Test: Jomox Moonwind, Analog Stereofilter

29. August 2012

Experimenteller Vollmond-Filter

Ein neues Gerät von Jomox. Ein duales analoges Multimode-Filter mit 64-Step Sequenzer für das Filter und einer digitalen Effekteinheit mit 15 Effekten, alles auch über MIDI ansprechbar. Die zwei Filter können unabhängig voneinander arbeiten und die Cutoff-Frequenz per MIDI tonal gespielt werden. Der leicht esoterische Name des Neuen: Moonwind. Ob der Wind dabei nur ein laues Lüftchen oder eine steife Brise ist und ob er einen näher zu den Sternen bringt, können Sie in diesem Test lesen.

Check-List

Wenn der Moonwind, durch eine wiederverschließbare Plastikhülle vor Staub und Feuchtigkeit geschützt, aus seiner ökologisch angenehmen, nur aus Kartonteilen bestehenden Verpackung genommen wird, hält man ein solide gebautes, keilförmiges Gerät mit 1,85kg in den Händen. Seine Maße betragen 185 x 315 (TxB) und x 60mm Höhe am Heck, zuzüglich der ca. 1cm hohen, massiven angeschraubten Gummifüße. Die abfallende Bedienfront ist dabei nicht nur angenehm für die Augen, sondern auch für die transportierenden Hände. Ebenfalls in der Packung zu finden ist das externe 13VA AC-Netzteil (10,5VAC, 1,2A) und zwei fast vergessene Freunde aus alten Tagen: gedruckte Handbücher in Deutsch und Englisch.

Unpacking the Alien

Countdown

An der Rückseite befinden sich sechs unsymmetrische, verschraubte 6,3mm Mono-Klinkenbuchsen. Zwei davon sind dem linken (mono) und dem rechten Eingangskanal zugeordnet. Diese Haupteingänge vertragen sehr laute Line-Level Signale bis +20dBu, zusätzlich zu den hochohmigen Signalen aus E-Gitarre, E-Bass und dergleichen.
Die Aux-Klinkenpärchen bilden den anderen Eingang. Hier können nur normale Line-Level Signale eingespeist werden, welche auch nur durch die Filter gehen und dann dem Hauptsignal lediglich zugemischt werden. Das Aux-Signal durchwandert weder die Effekteinheit, noch den Hüllkurvenverfolger und ihr Eingangspegel ist über den Moonwind nicht regelbar. Schließlich kommt noch das Ausgangspärchen mit einer Verstärkung bis +20dBu, die über den Master-Regler eingestellt werden kann.

Anschlüsse des Jomox Moonwind

Die Potis haben einen satten, recht schweren Drehwiederstand, worüber so mancher beim heftigen Fummeln dankbar sein wird. Beim meinem Testgerät Nr. 75 war der linke Cutoff jedoch sehr leichtgängig und die Achse kratzte etwas an der Gehäusebohrung. Hier konnte im Betrieb eine unachtsame, ungewolltes Anecken den Cutoff verstellen, gab aber ansonsten keinen Anlass zu Bedenken.
Die Encoder sind durchgehend optimal im Drehwiderstand und die Taster haben einen sehr schönen Druckpunkt, sind aber subjektiv empfunden etwas zu laut – d.h. nicht die Knöpfe selbst, sondern deren Nachhall im Gehäuse. In lauten Live-Situation spielt das aber eh keine Rolle mehr. Das ist eben Hardware und kein Touchscreen – sollte vielleicht aufgrund des erhöhten Aufkommens von letzterem erwähnt werden. Per MIDI lässt sich das ja auch mit einem „leiseren“ Controller elegant umgehen. Dazu später mehr.

Mondoberfläche zeichnet

Begeben wir uns auf die Suche nach dem Ursprung dieses Windes und betreten die bereits erforschte helle Seite der Mondoberfläche. Links und rechts haben die Filter ihre eigenen drei Parameter mit Cutoff, Resonanz und Q, das die Güte (Bandbreite) des Filters zu beiden Seiten der Cutofffrequenz definiert. Q findet sich in der Regel eher bei Equalizern und ist nicht mit der Flankensteilheit zu verwechseln, jedoch damit verwandt. Je höher Q ist, desto enger wird also die Bandbreite oder, wenn man es so sehen will, die „Bandpasscharakteristik“ des Filters zu beiden Seiten der Cutoff-Frequenz. Deswegen lässt sich auch nicht so einfach sagen, das Filter hätte eine Flankensteilheit von so und soviel dB/Okt. Was sich dagegen angeben lässt, ist der Arbeitsbereich des Filters, der zwischen 10Hz und 30kHz liegt.


