Brit-Sounds zum Mitnehmen
Der Joyo BanTamP XL Jackman II bringt klassischen Brit-Crunch ins Mini-Format – mit zwei Kanälen, echter Röhre, Bluetooth, FX-Loop und klar fokussiertem Rock-Sound für Studio, Proberaum und Bühne.
- Brit-Sound pur: Klar fokussierter Crunch- und Overdrive-Charakter, inspiriert von Marshall-Klassikern.
- Zwei Kanäle: Clean & Drive mit Gain, Tone und Volume – reduziert, aber effektiv.
- Praxisorientiert: FX-Loop, Speaker-Sim, Bluetooth, Fußschalter und Netzteil inklusive.
- Für Puristen: Kein High-Gain-Monster, sondern ehrlicher Rock-Ton im Mini-Amp-Format.
Inhaltsverzeichnis
Joyo BanTamP XL Jackman II
Der chinesische Hersteller Joyo mischt seit Jahren den Markt für budget-freundliche Effektpedale und Kompaktverstärker kräftig auf. Mit der BanTamP-Serie hat sich die Marke ein eigenes kleines Ökosystem an ultrakompakten Hybrid-Topteilen geschaffen, die jeweils eine stilistisch klar umrissene Klangrichtung bedienen: vom klassischen US-Clean über moderne Metalsounds bis hin zu britisch geprägten Crunch-Konzepten. Der XL Jackman II ist Joyos Interpretation eines britisch angehauchten Rock-Topteils – der Name lässt es bereits anklingen.
Gemeint ist ein Klangverhalten, das sich traditionell zwischen Marshall-JCM-Schule und klassischem britischen Crunch bewegt: bissige Mitten, früh ansprechende Sättigung, raues Gain und ein durchsetzungsfreudiger Charakter. Mit rund 1,2 kg Gewicht, einer 12AX7-Röhre in der Vorstufe, zwei vollwertigen Kanälen, 20 Watt Class-D-Endleistung, Bluetooth-Funktion und seriellem Effektweg entspricht die Ausstattung weitgehend den übrigen XL-Modellen. Der Unterschied liegt in der klanglichen Zielsetzung: weniger elegante, breitbandige Clean-Sounds – dafür ein härter zupackender Grundcharakter und ein Drive-Kanal, der sich klar an raueren Rock-Genres orientiert.
Joyo positioniert den Jackman II als Lösung für Wohnzimmer, Studio, Proberaum und kleinere Bühnen – also überall dort, wo Transportabilität und unkomplizierte Bedienung wichtiger sind als pure Lautstärke. Die spannende Frage lautet: Wie gut gelingt es dem kleinen Hybrid-Amp, die typischen britischen Charakterzüge glaubwürdig abzubilden? Machen wir den Test!
Facts & Features
Der Jackman II kommt in der für die BanTamP-Reihe typischen Form: ein kleines, robustes Metallgehäuse – klar strukturiert, funktional und ohne optische Spielereien. Mit seinem rot-schwarzen Farbschema wirkt er etwas moderner und aggressiver als andere Amps der Serie. Lüftungsschlitze an den Seiten und auf der Oberseite sorgen für ausreichende Wärmeabfuhr der 12AX7-Röhre, ein stabiler Tragegriff erleichtert das Handling. Insgesamt wirkt das Gerät trotz seiner geringen Abmessungen angenehm solide.
Zwei unabhängige Kanäle
Wie bei allen XL-Modellen bietet die Front zwei vollständig getrennte Kanäle, jeweils ausgestattet mit Gain-, Tone- und Volume-Regler. Das Bedienlayout ist übersichtlich und der Drehwiderstand der Potis vermittelt einen wertigen Eindruck. Die Kanäle werden per Schalter angewählt, ein kleiner Fußschalter für die Kanalumschaltung liegt bei.
Der Tone-Regler ist als einziges Klangformungswerkzeug vorhanden – ein vollwertiger Equalizer wäre natürlich wünschenswert, ist in dieser Geräteklasse aber nicht zu erwarten. Solange der Grundsound überzeugt, ist das absolut vertretbar. Ein zusätzlicher Metallschalter aktiviert die Bluetooth-Verbindung und über den Power-Switch wird der Amp schließlich in Betrieb genommen.
Praxisgerecht ausgestattete Rückseite
Die Rückseite bietet alle praxisrelevanten Anschlüsse: Lautsprecherausgang (ab 8 Ohm), Aux-In, Kopfhörerausgang mit integrierter Speaker-Simulation, Anschluss für Netzteil und Fußschalter, Bluetooth-Antenne sowie den seriellen Effektweg. Letzterer ist ein entscheidendes Feature, da sich nur so Delay-, Reverb- und Modulationseffekte sauber hinter der Vorstufe einbinden lassen.
Im Lieferumfang enthalten sind: Netzteil, Lautsprecherkabel und Fußschalter zur Anwahl der beiden Kanäle – ein erfreulich komplettes Paket.
