Test: JoeMeek TwinQ 2 und SixQ 2, Channel Strip & Opto Kompressor

JoeMeek TwinQ2

Meequalizer

Warum darf das Ding jetzt nicht Equalizer heißen? Manchmal darf man sicher über „Marketingexperten“ nur noch wundern. Aber ungeachtet der Begriffsverzeichnung ist der Equalizer des JoeMeek TwinQ2 ein echtes Highlight – „and sounds very unaufdringlich british“. Die tiefe und mittlere Frequenz des 3-Band-EQs lassen sich durchstimmen (LF 40 Hz und 650 Hz / MF 300 Hz – 5 kHz). Der Regler für die hohe Frequenz lässt sich nur umschalten und ist entweder zentriert auf 6 kHz oder 12 kHz. Alle drei Bänder erlauben ein Anheben bzw. ein Absenken von -15 dB bis +15 dB.  Praktisch: Der Meequalizer(!!) lässt sich auf Wunsch auch mit einem Knopfdruck aus dem Signalweg nehmen.

Ein weiterer Knopf erlaubt das Abschneiden der tiefen Frequenzen dank eines Hochpassfilters mit fester Eckfrequenz. (Gern genommen auf der Bühne bei der Übertragung von Mikrophonen – im Studio weniger sinnvoll.)

Wenn auch eingeschränkt, so liebe ich – was Profis wahrscheinlich so gut wie niemals tun – die Bearbeitung der Synth- und Drumsounds schon bei der Aufnahme. Für mich ist dies Teil der Soundgestaltung – hat also nichts mit Anpassung an einen Mix zu tun. Gerade das Spiel zwischen Vorverstärkung (gerne auch mal in die Verzerrung) und Qualizing, ergibt auf Wunsch bereits drastische Soundveränderungen zum ursprünglichen Nutzsignal. Umso mehr muss man am Ende das Signal aber auch wieder in den Griff bekommen. Dafür sorgt nun der OPTICAL COMPRESSOR und der Output-Regler.

OPTO-COMPRESSOR

Die Wirkungsweise des Opto-Compressors habe ich bereits weiter oben kurz angerissen. Die Regler zur Klangzähmung sind schnell aufgeführt. THRESHOLD (hier COMPRESS genannt), RATIO (hier SLOPE genannt) ATTACK und RELEASE – und am Ende MAKE UP GAIN, um zu stark abgeschwächte Signale wieder auf den ursprünglichen Pegel zurück zu bringen.

Über den Umgang mit Kompressoren empfehle ich Neulingen unsere dreiteilige Workshopreihe EFFEKTIV MUSIK KOMPRIMIEREN. Danach kann selbst ein Einsteiger sofort loslegen, versprochen.

Der Kompressor des JoeMeek TwinQ 2 macht mich bei wirklich jeder Audioaufnahme meiner Synths glücklich und oft sogar glücklicher. Bei den seltenen Gelegenheiten, bei denen ich Gesang aufnehme, hat er mich ebenfalls vollkommen überzeugt. Wie konnte ich nur jemals ohne ihn auskommen?? Da pumpt nichts, da hört sich nichts künstlich an. Und mit wirklich wenigen Handgriffen ist das Kompressor genau da, wo ich ihn haben möchte.

Besonderheiten

Während es für die Stereoanpassung am PreAmp und Equalizer KEINE Möglichkeit der Synchronisation gibt (bitte also die Ohren einsetzen), lässt sich der Equalizer verlinken, damit beide Kanäle wirklich sauber und absolut identisch ihren Dienst verrichten.

Der analoge VU-Meter erlaubt das Umstellen zwischen Pegel- und Kompressions-Anzeige.

ZU DEN SOUNDBEISPIELEN

Ich weiß, meine Analogsequenz ist nun wirklich nicht repräsentativ für die Anwendung eines Kompressors, aber da ich ihn nun mal genau dafür – und nun dafür – verwende, gibt es von mir auch als Beispiel nur eine analoge Sequenz aus einem COTK Model 15: Alle drei Beispiele wurden beim Bouncen normalisiert.

Beispiel 1:

Einfach simpel das rohe Ausgangssignal des Model 15 aufgenommen, der mit einem Doepfer Dark Energy angesteuert wurde:

Beispiel 2:

Um den Kompressor gut zu hören, wurde hier der Kompressor stark eingesetzt mit einer Ratio von 5, niedrigem Threshold-Level, schneller Attack und schnellem Release. Die Sequenz schnalzt mehr, verliert aber auch bei den langen Tönen an Druck, wenn der Kompressor nachregelt.

Beispiel 3:

Ähnliche Einstellung wie bei Beispiel 2, aber mit einem deutlichen höheren Threshold-Level. Der Kompressor reagiert deutlich später. Zusätzlich wurde der EQ hinzugeschhaltet. Tiefe Frequenzen um 85 Hz wurden um 3 dB angehoben und mittlere Frequenzen bei ca. 900 Hz wurden um 6 dB angehoben. So in etwa hätte ich am Ende diese Sequenz dann wohl auch final in einen Track übernommen.

