Anmutige Optik, kaputte Seele!
Das JHS Pedals Series 3 Fuzz ist ein vielseitiges Fuzz-Pedal aus der preisgünstigen Serie des amerikanischen Boutique-Herstellers. Mit nur drei Reglern und einem Kippschalter richtet es sich sowohl an Einsteiger als auch an professionelle Gitarristen, die einen authentischen Fuzzsound zu einem erschwinglichen Preis suchen.
- Klangvielfalt: Reicht von harmonischen Overdrive-Texturen bis zu extrem zerstörten Fuzz-Sounds.
- Bias-Regler: Herzstück des Pedals, das drastische Klangveränderungen und kreative Effekte ermöglicht.
- Verarbeitung: Minimalistisches Design, robust gebaut, aber mit unglücklicher Schalterbeschriftung.
- Preis-Leistung: Boutique-Qualität zum fairen Kurs – ideal für Einsteiger und Profis gleichermaßen.
Inhaltsverzeichnis
Kurzes Fazit vorab
Das JHS Series 3 Fuzz beweist eindrucksvoll, dass man auch mit spartanischen Mitteln ein in der Tat bemerkenswertes Klangspektrum erschließen kann. Zwischen harmonischen Overdrive-Texturen und völlig zerstörten Gate-Fuzz-Orgien liegt eine Bandbreite, die selbst erfahrene Pedalboard-Veteranen überraschen dürfte. Für Gitarristen, die einen charakterstarken Fuzz suchen, ohne dabei das Budget zu sprengen, stellt dieses Pedal eine ausgezeichnete Wahl dar. Besonders der Bias-Regler eröffnet Klangwelten jenseits des Mainstream-Einheitsbreis, allerdings sollte man seinen Verstärker vor dem ersten Test auf Herz und Nieren prüfen, um wirklich einschätzen zu können, aus welcher Quelle dieser bisweilen kaputte Sound kommt.
Die Philosophie hinter der 3er-Serie
Wenn sich ein Boutique-Hersteller wie JHS aus Kansas dazu entschließt, seine Nobelware zu demokratisieren, sollte man aufhorchen. Josh Scott, der Mastermind hinter der Marke, schwärmte schon immer von den günstigen Produktlinien etablierter Firmen. Erinnern wir uns an die legendären Ibanez Soundtank-Pedale oder die Arion-Serie der 80er-Jahre. Nur eben ohne die berüchtigten Qualitätskompromisse, die damals mit dem günstigen Preis einhergingen.
Die JHS 3 Series soll genau diese Lücke schließen: Insgesamt sieben essenzielle Gitarreneffekte hat JHS Pedals unter diesem Label veröffentlicht, reduziert auf das Wesentliche, aber ohne Abstriche bei der Verarbeitungsqualität. Eine interessante Philosophie in einer Zeit, in der manche Hersteller bereits ihre dritten Boutique-Overdrive-Variationen mit 47 Schaltern und internen Trimmpotis auf den Markt werfen.
Konstruktion und Verarbeitung
Das weiße Metallgehäuse (112 x 67 x 48 mm) wirkt wie ein klinisches Statement gegen die oft überbordenden Grafik-Orgien moderner Pedale. Minimalistisch bis zur Schmerzgrenze, aber durchaus stimmig im JHS-Kosmos. Drei schwarze Potikappen aus Kunststoff, ein zweistufiger Kippschalter und ein chromfarbener Fußtaster, mehr braucht es offenbar nicht für einen eigenständigen Fuzz.
Etwas misslungen ist die Anordnung des Kippschalters: Die Aktivierung des zusätzlichen Modes erfolgt durch Drücken nach vorn, während die Beschriftung unterhalb angebracht wurde. Das kann in der Hitze des Gefechts zu Verwirrung führen. Ein kleines Designversäumnis, das jedoch schnell verinnerlicht ist.
Der Verzicht auf ein Batteriefach ist konsequent, aber auch etwas schade. Gerade bei einem so reduzierten Pedal wäre die Option des Batteriebetriebs eine willkommene Ergänzung gewesen. Die Stromaufnahme von nur 9 mA ist jedenfalls vorbildlich sparsam.
Der Klangcharakter: Von harmonisch bis destruktiv
Beginnen wir mit dem Bias-Regler auf Linksanschlag – hier zeigt sich das JHS Fuzz von seiner zahmen Seite. Ein überraschend klarer, einem Overdrive fast ähnlicher Sound mit noch harmonischen Höhen und genau der dezenten Portion Schmutz. Wer hier bereits aufhört zu experimentieren, verpasst allerdings das eigentliche Potenzial dieses Pedals.
Der Bias-Regler des JHS Pedals Series 3 Fuzz ist das Herzstück des Gerätes und gleichzeitig sein interessantester Aspekt. Er kontrolliert die Spannung in der letzten Verstärkerstufe und erzeugt damit Effekte, die weit über das hinausgehen, was man von einem klassischen Fuzz erwartet. Je weiter man den Regler aufdreht, desto bizarrer wird das Resultat.
Ist man auf der Suche nach einem wirklich richtig „kaputten“ Sound, ist man bei diesem Regler an der richtigen Stelle. Ich empfehle hier im Vorfeld nochmals, seinen Verstärker auf Funktionstüchtigkeit zu checken, denn das erste, was einem bei zunehmendem Bias-Einsatz durch den Kopf schießt, ist die Angst, dass einem der Verstärker gleich um die Ohren fliegt. Ich hatte in der Vergangenheit in der Tat schon solche Sounds aus einem Amp, allerdings ohne dass ein JHS Pedals 3 Series Fuzz davor hing und ja, der Verstärker ist mir kurz nachdem er diesen „Sound“ von sich gegeben hat, um die Ohren geflogen. Umso schöner, dass man diesen wirklich „kranken“ Sound bei Bedarf nun als Pedal abrufen kann.
