Test: Johannes Doerr Midiflow, MIDI-Effekte, iOS-APP

20. Juni 2018

Starke MIDI-Effekte für Audiobus 3

Johannes Doerr Midiflow – MIDI-Plug-ins

  • Keyboard
  • Motion
  • Splitter
  • Limiter
  • Scales
  • Randomzier
  • Transposer
  • Adapter

je 2,29 Euro, iTunes

  • Monitor

Gratis

  • Midiflow for Audiobus 3-Bundle (Keyboard, Motion, Splitter, Limiter, Scales, Randomizer)

9,99 Euro

Limiter


Der Limiter des Johannes Doerr Midiflow erlaubt das Einstellen einer beliebigen Kurve für die Anschlagslautstärke. Doch es geht noch darüber hinaus. Eine frei wählbare Zone der möglichen Gesamtanschlagsdynamik kann dabei auf eine völlig andere Dynamikkurve umgebogen werden oder der Wertebereich der Eingangsdynamik wird einem fixen Anschlagswert zugewiesen. Alle anderen Eingangswerte, die nicht in dem Eingangswertebereich liegen, werden dabei eliminiert.

Transposer


Der Transposer des Johannes Doerr Midiflow transponiert die Eingangsnoten um eine beliebige Anzahl von Halbnoten und Oktaven nach oben oder unten. Sehr einfach gehalten.
Es wäre toll, wenn man verschiedene Transponierungszonen hätte, die nur bestimmte Noten oder Oktaven „verstimmen“ könnten, evtl. auch mit algorithmischen Kurven und auch um feiner Werte als nur Halbtöne.

Scales


Bei Scales wird es schon etwas komplexer. Hier lassen sich die MIDI-Eingangsnoten auf bestimmte Tonarten anpassen. Es kann dabei gewählt werden, ob eingehende Noten auf die nächstgelegene „zulässige‟ Note der Tonart transponiert oder ganz ignoriert werden. Es gibt eine hinreichende Auswahl an Tonart-Presets, es kann aber auch rudimentär eine eigene Tonart erstellt werden.
Was ich mir hier noch wünschen würde, wären weiterreichende Einstellungen für mikrotonale Tonarten, auf die sich die normalen MIDI-Noten mappen lassen, mit freien MIDI-Cent- und Detune-Einstellungen. So ein App-unabhängiger MIDI-Effekt ist für iOS schon lange überfällig.

Randomzier


Ein Zufallsgenerator sorgt im Johannes Doerr Midiflow für Noten, der den eingehenden MIDI-Noten ein Zufälligkeitsmoment verpasst. Es lässt sich einstellen, in welcher Bandbreite von Halbtonschritten die Noten nach oben und unten transponiert werden wie auch die Abweichung von der gespielten Anschlagsstärke und nicht zuletzt, wie oft dieses „Phänomen‟ passieren darf. Der maximalwert beträgt 500 ms.
Der Randomizr ließe sich vorsichtig eingesetzt als „Humanizer‟ z.B. für ein natürlicheres Abspielen von MIDI-Dateien benutzen, aber natürlich auch für extreme, automatisierte Kakophonie.
Es wäre sicher in jedem Fall aber hilfreich, wenn die Noten auch im Cent-Bereich bzw. mit dem Detune-Parameter verbogen werden könnten und ein längeres Zeitfenster von mehreren Sekunden zu Verfügung stünde. Das würde die Nützlichkeit des Effekts noch wesentlich erhöhen.

Splitter

Was viele Softsynths und so gar DAWs teilweise nicht hinbekommen, sind Keyboard-Zonen, auch bekannt als MIDI-Splitting, also das Anspielen mehrere Synthesizer mit nur einer Klaviatur. Splitter erfüllt nun genau diesen Zweck.

Er wird auf jedem MIDI-Kanalzug als Effekt eingefügt. Als MIDI-Eingang dient immer der gleiche MIDI-Controller, in dem Fall der QuNexus. Als MIDI-Ausgang gibt es diverse Synthie-Apps oder Audio Units.

Mit Splitter lässt sich nun für jede App, genauer gesagt, jeden MIDI-Kanalzug eine Klaviatur-Zone festlegen, welche weiteren Controllerdaten diese Zonen noch verarbeitet und ob gegebenenfalls eine Transponierung der Noten gewünscht ist.

Aber nicht nur Vollblut-Keyboarder mit 88 Tasten profitieren davon. Selbst mit einem 25 Tasten Keyboard ist es immer noch einfacher, mal schnell die Oktaven umzuschalten und damit in eine andere Key-Zone zu wechseln, als ständig die Apps anpassen zu oder die Spuren stummschalten zu müssen. Aber auch Frickler, die mehrere Synthies mit nur einem MIDI-Sequencer anspielen wollen, profitieren genauso sehr von Splitter.

