Test: Jackson Dinky Pro DK3 Ash, E-Gitarre

6. Juni 2017

Eschebrett für Highspeed-Shred

Die US-Firma Jackson war von Anfang an ganz vorne mit dabei, als in den schrillen 80er Jahren die Kategorie „Superstrat“ ihren Weg in die Musikläden antrat und das bisherige Gitarrensortiment vorübergehend auf die hinteren Ränge verwies. Diesen Weg geht man bis heute konsequent weiter und präsentiert jetzt die Jackson Dinky Pro DK3 Ash für alle Freunde des „gepflegten Shred“. Ausgestattet mit Seymour Duncan Pickups und einem Original USA Floyd Rose System scheinen die Voraussetzungen gut, um nach wie vor ein Wörtchen im Kampf um die Pole-Position als angesagte Metalgitarre mitreden zu können. Lassen wir das „Shred-Brett“ also mal von der Leine!

Facts & Features

Der Korpus unserer Dinky Pro – wie frisch aus dem Wald gepflückt

Der Name der Gitarre verrät es schon: Der Korpus der Dinky Pro DK3 Ash besteht aus Esche. Erfreulicherweise sogar aus einem einteiligen Stück, denn durch die nur satinierte Oberfläche ist die wunderbar kräftige Struktur des verwendeten Holzes praktisch wie auf dem Seziertisch zu erkennen und wahrhaftig findet sich in keinem Bereich irgendeine Schnittkante bzw. Verleimung. Die Fräsungen des Korpus wurden allesamt sehr sauber ausgeführt, dazu zählen das Shaping an Vorder- und Rückseite und die beiden großzügig ausgeschnittenen Cutaways genau so wie auch die Aussparungen für die drei Tonabnehmer oder der wunderbar ergonomisch gestaltete Hals-Korpus-Übergang.

Auch im Detail wurde an vieles gedacht, so sind etwa die beiden Kunststoffdeckel auf der Rückseite für das Elektronik- und Vibratofach versenkt eingesetzt, was ein Verhaken der Gitarre an der Gürtelschnalle des Metallers nahezu ausschließt und so für eine „reibungslose“ Performance mit der Dinky Pro DK3 Ash sorgt.

— Die Rückseite der Jackson Dinky Pro DK3 Ash —

Der Hals der Jackson Dinky Pro DK3 Ash

Der besteht aus Ahorn, im Gegensatz zum einteiligen Korpus wurde aber hier die Kopfplatte separat angeleimt. Seine Rückseite wurde nur leicht satiniert und bietet daher ein wunderbar natürliches Spielgefühl, was durch das sehr schlanke Halsprofil noch unterstützt wird. Das aufgeleimte Ebenholzgriffbrett zeigt sich von guter Qualität und besitzt einen „Compound Radius“, was bedeutet, dass sich dessen Querschnitt von 304,8 mm am Sattel hin zu 406,4 mm am letzten, dem 24. Bund, verjüngt. Wieder mal ein typisch fortschrittlicher Schritt in der so genannten Kategorie „Superstrat“, der unsere Jackson Dinky Pro DK3 Ash ja zweifelsfrei angehört.

Wie bei vielen Instrumenten aus dem Mutterhaus Fender besitzt nun auch die Dinky Baureihe nun den Zugang zum Halseinstellstab am Halsfuß. Dort kann mittels einer Lochschraube der Halswinkel in Sekundenschnelle korrigiert werden, was natürlich einer enormen Arbeitserleichterung gleichkommt, sollte ein Justieren des Halswinkels mal nötig werden. Kleines, aber feines Detail am Rande: Die Löcher der Schraube, in die etwa ein Schraubendreher zum Einstellen eingesteckt werden kann, besitzen kleine rote Abdeckungen, die beim Einstecken des Werkzeugs einklappen und nach dem Herausziehen die Öffnung auch wieder verschließen. Nicht schlecht!

