Lohnt sich das Upgrade für Audio-Restaurierung und Mixing?
Bei iZotope RX 12 handelt es sich um eine Audio-Restaurations-Software, die unterschiedlichste Tools zur Bearbeitung, für die Reparatur, Editierung und Restauration von Audiosignalen bietet. Passend zur Superbooth 26 wurde die neue Version RX 12 vorgestellt und ebenso rechtzeitig zur Superbooth ist auch das Schicksal des Mutterkonzerns Native Instruments geklärt: inMusic springt ein – mal sehen, was kommt. Somit hat man das RX12 Update (ob gewollt oder nicht) zu einem ikonischen Zeitpunkt platziert. Ist das Update auch ikonisch? Wir werfen einen Blick darauf.
Was ist es? iZotope RX 12 ist eine Audio-Restaurationssoftware von iZotope, die umfangreiche Werkzeuge zur Bearbeitung, Reparatur, Editierung und Restauration von Audiosignalen bietet.
- Stem-View: Überarbeitete Darstellung zur parallelen Bearbeitung und Wiedergabe von Stems in einer gemeinsamen Ansicht.
- Neue Funktionen: Scene Rebalance, verbessertes Breath Control sowie überarbeitetes De-bleed für Musikproduktion.
- Workflow: Trim Silence und optimierte Tools beschleunigen insbesondere die Bearbeitung von Sprachaufnahmen.
- Update: Dialogue Isolate hat ein starkes Update erhalten.
- Fazit: Leistungsstarkes Update mit vielen Verbesserungen, allerdings weiterhin eingeschränktem ARA-Support.
Inhaltsverzeichnis
Der erste Eindruck von iZotope RX 12
Die Installation von iZotope RX 12 läuft geräuschlos und wie von iZotope gewohnt. Der Installer bringt die neue iZotope RX 12 Software auf den Studiorechner – ab Windows 10 (22H2), Windows 11 (24H2) sowie ab macOS Sonoma (14.7) aufwärts seid ihr mit dabei (iZotope gibt für den Mac folgende Betriebssysteme konkret an: macOS Sonoma (14.7), macOS Sequoia (15.7), macOS Tahoe (26.2)).
Apple Silicon sowie Intel-Macs werden nativ unterstützt. Als Plug-in-Schnittstellen werden AU, AAX, VST3 sowie ARA in ausgewählten Systemen (dazu später mehr) unterstützt.
Der erste Programmstart offenbart keine grundlegenden Neuerungen: Das altvertraute Nutzer-Interface erwartet uns in iZotope RX 12, zumindest fast.
An der rechten Seite docken – wie gewohnt – die Werkzeuge bzw. Plug-ins an. Darunter ist die History der durchgeführten Arbeitsschritte ersichtlich. Das ist nicht neu. Neu ist, dass die Höhe dieser History veränderbar ist, um besser sehen zu können, was genau mit der Audiodatei gemacht wurde. Auch neu ist die Option, die Werkzeuge zu durchsuchen, um so schneller das Gewünschte zu finden, sehr gut.
Ob der optionale Lautstärkeregler oben rechts zwingend notwendig gewesen ist, kommt auf den jeweiligen bzw. den eigenen Workflow an, jedenfalls ist dieser jetzt mit dabei. So kann der Abhörpegel in RX 12 bequem unabhängig vom Pegel der Studiomonitore geregelt werden. Das ist für alle interessant, die RX als externen Editor in Cubase, WaveLab usw. oder via ARA nutzen, und den Abhörpegel als gesamtes nicht anfassen wollen, praktisch.
iZotope RX 12: Stem by Stem
Der Stem View/Stem-Split ist bei allen Modulen, die einen solchen bieten, in iZotope RX 12 neu gemacht und er unterscheidet sich klar von der Vorgängerversion.
Der neue Stem View (der in der Standard- und Advanced-Version zur Verfügung steht) stapelt die Stems übereinander und legt diese nicht (mehr) in einzelnen Tabs ab. Somit lassen sich die einzelnen Stems – wie Spuren einer Mehrspuraufnahme – parallel abspielen und miteinander vergleichen. Sicher einer der größten Vorteile an dieser Lösung ist, dass nun auf die Stems sehr bequem die anderen Werkzeuge angewendet werden können und dabei der akustische Kontext im Blick bleibt – auch sehr gut.
Evtl. spürt iZotope die Konkurrenz von Steinberg deutlicher, als man bereit wäre zuzugeben. Jedenfalls ist diese Art, die Stem-Separation darzustellen, deutlich gelungener, da hier alle Teile auf einmal zu sehen sind und auch gemeinsam komfortabel abgespielt werden können – ähnlich wie in Spectral Layers. Gut (nach-) gemacht iZotope.
