Aufnehmen, schneiden, arrangieren im SP1200 Stil
Jeremiah Klein Echo Beach ist ein SP1200-Style Sampler sowie eine simple Groovebox für iOS und wurde besonders im Hinblick auf einen schnellen Workflow entwickelt. Was die kleine App kann, sehen wir im Test.
- Konzept: Sehr reduzierte Groovebox mit Fokus auf schnelles Aufnehmen, Slicen und Beat-Bau.
- Sampling: nur Mikrofon-Recording, Import gängiger Audioformate und BPM-Erkennung bei Loops auf Pad 1.
- Sequencer: Extrem rudimentär mit 16 Steps, vier Patterns und eingeschränkten Bearbeitungsmöglichkeiten.
- Bedienung: Teilweise umständlich, mit fehlendem Komfort bei Slices, Pattern-Verwaltung und MIDI-Steuerung.
- Fazit: Für einfache Skizzen geeignet, aber trotz niedrigem Preis funktional und ergonomisch zu eingeschränkt für eine klare Empfehlung.
Inhaltsverzeichnis
iOS und macOS
Die App Jeremiah Klein Echo Beach wurde zwar für das iPhone entwickelt, läuft aber genauso gut auf dem iPad und auf Desktop-Systemen/Laptops mit macOS (M-Serie Macs) und ist aus dem Apple App-Store zu beziehen. Getestet wurde Version 1.6.1.
Auf macOS Tahoe ist die App zwar auf einem 4k-Bildschirm sehr klein, aber die Vollbildansicht behebt dieses Manko und es kann eine weitere Zoom-Stufe für eine ca. zwanzigprozentige Vergrößerung eingestellt werden. Es gibt hier sogar ein Menü für die Voreinstellungen. Als Audioeingang kann grundsätzlich jedoch nur das Systemmikrofon dienen.
Audiointerfaces und AUv3-Kompatibilität werden (noch) nicht unterstützt. Letzteres wurde aber angekündigt.
- Jeremiah Klein Echo Beach iOS macOS Touch Alternatives
Aufnehmen
Als erstes begrüßen uns acht Drum-Pads, die mit Samples belegt werden können. Dafür bietet die App zwei Sample-Bänke mit vier Patches. Ein Patch ist dabei jeweils eine volle Belegung der acht Pads. Es lassen sich also insgesamt 64 Samples in der App speichern.
Das Sample-Futter kann dabei vom Mikrofon kommen oder von importierten Samples vom iPhone, iCloud Drive etc. Dabei werden WAV, AIFF, CAF, MP3 und M4A unterstützt.
Eine Besonderheit ist hier Pad 1. Wird hier ein längerer Loop zugewiesen, erkennt Jeremiah Klein Echo Beach die BPM-Zahl und legt damit auch die Geschwindigkeit des Tracks fest.
Schneiden
Die Samples können im Editierfenster mit Slice-Markern versehen werden. Das kann manuell geschehen, wobei das Pinch-Zoom sehr hilfreich ist, die Vor-/Zurück-Tasten zum Scrollen dagegen aber recht überflüssig erscheinen.
Beim automatischen Slicen ist das Ergebnis doch sehr wankelmütig und es werden oft zu viele Marken gesetzt. Hier wäre eine Threshold-Einstellung zur Transientenerkennung wirklich wünschenswert. Somit ist manuelles Setzen oftmals die bessere Wahl.
Außerdem lassen sich die Slice-Marker nicht verschieben, sondern nur durch Antippen setzen und wieder löschen. Da wäre es besser gewesen, die Vor-/Zurücktaster hätten den aktiven Marker in Sample-Schritten verschoben anstatt die Ansicht.
Die Slices selbst werden dann per Halten und Ziehen auf die Pads verteilt. Das ist auch der einzige Weg, die Samples zu editieren bzw. sie auf ein anderes Pad zu legen. Da muss man schon etwas kreativ mit den „Zwischenablagen“ aka der Pad-Belegung umgehen. Ein Ziehen des Pads nach unten löscht dessen Inhalt dann wieder.
Zuletzt lassen sich über das Klaviatur-Icon die Pads per festgelegten MIDI-Noten ab C-2 über einen MIDI-Controller spielen.
Leider gibt es für die sonstigen Funktionen im Mixer und bei den Effekten keine MIDI-CCs zur Steuerung der Parameter. Das ist recht schwach.
