 bis ca. 93 ms, im Medium-Modus mit 50 ms bis 1,5 Sekunden und im L-Modus mit 200 ms bis 6 Sekunden. Natürlich können die Zeiten auch synchronisiert werden und stehen dann für unterschiedliche Notenlängen zur Verfügung.
Die folgenden Beispiele demonstrieren einerseits die Unterschiede der drei Stereo-Modi. In den meisten davon, etwa im zweiten („T/W various“ mit verschiedenen Delay-Modeling-Methoden) und im dritten („L+R+Digital…“), verändere ich zwischendurch auch die Delay-Zeit bis hin zur jeweils kürzesten möglichen Einstellung
Praxis und Details, Teil 2
Im Modulator-Bereich gibt es verschiedene Einstellungen, um knacksfreie Modulationen durchzuführen. Neben mehreren Schwingungsformen stehen auch Sample & Hold, zwei Envelope-Follower-Modi, Wow & Flutter sowie ein Low-Frequency-Vacillator zur Verfügung, der fließend veränderliche, aber nicht wiederholbare Spannungsverläufe erzeugt. Der zugehörige Regler ist stufenlos drehbar.
Im Sync-Modus wird die Modulation bzw. Schwingungsform sinnvoll an Tempounterteilungen angepasst, Mod-Sync ist dabei separat von Delay -ync aktivierbar (siehe Bild oben). Der Mod-Bereich moduliert standardmäßig den Parameter Time/L. Die hier erzeugte Modulation kann über den Mod-Out auch abgegriffen und z. B. in den Aux-CV-In eingespeist werden, um andere Ziele anzusteuern. Der Aux-CV-Input verfügt über einen eigenen Attenuverter und kann wahlweise die Parameter Drive, Noise, Mod, Fog oder Mix modulieren. Der Mod-Out gibt die Modulation stets in voller Intensität aus, während sich mit dem Mod-Depth-Regler die interne (Time-) Modulation skalieren und bei Bedarf auf eine neutrale Einstellung zurückführen lässt.
Das nächste Beispiel wurde im Digital-Modus aufgenommen. Änderungen der Width oder das Hinzufügen von Modulation bewirkten im Test auch hier eine Art Pitch-Effekt.
Hier folgen weitere Beispiele mit Anwendung des BBD-Modells, das mir klanglich besonders gut gefällt, inklusive eines längeren Halls zwischendurch sowie der Tape-Einstellung als Delay-Modell. Im letzten Beispiel ist gegen Ende zu hören, dass Änderungen der Delay-Zeit im BBD-Modus im Test Pitch-Effekte erzeugten, die jedoch in Bezug auf mögliche Tonhöhen chromatisch quantisiert wirkten. (Anmerkung: Ein nachgelagerter Audioscape Eurobuss-Kompressor fängt Pegelspitzen ab.)
Der Fog-Hall lässt sich an verschiedenen Stellen im Routing positionieren. Die Optionen heißen IN, DLY und MIX. Bemerkenswert ist hierbei, dass der Hall in der MIX-Stellung auch bei ganz nach links gedrehtem Mix-Regler hörbar bleibt, so lässt sich Intellijel Sealegs bei Bedarf auch als reiner Hall ohne Delay einsetzen. Die Lautstärke des Fog-Halls wird über einen dedizierten Regler gesteuert, der im ALT-Modus zudem die Länge des Reverbs bestimmt. Diese Option erweitert die klangliche Variabilität deutlich, der Hall kann nun auch sehr mächtig ausfallen, was mir klanglich besonders für Ambiences gut gefiel.
Hätte ich noch einen Wunsch frei, so wäre es ein interner Kompressor. Doch bei hochgedrehten Drive- und Feedback-Reglern im Digital-Modus klang es im Test (diesmal ohne nachgelagerten Eurobuss-Kompressor) fast so, als sei ein solcher bereits aktiv (siehe unten). Ausufernde Feedbacks scheinen hier einigermaßen begrenzt zu werden, was natürlich stets auch von den Lautstärkeeinstellungen nachfolgender Peripheriegeräte abhängt.
Firmware-Upgrades
Mit verschiedenen Firmware-Updates wurden Verbesserungen und neue Zusatzoptionen eingeführt, etwa eine Konfigurationsmöglichkeit als reiner Send-Effekt oder die Option, auch die Position des Drive-Reglers im Routing zu verschieben (mithilfe des für das Hall-Routing vorgesehenen Switch, bei gehaltener ALT-Taste). Auch ein eventuelles Knacksen beim „Freezing“ wurde reduziert.