Rebalancierte Szene in iZotope RX 12
Module/Plug-ins die im Namen Rebalance haben, sind bei iZotope RX 12 alles andere als neu. Mit Scene Rebalance ist allerdings ein neues Modul hinzu gekommen, das es erlaubt, in Film- (und Hörspiel-) Szenen die Mischung nachträglich zu verändern. Das Tool erkennt in der Tonspur Stimmen, Musik und „Effects“ (quasi den „Rest“) getrennt und erlaubt es somit, das Mischungsverhältnis dieser Komponenten neu in Beziehung zu setzen.
Wenn es darum geht leichte Korrekturen vorzunehmen, wie beispielsweise den Dialog um ein paar dB anzuheben oder abzusenken, funktioniert Scene Rebalance wirklich sehr gut. In der absoluten Mehrheit der Fälle sind Artefakte nicht auffällig oder verschmerzbar.
Im Test sind tatsächlich kaum solche Artefakte aufgetreten, aber das ist sehr vom Material abhängig. Erfahrungsgemäß ist „nehmen seeliger denn geben“. Gemeint ist, dass meist mehr abgesenkt werden kann, bis Artefakte (merklich) auftreten als wenn verstärkt (oder freigestellt) wird. Der neue Stem View ist für Scene Rebalance natürlich verfügbar.
In der Summe ist Scene Rebalance ein gelungenes Tool, das leicht verbogene Mischungen retten kann, neue Mischungen erst ermöglicht oder den Zusammenschnitt für einen Programm-Trailer stark vereinfacht. Gerade bei älteren Filmen und Hörspielen liegen oft nur noch die finalen Mischungen vor, keine Einzelspuren (außer, diese würden mühsam rekonstruiert werden).
Anmerkung: Scene Rebalance kann nur mit Stereo-Files umgehen, Surround in 5.1 und andere Formate werden leider nicht unterstützt
Automatisch geschnitten mit iZotope RX 12
Wer viele Sprachaufnahmen schneidet, beispielsweise von Interviews oder Vorträgen, kennt das Problem der zu langen Lücken zwischen einzelnen Textteilen. Das kann dann auch mal in langwierige Schnitt-Sessions ausarten.
Hier setzt die Funktion Trim Silence an. Es wird Stille in der Aufnahme erkannt und nach Vorgaben gekürzt. Diese Funktion (die nur in der Advanced-Version zu finden ist) ist ein echter Timesaver. Das Werkzeug funktioniert ähnlich ein Noise-Gate. Es wird ein Threshold definiert, unterhalb dessen der Audioabschnitt als Stille gewertet wird. Der Postroll definiert eine Art „Release-Zeit“, mit Silence wird eine Mindeststillezeit definiert, so dass nicht jede Millisekunde Stille gleich herausgeschnitten wird und der Parameter Crossfade sollte selbsterklärend sein.
Im Test funktioniert das Tool sehr gut. Es tat, was es sollte, und schneidet Stille aus den Aufnahmen heraus. Das dieser Schnitt selbstverständlich keiner Dramaturgie folgt, sollte klar sein: es kann durchaus sehr mechanisch oder unnatürlich klingen.
Machine-Learning scheint hier nicht genutzt zu werden. Schade, evtl. könnte der Schnitt dann etwas natürlicher klingen. Kurz und gut: Für den Sprachschnitt ist das eine echte Hilfe.
Neu gebaut oder Atemkontrolle in iZotope RX 12
Breath-Control soll in iZotope RX 12 Atemgeräusche reduzieren. Dieses Werkzeug ist schon eine Weile im Programmpaket enthalten und ich habe am Anfang meiner RX-Nutzerschaft oft Gebrauch davon gemacht. Für Gesang und kleinere Sprachaufnahmen funktionierte das Tool für mich gut genug. Zwar wurden nicht alle Atemgeräusche richtig erkannt, aber es gab zunächst kein „False Positives“.
Als sich mein Nutzungsprofil zu sehr viel Sprachaufnahmen erweitert hatte, änderte sich der Eindruck. Manche Laute, die keine Atemgeräusche waren, wurden vom Plug-in als solche erkannt und abgesenkt. Das Ergebnis waren teilweise unverständliche und seltsam anmutende Texte. Also habe ich das Plug-in wieder aus der Chain entfernt und allzu schlimme Atemgeräusche händisch bearbeitet.