Ich beschreibe das deshalb so ausführlich, weil es mich überrascht, da zum Beispiel die aktuelle und ziemlich genau doppelt so teure Fender USA Elite Strat aus gleichem Hause an dieser Stelle lediglich über eine Lochschraube verfügt, die es in jedem Baumarkt für ein paar Cent gibt und deren Ausführung, man hat sie stets im Blick beim Betrachten der Gitarre, der Optik einer ansonsten wunderschönen Gitarre einen kleinen Dämpfer verpasst. So, nun aber wieder zurück zu unserer Jackson!

— Halseinstellschraube am Halsfuß der Jackson Dinky Pro DK3 Ash —

Weiter geht es bei der Begutachtung mit der Kopfplatte, die im typischen „zackigen“ Jackson-Design ausgeführt wurde und ein Eschefurnier trägt. Der Fachmann sagt dazu „Matched Headstock“, also eine Optik, die dem Bild des Korpus identisch ist. Um der Sache etwas Kontrast zu verpassen, umgibt die Kopfplatte ein schwarzes Binding, das passt wiederum gut zu dem ebenfalls schwarzen Jackson-Schriftzug und den sechs Mechaniken, die aus eigenem Hause stammen. Deren Qualität ist akzeptabel, spielen sie allerdings doch keine so gravierende Rolle beim Einsatz zusammen mit einem Floyd Rose Vibrato und dessen obligatorischen Klemmsattel, der ihnen eine Menge Arbeit bzw. Verschleiß erspart.

Das nötige Werkzeug zum Einstellen des Klemmsattels bzw. des gesamten Vibratos befindet sich übrigens in Form zweier Inbusschlüssel samt Halter an der Rückseite der Kopfplatte. Und damit wären wir auch schon bei der Hardware und den Pickups der Dinky Pro DK3 Ash angelangt.

— Rückseite der Kopfplatte mit angebrachtem Werkzeug —

Hardware & Pickups der Jackson Dinky Pro DK3 Ash

Original USA Floyd Rose Vibrato – so viel Luxus muss sein!

Damit es in der Praxis tatsächlich verstimmungsfrei zugeht, wurde auf der Decke der Dinky Pro DK3 Ash ein Original USA Floyd Rose Vibrato montiert, also keines aus koreanischer Fertigung, die in unseren bisherigen Tests leider immer wieder mit Stimmproblemen zu kämpfen hatten. Das System hier arbeitet dagegen absolut verstimmungsfrei, auch bei exzessivem Einsatz („Dive Bombs“) kehrt der schwarz lackierte Vibratoblock exakt in seine vorher verlassene Position zurück – keinen Cent zu hoch oder zu tief. ein kleiner Wermutstropfen bleibt dann aber doch über, denn die Einstellschrauben der Feinstimmer ragen sehr weit heraus und sorgen so für etwas beengte Verhältnisse beim Ablegen der rechten Hand. Ebenfalls ein typisches Merkmal der Floyd Rose Systeme, aber man gewöhnt sich ja an so vieles.

— Floyd Rose Vibrato Made in USA —

Seymour Duncan Pickups – noch mehr Luxus!

Auch die Pickups der Dinky Pro DK3 Ash stammen aus amerikanischer Fertigung, vom allseits bekannten Hersteller Seymour Duncan nämlich. Die Pickup-Bestückung mit der Konfiguration Humbucker-Singlecoil-Humbucker weckt erneut Erinnerungen an die 80er Jahre – damals wie heute gab bzw. gibt es wohl kaum eine bessere Kombination zum Erreichen möglichst vieler unterschiedlicher Sounds. Am Steg sitzt der allseits beliebte Jeff Beck Humbucker JB4, in der Mittel- und Halsposition sorgen zwei Custom Flat Strat SSL-6 Singlecoils für die Abnahme der Gitarre. Angewählt werden die Tonabnehmer ganz klassisch über einen soliden Fünfwegeschalter, ein Tone- und ein Volumeregler bilden den Abschluss der elektrischen Schaltung.

Zwischenzeugnis

Auch wenn es sich bei unserer Dinky Pro um eine in Fernost hergestellte Gitarre handelt, so kann das Instrument in Sachen Verarbeitung und Ausstattung bis hierhin absolut überzeugen. Wichtige Punkte, wie etwa die Qualität der Bünde (enorm wichtig für eine möglichst flache Saitenlage bei modernen Spieltechniken) oder die Bestückung mit den zwei Singlecoils und dem Humbucker, versprechen eine gute Performance. Wie gut, das erfahren wir ab der nächsten Seite.

