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Test: JHS Pedals Double Dragon Lo-Fi Octave, Octaver-Pedal

Unperfekter Retro-Charme auf zwei Oktaven

10. Mai 2026
JHS Pedals Double Dragon Lo-Fi Octave Aufmacher

Test: JHS Pedals Double Dragon Lo-Fi Octave

Der JHS Pedals Double Dragon Lo-Fi Octave ist kein gewöhnlicher Octaver, sondern ein bewusst „unperfekter“ Effekt, der den rauen Charme früher Schaltungen mit moderner Umsetzung verbindet.

Kurz & knapp

Was ist es? JHS Pedals Double Dragon Lo-Fi Octave, analoger Octaver mit Sub- und Octave-up-Fuzz-Sektion im Boutique-Format.

  • Sound: Rauer Lo-Fi-Charakter mit eigenwilligen Octave-up- und druckvollen Suboktav-Sounds.
  • Konzept: Bewusst „unperfektes“ Tracking im Stil klassischer Vintage-Octaver.
  • Bedienung: Einfaches Layout mit direkter Kontrolle über Dry-, Sub- und Effektanteile.
  • Einsatz: Ideal für experimentelle Sounds, weniger für präzise Akkordarbeit.
  • Kritik: deutlich hörbares Grundrauschen.
Bewertung

JHS Pedals Double Dragon Lo-Fi Octave

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JHS Pedals Double Dragon Lo-Fi Octave

Octaver gehören sicher zu den eigenwilligsten Effekten im Gitarrenuniversum. Während moderne Pitch-Shifter heute klinisch sauber arbeiten, wurzelt der klassische Octaver-Effekt in einer ganz anderen Klangästhetik. Frühe Schaltungen waren oft monophon, reagierten empfindlich auf die Spielweise, rauschten dazu wie Hölle und produzierten eher „charaktervolle“ als präzise Ergebnisse. Genau dieser leicht unberechenbare, manchmal fast schon synthetisch anmutende Sound machte ihren Reiz aus. Von orgelähnlichen Bassfundamenten bis hin zu schneidenden, „fuzzigen“ Octave-up-Sounds, wie man sie vor allem aus den späten 60ern kennt.

Auch heute noch ist dieser Bereich zwischen Kontrolle und Chaos ein zentrales Thema. Während viele Hersteller versuchen, Octaver möglichst sauber und Tracking-stabil zu gestalten, gibt es parallel dazu einen Gegenpol, der sich bewusst auf die Schwächen der alten Schaltungen besinnt und genau daraus Charakter bezieht.

In diese Kerbe schlägt auch JHS Pedals. Das Unternehmen wurde 2007 von Josh Scott gegründet und hat sich aus einer kleinen Modding-Werkstatt zu einer festen Größe im Boutique-Segment entwickelt. Charakteristisch für JHS ist dabei nicht nur die große Bandbreite an Effekten, sondern vor allem der oft historische Ansatz. Viele Pedale greifen klassische Schaltungen auf, interpretieren sie neu oder kombinieren bekannte Konzepte auf ungewöhnliche Weise.

Mit dem JHS Double Dragon Lo-Fi Octave bringt JHS erstmals einen eigenen analogen Octaver an den Start, der auf dem rauen Charakter früher Octave-Schaltungen basiert. Die Kombination aus Suboktave und einer aggressiven Octave-up-Fuzz-Sektion erinnert dabei an legendäre Vorbilder, geht aber klanglich einen eigenen Weg zwischen Vintage-Vibe und kontrolliertem Chaos. So viel sei schon mal vorab verraten. Was der Double Dragon im Detail drauf hat und wie sich dieses bewusst „unperfekte“ Konzept in der Praxis schlägt, klären wir im folgenden Test.

JHS Pedals Double Dragon Lo-Fi Octave full

Gelber Drache mit roten Augen – klingt gefährlich? Ja, klingt gefährlich! Der JHS Pedals Double Dragon Lo-Fi Octave.

Facts & Features

Ein erster Blick auf den JHS Double Dragon Lo-Fi Octave zeigt ein bewusst schlicht gehaltenes Pedal. Das Gehäuse ist quietschgelb lackiert und mit roten Reglern bestückt. Optisch sicher Geschmackssache, aber auf dem Pedalboard kaum zu übersehen. Die Bauform entspricht dem typischen JHS-Format: kompakt, stabil und ohne unnötige Spielereien. Bei der Verarbeitung gibt es keinen Anlass zur Kritik. Das Metallgehäuse wirkt robust, die Potis laufen gleichmäßig und bieten einen angenehmen Drehwiderstand. Die beiden Fußschalter sind Softklick-Typen, was sich im Betrieb durch ein leises, unaufdringliches Schaltgeräusch bemerkbar macht.