Mit dem Neubau dieser Funktion in iZotope RX 12 ändert sich die Sachlage allerdings deutlich. Das neue Breath Control ist um Längen besser und hat auch bei einer ordentlichen Anzahl von Sprachminuten kein „False Positive“ produziert. Zwar werden immer noch ein paar Atemgeräusche nicht erkannt, aber das ist zu verschmerzen. Besser so, als anders herum. Klare Ansage: Das Werkzeug tut zuverlässig das, was wir von ihm erwarten, sehr gut.
Auch die De-bleed-Funktion wurde stark überarbeitet. De-bleed soll das Übersprechen bei der Aufnahme mit dem Mikrofon reduzieren und im besten Falle entfernen.
Wenn bspw. der Kopfhörer von der Sängerin so laut tönt, dass davon erhebliche Signalanteile in das Mikrofon übersprechen, kann das ordentlich die Aufnahme versauen und das Bearbeiten und Mischen erschweren, im schlimmsten Falle sogar verunmöglichen. Ähnliches passiert, wenn bei einem Live-Mitschnitt bspw. der Bühnensound so laut ist, dass die Signale in den Mikrofonen nicht isoliert genug für eine Mischung vorliegen.
Ich habe De-bleed bisher wenig genutzt, da immer Referenzen für das zu bereinigende Signal vorhanden sein mussten, damit das Tool weiß („lernt“), was Nutzsignal und was Störsignal ist. Das ist für eine zeitsparende Anwendung viel zu aufwändig.
Die neue Version kommt nun auch ohne Referenzsignal aus. Das erleichtert das Handling enorm und macht die Anwendung niederschwelliger.
Selbstverständlich sollte bei Aufnahmen darauf geachtet werden, dass das Übersprechen sich „in Grenzen“ hält, aber für den Fall der Fälle steht De-bleeb in iZotope RX12 gewähr bei Fuß. Je nach Ausgangsmaterial macht das Werkzeug einen guten bis sehr guten Job. Drauf verlassen sollten wir uns indes nicht und wirklich bei der Aufnahme alle Vorsicht walten lassen. In unserem Beispiel hier habe ich die Situation bewusst etwas übertrieben.
iZotope RX 12: Music Rebalance
Die verschiedenen Tools zum Entmischen von Musik liefern sich von Generation zu Generation ein kleines Wettrüsten. Steinberg Spectral Layers hat bspw. bei der Musikentmischung gleich mal die Anzahl der differenzierbaren Instrumente hochgeschraubt. iZotope RX 12 legt den Fokus eher auf das Separieren der Basis-Stems: Stimme, Bass, Drums und Rest. Welcher Ansatz besser ist, ist eine Frage des Ausgangsmaterials, des Usecases und nicht zuletzt des eigenen Anspruchs.
Klar ist, dass sich Music Rebalance nochmal etwas verbessert hat bei der Erkennung, dem erweiterten Trainingsdatensatz sei Dank. Mit der neuen Stem-Split/Stem View-Funktion weht einmal mehr ein Hauch von „Spectral Layers“ im neuen RX 12.
Dialogue Isolate soll Dialoge in O-Tönen freistellen und Hall sowie Nebengeräusche reduzieren. Das bietet dieses Werkzeug nicht erst seit iZotope RX 12.
Dabei hat Dialogue Isolate – je nach Ausgangsmaterial – schon durchaus am Anfang sehr überzeugen können. Mittlerweile lässt sich natürlich auch der Dialog mit dem Stem-Split komfortabel zerlegen.
Ähnlich wie Music Rebalance und Scene Rebalance hängt das Ergebnis erheblich vom Ausgangsmaterial ab. Da hier wirklich „nur“ die Sprache übrig bleiben soll, ist diese Korrelation zwischen Beschaffenheit des Ausgangsmaterials und der gelieferten Qualität nochmal deutlicher.
Für viele Situationen macht Dialogue Isolate eine gute bis sehr gute Figur. Dadurch dass durch den Stem-Split auch die komfortable Option zum Hinzumischen des eigentlich entfernten Störsignales ergibt, lassen sich Artefakte sehr gut maskieren.
Was ist mit ARA in iZotope RX 12?
Gemessen an der Tatsache, dass wir 2026 haben und iZotope RX 12 die aktuelle Version ist, mutet es befremdlich an, dass der ARA-Support nur eingeschränkt zur Verfügung steht.
So ist in Cubase/Nuendo aktuell kein ARA mit RX 12 möglich, dafür in Studio One und ProTools – immerhin. Angesichts der Tatsache, dass ARA vor fast 15 Jahren eingeführt wurde und iZotope RX 12 Advanced gutes Geld kostet, ist das nahezu inakzeptabel.

