Die Export-Optionen von Jeremiah Klein Echo Beach sind dafür um so üppiger. Die Pads können mit MIDI-Tonhöhen oder nur als Sample, als einzelne Sequencer-Patterns oder als Audio-Master-Mix-Down exportiert werden. Das gilt natürlich auch für ein gesamte Projekt.
Arrangieren
Der Sequencer der App bietet wieder nur das Minimum. 16 Steps in vier Patterns, dazu lediglich mit drei Taktmaßen (4/4, 3/4 und 7/4) ausgestattet, ist schon arg rudimentär. Auch der Groove-Regler kann da nur mäßig abhelfen.
Als Verwaltung der Patterns im Sequencer gibt es nur eine Fill-Funktion, die das erste Pattern einfach auf die drei nachfolgenden kopiert. Von einer intuitiven Funktion kann man hier kaum sprechen. Intuitiv wäre eher, die Patterns per Drag & Drop kopieren zu können. Das wäre auch eine konsequente Weiterführung der Slice-Handhabung.
Dazu müssen die Schritte immer jeweils einzeln gesetzt und gelöscht werden. Luxus wie Schritte mit einer Streichen-Geste, z.B. zum Setzen für „HiHats“ oder per Streichen die Schritte zu invertieren, wie es in anderen Apps zu finden ist, sucht man hier vergebens.
Mixer
Im Mixer werden die Tracks gemischt, jedoch reagieren die Regler beim ersten Betätigen immer erst mit einer gewissen Verzögerung. Solange die Geste nicht unterbrochen wird, laufen sie flüssig mit dem Finger. Aber dieser initiale Lag bei allen Reglern ist schon recht irritierend und ich sehe nichts, was in der App einen größeren Rechenaufwand erforderte, der das verursachen könnte.
Effekte
Als Effekte gibt es bei Jeremiah Klein Echo Beach ein funktionales Delay. Beim Einsstellen der Delay-Zeit werden aber Knackser verursacht. Das ist leider auch beim Verstellen des Space-Parameter beim Reverb der Fall. Ansonsten klingt der Hall recht gut und bietet sogar zwei Algorithmen: „Halle“ und „Raum“.
- Reverb
- Delay
Die Tonhöhe des Samples kann mit dem Pitch-Regler fix um ± 24 Halbtöne angepasst werden, zusammen mit der einhergehenden Verkürzung oder Verlängerung der Laufzeit des Samples aka Micky-Maus-Effekt. Hier wäre ein fortgeschrittenerer und zeitgemäßerer Algorithmus auf Granular- oder Slice-Basis wirklich wünschenswert. iPhones können das inzwischen aushalten.
Als Letztes bietet die FX-Sektion noch einen Revers-Taster, um das Sample rückwärts abspielen zu lassen.
Sonstiges
Die Produktseite von Jeremiah Klein Echo Beach meint, dass für die App kein Handbuch nötig sei – da bin ich anderer Meinung. Ich finde, es gibt in der App so einiges, wie etwa das Editieren mit den Slices und die Fill-in Funktion, die erklärungswürdig sind.
Im Gesamten erinnert mich Jeremiah Klein Echo Beach an eine Kritik über einen High-End CD-Player, den ich mal gelesen habe. In dem stand (sinngemäß): Das Abschalten von Funktionen im DAC ist kein Zeichen für High-End. So auch hier: Das Weglassen von zeitgemäßem Bedienkomfort ist kein Kriterium für eine simplere Benutzerführung. Dabei kritisiere ich nicht mal den spartanischen Funktionsumfang, der selbst mit Hinblick auf die Prämisse von „schnell mal einen Beat aus irgendwas machen“, gering ist, sondern den Bedienkomfort. Wenn ich mir ansehe, wie sich z. B. der im gleichen Preissegment beheimatete Marek Bareza Koala Sampler bei der Bedienung anfühlt, dann muss hier noch einiges nachgebessert werden. Ja, es sind zwar alles nur Kleinigkeiten, aber am Ende summiert es sich.
Aber, um fair zu bleiben zu bleiben, Koala hat sich seit unserem Test 2019 auch massiv weiter entwickelt. Was nicht ist, kann also noch werden. Aber ich kann ja nur den aktuellen Zustand von Echo Beach bewerten.
Zumindest ist die AUv3-Kompatibilität angekündigt. Damit sollte dann aber auch eine vollwertige MIDI-Anbindung einhergehen.








































Der iOS Sampler im MPC Style heißt Koala. In handling, connectivity ungeschlagen