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Test: iZotope RX Advanced

4. Februar 2008

Test: iZotope RX

Farbige Nebelschleier ziehen sich wie Schlieren durch die sonst so grauen Landschaften der Tonschaffenden….Keine Angst, wir versuchen an dieser Stelle nicht etwa dem siebten Band von Harry Potter Konkurrenz zu machen. Aber die Firma iZotope bringt ein Audio Restaurationstool auf den Markt, das schon so was wie Klangzauberei verspricht und dabei auch noch mystisch schöne Grafiken auf die TFTs von Windows und Mac Rechnern bringt. Spannung ist auf jeden Fall garantiert bei diesem Programm, denn iZotope gehört zu den am sträflichsten missachteten DSP Schmieden, die schon mehrfach bewiesen hat, erstklassige Algorithmen für die gängigen Probleme der Audiowelt entwickeln zu können. Zum Vergleich empfehle ich die Amazona Tests zu Ozone oder Cakewalk (Timestretch)

- Spektrogramm Ansicht -

– Spektrogramm Ansicht –

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Doch bevor es so weit ist, muss das kleine Tool, der Windows Installer ist gerade einmal 25MB groß, auf die Platte gebracht werden. Der Kopierschutz per Challenge/Response Key schaltet die frei herunterladbare Demo in die RX oder RX advanced Version frei. Dabei kann man am PC entweder die Festplatte, die Windows Registry oder einen iLok Key als Ziel für die Authorisation wählen. Leider schaltet der Registry Kopierschutz am PC nicht den Rechner sondern nur das aktive Benutzerkonto frei. Wer mit eingeschränktem Benutzerkonto arbeitet, sollte hier aufpassen. Ansonsten funktioniert die Freischaltung aber prompt.

Bei digitaler Lieferung per Internet kann es kein gedrucktes Handbuch geben, dass die nur auf englisch vorhandene Dokumentation aber ausschließlich als Help Funktion zur Verfügung steht, finde ich doch etwas schade. Ein pdf-File hätte schon drin sein sollen, zumal RX zwar – soviel vorweg – auch mit Presets gute Dienste leistet, aber nicht jeder Parameter sich direkt erschließt. In der getesteten Windows Version 1.01.170 kommt RX als stand alone Applikation auf die Platte. iZotope ist sich des Workflow-Nachteils aber bewusst und verspricht für den Anfang 2008 Plugin Versionen des Tools, damit man auch aus der bevorzugten DAW heraus restaurieren kann. Diese sollen für bestehende User kostenlos nachgeliefert werden. Momentan muss man aber die gewünschten Audiospuren in das Programm importieren. RX versteht die standard Audioformate .wav, .bwav, .aif, .mp3 sowie Filmdateien als .mov, .avi, .mpeg, .dv, m4v und .wmv. Der Verzicht auf exotische Audioimportformate ist gerechtfertigt, denn RX ist ja kein Audioeditor im eigentlichen Sinne, obwohl sich auch normaler Schnitt mit dem Programm einfach machen ließe. Das bewegte Bild vom Video wird von RX übrigens ignoriert, streng genommen importiert beziehungsweise extrahiert RX also das Audiomaterial vom Videofile.

- Wellenform -

– Wellenform –

- Die Zoom Level sind individuell einstellbar -

– Die Zoom Level sind individuell einstellbar –

Das Hauptfenster von RX nutzt Transparenz als innovatives Feature. Mit dem Slider in der linken Ecke kann man die Wellenform über die Spektrogrammansicht legen. Was im ersten Moment wie eine schöne Spielerei wirkt, ist ein ernstzunehmendes Feature, denn auf diese Weise funktionieren Selektionen im Spektrogramm viel einfacher. Besonders schön: Die Wellenform oder das Spektrogramm können unabhängig voneinander gezoomt werden. So behält man den Überblick auch wenn man auf einer Ebene gerade ganz nah dran ist. Das Editing geht sehr schnell von der Hand, nur bei der Wiedergabe mit stationärem Cursor ruckelt es auf dem recht aktuellen Testrechner leider etwas. Insgesamt wirkt das Interface trotz der starken Kontraste aber funktionell und ist nicht zuletzt aufgrund der sinnvollen Shortcuts leicht und intuitiv zu bedienen. Selektionen der zu bearbeitenden Audiobereiche können mit entsprechenden Tools entweder Zeit, Frequenz oder beides beinhalten. Mehrfachselektionen sind leider in keiner der beiden Dimensionen möglich. Insbesondere eine automatische Selektion harmonischer Obertöne wäre wünschenswert. Die selektierten Bereiche können entweder mit einfachen cut, copy und paste Befehlen genutzt werden oder im Zusammenhang mit den Hauptwerkzeugen im Kampf gegen fünf Audioprobleme unserer Zeit: Übersteuerung, Knistern, Brummen, Rauschen und spektral zu behandelnde Artefakte. Im folgenden werden wir den einzelnen Tools genauer auf den Zahn fühlen.

