Unendlicher Spaß bis dass die Batterie uns scheidet
Der Joyo Infinite Sustainer verspricht endloses Sustain, schwebende Töne und violinartige Klangflächen – ganz ohne Einbau oder Modifikation der Gitarre. Ob das günstige EBow-Prinzip in der Praxis überzeugt, klärt dieser Testbericht.
- Funktionsprinzip: Magnetfeld versetzt jeweils eine Saite in dauerhafte Schwingung.
- Modi: Normal-Mode und Harmonic-Mode für Grundton oder Obertöne.
- Spielpraxis: Erfordert Übung, ermöglicht aber Swells, Arpeggios und flächige Texturen.
- Einsatzgebiet: Ambient, Sounddesign, atmosphärische Leads und Experimente.
Inhaltsverzeichnis
Joyo Infinite Sustainer – was ist das?
Der Infinite Sustainer von Joyo ist keine neue Erfindung. Das Funktionsprinzip entspricht dem des EBow, einer Erfindung von Greg Heet aus den späten 60er-Jahren, die dann rund zehn Jahre später als serienreife Version auf der NAMM Show vorgestellt wurde.
Den speziellen Effekt, den ein solcher Sustainer erzeugt, kennt man unter anderem von The Edge, der im Song With or Without You Gebrauch vom EBow macht. Ansonsten hört man den EBow in unzähligen Songs – von Genesis über die Foo Fighters und die Red Hot Chili Peppers bis hin zu Frank Zappa und Tom Petty.
Eine Saite der Gitarre wird mittels eines Magnetfeldes zum Schwingen gebracht und kann so einen endlos langen Ton erzeugen – jedenfalls so lange, wie die Batterie das mitmacht. Das Ergebnis ist ein der Geige verwandter Ton, bei der ja bekanntermaßen die Saite durch einen Bogen zum Schwingen angeregt wird. Das Kolophonium ist hier quasi der volle 9-V-Block.
Bauartbedingt kann immer nur eine Saite in Schwingung versetzt werden, die jeweils daneben liegenden Saiten werden als „Führungsschienen“ zweckentfremdet. Das hat aber den Vorteil, dass auch nur die gewünschte Saite schwingt und die Nachbarsaiten die Klappe halten.
Wer sich mit dem Gerät ein wenig beschäftigt und übt, kann auch schnellere Saitenwechsel vollziehen und sogar Arpeggios spielen – dazu später mehr. Der Joyo Infinite Sustainer (E-Bow ist ein eingetragenes Warenzeichen) verfügt über zwei Modi: Zum einen wird die Saite „normal“ zum Schwingen angeregt, zum anderen gibt es den Harmonic-Mode, der die Obertöne mit anregt.
Der Umgang mit dem Sustainer
Der Infinite Sustainer wird mit der rechten Hand über die Saiten geführt, wobei der Schalter laut Produktbeschreibung und -video Richtung Hals zeigt. Dass das nicht unbedingt richtig oder wichtig ist, zeigt das verlinkte Video von Josh Smith. Will man etwa die G-Saite zum Schwingen bringen, liegen die Vertiefungen des Joyo Infinite Sustainer auf der D- und der B-Saite.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Am einfachsten funktioniert der Sustainer mit eingeschaltetem Hals-Pickup. Durch Vor- und Zurückbewegung kann nun der Sweetspot ermittelt werden, an dem die Saite am schnellsten und besten schwingt. Das braucht ein wenig Übung, dann lassen sich mit dem Infinite Sustainer aber auch Volume-Swells erzeugen, indem man sich von hinten an den Sweetspot herantastet.
Jetzt kann natürlich mit dem Greiffinger der linken Hand nach Herzenslust auf der Saite umhergerutscht werden. Auch das Ziehen der Saiten ist bis zu einem gewissen Grad möglich.
Wer jetzt noch mit Reverb, Delay, Harmonizer, Granular-Effekten, Whammy, Looper und weiß der Geier was sonst noch für Effekte herumspielt, bekommt schnell wunderbare Ambient-Flächen oder verträumte Leadlines gezaubert. Hat man die Arbeitsweise des Infinite Sustainers verinnerlicht, kann man sich an Arpeggios wagen. Hierzu greift man mit der linken Hand einen Akkord und bewegt den Sustainer am Sweetspot vertikal über die Saiten. Dabei dürfen dann auch die benachbarten Saiten mitschwingen.