Monitor


Monitor macht im Johannes Doerr Midiflow genau das, was draufsteht und gibt die durchfließenden MIDI-Daten des Kanalzugs als Werteliste aus. Sehr hilfreich. Das Besondere an diesem MIDI-Monitor ist aber, dass er sich auch im Split-Screen- und Overlay-Modus benutzen lässt und auch mehre MIDI-Ports gleichzeitig abhören kann, was sehr praktisch bei einer andauernden und komplexeren Datenanalyse ist.

Keyboard

Keyboard ist zwar für den MIDI-Eingang und kein Effekt, wird er Vollständigkeit halber auch aber hier aufgeführt. Die App stellt drei On-Screen-Klaviaturen zur Verfügung, mit der bis zu drei verschiedene Apps im MIDI-Ausgangs-Slot gespielt werden können. Die Bedienung ist etwas am Roli Seaboard orientiert. So richtet sich z.B. die Notenlautstärke danach, auf welcher Höhe eine Taste angeschlagen wird. Der Notenausschnitt lässt sich zwar einfach verschieben, zeigt aber maximal 25 Tasten auf einmal. Auf einem 12,9‟ iPro ist das immer noch ziemlich groß, auf einem normalen 9.7er iPad oder mini nicht.


Das Praktische dabei ist, dass wirklich frei gewählt werden kann, welche Klaviatur welchen Klangerzeuger anspricht, auch alle drei auf einmal, falls gewünscht. Keyboard erfüllt quasi dieselbe Funktion wie Splitter, nur eben mit einer On-Screen-Klaviatur ohne externe Quellen.

Motion


Mit dieser App, die ebenfalls ein MIDI-Eingang ist, können die Bewegungen des iTouches anhand der X/Y-Achsen des Gyroskops in MIDI-Controller umgewandelt werden. Sogar mit 14 Bit Genauigkeit (MSB+LSB). Außerdem lässt sich auch der Wertebereich für den Bewegungssensor und für die Parameterausgabe einstellen. Im Zusammenspiel mit der Scales-App können die Parameterwerte auch in Noten umgewandelt werden.

Adapter

Damit auch Apps, die nicht mit Audiobus 3 MIDI-kompatibel sind, von dessen Vorzügen profitieren können, entwickelte Johannes Doerr die Midiflow Adapter-App. Damit lassen sich MIDI-Signale aus Audiobus heraus an andere Apps und an Hardware weiterleiten.
Der Midiflow-Adapter stellt für jeden MIDI-Kanalzug, auf dem er instanziiert ist, einen wählbaren MIDI-Kanal und einen von zehn CoreMIDI-Ports zur Verfügung, auf die externe Apps zugreifen können. Die MIDI-Verbindung funktioniert bidirektional.

Alternativen für Apps, die mit gar nichts anderem außer CoreMIDI kompatibel sein wollen, sind im übrigen immer noch Audeonics MIDIBridge und Midiflow Router von Johannes Doerr.

Fazit

Mit dem Johannes Doerr Midiflow iOS-Plug-in sind die wichtigsten Grundbedürfnisse schon mal abgedeckt. Einziger Kritikpunkt sind die teilweise unterirdische Farbauswahl und die viel zu niedrigen Kontraste der Plug-ins.

Dass die Werte alle über eine Zehnertastatur und ohne sonstige Touchgesten eingegeben werden, mag der Effizienz der Plug-ins geschuldet sein und ist vertretbar. Zumindest um Welten besser als ein Rolodex-Element, das für Werteauswahl oftmals eine Katastrophe ist.

Aber es gibt noch viele, viele Ideen und Möglichkeiten, die es zu entdecken gilt. Wir dürfen also schon mal gespannt sein, was da noch kommen wird.

Plus

  • viele und gute MIDI-Effekte

Minus

  • Farbwahl

Preis

  • Keyboard, Motion , Splitter. Limiter, Scales, Randomzier, Transposer, Adapter - je 2,29 Euro
  • Monitor - gratis
  • Midiflow for Audiobus 3-Bundle - 9,99 Euro
Forum
  1. Profilbild
    dirkfwalther

    Ich nutze diese Midi Plugins gerne, sie sind schlank, fokussiert und laufen einwandfrei. Falls Johannes Doerr grade mitliest eine kleine Anregung: Eine Sequencer oder Loop Aufnahme Funktion (32/64 Steps) in der Keyboard App beim nächsten Update oder als eigenes PlugIn wären perfekt!

  2. Profilbild
    CloudSounds  

    Coole, essentielle PlugIns. Ich kann mich noch gut erinnern, als Sebastian und Johannes letztes Jahr auf der MMM2017 in Berlin Audiobus3 und die MidiPlugIns vorgestellt haben. Das war für einen iOS-Musiker wie mich schon ein ‚Magic Moment‘!

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