Fazit

Ich habe wirklich lange gesucht und auf Grund des Kurses auch lange gezögert. Ein Stereokanalzug für 1.200,- Euro ist natürlich verdammt viel Geld, wenn auch in professionellen Studios deutlich mehr dafür ausgegeben wird. Aber muss man sich wirklich immer mit den Profi-Studios dieser Welt messen? Nein – ich denke nicht. Der JoeMeek TwinQ 2 ist für mich genau das Quäntchen Profi-Feeling, das ich brauche, um das Ego zu streicheln und am Ende durch Produkt und Psyche auch für mich, einen besseren Sound zu produzieren bzw. meinen Vorstellungen von einem besseren Sound deutlich näher zu kommen.

Der JoeMeek TwinQ 2 besticht durch seinen klaren Aufbau, durch seine vielseitigen Funktionen und durch seinen musikalischen Klang. Hinzu kommt eine solide Verarbeitung und für das Gebotene ein wirklich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich kann den JoeMeek TwinQ 2 jedenfalls mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

Plus

  • hervorragender Klang
  • Vorverstärker, EQ, Kompressor und Wandlung in einem Gerät
  • robuste Verarbeitung
  • Insert-Kanäle für weitere Effekte

Minus

  • Inserts nicht schaltbar

Preis

  • JoeMeek TwinQ2: 1.199,-Euro
  • JoeMeek SixQ2: 555,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    t.goldschmitz  RED

    Hi Peter,

    Singer und Songwriter wird dem guten Joe, wie ich finde, nicht ganz gerecht. Aus WIKI: 
     
    Robert George „Joe“ Meek (5 April 1929 – 3 February 1967[5]) was an English record producer, –>sound engineer<-- and songwriter who pioneered space age and -->experimental<-- pop music. He also assisted the -->development<-- of recording practices like overdubbing, sampling and reverb.

  2. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Hallo Peter, ich freue mich über diesen Test. Mehrfach hatte ich schon für mein Projekt-Studio nach einem JoeMeek Ausschau gehalten, weniger aufgrund des EQs, primär wegen des optischen Kompressors, der möglichen Lautstärkeanpassung und der möglichen Integration eines weiteren EFx. Das Audio, das die Arbeit des Kompressor beinhaltet, hat mich zwar nicht überzeugt, für mich klang das Original bereits genügend komprimiert, aber das EQ-Beispiel klang dafür richtig gut. Ich werde mir etwas überlegen müssen, ich weiß zwar noch nicht was, aber der JoeMeek TwinQ2 wird in der Auswahl dabeisein.

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    costello  RED

    Feiner Test und feines Gerät. Bin auch gerade schwer am überlegen, in ein neues Pult zu investieren. Der JoeMeek wäre eine echte Alternative, da ich ja auch in aller Regel Synthesizerstimmen nacheinander aufnehme. Und das tannengrün finde ich très chic :-)

    • Profilbild
      Tyrell  RED 13

      Ging mir genau so. Aber auf der einen Seite fehlt mir der Platz, auf der anderen Seite sehe ich inzwischen keinen Sinn mehr darin ein hochwertiges Pult zu betreiben (auch wenn es das Ego streichelen würde, wenn da ein schönes Pult im Studio steht). Der Joe meek steht aber genau neben der DAW auf Augenhöhe – und da freut sich das Ego auch, wenn die leuchtenden VU-Meter entzückt tanzen.

  4. Profilbild
    malekmusic  

    Der Joemeek Kompressor ist eine Studio Legende, allerdings muss man sagen, dass das mit der aktuellen Geräten von Joemeek nichts mehr zu tun hat. Ted Fletcher hat seine eigene Firma TF Pro die tatsächlich noch die original Geräte nachbauen und weiterentwickelt.

    Der eq in dem neuen joemeek heisst übrigens meeqlizer weil sie an die alten eqs von joemeek erinnern sollen. Haben aber auch damit nichts mehr zu tun.

  5. Profilbild
    falconi  RED

    Mir fällt zu Joe Meek immer ein, dass er seine Vermieterin und dann sich selbst mit einer Schrotflinte erschossen hat. Das ist nicht vorbildlich, und war sicher kein schöner Anblick, aber mancher wird es insgeheim nachfühlen können:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Joe_Meek

  6. Profilbild
    Neosay

    Ich habe mir einen twinQ2 gebraucht zugelegt – leider braucht das Gerät scheinbar dringend einen Service. Über die offizielle Seite ist wenig in Erfahrung zu bringen. Hat jemand eine Idee oder kennt jemanden der sich mit den Geräten auskennt?

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