Die Praxis
Das Einsetzen der mitgelieferten (!) Batterie erfolgt, indem man den auf der Oberseite befindlichen Kunststoffdeckel öffnet und das Minikraftwerk einsetzt. Das war’s – los geht’s. Der kleine Schalter am Ende des Gehäuses erweckt den Infinite Sustainer zum Leben. Nach vorne geschoben befindet sich das Gerät im Normal-Modus, nach hinten im Harmonic-Modus, die Mittelstellung schaltet den Effekt aus.
Mit einem Clean-Sound und dem Pickup-Wahlschalter auf „Hals“ geht’s los, zum Einsatz kommt meine Ibanez AZ226. Mit der Suche des Sweetspots startet die Reise. Einmal gefunden, bekommt die linke Hand Arbeit und rutscht mehr oder weniger zielgerichtet hin und her. Das Heranschleichen an den Sweetspot ist die erste Übung. Hier hört man bereits sehr gut das violinenartige Verhalten. Dreht man den Tone-Regler an der Gitarre zu, verändert sich der Klang eher in Richtung Flöte.
Mit etwas Delay und Reverb bekommt der Ton gleich mehr Gewicht.
Mit ein wenig Gain vom Amp geht alles gleich leichter von der Hand. Die stehenden Töne bekommen zusätzliches Sustain vom Amp und die linke Hand hat nun etwas mehr Spielraum. Um den Ton klanglich anzureichern, habe ich Ambient-Sounds aus dem Scuffham S-Gear Plug-in verwendet, die von Artur Tadevosyan programmiert wurden.
































Hey
Ich hatte den letzten EBow vor mehreren Jahren in Hand. Deshalb hab ich ganz bewusst auf einen direkten Vergleich verzichtet. Aus der Erinnerung heraus würde ich aber sagen, dass der originale EBow etwas schneller anspricht dafür das Magnetfeld etwas weniger stark ausgeprägt ist. Aber ganz vage und ohne Gewähr 😅
Das klingt wirklich nach Spass. Sollte ja bestimmt auch mit einem Bass funktionieren.
@Woody Jopp, funzt 😎
https://youtu.be/2LpH_HEzvK0?si=-i7ZC7ahCjv43WNd
@Jan Steiger Ja, so hatte ich mir das vorgestellt 🙂 Danke.
@Jan Steiger In dem Video wird ja der E-Bow verwendet. Der Joyo ist, wenn ich das richtig erkenne, auf die Saitenabstände bei E-Gitarren optimiert.
@Mac Abre Diese beiden Saitenführungen hat der originale EBow aber auch. Da muss man dann das Teil einfach ein bisschen frei positionieren und die Hand ruhig halten. Ist wahrscheinlich einfach Gewöhnungssache.
@Jan Steiger Beim E-Bow sind die Saitenführungen aber nicht so ausgeprägt, weswegen ich vermute, das er auf dem Bass das geeignetere Gerät ist.
Sehr schöner Test!
Das Teil hatte ich auch schonmal im Warenkorb, war mir dann aber nicht sicher ob der original e-Bow signifikante Vorteile bietet (ist schließlich auch deutlich teurer).
Es gibt außerdem noch Sustainiac Pickups (zB in manchen Schecter Gitarren ab Werk verbaut).
Wie sind die im Vergleich in Klang und Spielweise?
Da hat man ja noch eine Hand mehr frei.
@Trichter Die Sustainiacs würden mich auch sehr interessieren.
Ich meine, mal ein Interview mit Robin Fink gesehen zu haben wo er darüber gesprochen hat.
Der Pickup regt halt alle Saiten gleichzeitig an. Ein Abdämpfen der „umbenötigten“ Saiten ist daher Pflicht. Empfiehlt sich aber auch beim Ebow.
Bei den Sustainiacs gibt es leider 2 Nachteile, die mich bisher von einem Einbau abgehalten haben.
An einer Position muss man deren Pickup verbauen und muss mit dessen Klang leben… wenn man ihn als Pickup und nicht als Sustainer verwendet.
Und beim Sustainer-Betrieb, ist man auf den anderen Pickup festgelegt.
Aussage vom Hersteller: Je größer die Distanz zw. Sustainer und Pickup, umso besser. Und je weiter der Sustainer von der Brücke weg ist, umso besser.
Darum findet man den meist auch in der Halsposition.
Mit dem Ebow kann man schön experimentieren… mit jeder Gitarre… in jeder Position.
Lustige Geschichte. Als ich, vor vielen Jahren, meinen Ebow bestellt hab, musste ich einige Monate darauf warten weil deren ganze Firma für länger Surfurlaub gemacht hat. (Deren Worte) Da hab ich dann gerne gewartet, auch wenns hart war😎
@zwiefelpunc Ich finde den cleanen Klang des Sustainiacs in Pickup Mode hervorragend.