Die beiden Filter arbeiten solange unabhängig voneinander, bis der LINK-Taster betätigt wird. Dann übernimmt das linke Filter die Steuerung für beide. Über die SHAPE-Taster können jedoch weiterhin die Tief-, Hoch-, Notch- und Bandpass-Modi für jedes Filter frei gewählt werden.
Am oberen Rand des Moonwinds finden sich noch, logisch angeordnet, der Gain-Regler mit einer Eingangsverstärkung um max. +20dBu, der überaus beliebte, weil praktische Dry-/Wet-Regler und der Master, der die Lautstärke des Ausgangssignal von -∞ bis +20dBu regelt.
Dem Gain-Regler zu Seite gestellt ist noch eine Clipping-LED, die nach Möglichkeit nicht aufleuchten sollte, möchte man stärkere Verzerrungen vermeiden. Das Gerät ist sehr rauscharm. Bei verbunden Anschlüssen und nicht anliegendem Audiosignal liegt das Grundrauschen bei ca. -100dBFS, ist also absolut studiotauglich.
Damit verlassen wir nun die bekannten Gefilde und betreten die dunkle Seite des Mondes. Sehen wir was dort, verborgenen vor den Teleskopen der Erde, zu entdecken ist.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    el_dani

    warum wird bei Filterboxen als alternative nie der Dave Smith Evolver erwähnt? sehr preiswert, mit Sequenzen, Midi-Anbidung, Effekten, genügend LFOs und Hüllkurven, 2 analoge Oscis, 2 digitale usw.

    ach ja alles in Stereo bei dem

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Aber recht hat du trotzdem! :)

      Analoge Filter hat er ja und dass er „nur“ Stereo ist, ist bestimmt kein Grund ihn so sträflich zu vernachlässigen.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    darf ich fragen woher du das OS 1.1 hast? auf der jomox seite bieten sie nur das 1.06 zum download an?

  3. Profilbild
    TobyB  RED

    hallo markus,

    sehr guter Artikel, der Absatz mit Q hat den Elektrotechniker in mir verwirrt, das ist für Aussenstehende arg komplex formuliert, zumal ein Equalizer auch ein Filter ist. Und bei einem Parametrischen EQ können wir mittels Q von Glocke, zu Nadel oder Kuhschwanz regeln. Das hier beschriebene Filter hat schon eine Flankensteilheit nur ist diese hier einstellbar.

    Grüsse aus Hessen.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Du hast elektrotechnisch wohl recht und ich hätte das auch noch etwas klarer beschreiben können.

      Das Problem ist aber hauptsächlich ein terminologisches:
      In der musikalischen bzw. audioakustischen Terminologie unterscheidet man eben
      – glockenartige Equalizer und Filter mit Q-Faktor-Angabe
      – glockenartige Filter / EQs mit Bandbreite in dB/Okt.
      – und die „Kuhschwänze“ Low-/ Highpass Filter bzw. Low-/ Highshelf Equalizer mit Flankensteilheit in dB/Okt.
      wobei Filter und EQs, wie du schon angedeutet hast, nur aufgrund ihrer Resonanzfähigkeit unterschieden werden.

      Zusätzlich wird _nur_ bei Hoch-, Tiefpass-Filtern und Shelf-EQs von Flankensteilheit (in dB/Okt) gesprochen, nicht so bei glockenartigen Filtern und EQs. Dort heißt es die Bandbreite, wenn ein dB/Okt-Wert definiert ist und Q wenn der Gütefaktor des Filters eingestellt werden kann.

