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Test: JZ Microphones BB29, Großmembran-Kondensatormikrofon

Gut klingende Handarbeit aus Lettland

5. Juli 2024
jz microphones bb29 signature series kondensatormikrofon

JZ Microphones BB29, Großmembran-Kondensatormikrofon

Obwohl bereits seit 17 Jahren am Markt vertreten, ist die Produktpalette des lettischen Herstellers JZ Microphones recht überschaubar, aber durchaus höherpreisig angesiedelt – „Klasse statt Masse“ scheint da die Devise zu sein. So ist es auch immer etwas ganz Besonderes, wenn man eines Mikrofone aus Riga hier im Test hat. Das JZ Microphones BB29 stammt aus der JZ Signature-Series, ein Großmembran-Kondensatormikrofon mit „Signature Sound and Intimate Presence“, wie der Hersteller verspricht. Dann schauen wir doch mal, was den Sound so unverkennbar macht und was es mit der intimen Präsenz auf sich hat.

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Über JZ Microphones

JZ Microphones wurde 2007 in Riga, Litauen, von Juris Zarins gegründet, daher die Kürzel JZ. Der hatte zuvor 20 Jahre lang an vielen erfolgreichen Mikrofonmodellen geforscht und gearbeitet (unter anderem für Blue Microphones und Violet Microphones), bis er zu dem Schluss kam: „Wenn man es richtig machen will, muss man es selber machen.“

Sein erklärtes Ziel ist es, „die physikalischen Einschränkungen bei der Übertragung des Klangs auf ihre Aufnahme zu verringern und dabei seine Komplexität und Schönheit unverändert zu lassen.“ Die Produktpalette von JZ Microphones umfasst aktuell die fünf Serien „Black Hole Series“ (BH1s, BH2, BH3) mit dem markanten Loch im Korpus, die „BT-Series“ (BT 202 Stereo Pair, Kleinmembran-Kondensatormikrofone), die „HH-Series“ (HH1 Dynamic Microphone), die „Vintage Series“ (Vintage 11, Vintage 12, Vintage 67) und die „Signature Series“ (BB29 Signature Series, The Amethyst). Die vor sieben Jahre begonnene „J-Budget-Serie“ (einziger Vertreter war das J1) hat JZ Microphones  mittlerweile wieder aus dem Angebot gestrichen. Budget passte wohl einfach nicht zu dem Unternehmen aus Riga.

Charakteristisch für die Black Hole-, Signature- und Vintage-Series ist die eckige Bauform der Mikrofone. Weshalb JZ Microphones dann auch die jeweils passenden Shock-Mounts als Zubehör anbietet. Eine weitere Besonderheit ist die selbstentwickelte „Golden Drop Capsule-Technologie“, auf die ich gleich noch näher eingehen werde. Die Mikrofone sind keine „China-Ware“, sondern werden in Riga handgefertigt.

JZ Microphones BB29

Die technischen Daten des BB29 Signature Series

Das BB29 Signature Series ist ein Großmembran-Kondensatormikrofon (Membrandurchmesser: 24 mm) mit der Richtcharakteristik Niere. Die Ausgangsimpedanz liegt bei üblichen schmalen 150 Ohm, das erlaubt auch längere Kabelwege ohne Klangbeeinträchtigung, was aber normalerweise im Heimstudio eher von untergeordneter Bedeutung ist. Den Frequenzbereich gibt der Hersteller mit 20 Hz bis 20 kHz an, den maximalen Grenzschalldruck mit guten 140 dB – das sollte für jeden Anwendungszweck ausreichen. Das Signal/Rausch-Verhältnis (SNR) liegt bei 86 dB-A, der Noise-Level bei sehr guten 9 dB-A.

