Test: JHS PG-14, Verzerrer-Pedal

23. Juni 2020

Pauls Signature-Overdrive im Test

JHS PG-14

JHS PG-14

Der US-Amerikaner Paul Gilbert zählt zweifellos zu einer der Ikonen der „Shred-Guitar“ – zu jenen Jungs also, denen es zu Beginn der 80er-Jahre nie zu schnell auf dem Griffbrett gehen konnte. Nachdem Paul zunächst mit seiner Band Racer X überwiegend in der Metal-Szene auf sich aufmerksam machte, folgte Anfang der 90er-Jahre schließlich der kommerzielle Durchbruch mit Mr. Big, mit denen er u. a. mit  Songs, wie etwa  „to be with you“, einige denkwürdige Chart-Platzierungen erreichte.

Während all dieser Jahre hat sich Mr. Gilbert auch immer mal wieder selbst gerne aufs Korn genommen, unvergessen sind dabei etwa die Auftritte mit einem Satz Gitarren-Picks in einer Bohrmaschine eingespannt oder sein Tutorial-Video, in denen er sich, mit damals angesagter Föhnfrisur und Muskel-Shirt, von einer Gruppe Cheerleader zur Höchstform antreiben lässt. Nun hat sich die amerikanische Pedal-Schmiede JHS Pedals den sympathischen und immer gut gelaunten Sunnyboy geangelt und mit ihm zusammen einen Verzerrer entwickelt, der den klanglichen Vorstellungen des Künstlers entspricht. Der Name: JHS PG-14. JHS-Pedals sind bekannt für hochwertige Effektpedale, die in Kansas City in Handarbeit hergestellt werden, man darf also auch hier wieder den überstrapazierten Begriff „Boutique-Pedal“ verwenden und mit einem entsprechend höheren Preis rechnen. Ob dieser gerechtfertigt erscheint, werden wir jetzt mal klären.

JHS PG-14 – Facts & Features

Mit den Maßen von 119 x 71 x 40 mm bei einem Gewicht von knapp unter 400 g gehört das neue PG-14 schon zu den kompakteren Tretminen auf dem Markt. Gar nicht mal so kompakt ist dagegen die Schuhgröße, die Mr. Gilbert zu tragen pflegt und die dem himmelblauen Pedal seinen Namen verpasst: Schuhgröße 14 entspricht dem europäischen Maß von gigantischen 48,5 und damit hätten wir auch gleich zu Beginn die Produktbezeichnung des PG-14 entschlüsselt. Paul hat also nicht nur recht große Hände, sondern auch ein paar stattliche Füße!

Ob es nun dem Design geschuldet ist oder man schlicht keinen Wert drauf gelegt hat, wurden die beiden Klinkenbuchsen in die Seiten des Gehäuses eingesetzt. Das kann bei dem einen oder anderen mal wieder für unnötiges Gerangel auf dem Pedalboard sorgen, die Buchse für den Netzanschluss wurde hingegen an die Stirnseite verfrachtet, zum Betrieb ist zwingend ein 9 Volt Netzadapter erforderlich, mit Batterien ist hier nichts zu holen. Vier pinkfarbene sowie zwei schwarze Regler auf der Oberseite mit ihren weißen Markierungen bilden die Basis zum Einstellen der Verzerrung, die auf einem FET-Schaltkreis basiert und den Klang eines unter Volllast laufenden Röhren-Amps nachbilden soll.

Voller Zugriff auf die Mid-Frequenzen

Eine Besonderheit stellt dabei der Preamp des Pedals dar, der einen sehr genauen Zugriff auf das Mittenspektrum des Signals ermöglicht und vor der eigentlichen Zerrschaltung platziert wurde. Diesen Job übernimmt der Mid Freq Regler, der eine Bandbreite von 400 Hz bis hinauf zu 7,5 kHz abdeckt, wie stark das Mittensignal auf den Gesamtsound seinen Einfluss nehmen soll, bestimmt der Mid-Regler direkt darüber. Er boostet oder beschneidet den Klang mit einer Stärke von bis zu 15 dB. Die übrigen Regler sind schnell erklärt, Tone bestimmt die Klangfarbe, während Volume für die Gesamtlautstärke des Pedals verantwortlich ist. Der Regler mit der Bezeichnung Push bestimmt, wie stark dieser vor der eigentlichen Zerreinheit geschaltete Preamp angefahren werden soll und zu guter Letzt sorgt Gain schließlich den gewünschten Grad der Verzerrung.

Wie es sich für ein Boutique-Pedal in dieser Preisklasse gehört, wurden sämtliche Regler fest mit dem Gehäuse verschraubt und laufen wie in Butter auf ihren Achsen. Sie wurden zudem ausreichend weit vom Fußschalter angebracht, sodass hier eigentlich beim Drauftreten nichts schiefgehen sollte. Der Schalter ist ein ganz normaler mechanischer Typ, schöner wäre sicher eine Softklick-Ausführung gewesen, so knackt es eben ganz ordentlich. Blau ist nicht nur die Farbe des Gehäuses, sondern auch die der LED, die über den Betriebszustand informiert.