Die Anschlüsse, ein Ein- und ein Ausgang sowie der Anschluss für das Netzteil, wurden an der Stirnseite untergebracht. Das sorgt für eine platzsparende Unterbringung auf dem Pedalboard. Ein passender 9-Volt-Netzadapter ist, wie zu erwarten war, nicht im Lieferumfang enthalten. Es muss aber auch kein besonderer sein. Ein handelsüblicher Adapter reicht hier aus.

Die Bedienoberfläche ist übersichtlich gehalten und schnell erfasst. Im Zentrum steht die Mischung aus Direktsignal und den zwei zugemischten Oktaven. Über den Dry-Regler lässt sich der Anteil des unbearbeiteten Signals bestimmen, während die Suboktave stufenlos hinzugemischt werden kann und so das Klangbild nach unten erweitert. Ergänzt wird das Ganze durch eine zuschaltbare Octave-up-Sektion, die dem Signal eine zusätzliche Ebene hinzufügt.

Diese basiert auf einem eher klassischen, leicht fuzzartig geprägten Ansatz, wie man ihn von frühen Octave-Schaltungen kennt. Der Volume-Regler übernimmt die Gesamtlautstärke des Effektsignals und ermöglicht zudem eine Anpassung an das verwendete Setup. Zwei rote LEDs signalisieren den Betriebszustand: Die linke zeigt die Aktivität des Pedals, die rechte leuchtet nach dem Zuschalten der oberen Oktave auf.

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Schade ist, dass die obere Oktave nicht separat genutzt werden kann, sondern nur im Zusammenspiel mit der aktivierten Low-Oktave arbeitet. Das schränkt die Flexibilität zwar ein, passt aber zum insgesamt eher reduziert gehaltenen Konzept des JHS Double Dragon Lo-Fi Octave. Zusätzliche Features oder erweiterte Eingriffsmöglichkeiten, wie etwa MIDI oder einen Expressionpedalanschluss, sucht man vergeblich. Der Fokus beim Double Dragon liegt eindeutig auf einer einfachen, direkten Bedienung ohne großen Schnickschnack.

JHS Pedals Double Dragon Lo-Fi Octave Anschlüsse

Anschlüsse an der Stirnseite des JHS Pedals Double Dragon Lo-Fi Octave

Der Double Dragon in der Praxis

Der JHS Pedals Double Dragon Lo-Fi Octave hat zweifellos einen sehr speziellen Charakter. Das wird recht schnell deutlich. Der Grundsound wirkt roh und alles andere als glattgebügelt, was aber durchaus zum Konzept passt. Die Suboktave liefert ein solides Fundament, das sich vor allem bei Single-Notes gut einsetzen lässt. Je nach Einstellung kann sie dem Ton spürbar mehr Masse verleihen, ohne dabei völlig die Kontur zu verlieren. Besonders in tieferen Lagen entsteht so ein fast schon bassartiger Eindruck, der sich gut für minimalistische Linien oder auch fette Doom-Riffs eignet. In den Klangbeispielen kann man das gut hören.

Sobald es jedoch komplexer wird, zeigen sich die typischen Grenzen. Akkorde oder selbst einfache Powerchords können das Tracking schnell ins Straucheln bringen. Das Ergebnis wirkt dann eher diffus, teilweise fast schon zerfasert. Das kann durchaus seinen Reiz haben, verlangt aber ein gewisses Umdenken im Spiel. Also besser keine dichten Akkordwände spielen. Das Pedal fühlt sich bei reduzierten Linien und sauber gesetzten Tönen deutlich wohler.

Auch bei schnellen Licks ist eine saubere Spielweise angesagt. Das Tracking arbeitet dennoch nicht durchgehend zuverlässig. Einzelne Töne werden gelegentlich verschluckt oder nicht sauber umgesetzt. Besonders bei schnellen Positionswechseln oder unsauber gedämpften Saiten fällt das auf. Das gehört hier zum Charakter, verlangt dem Spieler aber eine gewisse Disziplin ab und belohnt ein kontrolliertes Spiel.

Interessant ist auch die Reaktion auf unterschiedliche Gitarrentypen und Tonabnehmer. Während Singlecoils oft etwas mehr Transparenz bieten, bringen Humbucker mit ihrem hohen Output das Pedal schneller an seine Grenzen, liefern dafür aber mehr Druck und ein etwas stabileres Tracking. Auch das Volume-Poti der Gitarre lässt sich sinnvoll einsetzen: Dreht man leicht zurück, wirkt das Signal etwas aufgeräumter, während bei voll aufgedrehtem Pegel der rohe Charakter stärker in den Vordergrund tritt.

JHS Pedals Double Dragon Lo-Fi Octave Unterseite

Die Octave-Up-Sektion bringt eine zusätzliche Klangfarbe ins Spiel, die sich klar vom restlichen Signal absetzt. Durch ihren leicht fuzzartigen Einschlag entsteht ein rauer, teils bissiger Ton, der besonders bei einzeln gespielten Tönen funktioniert und sich gut im Mix behaupten kann. In höheren Lagen kann das Signal dabei durchaus schneidend wirken und an den Klang einer Geige oder an die oberen Register eines kreischenden Minimoogs erinnern. Auch diesen Charakter habe ich in den Klangbeispielen eingefangen.