Wie die meisten Mikrofone von JZ Microphones ist auch beim BB29 die Kapsel mit der Golden-Drop-Technologie gefertigt. Statt die Membran durchgehend mit Gold zu bedampfen, werden nur einzelne kleine Tropfen aufgebracht. Das macht die Membran leichter, wodurch sie wiederum schneller und besser schwingt. Das sorgt – laut JZ Microphones – für mehr Klarheit und Präzision und reduziert Verfärbungen und Verzerrungen. Das BB29 besitzt übrigens die gleiche Kapsel wie die Mikrofone der Black Holes Series, ist jedoch etwas anders abgestimmt. Außerdem hat das BB29 einen transformatorgekoppelten Ausgang. Beide gehören zwar laut Hersteller zu den moderner klingenden Mikrofonen, aber trotzdem unterscheiden sie sich stark in Bezug auf Klangfarbe, Charakteristik und harmonischen Inhalt.

JZ Microphones BB29

Was gehört zum Lieferumfang des JZ Microphones BB29?

Das BB29 gibt sich sparsam. Den weißen Karton mit den angegrauten Kanten ziert ein Hochglanzfoto des Mikrofons, dazu einige wenige Logos sowie Produkt- und Firmenname in Schwarz bzw. Gold. Das Mikrofon soll für sich sprechen. Und genauso sparsam geht es auch im Inneren der Verpackung weiter, die komplett mit Schaumstoff ausgekleidet ist, aus dem man das BB29 fast schon heraushebeln muss. So muss man sich um etwaige Beschädigungen beim Transport wahrlich keine Gedanken machen. Dazu gibt es eine kleine Pappkarte – bedruckt mit „Waranty Sheet“ auf der einen (5 Jahre Garantie) und einem Link/QR-Code zum Handbuch sowie Kontaktinfos auf der anderen Seite. Das war es auch schon. All die anderen kleinen Nützlich- und Nettigkeiten, die ich bei vielen  anderen Mikrofontests schon mit in der Verpackung gefunden habe, fehlen hier. Der passende Shock-Mount? Kostet 89,- Euro extra und auch nur der passt dann auch wegen der sehr speziellen Bauform des BB29.

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Kabel? Davon hat doch eh jeder schon genug im Studio. Transportbox? Macht 79,- Euro für eine hochwertige Holzbox, die es (zumindest früher) beim Black Hole BH-2 und dem BT-201 noch kostenlos obendrauf gab. Windschutz oder Pop-Filter: Entweder einen vorhandenen nutzen oder für 129,- Euro im JZ Microphones-Shop kaufen (Pop-Filter). Nein, das sind jetzt keine Punkte für eine Negativliste, aber irgendeine zusätzliche Kleinigkeit wäre doch schon irgendwie nett gewesen.

JZ Microphones BB29

Gehäuse, Verarbeitung und Anschlüsse des BB29 Mikrofons

Das BB29 ist mit seiner eigenwilligen, charakteristischen JZ-Bauform schon ein echter Eyecatcher (für die älteren Leser: ein „Hingucker“). Ungewöhnlich ist der dunkelgraue, rechteckige und langgestreckte Korpus mit seiner rauen, kratzfesten  Oberfläche, der das Design dominiert. Auf der Vorderseite, wie mit der Feder gemalt, in Silber die JZ-Initialen, auf der Rückseite der dezente Hinweis „BB 29 – JZ Microphones – Latvia“. An den Seiten sind jeweils oben und unten zwei verchromte Rollen angebracht, wodurch das eckige Gehäuse auf den ersten Blick ein wenig an ein Hightech-Spielzeugauto erinnert. Besagte Rollen sind aber nicht zum Fahren gedacht, sondern dienen als Aufhängung für die oben erwähnte optionale Spinne.

