What's the story, Morning Glory?
Mit dem JHS Pedals Morning Glory Clean Overdrive erweitert JHS eines seiner beliebtesten Overdrive-Pedale um eine zusätzliche Clean-Blend-Funktion. Das Konzept verspricht einen besonders dynamischen Low-Gain-Sound, bei dem Transparenz und Anschlagsverhalten auch bei höheren Gain-Einstellungen erhalten bleiben sollen. Wir schauen uns an, wie sich das Boutique-Pedal in der Praxis schlägt und ob der zusätzliche Clean-Regler dem bekannten Morning-Glory-Sound tatsächlich neue Möglichkeiten eröffnet.
Worum geht es?
- JHS Morning Glory Clean: Ein Boutique-Overdrive mit zusätzlicher Clean-Blend-Funktion.
- Sound: Cremiger Low-Gain-Overdrive mit viel Dynamik und transparenter Ansprache.
- Clean-Regler: Das Direktsignal lässt sich stufenlos zum Zerrsound mischen.
- Verarbeitung: Hochwertiges Gehäuse, butterweiche Regler und leiser Soft-Click-Schalter.
- Fazit: Spannendes Boutique-Pedal für dynamische Blues-, Rock- und Crunch-Sounds.
JHS Pedals Morning Glory Clean Overdrive
Seit der Gründung im Jahr 2007 hat sich JHS Pedals vom kleinen Modding-Betrieb aus Mississippi zu einem der bekanntesten Boutique-Hersteller der Effektpedal-Szene entwickelt. Gründer Josh Scott machte sich zunächst mit Modifikationen bekannter Boss-Pedale einen Namen, bevor mit eigenen Entwicklungen wie dem Morning Glory, Angry Charlie oder Colour Box schnell auch internationale Aufmerksamkeit folgte.
Besonders das Morning Glory entwickelte sich über die Jahre zu einem der beliebtesten „transparenten“ Overdrives und gilt heute in der Szene als gelungene Interpretation des Marshall-Bluesbreaker-Pedals.
Mit dem Morning Glory Clean erweitert JHS das Morning Glory um eine zusätzliche Clean-Blend-Sektion. Neben den für einen Zerrer üblichen Reglern für Volume, Drive und Tone besitzt das Pedal zusätzlich einen „Clean“-Regler, über den sich das saubere Gitarrensignal stufenlos mit dem Overdrive-Sound mischen lässt. Dadurch sollen selbst bei höheren Gain-Einstellungen ein großer Teil der Dynamik, Transparenz und des Anschlags erhalten bleiben.
Genau diese Mischung aus Low-Gain-Overdrive und kontrollierbarem Clean-Anteil hebt das Morning Glory Clean von vielen vom Marshall Bluesbreaker inspirierten Overdrives ab. Ebenfalls interessant: Dreht man den Clean-Regler komplett zurück, soll das Pedal praktisch wie ein klassisches Morning Glory ohne Clean-Blend arbeiten.
Was uns die metallic-goldfarbene Kiste alles bieten kann, werden wir im folgenden Review herausfinden.
Facts & Features
Wie viele Pedale aus diesem Hause präsentiert sich auch das JHS Pedals Morning Glory Clean Overdrive angenehm kompakt und verzichtet bewusst auf übertriebene Design-Spielereien. Das in Sparkle-Gold lackierte Metallgehäuse wirkt äußerst robust, sauber verarbeitet und hinterlässt bereits beim ersten Kontakt einen hochwertigen Eindruck.
Sämtliche Bedienelemente sitzen fest im Gehäuse, nichts wackelt oder wirkt billig. Besonders positiv fallen dabei die Regler auf, die mit einem angenehm gleichmäßigen Drehwiderstand arbeiten – das läuft wie in Butter.
Auch der Soft-Click-Fußschalter vermittelt ein hochwertiges Gefühl und arbeitet deutlich leiser als viele seiner mechanischen Kollegen. Gerade bei Aufnahmen oder leiseren Momenten auf der Bühne kann lautes Knacken schnell nervig werden.
Die Stromversorgung erfolgt über ein optionales 9-Volt-Netzteil, ein Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen. Der Netzadapter muss kein spezieller sein. Im Test ließ sich das Pedal problemlos mit dem Multinetzteil meines Pedalboards betreiben.
Die Anschlüsse sitzen erfreulicherweise auf der Stirnseite des Gehäuses und bestehen aus jeweils einer Mono-Klinkenbuchse für Ein- und Ausgang sowie der Netzteilbuchse. Dadurch lässt sich das Pedal platzsparend auf dem Board unterbringen.
Wie bei Boutique-Overdrives üblich arbeitet auch das JJHS Pedals Morning Glory Clean Overdrive vollständig analog und setzt auf eine reduzierte Bedienoberfläche mit nur wenigen Reglern und Schaltern. JHS verteilt sämtliche Funktionen auf vier Regler, die schnell verstanden sind und ausreichend Spielraum für unterschiedliche Einstellungen bieten.
Der „Volume“-Regler bestimmt die Ausgangslautstärke und bringt genügend Reserven mit, um einen Verstärker zusätzlich anzuschieben oder verschiedene Sounds anzugleichen. Mit dem „Drive“-Poti wird der Grad der Verzerrung eingestellt, wobei das Morning Glory Clean laut JHS bewusst eher im Low- bis Mid-Gain-Bereich arbeiten soll. Der „Tone“-Regler übernimmt die Anpassung der Höhen und ermöglicht sowohl wärmere als auch offenere Abstimmungen.
