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Test: JZ Microphones J1 MKII, Großmembran Mikrofon

24. Juli 2017

Budget oder Bombe?

Juris Zarins und sein Team bauen nun schon seit 10 Jahren unter dem Label JZ Microphones handgearbeitete Mikrofone in der lettischen Hauptstadt Riga. Zwei seiner Schätzchen, das Großmembranmikro BH-2 und das Kleinkondenser BT-201 durfte ich schon vor einiger Zeit meiner Testroutine unterziehen und war recht angetan. Das BH-2 durfte direkt bei mir einziehen, ein Paar BT-201/3 mit drei Wechselkapseln folgte später. Inzwischen hat JZ die Produktpalette ausgeweitet und bietet unter anderem mit dem schlichten Namen „J“ eine Budget-Serie an. Bisher einziges Mitglied der Serie ist das J1, das nun in der Version MKII vorliegt. Das JZ Microphones J1 MKII im Test.

Das JZ Mikrophones J1

Lieferumfang und Verarbeitung

Was Budget bei JZ bedeutet, wird direkt beim Auspacken deutlich. Keine edle Holzschatulle, keine von Hand ausgefüllte Garantieurkunde, keine aufgedruckte Seriennummer auf dem Mikro. Die befindet sich aber auf dem Transportkarton, auch das J1 erhält die bei JZ übliche 5 Jahre Garantie. Eine Bedienungsanleitung musste einem schlichten Aufkleber mit den wichtigsten Daten weichen.

Nicht gespart wurde an der Verarbeitung. Das Mikro ist sauber gefertigt, die matte Lackierung in aubergine und grau ist richtig edel. Etwas rustikal wirkt das zweilagige Einsprechgitter. Optisch orientiert sich der Mikrofonbody stark an der Vintage-Serie aus eigenem Hause.

Das J1 von hinten

Übrigens geht Juris Zarins für sein günstiges Angebot nicht wie viele Konkurrenzfirmen den Weg nach Asien. Das JZ Microphones J1 MKII wird ebenso wie die teureren Serien konsequent von Hand im Stammwerk in Riga gefertigt.

Mitgeliefert wird eine originelle Mikrofonbefestigung, die Gummi-gepuffert mit zwei Schrauben unten am Body befestigt wird.

Die originelle Mikrohalterung

Technische Daten

Das JZ Microphones J1 MKII ist ein Electret Kondensator Mikrofon mit einer 21 mm Kapsel in Nierencharakteristik. Damit würde ich das Mikro nicht unbedingt als Großmembran katalogisieren, sondern es den Mittelmembranen zuordnen.

Der Frequenzgang liegt bei 20 Hz bis 20 kHz, mit einem max. SPL von 134 dB ist das Mikro auch für lautere Aufgaben gewappnet. Schaltfunktionen für Pad und Low Cut bietet das J1 nicht an.

Die Ausgangsimpedanz liegt bei 50 Ohm, die S/N-Ratio A-gewichtet bei 88 dB-A. Außergewöhnlich niedrig ist mit 6 dB-A das A-gewichtete Rauschverhalten angegeben.

Die Daten entsprechen dem ursprünglichen J1. Es scheint, dass die MKII nur optische Retuschen erfahren hat. Die Farbgebung hat sich geändert und das Einsprechgitter hat seitliche Stützstreben erhalten.

Das originale J1 in Babyblau

Soundcheck

Da ich dabei ja immer gerne mit Vergleichsmikros arbeite, liegt es natürlich nahe, das JZ BH-2 dafür heranzuziehen.

J1 und BH-2 „Black Hole“

Nach dem Einpegeln, bei dem beide Mikrofone den gleichen Gain-Pegel benötigen, fällt zunächst das Rauschverhalten auf. Beide Mikrofone sind mit 6 dB-A angegeben und tatsächlich erreicht auch das günstige J1 dasselbe niedrige Rauschen wie das deutlich teurere BH-2.

Klanglich ist das J1 eher dunkel abgestimmt. Bei Sprache treten sehr schön die kompakten unteren Mitten zutage, die einer Erzählstimme die nötige Intimität geben. Das wird durch den Nahbesprecheffekt, der nicht zu ausgeprägt ist und somit auch nicht zum Mulmen neigt, unterstützt. In den Höhen gibt sich das Mikro eher zurückhaltend. Das macht sich beim Gesang bemerkbar, hier öffnet sich die Stimme einfach nicht richtig. Das mag für Western Gegrummel à la Johnny Cash noch angehen, für eine moderne Gesangsperformance ist das J1 allerdings nur schwerlich geeignet. Hier bietet das BH-2 eine deutlich bessere Ausgangsbasis, die Höhen zwar nie überzogen, aber schön vorhanden, die Mitten allerdings etwas schlanker.