JHS PG-14

JHS PG-14 – in der Praxis!

Zunächst einmal fällt das geringe Nebengeräuschverhalten des Pedals auf – sieht man mal von dem lauten Knacken ab, das beim Treten auf den Schalter entsteht. Selbst dann, wenn alle Regler auf „volle Pulle“ stehen, weht nur ein laues Lüftchen aus dem Speaker des angeschlossenen Amps. Die Stärke der erreichbaren Verzerrung reicht vom leichten Crunch-Sound bis zu einer saftigen Distortion, die dem Klang eines bis in die letzten Reserven aufgedrehten Gitarrenverstärkers schon recht nahekommt. Das merkt man vor allem an dem Pumpen des Signals durch seine sehr hohe Kompression, da ist die Illusion nach einer um Erlösung flehenden Röhrenendstufe schon täuschend echt gelungen.

Sollte diese Verzerrung das darstellen, was sich Paul Gilbert wünscht, so muss man doch feststellen, dass sich sein Geschmack diesbezüglich über die Jahre doch ein wenig geändert bzw. verschoben hat. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen er mit brutalem High-Gain seine Licks abfeuerte, denn beim PG-14 ist die Verzerrung doch deutlich moderater ausgefallen. Zwar immer noch ausreichend genug, um auch bei Leadsounds genug Biss zu besitzen, ohne zusätzlichen Gain des angeschlossenen Amps dürfte dies aber für viele nicht ausreichend sein, die den Sound von Mr. Gilbert aus seinen frühen Jahren kennen und schätzen.

Zusammen mit dem Gitarren-Amp aber bieten sich dank der grandiosen Mid-Freq-Steuerung eine Menge Optionen, um das Signal in dem für den Gitarrensound so wichtigen Mittenbereich zu bearbeiten und zu boosten bzw. an den Charakter des angeschlossenen Amps anzupassen. Hinzu kommt die Push-Funktion, die je nach gewählter Intensität dem Sound einen deutlichen Biss hinzufügt oder aber das Signal im eher weichen Spektrum belässt. Ich für meinen Teil habe während der Testphase das Push-Poti immer auf Vollanschlag belassen, so machte es einfach am meisten Spaß.

Nicht ganz so wirkungsvoll wie die Mid-Freq-Regelung zeigt sich das Tone-Poti. Mit diesem lassen sich keine drastischen Klangveränderungen vollziehen, obwohl dessen Verhalten auch immer davon abhängt, in welcher Position sich das Mid-Freq-Poti und der Mid-Regler gerade befinden. Kurz und knapp: Push, Mid-Freq und Tone beeinflussen sich gegenseitig immer ein wenig, so wie es bei einem echten Röhrenamp eben auch ist, wenn man sich dort am EQ zu schaffen macht.

Ein guter Röhren-Amp reagiert auch immer sehr sensibel in seiner Dynamik auf das eingegebene Signal, in dieser Kategorie kann das PG-14 ebenfalls überzeugen und schon bei nur wenig Verzerrung mit ebenso dynamischen Sounds überzeugen und dabei mit reichlich Obertönen und einem satten Headroom glänzen. Genauso wie es ein echter guter Röhrenamp auch tut, da hat uns die Werbung für dieses Pedal nicht zu viel versprochen!

JHS PG-14 – die Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich das JHS PG-14 direkt zwischen Gitarre und dem Eingang meines Orange Micro Dark geschaltet. Alle Tracks wurden mit einer unverzerrten Vorstufe aufgenommen, es ist also definitiv kein Overdrive des Amps zu hören. Am Verstärker angeschlossenen war eine 1×12″ Box mit einem Celestion Vintage 30 Speaker, davor wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert, ehe das Signal in Logic Audio aufgenommen wurde. Effekte wurden keine benutzt, lediglich das Summensignal erhielt einen leichten Limiter, um den großen Dynamikumfang des PG-14 einzufangen. Als Gitarre wurde eine Jackson Pro Soloist SL2Q verwendet, deren Review kann übrigens HIER nachgelesen werden.

Fazit

Das große Plus des JHS PG-14 Verzerrer-Pedals ist eindeutig die Mid-Freq-Schaltung, die einem eine sehr genaue Bearbeitung der so eminent wichtigen Mittenfrequenzen im Gitarrensignal ermöglicht. Weiterhin überzeugen das geringe Rauschspektrum sowie das Push-Poti, das dem Klang eine gehörige Portion Biss hinzufügt. Ein tolles Zerr-Pedal, das den Namen Paul Gilbert alle Ehre macht und unbedingt angetestet werden sollte!

Plus

  • sehr geringe Nebengeräusche
  • wirkungsvoller Zugriff auf das Mittenspektrum des Signals
  • gelungene Nachbildung in Klangverhalten und in der Dynamik eines Röhren-Amps
  • robuste Verarbeitung

Minus

  • mechanischer Schalter
  • Audioanschlüsse an den Außenseiten des Gehäuses

Preis

  • 239,- Euro
Klangbeispiele
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