Auf der Unterseite befindet sich die die XLR-Anschlussbuchse sowie ein Stativgewinde, beides ebenfalls verchromt. Bis hierhin erinnert das BB29 schwer an das JZ Microphones „The Amethyst“, auch wenn hier der rechteckige Korpus ein ganzes Stück länger ausgefallen ist. Während beim Amethyst die Kapsel aber in einem aufgesetzten, weiteren eckigen Gehäuse befindet, schließ sich beim BB29 der stabile schwarzlackierte Korb direkt an den Korpus an. Der Korb führt die eckige Bauform ansatzweise weiter fort, ist allerdings an den Seiten und vor allem am oberen Ende abgerundet. Obwohl er sehr solide wirkt, ist das Gitter grobmaschig genug, um deutlich die Kapsel sehen zu können.

JZ Microphones BB29

Das Mikrofongehäuse ist verschraubt, könnte also geöffnet werden. Auch die Rollen für die Spinnen sind an das Gehäuse geschraubt und können abgenommen werden. Beides aber habe ich (natürlich) nicht versucht, ich will ja beim Testmuster am Ende nicht noch Kratzer hinterlassen. Die Verarbeitung ist einwandfrei, es gibt keine Unsauberkeiten, Grate, Kratzer oder unsaubere Lackierungen.

Mit einem Gewicht von 330 g gehört das BB29 nicht unbedingt zu den absoluten Leichtgewichten, liegt aber trotzdem nicht so schwer in der Hand wie andere Mikrofone in vergleichbarer Gewichtsklasse. Das liegt daran, dass sich beim BB29 die 330 g auf ein mit 205 x 63 x 30 mm größeres, schlankeres Gehäuse verteilen. So wirkt das JZ Microphones dann nicht so kompakt und wuchtig, sondern eher elegant.

JZ Microphones BB29

Das JZ Microphones BB29 im Tonstudio

Da zu unserem Testmuster leider keine Spinne mitgeliefert wurde, habe ich das BB29 zum Testen zum einen über das Stativgewinde auf einem Tischstativ befestigt. Geht ja auch, nur ist es dann halt nicht von der Umgebung entkoppelt, auch kann man die Mikrofonposition nicht so gut und den Winkel gar nicht einstellen. Zum anderen habe ich es auch – für eine besser anpassbare Position und zur besseren Entkopplung – kopfüber in einen Rode PSA-1 Tisch-Mikrofonarm  geschraubt. Der sich allerdings erst ab einem Mikrofongewicht von 700 g wohlfühlt und deshalb mit dem BB29 erst einmal wie ein Katapult nach oben schnellte. Zusammen mit dem Popschutz Gravity MA Pop 1 (der selber 500 g auf die Waage bringt) ging es dann aber. Alles aber nur Behelfslösungen, auf Dauer kommt man aber wohl nicht um die Anschaffung des BB29 Shock-Mounts herum, das sollte man gleich mit einkalkulieren.

JZ Microphones BB29

Bei der klanglichen Einordnung des BB29 sortiert JZ Microphones seine Mikrofone von Dark über Neutral bis Bright, wobei die Vintage-Vertreter (V11, V47 und V67) auf der dunklen Seite des Klangs beheimatet sind, während das BB29 der „brighteste“ Vertreter ist. Das bestätigt auch der Blick auf das Frequenzdiagramm: Eine Absenkung bei 20 Hz mit einem Anstieg bis zur Null-Linie bei 50 Hz, danach ein fast linearer Verlauf bis 2 kHz, anschließend ein weiterer Anstieg bis 14 kHz, zurück zur Null bei 18 kHz und erst dann eine leichte Absenkung bis 20 kHz. Mitten und Höhen sind also betont. Wie wirkt sich das auf den Klang aus? Hat der noch ausreichend Wärme oder sind die Höhen zu überbetont? Ich bin gespannt. Der Hersteller schreibt jedenfalls von einem „kristallklaren und transparenten Klang ohne Härte“, der den „Track in den Vordergrund jeden Mixes bringt.“ Dieser charakteristische Klang biete „angenehme Mitten, luftige Höhen und eine intime Präsenz“. Empfohlen wird das BB29 für Vocals, Acoustic Guitar, Drums, Grand Piano „or any other instrument that needs to cut through the mix”. Drums habe ich leider keine da und mein Klavier steht eine Etage tiefer, weit weg vom Studio, aber mit Stimme und Gitarre kann ich im Test dienen. Das BB29 bekommt von mir im Audiointerface +40 dB, damit liegt es in etwa auf dem Niveau meiner sonst eingesetzten Mikrofone (vornehmlich von Rode und AKG). Für den Sprachtest habe ich zwei Sätze aus einer unserer News eingelesen.