Der Joyo BanTamP XL Jackman II im Praxis-Check
Im praktischen Einsatz präsentiert sich der Joyo BanTamP XL Jackman II als klar fokussierter Vertreter der klassischen britischen Verstärkerschule. Anders als viele moderne Mini-Amps, die mit umfangreicher Klangregelung oder extremen Gain-Reserven auf maximale Vielseitigkeit setzen, verfolgt der Jackman II einen deutlich puristischeren Ansatz: zwei Kanäle, eine überschaubare Bedienoberfläche und ein definierter Grundsound – ganz im Sinne der frühen Marshall-Topteile, auf die sich Joyo hier klar bezieht.
Der Clean-Channel
Der Clean-Kanal liefert einen überraschend klaren und stabilen Grundsound. Selbst bei höheren Gain-Einstellungen bleibt das Signal sauber und transparent, ohne frühzeitig in Sättigung überzugehen. Akkorde werden gut aufgelöst, Einzeltöne behalten ihre Kontur, der Klang wirkt weder verwaschen noch komprimiert. Er besitzt eine typische britische Straffheit, mit präsenten Mitten und kontrollierten Bässen – ohne dabei harsch oder spitz zu werden.
Gerade für cleane Rhythmusarbeit oder offene Akkord-Voicings eignet sich dieser Kanal gut, zumal er seine Klarheit auch bei steigender Lautstärke bewahrt. Die Dynamik ist ordentlich, erreicht jedoch nicht ganz die Direktheit klassischer Vollröhren-Amps. Das Spielgefühl wirkt mitunter leicht zäh, insbesondere bei nuancierten Anschlägen. Dafür bleibt der Ton konstant und verlässlich – was je nach Einsatzzweck ein Vorteil sein kann.
Verschiedene Gitarrentypen werden authentisch abgebildet: Singlecoils bringen Brillanz und Transparenz, Humbucker verleihen dem Ton mehr Fundament und Durchsetzungskraft, ohne den Kanal zu übersteuern.
Die Klangregelung beschränkt sich – wie bereits erwähnt – auf einen einzelnen Tone-Regler, der primär den Höhenanteil und die Offenheit des Sounds beeinflusst. Er ersetzt weder einen vollwertigen EQ noch einen charakterprägenden Voice-Regler, wie man ihn von anderen BanTamP-Modellen kennt. Die Eingriffe sind dezent, größere Klangwechsel nicht vorgesehen. Der Amp bleibt seinem Grundcharakter konsequent treu – was gut zur klassischen Ausrichtung passt.
Der Overdrive-Channel
Der Overdrive-Kanal ist klar als Herzstück des Jackman II zu verstehen. Hier zeigt der Amp seine Nähe zu klassischen Marshall-Sounds: Die Verzerrung ist körnig, offen und eher rau als geschmeidig. Statt moderner High-Gain-Strukturen liefert der Amp einen klassischen, britisch geprägten Overdrive, der an Plexi- und frühe JCM-Toncharaktere erinnert. Akkorde brechen organisch auf, Einzeltöne bleiben definiert – der Sound ist direkt, ungeschönt und musikalisch.
Mit zunehmendem Gain steigt der Zerrgrad spürbar an, ohne jedoch in Metal-Bereiche vorzudringen. Der Sound bleibt immer offen, kantig und eher roh – was ihn zwar weniger komprimiert, dafür aber umso authentischer wirken lässt. Die Dynamik ist solide, auch wenn der Kanal nicht ganz so feinfühlig auf Anschlagsnuancen reagiert wie hochwertige Röhren-Amps.
Bei höheren Gain-Einstellungen tritt ein deutlich hörbares Rauschen zutage, das vor allem im Leerlauf auffällt. Im Bandkontext dürfte das kaum ins Gewicht fallen, bei Studioaufnahmen hingegen schon. In Sachen Lautstärke erweist sich der Jackman II als durchsetzungsstark: Mit einer passenden Box – z. B. mit Celestion-Speakern – liefert die 20-Watt-Class-D-Endstufe ausreichend Pegel für Proberaum und kleinere Gigs.
Der serielle Effektweg funktionierte im Test zuverlässig und erlaubte die saubere Einbindung von Delays, Reverbs und Modulationseffekten hinter der Vorstufe. Auch der Kopfhörerausgang mit integrierter Speaker-Simulation erwies sich als praxisnah: zum Üben absolut brauchbar, wenn auch klanglich eher funktional als high-endig.
Insgesamt präsentiert sich der Jackman II als ehrlicher, klassisch abgestimmter Mini-Amp, der bewusst auf extreme Klangformung verzichtet und stattdessen einen klar definierten britischen Sound mitbringt – ideal für Fans rauer, unkomplizierter Rock-Sounds.
Joyo BanTamP XL Jackman II Klangbeispiele
Für die folgenden Klangbeispiele wurde der Joyo BanTamP XL Jackman II zusammen mit einer 1×12″ Celestion Vintage 30 Box verwendet. Als Mikrofon kam ein AKG C3000 zum Einsatz, eingespielt wurden die Tracks mit einer Music Man Silhouette Special. Es wurden keinerlei Effekte genutzt; lediglich auf der Summe in Logic wurde ein Limiter gesetzt, um Pegelspitzen – insbesondere bei lauteren Passagen – abzufangen bzw. einzugrenzen.
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