Mit seiner Charakteristik erinnert das JZ Microphones J1 MKII ein wenig an ein Bändchenmikrofon, also wird flugs das BH-2 gegen das AT4080 von Audio Technica ausgetauscht, ein Bändchen der gehobenen Preisklasse.

Das JZ Microphones J1 und das Audio Technika AT4080

Leider kann sich auch da das J1 nicht richtig durchsetzen. Das Bändchen klingt doch deutlich homogener. So bleibt das J1 zunächst einmal ein Mikrofon mit einem eingeschränkten Höhenbereich. Das versuche ich nun mit Klangbearbeitung auszugleichen. Darauf spricht die Gesangsspur recht gut an, nun geht aber das bisher sehr gute Rauschverhalten in die Knie.

Es gibt ja aber nicht nur Stimme, also darf sich der Testproband nun an Instrumenten bewähren. Dafür wird nun die Akustikgitarre ausgepackt.

An dieser Stelle des Tests passiert leider ein kleines Malheur. Die Mikroklemme hält die Position nicht mehr, also muss die Schraube des Gelenks nachgezogen werden. Der U-Bügel der Mikrohalterung ist zwar aus Metall, die Verbindung zum Mikroständer ist aber Plastik und das bricht nun. Der Rest des Tests wird also richtig oldschool mit hängendem Mikro absolviert.

Dann eben so

Durch die ungewöhnliche Form des Mikros passt hier leider auch keine Universalspinne wie die Rycote USM, die ich für meine AKG C414 benutze.

Nun aber wieder zurück zu den Klangeindrücken. An der Akustik gefällt mir das J1 richtig gut. Und zwar bei der 1-Mikro Abnahme in Höhe des 15. Bundes. Hier liefert das J1 ein sehr ausgeglichenes Klangbild. Straffe Tiefmitten, deutliche, klangbildende obere Mitten, die Höhen zwar weiterhin etwas unterrepräsentiert, aber mit schöner Artikulation. Bei der Gitarrenabnahme mit zwei Mikros wird das J1 in die Nähe des Stegs gepackt. Hier finde ich es nicht optimal, zu stark werden die Bässe und tiefe Mitten betont. Da kein Low Cut verfügbar ist, kann das auch nicht direkt ausgeglichen werden.

Mit seiner vorgegebenen Soundcharakteristik sollte das Mikro doch auch ganz gut vor einer E-Gitarren Box funktionieren? Ja, das klingt wirklich ganz hervorragend, guter Druck und eine klare Ansprache. Mit seinem max. SPL von 134 dB darf das Mikro auch gerne vor einer richtig lauten Box stehen.

Gerne nutze ich auch am Drumset für die Hi-Hat ein Mikro, das nicht zu höhenlastig ist. Ich probiere das mit meiner kleinen 8“ Hi-Hit meines Percussionsets.

Großes Mikro an kleiner Hi-Hat

Auch hier ist das J1 gut aufgehoben und bildet die Doppelbecken schön plastisch ab. Die Ansprache ist sehr direkt, die Transienten sprechen schnell und sauber an. Nicht ganz so passend ist hier natürlich der erweiterte Tieftonbereich, der muss nach der Aufnahme entsprechend gefiltert werden. Auch mit einem Stereopaar als Overhead-Mikros dürfte man mit dem J1 gut bedient sein, hier dürften sich die Tiefmitten wieder auszahlen, sollte das gesamte Drumset rudimentär mit OH plus Kickdrum abgenommen werden.

Als weiteren Percussiontest nehme ich gern einen Shaker zur Hand. Hier bildet das Mikro ebenfalls schön und weich ab, ohne seine Direktheit zu verlieren. Ein zum Vergleich angeschlossenes Audio Technica AT4040, ein bekannt höhenreiches Mikro, klingt durch die etwas spitze Artikulation da deutlich anstrengender.

Fazit

Das JZ Microphones J1 MKII ist definitiv kein Allrounder für das heimische Studio, stellt aber zum günstigen Kurs eine Bereicherung des bestehenden Fuhrparks dar.

Während für Gesang wohl eher seltener die Wahl auf das J1 fällt, kann es als Broadcast- und Sprachmikro durchaus überzeugen.

Auch bei vielen Instrumentalaufnahmen leistet es gute Dienste. Vor allem bei höhenlastigen Instrumenten kann es gut regulierend eingreifen. Sehr schön wird auch der untere Mittenbereich unterstützt, womit ordentlich Druck erzeugt wird.

Die Optik ist außergewöhnlich, die Verarbeitung „Made In Latvia“ ausgesprochen gut.

Plus

  • eigenständiger Sound
  • sehr gute technische Werte
  • gute Optik und Verarbeitung
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • 5 Jahre Garantie

Minus

  • für manche Anwendungen zu höhenbedämpft
  • Mikroklemme gerissen

Preis

  • Ladenpreis: 329,- Euro
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