Was kann die Jackson Dinky Pro DK3 Ash?

Eine ganze Menge! Der akustische Grundsound der Gitarre ist sehr kraftvoll, bassig und eher weich im Ansprechverhalten (Attack), das Sustain ist dagegen eher durchschnittlich ausgefallen. Die Bespielbarkeit macht der einer klassischen „Superstrat“ alle Ehre, durch die sauber abgerichteten Jumbo-Bünde ist eine sehr flache, schepperfreie Saitenlage möglich. Hinzu kommen das flache Halsprofil und die griffige Halsrückseite, es bestehen also beste Vorraussetzungen für moderne und im Metalbereich angesagte Spieltechniken, wie Sweeping oder flüssig laufende Legatolinien etwa.

Die drei Seymour Duncans liefern den resonanten Grundsound der Dinky Pro nahezu authentisch an den angeschlossenen Verstärker. Mit dieser Pickup-Konfiguration stehen einem wahrlich Tür und Tor offen, angefangen von kernigen und matschfreien Riffs des JB4 am Steg, über stratartige Cleansounds in den Zwischenpositionen, bis hin zu warmen Bluessounds mit dem SSL-Singlecoil in der Halsposition kann das Repertoire auf Wunsch reichen. Positiv fallen dabei die beiden Singlecoils in der Praxis auf, die auch einzeln geschaltet erstaunlich wenig Nebengeräusche produzieren, sodass hier beim Spielen mit höherer Verzerrung kein Fiasko in Sachen Brummen zu erwarten ist. Auch beim Absenken der Lautstärke mit dem leichtgängigen Volumeregler bleibt das Klangbild der Gitarre weitestgehend erhalten, der Klang am Verstärker lässt nur wenig in Sachen Frequenzbild und Dynamik nach, was eine gute Interaktion zwischen Gitarre und Amp möglich macht.

Eine richtige „Superstrat“ macht ohne ein einwandfrei arbeitendes Vibratosystem natürlich nur halb so viel Spaß, hier hat sich die Investition in ein Original Floyd Rose bei der Dinky Pro DK3 Ash gelohnt! Das System ist selbst nach völligem Erschlaffen (Downbendings) oder rabiatem Anziehen (Upbendings) des Hebels nicht aus der Stimmung zu bringen. Apropos Vibratohebel: der ist zwar auch wieder Mal eingeschraubt, allerdings so sauber gearbeitet, dass er sich ausreichend festziehen lässt (um das nervige Wackeln im Sitz zu vermeiden) und dennoch nach Benutzung aus dem Aktionsradius der rechten Hand verschwindet.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen: Orange Micro Dark – H & K GL112 Box mit 1×12″ Celestion Vintage 30 Speaker – AKG C3000 Mikrofon – UAD Apollo Twin Duo – Logic X. Als Effekt wurde ein Catalinbread Echorec verwendet.

Fazit

Mit der neuen Dinky Pro DK3 Ash setzt Jackson eine beeindruckende Duftmarke in der Preisklasse bis 1000,- Euro, in denen sich eine harte Konkurrenz tummelt. Man denke dabei nur an die fast alles beherrschende Ibanez Premium Baureihe oder die Elite-LTDs, hinter denen sich aber unser Testmodell keinesfalls verstecken muss. Ganz im Gegenteil, denn in Sachen Hardware (USA Floyd Rose Vibrato), den Pickups von Seymour Duncan und dem grandios bespielbaren Hals kann sie den Kampf um das beste Shredderbrett seiner Klasse locker aufnehmen!

Plus

  • flexibler Sound
  • sehr gute Verarbeitung
  • Seymour Duncan Pickups
  • schlanker und gut bespielbarer Hals mit Compound Radius
  • absolut verstimmungsfreies Floyd Rose Vibrato aus USA-Fertigung

Minus

  • keine Tasche/Gigbag im Lieferumfang

Preis

  • Ladenpreis: 998,- Euro
Klangbeispiele
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