Im November erschien Firmware 1.3.1. Dabei wurde unter anderem die Dichte der „Crackle“-Option verringert und das Rauschen im „Hiss“-Modus ertönt nun in Stereo.
Ich bin kein großer Fan von zu lautem Knistern, gleichwohl ist man selbst schuld, wenn man dieses mit dem Noise-Regler zu stark aufdreht. Während ich das alte Knistern zwar etwas zu penetrant, jedoch als leise hinzugefügtes Klanggewürz in Ordnung fand, erklingt das neue für meinen Geschmack fast zu sporadisch. Außerdem sorgt der Drive-Regler nun für eine etwas heller klingende Verzerrung, der alte Modus lässt sich bei Bedarf optional wiederherstellen.
Konkurrenz und Sonstiges
Anderswo findet man statt separater Filter lediglich einen einzelnen Color-Regler (z. B. beim Make Noise Mimeophon), eine Kombination aus Low-Cut und Tape-Age-Option ohne Hi-Cut (Strymon Magneto) oder die Möglichkeit, Filter extern einzuspeisen (bei Alright Devices Chronoblob, Strymon Magneto oder Make Noise Echophon). Solche externen Verkabelungen sind vor allem in Stereo jedoch nicht ganz leicht zu realisieren. Die Filter-Option empfinde ich daher bei Intellijel Sealegs als besonders hervorstechendes Merkmal, zumal mit Drive und Color zusätzliche Möglichkeiten der Klangfärbung gegeben sind.
Strymon Magneto benötigt 28 HP und damit 8 HP mehr Platz, bietet komplexere, aber nicht ganz so leicht bedienbare Optionen sowie ebenfalls einen integrierten Hall und zusätzlich eine Looper-Funktion. In Sealegs gefallen mir Klang und Einstellmöglichkeiten des Halls sogar noch etwas besser.
Intellijel Sealegs ist eher ein dediziertes Delay – die Einstellungen für Delay-Zeit und Feedback-Filter sind hier präziser und selbsterklärender. Das gilt auch im Vergleich mit dem Mimeophon (16 HP), das mit dem „Zone“-Regler immerhin fließende Übergänge zwischen Modi mit kurzen und langen Delay-Zeiten erlaubt.
Auch das digitale Knobula Echo Cinematic Delay-Modul bietet verschiedene Delay-Modi und einen integrierten Hall mit variabler Länge, kommt aber mit nur 12 HP aus – also 8 HP weniger. Die Filteroptionen sind zwar umfangreich (z. B. inklusive Comb-Filter), aber nicht ganz so stringent zu bedienen. Hinzu kommt ein cleverer Dry/Wet-Modus, der Dub-Mixtechniken nachempfunden ist: Der Dry-Anteil bleibt in der ersten Hälfte des Regelwegs des Dry-Effekt-Reglers unverändert laut, während man den Effekt dazumischt. Außerdem ist ein Knob-Recorder integriert.
Eine weitere Alternative ist Qu-Bits Nautilus. Dieses 14-HP-Modul kommt mit weniger Platz aus und bietet bis zu acht Delay-Lines, dazu Filter-, Bitcrushing-, Freeze- und Reverse-Optionen.
Auch Joranalogue Audio Design Delay 1 und 4ms Tapographic Delay sind interessante Eurorack-Delays, verfügen im Gegensatz zu den oben genannten Beispielen aber nur über Mono-Eingänge.
Hier noch ein ergänzendes Video:
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

































Sehr gutes Gerät und ebensolchen Test, danke Heiner Kruse.
Da komm ich wohl gar nicht darum herum ….
Da hoffe ich doch auf einen unerwarteten hohen Gewinn meines Krypto-Bot’s.
Gibt Amazona auch Kredite oder du persönlich Heiner Kruse ?
@masterBlasterFX danke, freut mich. Über Krypto-Bot Spenden freu ich mich auch ;-) (davon habe ich bislang leider keine)
@Heiner Kruse (TGM) Kryptos sind risikoreich und kaum zu empfehlen.
KryptoBots kann man vielseitig konfigurieren and handeln dann selbstständig.
Das ist etwas für Freaks, aber interessant.
Bei Gewinn machts gierig, bei Verlust depressiv.
Um Kryptos zu empfangen bräuchtest du oder Amazona eine Wallet.
Besser in was handfestes wie Gear von Intellijel Designs investieren, wenn mal Geld übrig ist.
Bin mit dem Metropolix extrem zufrieden, das Rack hat noch viel Platz und wächst gemütlich.
Hoffentlich findet der Sealegs den Weg in dieses.