Im richtigen musikalischen Kontext eingesetzt hinterlässt ein solcher Sound durchaus einen bleibenden Eindruck. Insbesondere im Single-Notes-Spiel mit getragenen Melodiebögen weiß das „Verreckerlie“ zu überzeugen, zumal sich ein solcher Sound nicht zu leicht mit anderen Pedalen kopieren lässt. Man erinnere sich zum Beispiel an die von der Gitarre getragene Hauptmelodie des Titels „A Girl Like You“ von Edwyn Collins, was beweist, dass man auch einen Hit kreieren kann, indem man einen „grausigen“ Sound zu seinem Alleinstellungsmerkmal macht. Mal abgesehen davon, dass der Bass über die gesamte Nummer von 3:55 immer nur den gleichen Ton mit einigen wenigen Phrasierungen spielt.
Die Regler im Detail
Der Volume-Regler arbeitet sauber und linear, keine Überraschungen hier. Wichtig ist jedoch sein Zusammenspiel mit dem Volume-Poti der Gitarre selbst. Das JHS Pedals Series 3 Fuzz reagiert ausgesprochen sensibel auf die Eingangsdynamik und lässt sich über die Gitarre von klaren Tönen bis zu völligem Chaos steuern.
Der Fuzz-Regler überrascht positiv. Während viele Konkurrenzprodukte im unteren Regelbereich praktisch stumm bleiben oder nur Brei produzieren, liefert das JHS Pedals Series 3 Fuzz über den gesamten Regelweg brauchbare Sounds. Von dezenten Overdrive-Texturen bis zu vollständig gesättigten Fuzz-Teppichen ist alles möglich.
Der Fat-Kippschalter fügt eine Bass-Betonung hinzu, die den Gesamtsound fülliger und druckvoller macht. Besonders bei höheren Fuzz-Einstellungen kommt dieser Effekt zur Geltung und verleiht dem Sound mehr Substanz.
Interaktion mit verschiedenen Gitarren
An einer Vintage SG mit ihren eher schwächlichen Humbuckern trat der Gate-Effekt bereits früher ein als erwartet. Hier hätte ich mir eine etwas bessere Abstimmung des Bias-Potis gewünscht, um den gesamten Regelweg effektiv nutzen zu können. Mit Singlecoil-Pickups hingegen zeigt sich das Pedal von seiner ausgewogeneren Seite.
Die Dynamik des Spiels beeinflusst das Verhalten des Pedals erheblich. Sanfte Anschläge können selbst bei extremen Einstellungen noch klare Töne hervorbringen, während harte Attacks sofort in die Sättigung führen. Diese Eigenschaft macht das JHS zu einem sehr expressiven Instrument, das dynamischen Spielern eine Menge kreativer Möglichkeiten eröffnet.
Praxis und Konkurrenz
In der Praxis erweist sich das JHS Pedals Series 3 Fuzz als vielseitigerer Partner, als man aufgrund der spartanischen Bedienoberfläche vermuten würde. Von sauberen Boost-Sounds bis zu völlig destruktiven Noise-Orgien ist praktisch alles möglich. Die Kunst liegt darin, die richtige Balance zwischen den drei Reglern im Zusammenspiel mit seinem persönlichen Equipment zu finden.
Vergleichbare Pedale aus dem Budget-Bereich kommen meist nicht an die klangliche Vielseitigkeit des JHS heran. Die meisten beschränken sich auf einen spezifischen Fuzz-Charakter, während das JHS praktisch mehrere Pedale in einem Gehäuse vereint.
Was den Preis angeht, so bewegt sich das JHS in einer Liga, in der es kaum ernsthafte Konkurrenz aus dem Boutique-Segment gibt. Wer ähnliche Qualität will, muss normalerweise deutlich tiefer in die Tasche greifen.
Kritikpunkte
Die Beschriftung des Kippschalters ist suboptimal gelöst. Gerade bei schlechten Lichtverhältnissen auf der Bühne kann es zu Verwirrung kommen.
Der Bias-Regler reagiert sehr sensibel auf kleine Änderungen. Eine etwas progressivere Kennlinie würde die Bedienung erleichtern, ohne die extremen Einstellmöglichkeiten zu beschneiden.
Das Fehlen eines Batteriefachs ist ärgerlich, besonders bei einem Pedal, das sich aufgrund der sehr geringen Stromaufnahme durchaus für den mobilen Einsatz eignet.


































Wow – was für ein Sound und was für eine Demonstration.
Den Test habe ich heute Morgen um fünf Uhr mit den parallel laufenden Soundbeispielen durchgehend gelesen. Das ist der richtige Wachmacher.
Die Inspiration die von diesem kleinen Gerät ausgeht, ist voll rübergekommen.
Danke für die inspirierenden Klangbeispiele. Leider bin ich kein Gitarrist, aber es regt mich als Keyborder sofort an, in die Tasten zu greifen und mitzuspielen.
… na ja, gerade bei einem Fuzz macht die Batterie ja schon Sinn. Andere Hersteller haben den Dying Battery Effect als Feature, zb das Eons von Walrus Audio