Am spannendsten fällt allerdings der zusätzliche „Clean“-Regler aus. Über ihn kann dem Overdrive-Signal stufenlos das unbearbeitete Gitarrensignal beigemischt werden. Laut Hersteller sollen dadurch Transparenz, Dynamik und Ansprache stärker erhalten bleiben als bei vielen klassischen Overdrive-Pedalen dieser Art.

Im Gegensatz zum regulären Morning Glory besitzt der JHS Pedals Morning Glory Clean Overdrive statt Gain-Switch einen Clean-Regler
Die Regler sitzen mit genügend Abstand zum Schalter auf der Oberfläche, sodass auch fehlgeleitete Fußtritte keinen Schaden anrichten dürften. Eine Skalierung für die Regler gibt es nicht. Also gilt auch hier wieder das Prinzip „hören statt gucken“ – oder eben ein Foto der bevorzugten Einstellungen, um den Sweetspot zum Amp reproduzierbar zu machen.
Über die Aktivität des Pedals informiert eine blaue LED, die auch bei hellem Tageslicht gut zu erkennen ist.
Im Unterschied zum klassischen Morning Glory verzichtet die Clean-Version allerdings auf einige bekannte Zusatzfunktionen. So gibt es weder den extern schaltbaren Gain-Boost noch die entsprechende Remote-Buchse an der Seite des Gehäuses, um zusätzliche Funktionen per Expression-Pedal zu aktivieren.
Der Clean-Regler ersetzt den ursprünglichen Gain-Switch. JHS verfolgt hier also einen etwas anderen Ansatz: Statt zwischen zwei Gain-Strukturen umzuschalten, steht stärker die Mischung aus Originalsignal und bearbeitetem Sound im Mittelpunkt.
Und wie das Ganze klingen kann, werden wir jetzt im Praxisteil erfahren!
Die Praxis
Schon nach den ersten Licks und Riffs fällt auf, wie angenehm unaufgeregt das JHS Pedals Morning Glory Clean Overdrive arbeitet. Das Pedal erzeugt erfreulich wenig Nebengeräusche, startet nahezu lautlos ohne Knacken und verhält sich auch bei höheren Lautstärken angenehm unauffällig.
Gleichzeitig reagiert der Overdrive wunderbar dynamisch auf Anschlag, Spielweise und das Volume-Poti der Gitarre.
Die mögliche Verzerrung würde ich klar im Low-Gain-Bereich einordnen, wobei mit kräftigen Humbuckern durchaus auch sanfte Distortion-Sounds möglich sind. Genau dort scheint sich das Morning Glory Clean besonders wohlzufühlen: weniger High-Gain-Zerre, sondern vielmehr ein musikalischer Overdrive mit cremiger Ansprache und viel Dynamik im Gepäck.
Besonders interessant arbeitet der zusätzliche „Clean“-Regler. Schon kleinere Veränderungen machen sich unmittelbar bemerkbar. Wird dem Overdrive-Signal mehr Clean-Anteil beigemischt, reagiert das Pedal deutlich knackiger und direkter auf den Anschlag. Einzelne Anschläge mit dem Plektrum bleiben dadurch sauber hörbar, selbst wenn das Drive-Poti bereits weit aufgedreht ist.
Vor allem bei offenen Akkorden oder dynamischen Blues- und Rock-Sounds entsteht dadurch ein angenehm transparentes Spielgefühl, das man von vielen Overdrives in dieser Form so nicht kennt. Statt den Sound einfach nur „cleaner“ zu machen, verändert der Regler vielmehr die gesamte Ansprache des Pedals.
Auch der Tone-Regler gefällt mir im praktischen Einsatz ausgesprochen gut. Statt das Signal einfach nur dumpfer oder heller wirken zu lassen, arbeitet das Poti eher wie ein kleiner EQ. Von warmen und bassigeren Sounds bis hin zu bissigem Crunch oder fast schon leicht schrillen Höhen steht ein erstaunlich großer Bereich zur Verfügung.
Trotzdem bleibt das Pedal selbst bei extremeren Einstellungen gut kontrollierbar und kippt nur selten in unangenehme Frequenzbereiche ab.
Ebenfalls positiv: Sämtliche Regler arbeiten sehr gleichmäßig über ihren gesamten Regelweg hinweg. Es gibt praktisch keine unbrauchbaren Bereiche oder abrupten Sprünge.
Tatsächlich fällt es schwer, dem JHS Pedals Morning Glory Clean Overdrive im Praxiseinsatz echte Schwächen vorzuwerfen. Wer allerdings nach einem High-Gain-Overdrive oder stark komprimierten Metal-Sounds sucht, dürfte hier definitiv an der falschen Adresse gelandet sein.
Für dynamische Low-Gain-Sounds oder zum „Anblasen“ eines Röhren-Amps gehört das Morning Glory Clean für mich dagegen zu den interessantesten Overdrives, die ich bislang testen konnte.
Klangbeispiele
Für die folgenden Klangbeispiele habe ich das JHS Pedals Morning Glory Clean Overdrive vor dem Eingang eines Bad Cat Ocelot Röhren-Tops platziert – ebenfalls ein Testobjekt, dessen Review man hier nachlesen kann.
Als Box kam eine 1×12″-Celestion-Vintage-30 zum Einsatz. Aufgenommen wurden die Tracks mit einem AKG-C3000-Mikrofon und eingespielt mit meiner Music Man Silhouette Special. Außer einem leichten Delay wurden keine weiteren Effekte eingesetzt.
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