      Wobei der Begriff „Q“ zwar häufig synonym zu „Bandbreite“ benutzt wird, dies aber nicht richtig ist.
      Während Q ja nur einen „Dämpfungswert ohne Maßeinheit für den Energieverlust in einem Schwingkreise“ beschreibt, ist die Bandbreite „über Grenzfrequenzwerte definiert, die sich bei einem Lautstärkeabfall von 3dB, vom maximal Pegel aus, ergeben“.
      Zudem verhalten sich die Werte von „Bandbreite“ (db/Okt) und „Q“ ja auch umgekehrtproportional. Nur mal ganz grob zusammengefasst, genauer z.B. hier: http://de......BCtefaktor
      Ich will Dir hier auch nicht herbeten was Du eh schon weißt.

      Der eigentliche Punkt des ganze auf den ich hinauswill ist, dass musikterminologisch die Begriffe „Filter“, „EQ“, „Bandbreite in dB/Okt“, „Q“ und „Flankensteilheit in dB/Okt“ und deren Anwendung nicht austauschbar sind (sieh oben), selbst wenn man dB/Okt nur als „geeichte Q-Werte“ sehen will, was sich formeltechnisch ja auch gut hinkriegen lässt.

      Den Moonwind betreffend haben wir es mit einer Schaltung zu tun, die der obigen Beschreibung widersprechend, alle diese Charakteristika in sich vereint und somit sehr „innovativ“ ist (echt, warum machen das nicht viel mehr Hersteller!), was eine einfache Erkärung auch nicht leichter macht, da auch die e-technischen und musikalischen Definitionen eben sehr unterschiedlich sein können.

      soweit mal, hoffe das war jetzt brauchbarer für Dich
      Grüße,
      M.

      • Profilbild
        TobyB  RED

        hallo markus,

        mich verwirrt da halt die die musikalische terminimologie ;-) ich konnte halt erst elekrotechnik und nachrichtentechnik, bevor sich mir oktave und tonarten und harmonien erschlossen. musikunterricht in der ddr bestand aus dummen nachsingen irgendwelcher lieder.

        der moonwind macht schon das was er soll, hab mir grade einen ersteigert und bin deshalb über deinen artikel gestolpert.

        filter zu beschreiben ist halt nicht eben einfach, grade dann wenn das ergebnis akustischer natur ist. bei reiner nachrichtentechnischner betrachtung wird eben anders betrachtet. ich ertappe mich auch immer das ich zur e technischen betrachtung neige und damit die musiker verwirre :-)

        gudde toby

      • Profilbild
        TobyB  RED

        Hallo Markus,

        hör dir das Ergebnis am besten auf Soundcloud an. Du kann mir dann ja sagen ob ich das Prinzip verstanden habe :o) Ich hab mal die Monotribe und die Rocket durch den Moonwind gedreht und ein wenig mit einem russischen Vocoder verwolft. Gewürzt mit ein bischen Bleep und Fläche. Unter der Voraussetzung das man dem Mondwind ordentlich füttert und mit dem Parametern klar kommt, kann man damit die Spacenight daheim abhalten. Kein Instrument für jeden, man muss sich damit auseinander setzen aber definitiv eine sinnvolle Ergänzung für Leute die keine rohen Werksounds mögen und so etwas brauchen.

        Btw. hast Du schon den MacMillen Controller?

        Gudde

        • Profilbild
          Markus Schroeder  RED

          Ich denke mal du meinst das Stück FilterReign,
          ja, echt 100% SpaceNight. Schön relaxed. :)

          MacMillen lässt auf sich warten, und die Volcas und der 8Step… etc. alles nicht vor Ende Juni. Wahrscheinlich auch wegen Sommer NAMM.

          • Profilbild
            TobyB  RED

            Hallo Markus,

            ja war auch so gedacht, und da mecker noch einer a) über russische Vokoder und b) über die Monotribe hinter Filtern. Das Einzige was noch stört ist halt das es ein Monosignal ist, aber ich bin erst als ist fertig war auf das Babyblau-Chorus von Roland gekommen. Egal. Ich warte auch noch auf die Teile, das Einzige was ich bis dato hab ist das Expression Pedal von EHX, das macht sich ganz gut :-) Bis Ende Juni lässt es sich aushalten, ich bin grade am löten und und mein Mischpult ist eh voll und vor den Volcas und dem 8Step muss es nach 10 Jahren ein neuer analoger Mixer sein. Und mit der Rocket von Waldorf bin ich ich auch noch nicht ganz durch…

            Gudde Toby

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.