Im Zusammenspiel mit weiteren Effekten zeigt sich der JHS Double Dragon Lo-Fi Octave von einer interessanten Seite. Vor allem mit Delay- oder Modulationseffekten lassen sich ungewöhnliche Klangflächen erzeugen, die in Richtung Sounddesign gehen. Klassische Octaver-Sounds, wie man sie kennt, stehen hier weniger im Vordergrund. Stattdessen lädt das Pedal im Duo oder Trio mit Effektkollegen zum wilden Experimentieren ein.

Die beiden Softklick-Fußschalter arbeiten absolut geräuschlos. Ein klarer Pluspunkt, wenn es bei Aufnahmen ruhiger zugehen soll. Weniger unauffällig ist jedoch das Grundrauschen. Gerade bei höheren Volume-Einstellungen sind deutlich Nebengeräusche hörbar. Im Bandgefüge relativiert sich das zwar, im Solo-Betrieb bleibt es aber mehr oder weniger präsent. Insgesamt bewegt sich das Rauschverhalten in einem vertretbaren Rahmen und passt letztlich auch zum eher „rohen“ Gesamtcharakter des Pedals.

Unterm Strich erweist sich der Double Dragon als Effekt, der weniger über Präzision als über Charakter funktioniert. Wer sich darauf einlässt, seine Spielweise anpasst und bereit ist zu experimentieren, kann hier spannende und eigenständige Sounds finden. Besonders in Kombination mit Delay- oder Modulationseffekten.

Double Dragon Klangbeispiele

Für die Klangbeispiele wurde der JHS Double Dragon Lo-Fi Octave mittels eines Bad Cat Ocelot Röhrentops, einer daran angeschlossenen 1×12″ Celestion Vintage-30-Box und einem AKG C3000 Mikrofon aufgenommen. Als Instrument kam meine Music Man Silhouette Special zum Einsatz.

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Klangbeispiele
Fazit

Der JHS Double Dragon Lo-Fi Octave ist kein Octaver für Freunde sauberer, Tracking-stabiler Sounds, sondern ein bewusst eigenwilliger Effekt mit rauer, analog inspirierter Lo-Fi-Ästhetik. Die Verarbeitung ist tadellos, die Bedienung einfach und direkt.

Schwächen zeigt das Pedal beim Tracking und beim Spielen von Akkorden. Auch das hörbare Grundrauschen sollte man einkalkulieren. Dafür belohnt es mit ungewöhnlichen, teils sehr eigenständigen Sounds, die die Kreativität anregen.

Plus

  • hochwertig verarbeitet
  • charmanter Lo-Fi-Sound
  • Softklick-Schalter
  • intuitiv bedienbar

Minus

  • Nebengeräusche
  • Octave-up nicht einzeln nutzbar

Preis

  • 199,- Euro
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Über den Autor
Profilbild

Stephan Güte RED

Seit den frühen 80ern an den Drähten, die die Welt bedeuten. Musikalisches Mädchen für alles, sei es nun das Produzieren im Studio oder für Engagements als Bühnenmusiker. Seit 2004 im Team von Amazona.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Metaphistopheles AHU

    Tja, da verstehe mal jemand uns Gitarristen….

    Da kaufen wir uns für zwei bis fünf Monatsgehälter eine Master-Built-Axt aus edelsten Wood-Library-Furnieren, legen nochmal die gleiche Summe drauf für den passenden Head mit handselektierten Röhrenkolben. Und zum Abschluß dann nochmal 199€ für ein Boutique-Pedal mit sogar zwei Dragon-Heads. Und dann endlich – klingen wir nach dem 1979er Hong-Kong Imitat von R2D2 im Schlußverkauf des Quelle Versandhauses…

    Wir sind schon eine ganz besondere Zunft….

    • Profilbild
      mort76 AHU

      @Metaphistopheles So ein Pedal schaltet man ab und zu mal ein, wenn es paßt…ich würde wetten: Meistens ist es aus.
      Und dann ist es der Kontrast, der dem ganzen einen Sinn gibt.

      Nur schön ist halt nicht nur schön, würde ich sagen…die gesamte Daseinsberechtigung von verzerrten und verbogenen Klängen beruht auf diesem Prinzip.

      Mein Gegenbeispiel wäre AutoTune…wo ich mir immer sofort denke; So glattpoliert will ich das garnicht haben!

  2. Profilbild
    Mike Perschy

    Pfuh… mal kurz nachdenken. Wo einsetzen? Wie einsetzen? Brauch ich das? 1. KA. 2. KA. 3. Ja, natürlich. So kaputt, dass man es einfach nur mögen kann… ich zumindest.

  3. Mehr anzeigen
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