Praxis
Was bereits im trockenen Zustand auffällt, ist das unerwartet lange Sustain der Jackson KEXMG Kelly. Hier hat Jackson mit seinem durchgehenden Hals eine weise Entscheidung getroffen und den etwas erhöhten Fertigungsaufwand zu Gunsten des besseren Schwingungsverhaltens in Kauf genommen. Im Sitzen gespielt wird der Explorerform unerfahrene Musiker eventuell etwas mit der lang gezogenen Korpusecke oben links seine liebe Mühe haben, fehlt doch die Armauflagen-Rundung, welche man vom „Mainstream“ her gewohnt ist.
Im Stehen gespielt bewirkt eben jene Flanke aber genau das, was man im Sitzen vermisst, eben jene Armauflage, welche ein entspanntes Spiel auch bei vergleichsweise tiefer Spielposition gewährleistet. In Zusammenarbeit mit dem „männlichen“ Halsprofil und den kräftigen Jumbo-Frets muss man der Gitarre ein sehr ergonomisches Handling bescheinigen. Insbesondere schnelle Soloarbeit lässt sich mit einem Minimum an haptischem Widerstand umsetzen und erleichtert die Umsetzung anspruchsvoller Leads und Licks.
Klanglich gewährleistet die Jackson KEXMG Kelly exakt das, was sie optisch verspricht. In Zusammenarbeit mit der EMG Tonabnehmer-Kombination fügt sich der recht neutral klingende Linde-Korpus allen Spielrichtungen des Rock bis hin zum beinharten Metal-Geknüppel. Perlig-aktiv im Cleanbereich mit einer sehr hohen Durchsichtigkeit auch bei extrem starkem Gain, verbunden mit einem Maximum an Durchsetzungskraft und Feedback-Unempfindlichkeit, eben wie man es von den mit Kunstharz vergossenen EMGs gewohnt ist, deckt das Instrument die gesamte Bandbreite der Verzerrung ab. Wer jedoch auf unlineare Vintage-Sounds steht, ist hier definitiv an der falschen Adresse.
Das Vibratosystem der Jackson KEXMG Kelly erledigt seinen Dienst ohne jede Kritik. Wer seine Handauflage unter Kontrolle hat, kann sich über die erweiterten musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten der frei schwebenden Konstruktion freuen. Wie bei allen Gitarren mit 24 Bünden, sitzt auch hier der Halstonabnehmer gezwungenermaßen etwas tiefer im Korpus und erwischt dadurch eine andere Obertonschwingung als in der klassischen 21 und 22 Bünde Ausführung. Ob dies ein klanglicher Vor- oder Nachteil ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.





