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DeClipper

Übersteuerungen passieren entweder bei der Aufnahme oder der Bearbeitung von Audiosignalen. Die Ursachen für Übersteuerungen sind daher entweder digitaler oder analoger Natur. Durch Übersteuerungen gehen dem Signal einerseits Dynamikinformation verloren, andererseits werden Frequenzen nicht linear hinzugefügt. Wie immer gilt im Falle von Übersteuerungen im Prinzip, dass ein einmal gemachter Fehler eigentlich nicht mehr zu reparieren ist. Diese traurige Tatsache wird leider auch von RX nicht fundamental auf den Kopf gestellt. Im kleinen sind aber Korrekturen möglich, die ein Signal so sehr retten können, dass es in der Mischung mit anderen Klängen entweder nicht mehr so negativ auffällt oder es sogar solo annehmbar wird. Die Programmierer von iZotope haben hier unglaubliches geleistet. Bis jetzt gab es meines Wissens kein vergleichbar gut klingendes Tool. Eine Übersteuerung war bis jetzt wohl einer der häufigsten irreversiblen Gründe für eine Neuaufnahme. Die Bedienung des Tools ist denkbar einfach. Mit dem Threshold Regler stellt man den Pegel ein, bei dem das Clipping stattfindet und mit Makeup Gain kann man das Signal leiser machen. Durch den Algorithmus wird in das Signal nämlich ein Teil der ursprünglichen Dynamik "zurückgeschätzt". Da diese Signalanteile aber über dem geclippten Pegel liegen würden muss das Signal komplett leiser gerechnet werden. Will man also selektiv an einer übersteuerten Stelle des Signals arbeiten, sollte man auch nur diese Stelle später nutzen, denn sonst wird man am Signal seltsame Lautstärkeschwankungen, wie etwa bei einem pumpenden Compressor feststellen. Der Algorithmus unterscheidet zwischen Singleband, Multiband und Multires Betrieb. Letzterer ist der leider deutlich teureren RX Advanced Version vorbehalten. Der Singleband Betrieb funktionierte aber im Test mit Abstand am besten.

- Vergleich der Settings -

– Vergleich der Settings –

Wenn man sich bei der Einstellung der Parameter übrigens unsicher wird, hat iZotope einen schönen Kniff in petto. Durch Betätigen der "Compare" Schaltfläche werden die Settings abgespeichert und das File temporär gerendert. Nun kann man auch die sonst nicht in Echtzeit möglichen Qualitätsstufen bequem miteinander vergleichen. Das geht übrigens auch in den anderen Tools. Noch etwas schöner wäre es, wenn das Fenster die tatsächlich eingestellten Werte als Defaultname für die Wert wählen würde. Settings 1-x ist leider nicht sehr aussagekräftig, kann aber manuell umbenannt werden.

- Der DeClipper -

– Der DeClipper –

DeClicker
Die Hauptursache für durch Knistern ruinierte Aufnahmen sind Schallplatten. Glücklicherweise nimmt dieses Problem aber in der Audiobrache stetig ab. Darüber hinaus gibt es schon recht lange akzeptable DeClicker auf dem Markt. Das große Problem bei Entknisterwerkzeugen sind aber die Transienten, d.h. die kurzen Signale mit schneller Einschwingzeit. Nimmt man dem Signal diese zu stark weg, verwischt es unangenehm, lässt man zu viele Anteile im Signal, erzielt man nicht die gewünschte Wirkung. RX hat einige sehr gut funktionierende Presets, die normale Probleme durch Knistern effektiv beheben. Als Parameter finden sich hier die Qualität, die Länge der Klicks und ein Sensitivity Regler, der die Stärke der Bearbeitung angibt. Gelungen ist die Möglichkeit, sich mit "output clicks only" zu vergewissern, dass nicht zu viel Nutzsignal mit in den herauszurechnenden Klicks liegt. Hat man es mit einzelnen, besonders bösartigen Clicks zu tun, wie sie etwa durch digitale Fehler oder Schmatzer verursacht werden können, bietet RX Advanced die Möglichkeit, diesen nach Selektion in der Wellenform mit einer speziellen Operation zu Leibe zu rücken. Das Programm berechnet dann aus einer zu bestimmenden Anzahl an angrenzenden Samples einen möglichen Verlauf der Wellenform. Das funktioniert in der Praxis zum Teil so gut, dass die Bearbeitung einfach nicht mehr von einem nicht betroffenen Audiosignal zu unterscheiden ist.

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