IMHO einer der besten Pickups für die Halsposition, gefiel mir besser als mein
Lollar Charlie Christian!
my2c
@TCM Na schön. Auf dein Wort hin werde ich den mal probieren.
Aber wehe der kann meinem Billy Corgan Railhammer P90 nicht das Wasser reichen :-)
@zwiefelpunc Ich habe eine Gitarre mit Sustainiac am Hals und ein Kinsman P-90 HX an der Bridge.
Telestyle Gitarre.
Der Sustainiac ist clean der Hammer IMHO.
Hab ich mir so bauen lassen.
@TCM So richtig clean? Bei mir muss immer ein bisschen Dreck dabei sein. Egal, bin ja ohnehin vom Prinzip fasziniert und werde den sicher mal ausprobieren.
Weiß aber gerade nicht wo ich was rausnehmen könnte um Platz zu haben. Hab zwar eine LesPaul, wo mir die Pickups nicht gefallen. Aber da hab ich noch Skrupel an dem edlen Teil rumzuschrauben:-)
@Trichter Ich hatte vor längerem mal so‘n Schecter-Mopped zum Test. Da war einer drin, das macht schon echt Spaß 😎
https://www.amazona.de/test-schecter-c-1-fr-s-silver-mountain-e-gitarre/
@Jan Steiger So wie sich der Test liest, hat der Sustainer mit seinem eigenem Pickup doch gar nicht so schlecht funktioniert. Bilde mir ein wo gelesen zu haben, dass der Hersteller davon abrät.
Danke für den Test.
Mal schauen. Wenn mir mal einfällt wo ich den einbauen könnte, werde ich den wohl doch mal ausprobieren.
ich weiß, daß das nicht funktioniert, ich könnts mir aber wahrscheinlich nicht verkneifen, das mal an meiner freundin auszuprobieren😁
Moin zusammen!
Soweit ich weiß, hat Edge seine Parts nicht mit dem ebow eingespielt sondern mit einem Sustainiac Pickup. Evtl war das in der Entwicklungsphase des PUs. Auch Heroes ist ja anders entstanden. Da ich schon lange mit ebow spiele, habe ich mir eine Schecter im Tele Style mit Sustainiac PU gekauft. Das Spielen von Melodien mit dem ebow ist aber einfacher, weil er sehr viel Power hat und sofort da ist. Diese Sachen konnte ich mit dem Sustainiac nicht mehr so machen (ausser vielleicht vor einem übersteuerten 100W Amp). Schön ist, den PU für lange Töne einfach zuzuschalten. Und beide habe die Umschaltmöglichkeit für mehr Obertöne, was vor allem beim Ebow mega ist.
Was meint ihr – lässt sich das gute Teil auch mit einer akustischen Gitarre verwenden? Ich habe den LR Baggs Anthem Pro eingebaut, mit integriertem Kondensatormikrofon. Da müsste das doch auch in irgendeiner Weise anschlagen, oder?
@jeffvienna Nach meiner Erfahrung eher nicht. Zwar kenne ich Dein Einbauteil nicht, habe – mit dem Original E-Bow – jedoch bereits an der E-Gitarre festgestellt, dass sich praktisch nur verzerrte (bis hochverzerrte) Sounds eignen, um den Ton wirklich laut, lang und dick zu kriegen. Je mehr Zerre, desto voller und runder macht es der E-Bow zum unendlichen Ton. Schon bei Crunch ging das nicht mehr so richtig und im Klarklang (bei Clean Sounds) kam gar nichts.
Kann natürlich sein, dass ich mich dumm anstellte. Es ist länger her. Ich hatte jedoch den Eindruck gewonnen, dass der E-Bow auch irgendwie mit den Pickups interagiert, da es am Steg schneller und schneidiger kam als am Hals-PU (so wie über den Steg-PU auch Pinch Harmonics leichter zu bekommen sind, die ich allerdings mittlerweile auch mit Klarklängen schaffe, in verschiedenen Varianten).
An meiner Ovation hab ich es daher gar nicht probiert. Hatte das Gefühl, dass da gar nichts käme – und andererseits auch gar keinen Bedarf an akustischem Infinito-Sound, hihi.
Aber vielleicht tut es Dein Baggs Anthem? Ich würde es mit dem Joyo-Infinito einfach mal ausprobieren, und bei Unfunz lässt sich das Teil ja zurückschicken.
@Eibensang Ah ok, alles klar. Dann wohl eher nicht. Danke für dein ausführliches Feedback!