Aus etwa 10 cm Entfernung klingt die Aufnahme angenehm luftig und sauber aufgelöst, ohne es aber an Wärme vermissen zu lassen. Die unteren Mitten sind leicht betont, die angehobenen Höhen wirken nicht zu dominant, sondern sorgen für Klarheit und Durchsetzungsvermögen, aber nicht der schrilleren Art, sondern mehr in Richtung „Vintage-samtig“.

Damit erinnert mich der Sound sehr an den meines alten AKG C3000, das noch aus der Produktreihe mit der umstellbaren Charakteristik (Kugel/Niere) stammt. Der Frequenzgang ist da fast eine Kopie des BB29-Frequenzganges. Die Höhen scheinen mir hier noch etwas präsenter zu sein, wodurch der Klang aber vielleicht nicht ganz so ausgewogen scheint.

Hier noch zwei weitere meiner Mikrofone zum direkten Klangvergleich:

Aber zurück zum JZ Microphones BB29. Wie sieht es da mit dem Nahbesprechungseffekt aus? Um das herauszufinden, rücke ich dem BB29 noch etwas mehr auf die Pelle (ca. 5 cm Entfernung). Tatsächlich gewinnt der Klang hier in den Bässen, ohne übermäßig viel an Transparenz zu verlieren. Das BB29 kann also auch Nahdistanz.

Zum Schluss noch zwei Versuche mit akustischen Instrumenten. Auch hier beweist das BB29 seine Klasse, klingen doch sowohl Gitarre als auch Ukulele schön durchsichtig und sauber aufgelöst (und wahrscheinlich auch noch besser, wenn ich die richtig spielen könnte).

Natürlich ist das Ergebnis eines Mikrofon-Klangtests zum einen immer auch abhängig vom eingesetzten Preamp, zum anderen aber besonders auch von der Stimme bzw. dem Instrument, die/das zum Testen eingesetzt werden. Nicht jedes Mikrofon passt perfekt zu jeder Stimme, weshalb man dann ja auch am besten stets mehrere Mikrofone zur Auswahl im Studio haben sollte. Insofern kann dieser Praxistest zwar einen Hinweis geben, in welche Richtung es ungefähr geht, doch könnte das Ergebnis bei einem anderen Testaufbau aber abweichen und etwas anderes ausfallen. Aber das ist vermutlich ohnehin jedem klar.

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Fazit

Das JZ Microphones BB29 erweist sich im Test als recht vielseitig einsetzbares Mikrofon, das nichts beschönigt oder hervorhebt und mit einem transparenten, ausgewogenem und rauschfreien Klang zu überzeugen weiß. Auch die stabile Verarbeitung und das ansprechende, eigenwillige Design des Mikrofons fließen als Pluspunkte in die Bewertung ein. Den auf den Produktseite angegebenen UVP von 1.179,18 Euro finde ich zwar – trotz aller Pluspunkte und der Tatsache, dass das BB29 in Europa von Hand hergestellt wird – etwas sehr ambitioniert, im Handel ist das Mikrofon aber zum Teil deutlich günstiger zu haben. Und dafür kann ich das JZ Microphones BB29 dann bedenkenlos empfehlen.

Plus

  • guter transparenter Klang
  • vielseitig einsetzbar
  • stabile, saubere Verarbeitung
  • schönes Design
  • 5 Jahre Garantie
  • Made in Europe

Minus

  • passender Shock-Mount kostet extra

Preis

  • 589,- Euro
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